My own private Fotoalbum

Sebastian Hesses „Jenseits der Sterne. Neue Fotografien aus Amerika“ langweilt mit Gymnasiallehrerbildern, während Stephen Shore und Jacob Holdt mit ihren USA-Fotografien aus den 1970er-Jahren unter die Oberfläche blicken

Von Marion MalinowskiRSS-Newsfeed neuer Artikel von Marion Malinowski

Besprochene Bücher / Literaturhinweise

Wenn einer eine Reise tut, dann hat er meist eine Fotokamera dabei. Sebastian Hesse war zwischen 2000 und 2005 ARD-Korrespondent in den USA, für den Hörfunk. Vielleicht ist ihm dieses Medium zu flüchtig. Er belegte einen Fotografiekurs in New York und veröffentlichte nach seiner Rückkehr ein Fotobuch, „Jenseits der Sterne. Amerika unter Bush“. Einer seiner Lehrer verfasste ein nettes Vorwort, in dem er seinen Schüler als „neugierig, freundlich, warmherzig, großzügig“ beschreibt und ein Selbstporträt am Ende des kleinen Bands bestätigt diesen Eindruck. Ein sympathisch lächelnder Hesse im praktischen Freizeitlook steht am Ufer des Hudson River in New York, 2001, die Skyline im Rücken. Verschwommen, aber unverkennbar stehen die Türme des World Trade Centers noch. Der Titel des Buchs bezieht sich auf ein denkwürdiges Zitat des Präsidenten im Januar 2005: „Wir haben eine Berufung von Jenseits der Sterne für Freiheit einzutreten, und Amerika wird diesem Auftrag immer treu bleiben.“

Der öffentlich-rechtliche Mitarbeiter macht sich auf, das Amerika „under Bush“ dem „alten Europa“ zu zeigen, stets der Vielfalt verpflichtet, und heraus kommt ein Bilderreigen, der mehr über den europäischen Fotografen verrät als über sein Sujet. Die Kapitel heißen 11. September 2001, Glaube, Kristallgrenze (die Grenze zu Mexiko), Zeitkapsel. Ganz am Anfang steht die Aufnahme eines Plakats. Zu sehen ist ein griesgrämiger Osama Bin Laden, den Kopf im Schnabel eines Weißkopfseeadlers. Da standen die Türme also nicht mehr.

Im Folgenden wird aufgeklärt, was Sebastian Hesse so erlebt und beobachtet hat. Er war Gottesdienstteilnehmer in einer schwarzen Gemeinde, beeindruckt von der herzlichen Aufnahme schießt er einige Fotos der Kirchgänger im Sonntagsstaat. Dazu ist ein erläuternder Text abgedruckt, der erzählt, wie es so zuging und wie der Autor sich fühlte als einziger weißer Teilnehmer. Das herausgeputzte kleine Mädchen mit US-Flagge fehlt ebensowenig wie der schwarze Sportler, der von einem großen, natürlich schwarzen Hund bedrohlich angekläfft wird. Die Blondine hinter dem Verkaufstresen irgendeines gottverlassenen Kaffs im Nirgendwo verkauft Waffen. Menschen mit „Migrationshintergrund“, Szenen an der Grenze zu Mexiko, Motorradrocker am Mount Rushmore, Werbeschilder, Autowracks, der Ku-Klux-Klan und fanatische Abtreibungsgegner, Friseurläden und Tankstellendiners im unveränderten Style der 1960er-Jahre – nichts fehlt, was sich ein deutscher Europäer so vorstellen kann, wenn er an die USA denkt. Tankstellen, die Freedom heißen, und dazu Fahnen, Fahnen, Fahnen, Paraden und Feuerwehrmänner und exzentrische Senioren mit Schoßhündchen.

Sehr gelungen ist die Gestaltung des Buches mit dem Wechsel von leeren weißen Flächen und Seiten, angeschnittenen oder kleinformatiger reproduzierten Fotografien. Die Motive wiederum sind pädagogisch, um nicht zu sagen: sehr durchschaubar arrangiert – auf der linken Seite etwa die Freedom-Tankstelle, auf der rechten Fahnenträger am Memorial Day. Auf der linken Seite Republikaner in weißen Cowboyhüten, auf der rechten verhüllte Frauen, so dass jeder Schüler eine Interpretation anfertigen kann. Natürlich ist alles schwarz-weiß.

