Max Becks Studie „Philosophieren im Exil“ untersucht erstmals vergleichend, welche Rolle die Exilerfahrung nach 1933 für den Logischen Empirismus und die Kritische Theorie spielte

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Logischer Empirismus und Kritische Theorie zählen zu den zentralen philosophischen Strömungen des 20. Jahrhunderts, deren Vertreter vom Aufstieg des Nationalsozialismus beziehungsweise des Austrofaschismus ins Exil gezwungen wurden. Max Becks Studie Philosophieren im Exil. Logischer Empirismus und Kritische Theorie 1933–1945 arbeitet heraus, welche Folgen der erzwungene Wechsel in andere Sprachräume, gesellschaftliche Umgebungen und akademische Traditionen für beide Ansätze hatte. Im Zentrum stehen Otto Neurath und Rudolf Carnap (Wiener Kreis), Hans Reichenbach (Berliner Gruppe) sowie Theodor W. Adorno und Max Horkheimer (Kritische Theorie). Untersucht werden nicht nur die philosophischen Reflexionen auf das Exil selbst, sondern auch der Umgang mit Themen, die vor diesem Erfahrungshintergrund akut wurden – und was sich daraus über Erfolg und Misserfolg beider Ansätze in den Exilländern lernen lässt.

Die Arbeit gliedert sich in zwei Teile. Der erste rekonstruiert den theoretischen Kernbestand beider Strömungen unmittelbar vor der Emigration und zeichnet die Wege von Flucht und Vertreibung nach. Der zweite entfaltet drei philosophische Herausforderungen der Exilsituation: das Denken in einer anderen Sprache und die Frage nach der Affinität von Philosophie zu bestimmten Sprachen, die gesellschaftskritische Sicht auf Deutschland, Österreich und die Exilländer sowie die Auseinandersetzung mit dem amerikanischen Pragmatismus, exemplarisch verhandelt an Reichenbachs und Adornos Lektüren John Deweys. Dabei tritt ein deutlicher Kontrast hervor: Während die Exilerfahrung den gesellschaftskritischen Blick Adornos und Horkheimers schärfte und die Kritische Theorie erst zu ihrer gereiften Gestalt führte, trat der einst emanzipatorisch gedachte, gesellschaftskritische Impetus des Logischen Empirismus zusehends hinter eine professionalisierte Wissenschaftstheorie zurück.

Die Arbeit wurde 2026 mit dem „Claus-Dieter Krohn Preis für Exilforschung“ ausgezeichnet.

 

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Max Beck: Philosophieren im Exil. Logischer Empirismus und Kritische Theorie 1933–1945.
Schwabe Verlag, Basel 2026.
307 Seiten, 28,00 EUR.
ISBN-13: 9783796555978

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