Gralsgemeinschaft, Erlösungspathos und wie Bayreuth nebenbei auch die deutsche Nation baute
Wer Bayreuth als Musikfest liest, liest die falsche Partitur – Bernd Buchner zeigt in „Wagners Welttheater“, dass hier stets auch ein anderes Stück lief
Von Silvio Barta
Ausgabe 03-2026
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Die Bayreuther Festspiele sind ein weltweit einzigartiges Phänomen. Richard Wagner baute sich ein Opernhaus, in dem nur seine Werke aufgeführt werden, das Unternehmen wird bis heute von der Komponistenfamilie geführt. »Hier gilt’s der Kunst«, lautet das berühmte Meistersinger-Motto – doch die Politik spielt auf dem Grünen Hügel eine tragende Rolle. Kaum weniger bedeutsam ist die Religion oder das, was Wagner und seine Anhänger darunter verstanden.
So entwickelte sich Bayreuth im Kaiserreich zum völkischen Sammelpunkt, wurde zur Hochburg der Weimarer Republikfeinde und zu »Hitlers Hoftheater«. Dennoch gelang in der Adenauerzeit die vermeintlich unpolitische Wiedergründung. Nach Ende des Kalten Kriegs wurde der Grüne Hügel zum Symbol für »Deutschland einig Wagnerland«, auch wenn der Mythos Bayreuth 150 Jahre nach der Gründung zu verblassen droht.
In diesem Buch wird erstmals die politisch-gesellschaftliche Seite der Festspiele nachgezeichnet. Bayreuth ist ein Spiegel der deutschen Geschichte vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Glanz und Gloria, Verirrung und Katastrophe: Der Grüne Hügel war stets eine Probebühne für das Land. Und in den Bayreuther Repräsentanten vereinigen sich stets künstlerische Querköpfigkeit und politische Anpassungsfähigkeit.
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Informationen über Bernd Buchner in unserem Online-Lexikon
Bernd Buchner, Dr. phil., Historiker und Publizist in Nürnberg. Geboren 1968 in Kulmbach, Studium in Gießen und Bordeaux, Promotion mit einer Arbeit über die Symbolkämpfe in der Weimarer Republik, Tätigkeiten als Redakteur bei Print- und Onlinemedien, zahlreiche zeitgeschichtliche und musikwissenschaftliche Veröffentlichungen.