Hehre Absichten prägen jede Doppelseite und werden so zum Grundproblem des Buchs. Überdeutlich, damit es auch ja jeder versteht, zeigt Hesse seine Amerikas, die man so schon anderswo gesehen hat. Selbstverständlich sei auch eine Traditionslinie zu den Arbeiten Robert Franks erkennbar, schließlich reist auch Hesse durch die USA und fotografiert „Die Amerikaner“. Der Journalist macht journalistische Fotos, die gut einen Artikel bebildern könnten, sonderlich bemerkenswert oder gar künstlerisch sind sie aber nicht, nur weil der Fotograf auch mal in die Knie geht und ein bisschen komponiert. Und angesichts des aufklärerischen Anspruchs ist man aufgrund der Auswahl der Themen und Porträtierten doch enttäuscht. „Wir glauben nicht, dass irgendjemand schwul zur Welt kommt“, wird Pastor Jerry Johnston zitiert. Ein kurzer Text mit knappen Hintergrundinfos zur Grenze USA-Mexiko klärt auf, das kritische Bewusstsein bleibt stets präsent und auf touristische Sehenswürdigkeiten wird weitestgehend verzichtet – Hesse war nicht nur in New York, sondern auch auf dem Land zwischen den Metropolen unterwegs. Demnach kann er nur das „echte“, pardon, „die“ echten Amerikas gefunden und erfahren haben, denn schließlich informiert er, wie es ihm im Friseurladen erging. Der gebildete, möglichst vorurteilsfreie Korrespondent ist unterwegs, in Washington, in Texas oder Arizona, in South Dakota, in Kansas, im einstigen „Wilden Westen“, der ihm so ungewohnt erscheint. Dabei entdeckt er viele verschiedene Kulturen, unterstützt von seiner geduldigen „Sparringspartnerin“, die unsichtbar im Hintergrund wirkt und dafür selbstverständlich in der Danksagung verewigt wird.

Sehr oft gibt es lange diagonale Linien in den Fotos, der Standpunkt des Fotografen befindet sich meist schräg zu den Objekten. Nicht zu vergessen die Weitwinkel-Perspektive, 28 mm, was wohl den entfernten Blick von außen unterstreichen soll, die zweifelnde, fragende Haltung des Fotografen. Dass „Amerika nicht gleich Amerika“ ist, „ein riesiger Quilt, der sich aus den unterschiedlichsten Stoffen zusammensetzt“, wie Eva Male im einleitenden Essay schreibt, wusste man aber auch schon ohne diese Bilder. Leben in den USA sei weder Seifenoper noch Actionfilm, wird man belehrt, aber Freiheit sei wichtig, wie im „Pyjama“ könne man sich fühlen, während man in Europa doch im „Korsett“ stecke. Mal wieder ist zu lesen, wer viel fährt, fahren muss, weil die Distanzen so groß sind, sei automatisch flexibler, vor allem auch geistig, um dies im nächsten Absatz politisch korrekt wieder einzuschränken, denn natürlich gebe es auch engstirnigere Amerikaner. Dies ist der Tenor des ganzen Büchleins, ein bemühter Seitenblick auf die Dinge von einem Fotografen, der sich nicht festlegen, objektiv sein will, gleichzeitig doch irgendwie eine Botschaft, Sendungsbewusstsein, wahrscheinlich sogar eine Meinung hat, sowohl als auch, und dadurch seinen Gegenstand nicht trifft. Einerseits. Andererseits, um dieses Prinzip aufzugreifen, hätte das Buch am Ende doch seinen Zweck erfüllt, indem es zeigt, wie ein Europäer Amerika sieht, in dem Glauben Amerika zu zeigen und damit gegen Klischees anzufotografieren, die ungewollt durch eben diese Fotos doch wieder untermauert werden. Auf dieser Basis bietet der Band Diskussionsstoff für den Englischunterricht, nur ist das Thema „USA“, unter welchem Präsidenten auch immer, vielleicht einfach ein bisschen zu umfangreich.

