Paula Böndels „Der lange Blick zurück“ analysiert die Werke von Maeve Brennan

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Besprochene Bücher / Literaturhinweise

Maeve Brennan, eine irisch-amerikanische Schriftstellerin, die heute zu den bedeutendsten Sprachkünstlerinnen des 20. Jahrhunderts gezählt wird, war lange Zeit fast vollständig in Vergessenheit geraten. 1917 in Irland geboren, wanderte sie 1934 mit ihrer Familie in die Vereinigten Staaten aus.

Als Stilikone und gefeierte Autorin in den amerikanischen Literaturkreisen ihrer Zeit schrieb sie Kurzgeschichten, autobiografische Prosastücke, Kolumnen und Buchbesprechungen für The New Yorker. Zum Zeitpunkt ihres Todes im Jahr 1993 war sie jedoch nach Jahren psychischer Labilität und zeitweiliger Obdachlosigkeit längst von der literarischen Bühne verschwunden. Erst mit der posthumen Veröffentlichung des Erzählbandes The Springs of Affection. Stories of Dublin im Jahr 1997 begann die Wiederentdeckung ihres Werkes, das inzwischen von Kritikern als Weltliteratur eingestuft wird. Im Jahr 2000 erschienen The Rose Garden. Short Stories sowie The Visitor, Maeve Brennans früheste literarische, bis dahin völlig unbekannte Arbeit, die Mitte der vierziger Jahre entstanden war, als sie noch bei Harper’s Bazaar arbeitete. Das Interesse an Maeve Brennans Werk ist in den letzten Jahren deutlich gewachsen, und dank des vom Steidl Verlag in der Übersetzung von Hans-Christian Oeser herausgegebenen Gesamtwerks gilt dies auch für die deutschsprachige Leserschaft. Allerdings scheint der ergreifende Lebensweg der Autorin häufig das Erste zu sein, was mit ihrem Namen assoziiert wird.

So aufschlussreich die biografisch orientierte Forschung auch sein mag, so birgt sie die Gefahr, dass die Rezeption des Werks in hohem Maße von biografischen Fakten geprägt und damit der Blick auf die tieferen Schichten des Erzählten verstellt wird. Ziel dieses Buches, „Der lange Blick zurück“. Maeve Brennan: Eine Werkanalyse von Paula Böndel, ist es, Brennans Œuvre ganz besonders der deutschsprachigen Leserschaft näherzubringen, indem die sehr unterschiedlichen Textsammlungen unter verschiedenen thematischen Gesichtspunkten aufgeschlüsselt und einer umfassenden Analyse unterzogen werden. So kann nicht nur die Vielschichtigkeit von Brennans immer noch vernachlässigtem Werk, sondern auch das Verbindende hinter der anscheinenden Disparatheit der einzelnen Veröffentlichungen sichtbar gemacht werden. Brennans Werke verweben sich zu einem Gesamtwerk, das ungeachtet der zum Teil offensichtlichen Bezüge zu ihrem Leben das Konkrete des Erlebten überschreitet und zum Spiegel archetypischer Vorgänge wird. 

 

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Paula Böndel: „Der lange Blick zurück“. Maeve Brennan. Eine Werkanalyse.
WVT Wissenschaftlicher Verlag Trier, Trier 2026.
160 Seiten, 27,50 EUR.
ISBN-13: 9783989401051

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