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Autoren : Mensching, Steffen

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Steffen Mensching, geb. am 27.12.1958 in Berlin (DDR), absolvierte nach dem Abitur 1977-78 ein Volontariat beim Radio und den Anfang einer Journalisten-Ausbildung, arbeitete 1979 bis 1984 als Redakteur der Zeitschrift „Temperamente“, studierte 1982 bis 1987 Kulturwissenschaft/Ästhetik an der Humboldt-Universität. Zugleich war er 1978 bis 1984 Autor und Akteur des Liedertheaters „Karls Enkel“, womit die 20-jährige Zusammenarbeit mit Hans-Eckart Wenzel begann. 1982 bis 1999 tourten sie als Clownsduo „Weh & Meh“ durch die DDR und nach 1989 auch durchs westliche Ausland („Letztes aus der Da Da eR“, 1991). Nach 1999 setzte Mensching, der auch als Schauspieler, Regisseur und Sänger arbeitete, die Bühnenarbeit mit Soloprogrammen fort. Anfang des 21. Jahrhunderts dominierte jedoch die Arbeit als freier Schriftsteller. Seit der Spielzeit 2008/09 ist Mensching Geschäftsführer und Intendant des Theaters Rudolstadt.
Die ersten gedruckten Gedichte Menschings stammen aus dem Jahr 1975, die ersten Sammlungen erschienen 1979, 1984 und 1986. Anfangs standen die Texte in der subtil gebrochenen Tradition Brechts, doch war der satirische Ton stärker zu spüren. Einflussreich waren auch Autoren des ästhetischen Widerstands von Rimbaud über Jannis Ritsos, Boris Vian bis zu Peter Weiss. Nach 1990 wich der verhaltene Optimismus einem pessimistischeren Ton („Berliner Elegien“, 1995). Durch scharfe Wirklichkeitsbeobachtung („New York Lines“, 1999) und emotionale Tiefe („Mit Haar und Haut. Xenien für X“, 2005) trotz programmatischer Zurücknahme des lyrischen Subjekts zeichnen sich die späteren Gedichte aus. Eine selbst getroffene repräsentative Auswahl des lyrischen Schaffens enthält der Band „Das gewisse Etwas. Ausgewählte Gedichte“ (2009).
Seit den späten 1980er Jahre dominiert die Prosa das literarische Werke Menschings. Der zwischen 1987 und 1990 geschriebene Roman „Pygmalion“ (1991) ist eine satirische Abrechnung mit dem staatssicherheitlich überwachten Leben in der DDR und – wie die parallel entstandene Geschichte „Die Stadt. Eine Beichte“ (1989) – zugleich ein Bekenntnis des Autors, der darin eigene Erfahrungen und Verstrickungen zwischen Förderung und Knebelung innerhalb der Kulturlandschaft DDR verarbeitete. Die Zeitsatire in Romanform „Lustigs Flucht“ (2005) ist eine – bisweilen groteske – Abrechnung mit dem deutschen Kultur- und Wissenschaftsbetrieb, nunmehr des beginnenden 21. Jahrhunderts.
Auch die Erzählungen (z.B. „Die Reise“, 2001) und Reise-Essays („Ohne Theo nach Lodz“, 2006) zeigen Menschings Fähigkeit, lakonisch präsentierten Alltag auf mitunter surrealistische Weise mit traumhaften Erlebnissen zu vermitteln.
Ernster sind die historisch fundierten Romane „Jakobs Leiter“ (2003) und „Schermanns Augen“ (2018), in denen ein gleichermaßen dokumentarisches wie fiktionales Panorama menschlicher Schicksale und Lebenswege in der Epoche der totalitären Extreme – des Nationalsozialismus auf der einen und des Stalinismus auf der anderen Seite – entfaltet wird. Im einen Fall ist es eine In New York zum Verkauf stehende Emigrantenbibliothek, im anderen Fall die Erinnerungen eines in der Zwischenkriegszeit renommierten Psychographologen bzw. eines aus Deutschland emigrierten und in der Sowjetunion der 1940er Jahre inhaftierten Jungkommunisten, die dem Autor die Möglichkeit geben, ein wahrhaftes Porträt der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und seiner Folgen zu liefern.
Insgesamt scheint zu gelten, dass auch Mensching „das Werk eines Dichters“ immer dann glückt, wenn er sich „als Dichter“ zurücknimmt, wie er selbst im Nachwort seiner Edition der Traumbücher von Rudolf Leonhard („In derselben Nacht“, 2001) über diesen sagte.

Arnd Beise

Der vorstehende Eintrag basiert auf dem Artikel von Arnd Beise in:
Lexikon der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur seit 1945. Hg. von Thomas Kraft. Nymphenburger in der F.A. Herbig Verlagsbuchhandlung, München 2003, Bd. 2, S. 864–866.

Artikel über Mensching in literaturkritik.de:

Die Schrift lügt nicht!.
Steffen Menschings brillantes Romanporträt der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts
Von Arnd Beise
Ausgabe 10-2019

Unendliche Geschichten.
Steffen Mensching erzählt in "Jacobs Leiter" von einer besonderen Bibliothek
Von Petra Porto
Ausgabe 04-2006

Muss man 4.000 Bücher kaufen, um eins schreiben zu können? Man muss!.
Steffen Mensching fasziniert mit einem Buch der Bücher
Von Arnd Beise
Ausgabe 10-2003




Aktualisiert am 2019-09-23 12:14:28
 
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