Letztendlich bleibe nur „die Besinnung auf jenes bereits zitierte ‚zeitlose‘ Amerika, das uns in all seinen Extremen so unverständlich ist – und wohl bleiben wird“. Der Verleger des Büchleins, KD Wolff, wird dies nach der Einreiseverweigerung durch die USA Ende September sicher bejahen. Doch damit kann sich der interessierte Bildungsbürger selbstgewiss zurücklehnen und diese für ihn gemachten Fotos betrachten, auf denen nichts irritiert. Vielmehr sind sie eine Bestätigung dessen, was man schon zu wissen glaubt im Bewusstsein eigener Reflektiertheit. Diese „sehr persönlichen Aufnahmen“ eines Auslandsaufenthalts passen besser ins private Familienalbum oder allenfalls ins Programm der Bundeszentrale für politische Bildung. Das Buch ist einfach zu gut gemeint.

Flamenco auf der Plastikgitarre

Ganz anders war Jacob Holdt in den 1970er-Jahren unterwegs. Der Däne kam 1970 von Kanada in die USA, um nach Südamerika durchzureisen, angeblich wollte er sich der Guerilla anschließen. Radikale Ambitionen hatte der 23-Jährige demnach und konsequent, wie er wohl bis heute ist, änderte er seine Pläne radikal, als er das Elend sah, durch das er trampte. Man könnte auch sagen, es ergab sich einfach irgendwie. In den folgenden fünf Jahren reiste Holdt weder im Pyjama noch im Korsett, sondern sozusagen nackt durch das Land der Freiheit. Als personifizierte Unvoreingenommenheit wandelte er durch Gegenden, in die sich ein „vernünftiger“ Mensch nie hineingetraut hätte. Mit uneingeschränkter Offenheit für jeden und ohne Geld lernte er vor allem Afroamerikaner am untersten Rand der Gesellschaft kennen, aber auch Mitglieder der sogenannten High Society nahmen ihn ab und zu mit. Der junge Schulabbrecher ohne Ausbildung hatte kein Geld; was ihm fehlte, nahm er von anderen an oder auch einfach mal so mit, durch Blutspenden finanzierte er die Filme für seinen Fotoapparat. Seine Eltern, ein Pastorenehepaar, hatten ihm eine einfache Kamera aus Dänemark geschickt, weil sie nicht glauben konnten, was er in Briefen von der Armut und Verwahrlosung vor allem der Afroamerikaner berichtete. So fand Jacob Holdt seine Lebensaufgabe: ohne Leica oder sonstige mythologisch verklärte Fotoapparat porträtierte er mit einfachster Technik die Menschen, die er kennenlernte, ihre Wohnungen und ihre Lebensweise und nutzt die Bilder bis heute, um gegen Rassismus und soziale Missstände zu predigen – auf seine Art.

Holdt benutzte die Kamera wie ein Virtuose, der „Flamenco auf der Plastikgitarre“ spielt, wie Christoph Ribbat sehr anschaulich in seinem instruktiven Nachwort schreibt. Mit feurigem Engagement schoss er Bilder, die von einem untrüglichen Gespür für Farben und Situationen zeugen. Jedes Bild zeigt den Kreislauf aus Armut und Gewalt, Reichtum und Rassismus, schrille Gegensätze schockieren den Betrachter. Aber nicht Voyeurismus zeichnet diese Aufnahmen aus, es ist die Nähe und Intimität, die hier große Kunst entstehen lässt.

Das 2007 im Steidl Verlag erschienene Buch „United States 1970-1975“ enthält eine Zusammenstellung von Fotos, die teilweise schon 1977 in Holdts erfolgreicher Erstveröffentlichung „Pictures of America“ erschienen sind. Die Neuausgabe ist modernen Sehgewohnheiten, Vorstellungen von „anspruchsvoller“ Kunst und sicher auch der Verkaufsförderung angepasst: Viel Weiß, viel Klarheit, nur ein Bild auf einer rechten Seite. Eine hübsche Rothaarige dient als Blickfang auf dem Cover, die schwarzen Kumpels hingegen schaffen es nur auf die Rückseite. Dabei enthält das Buch vor allem Aufnahmen des Elends in schwarzen Armenvierteln. Dazwischen findet sich die weiße Idealfamilie, Vater, Mutter, Sohn und Tochter, alle sitzen nebeneinander aufgereiht auf dem Sofa im Living Room und präsentieren lächelnd ihr Waffenarsenal. Oder ein Kleinkind wird unter dem blitzenden Kronleuchter gewickelt, und die ältlichen Kaffeekränzchendamen auf der strahlend weiß gestrichenen Veranda eines Plantagenbesitzeranwesens wenden sich zum Gehen. Enorme Gegensätze werden hier sichtbar, gleichzeitig steht jedes Foto auch für sich allein.

