Thorsten Schultes Sammelband „Gedankenstriche, Literaturkritik und lyrische Essays“ lädt zu einer literarischen Reise ein

Besprochene Bücher / Literaturhinweise

Thorsten Schulte stellt mit Gedankenstriche, Literaturkritik und lyrische Essays Bücher vor, welche tiefe Konflikte der Gegenwart aufgreifen, die bedrohliche Spaltung der Gesellschaft und die immer schwierigere Suche nach Halt. Angesichts der menschengemachten Katastrophen, der Klimakrise und der fortschreitenden Zerstörung von Lebensräumen, scheint es schwer, nicht die Hoffnung zu verlieren. Seine Essays und Rezensionen aus mehr als zwanzig Jahren Arbeit für literaturkritik.de blicken unter anderem auf Franz Kafka, Han Kang oder den Anker: moderne Lyrik. Gedichte seien ein ideales Medium, so Schulte, um sich mit der belastenden Gegenwart und einer unsicheren Zukunft auseinanderzusetzen.

Seit dem Abschluss seines Studiums arbeitet Thorsten Schulte für die Hessische Landesregierung. In verschiedenen Positionen hat er das Management der Krisen unserer Zeit miterlebt und durfte deren Kommunikation mitgestalten – von der Corona-Pandemie über Inflation und Wirtschaftskrise bis zum brutalen Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine, von den Herausforderungen des Klimawandels bis zur zunehmenden Spaltung unserer Gesellschaft und dem Hass und der Hetze im Netz. Zuletzt war der Autor in der Hessischen Staatskanzlei als Ministerialrat und Referatsleiter für den Themenkreis Kultur und Identität zuständig. In diesem Zusammenhang verweist er unter anderem auf die Bücher von Dmitrij Kapitelman, dessen Werke er als präzise Gesellschaftsanalyse in Romanform bezeichnet. Sie greifen die tiefen Konflikte der Gegenwart auf. Was macht eigentlich die Identität eines Menschen aus? Wie kann man eine gespaltene Gesellschaft zu einer neuen Gemeinsamkeit führen? Das beschäftigt Thorsten Schulte privat und beruflich intensiv.

Dabei stellt er in Gedankenstriche auch sich selbst vor den Spiegel. Es geht um Echos aus der Kindheit, Hörspielliebe und musikalische Vorlieben. Relikte verschwinden. Alles ändert sich – in unserem Innersten wie in der Welt um uns herum. Schulte beginnt das Buch mit einem Ende, unter Schock stehend nach der Beerdigung seines Vaters. „Für einen Moment steht die Zeit still. Gemäß Statistik bin ich nun der Nächste, der sterben wird.“ Und doch wird ein positiver Blick auf die Vergänglichkeit und das absurde Leben gewagt. Nichts ist von Dauer. Diese Erkenntnis könne auch befreiend sein. Menschen steht nur ein kurzes Zeitfenster, das intensiv genutzt werden sollte, zur Verfügung. Die Konzentration auf unser kurzes Leben lässt uns Schönheit und Bedeutendes erschaffen. Man hofft, etwas bleibt trotz aller Krisen bestehen –, zumal so vieles für immer verloren ist. Was niemals enden darf, ist die Suche. Gedankenstriche ist eine Liebeserklärung an Bücher, verwoben mit der bewussten Entscheidung, weiterzugehen, neugierig zu bleiben und zu lesen.

Anmerkung der Redaktion: literaturkritik.de rezensiert nicht die Bücher von Mitarbeitern unserer Zeitschrift, Angehörigen der eigenen Universität oder aus dem Verlag LiteraturWissenschaft.de. Diese Bücher können hier jedoch gesondert vorgestellt werden.

Titelbild

Thorsten Schulte: Gedankenstriche, Literaturkritik und lyrische Essays.
Frank & Timme Verlag, Berlin 2026.
174 Seiten, 28,00 EUR.
ISBN-13: 9783732912179

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