Holdts Aufnahmen verstören. Stets taucht die berechtigte Frage auf, ob er seine Protagonisten nicht benutze, zumal sein Buch ihm bis heute den Lebensunterhalt sichert. Aber er ist keiner, der einfach nur die Kamera draufhält. Mit vielen seiner Gastgeber hielt er über die Jahrzehnte Kontakt, im Anhang der Steidl-Ausgabe finden sich zu fast jedem Foto nähere Hinweise, in welcher Situation das Foto entstand, wer darauf zu sehen ist und was mit ihm passierte. Postmoderne Abgeklärtheit, grundiert mit Ironie, ist seine Sache nicht – stattdessen ist auf fast jedem Foto ein Mensch zu sehen, teilweise in intimsten Situationen. Holdt blieb nie ein Gast von außen, sondern fotografiert mit Empathie wirklich aus der Nähe, und bei aller Spontaneität sind seine Bilder stets hervorragend komponiert.

Der Däne reiht sich langsam ein in die Kunstgeschichte der Farbfotografie, aber seine Bilder werden wohl nach wie vor so gut wie nicht gekauft. „Die Leute kaufen keine Ansichten von Slums“. Die Erstveröffentlichung vieler der nun erneut gedruckten Fotos im Jahr 1977 war Skandal und Erfolg zugleich. Im Jahr darauf erschien eine deutsche Ausgabe, die mehrere Auflagen hatte. Bis heute tourt Holdt durch die westliche Welt, um in einer 5-stündigen Multimediashow seine Bilder zu zeigen und soziale Missstände nicht nur in den USA anzuprangern. Er erinnert an aktuelle Politik und ausländerfeindliche Stimmungen etwa in Dänemark. USA-Bashing liegt ihm fern, im Gegenteil, nach wie vor fährt er gerne dorthin, besucht Freunde und in den seltenen Fällen, bei denen er einen Anhalter sieht, nimmt er ihn selbstverständlich auch mit. Jeden.

Sein großes Ziel ist der Dialog, er hört zu, er ist diskussionsfreudig – und seine beharrliche Unvoreingenommenheit lässt ahnen, dass angebliche Utopien zu verwirklichen wären, gäbe es mehr Menschen von der Sorte eines Jacob Holdt und weniger von der Sorte, die sich „Sachzwängen“ unterordnen, Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren und Schilder da aufstellen, wo zuvor niemand eines vermisste.

Die Bilderzählung im Buch bietet ein tröstliches Ende: nach vielen verwahrlosten Zimmern, klapprigen Kohleöfen, leeren überdimensionierten Kühlschränken, Dreck und Müll und vergilbten Tapeten, Rostlauben und gelangweilten Südstaatenplantagenbesitzertöchtern mäht auf dem letzten Foto ein schwarzer Dad den Rasen vor solidem Klinkerdoppelhaus, zwei Autos parken vor dem Car Deck und dazu spielen Kinder in der holprigen Einfahrt. In naher Zukunft wird die sicher noch geteert. Doch vielleicht beginnt nun ein anderer Horror.

New Country for young man

Jacob Holdt gehört zu einer Reihe von Fotografen, die Anfang der 1970er-Jahre der Farbfotografie zum Durchbruch als anerkanntes Kunstsujet verhalfen. William Eagleston, dem das Haus der Kunst in München im Frühjahr eine große Schau widmete, gehört ebenso dazu wie Stephen Shore. Mit Holdt teilt Shore die Reiseerfahrung, den Aufbruch ohne konkretes Ziel, wobei sich das eigentlich Vertraute als unbekannt erweist. Während Holdt wie ein sozialdokumentarisch-engagierter Ethnograf mit der Kamera Menschen ins Zentrum rückt, blickt Shore eher als teilnehmender Beobachter auf sich selbst und fotografiert seinen Alltag „on the road“: „I was photographing almost every meal I ate, every person I met, every waiter or waitress who served me, every bed I slept in, every toilet I peed in.“

Nach einem Leben in New York und einigen Jahren in Andy Warhols Factory entdeckte der Twen Shore für sich die ländlichen Seiten Amerikas und erkundete sie wie ein Tourist mit Pocketkamera. Allerdings interessierte er sich keineswegs für die herausragend schönen Sehenswürdigkeiten seines Landes. „You press the button, we do the rest“. Dieser Werbeslogan des Firmengründers Eastman von Kodak steht symptomatisch für eine absichtslose Haltung, die er sich zu eigen machte: Nur dem Zufall verpflichtet, reiste er ohne bestimmtes Ziel teilweise auf der Route 66 durch die USA und knipste, was ihm begegnete.

Unterwegs sein ist ein Mythos mit Outlaw-Charme, der nach wie vor beschworen wird, auch wenn heutige Reisende eher einem Mietwagen den Vorzug geben und der Blick durch die Windschutzscheibe oder ein Videokameraobjektiv oftmals viel Urlaubszeit beansprucht. Die Figur des Tramps, des Hobos, der ohne Geld durch die Weiten der USA gondelt, bedient eine Sehnsucht, die sich nie ganz erfüllt, sonst wäre sie nur halb so schön. In den Aufmerksamkeitsdemokratien des 21. Jahrhunderts werden solche Sehnsüchte zudem schnell vereinnahmt. Symptomatisch ist ein Projekt der Französin Valéry Denis, die von Shore fotografierte Orte 30 Jahre später aufgesucht, erneut fotografiert hat und ihre Bilder neben die vermeintlich banalen Bilder Shores stellt. Sie ahmt nicht nur eine Vorgehensweise nach, sondern steigert dies noch, indem sie auch die Orte exakt reproduziert. Abgesehen von einem vergleichenden „Aha“-Effekt ruft diese Form der Historisierung wirklich Banalität hervor. Wo findet man das Projekt? Natürlich unter www.ontheroad.fr. Dieser vereinnahmende Ansatz führt zudem noch einmal vor, wie Inhalte nivelliert, verharmlost und verwertbar werden.

Das altmodische Buch hingegen ist auch nicht frei vom Gefühlsmarketing. Die Neuausgabe von „American Surfaces“ ist verpackt in einem Kodak-Fotoumschlag, in dem man früher die sehnlichst erwarteten Urlaubsbilder im Fotoatelier überreicht bekam. Jedes Foto ist im klassischen Format 10×15. Damit erschöpft sich aber auch schon der Charme der Nostalgie. Schäbige Hotelzimmer, noch schäbigere Toiletten und fetttriefende Spiegeleier mit Speck entfalten hier ihren ganz eigenen Zauber. Die Unverstelltheit und Authentizität dieser farbgesättigten Oberflächenaufnahmen stechen nicht zuletzt aus dem bildersatten Symbolfotoalltag des Internetzeitalters umso wuchtiger hervor. Von klassischer Schönheit ist wenig zu entdecken: Texaco-Tankstellen, Vororthäuser, noch mehr Vororthäuser, Autowracks, Hotelzimmer, eine Bekanntschaft, Hotelzimmer, Frühstück. Suburbia ist menschenleer in diesen Bildern, Autos rosten vor sich hin, alles scheint still zu stehen. Stephen Shores persönliches Fotoalbum zeigt seine Außenwelt auf Reisen und lässt die Erzählung zu jedem Bild offen. Umso genauer sieht man hin.

Kein Bild

Stephen Shore: American Surfaces.
Phaidon Press, London 2005.
232 Seiten, 49,95 EUR.
ISBN-10: 0714845078
ISBN-13: 9780714845074

Weitere Rezensionen und Informationen zum Buch

Titelbild

Sebastian Hesse / Harvey Stein / Eva Male: Jenseits der Sterne / Beyond the Stars. Amerika unter Bush / America under Bush.
Stroemfeld Verlag, Frankfurt a. M. 2006.
104 Seiten, 20,00 EUR.
ISBN-10: 3878779720
ISBN-13: 9783878779728

Weitere Rezensionen und Informationen zum Buch

Titelbild

Jacob Holdt: United States 1970 - 1975.
Steidl Verlag, Göttingen 2007.
191 Seiten, 32,00 EUR.
ISBN-13: 9783865214317

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