Zwischen Lyrik und Prosa

Ein Portrait des Bachmann Literaturwettbewerb Nominierten Stephan Groetzner

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Heutzutage gibt es immer mehr Menschen, die es durch ein gezieltes Studium schaffen, das Schreiben zu ihrem Beruf zu machen. Doch immer noch gelingt es natürlich auch jenen, sich in der deutschen Literaturlandschaft zu bewähren, die über Umwege zu Stift und Tastatur finden. Stephan Groetzner, den Juror Stefan Gmünder für den diesjährigen Bachmann Literaturwettbewerb nominierte, ist einer dieser Menschen.

Geboren wurde Groetzner 1965 in Hamburg, und er probierte sich in vielen verschiedenen Berufen aus, bevor er zu schreiben anfing. Er absolvierte eine Ausbildung am Konservatorium für Katholische Kirchenmusik an der Rheinischen Musikschule Köln. Danach arbeitete er als Organist und Chorleiter in Erftstadt, als Wachmeister beim Landgericht Potsdam und schließlich als Galerist, Barkeeper und Mitbetreiber eines Literaturcafés. 1996 verschlug es ihn dann in die deutsche Hauptstadt und er begann, in Zeitschriften zu publizieren und mit dem Droschl-Verlag zusammenzuarbeiten.

Aus dieser Zusammenarbeit entstanden die drei Werke Die Kuh in meinem Kopf (2012), So ist das (2013) und Tote Russen (2015) und Groetzner erhielt vier Auszeichnungen. Unter anderem wurde er 1998 zum Preisträger des Open Mike der literaturWERKstatt Berlin und gewann 2014 sowohl den Publikums-, als auch den Literaturpreis Wartholz.

Scheinbar zu Recht, wenn man all den positiven Pressestimmen und Kritiken glauben darf, die sich zu Groetzners Werken äußerten. „Groetzner fabuliert fantastisch humorvoll an der Wirklichkeit vorbei und trifft den Nagel der Realität dabei trotzdem auf den Kopf“, heißt es da beispielsweise in der Kronenzeitung, oder „Wimmelbuch für Sprachverliebte“ in einer SPIEGEL-Online-Kritik zu So ist das. Charakterisierungen wie poetisch, witzig, klug, verspielt und skurril tauchen immer wieder auf, und häufig werden die Leichtigkeit und sprachliche Komposition der Texte gelobt.

Eine genaue Definition für Groetzners Texte und seinen Schreibstil zu finden, gestaltet sich jedoch schwierig. Gehören sie zur Lyrik, zur Prosa, oder gar zu einem Mischgenre? Eine klare Antwort lässt sich nicht geben und auch der Autor selbst äußert sich nicht häufig zu dieser oder anderen Fragen.

SPIEGEL Online beschrieb Groetzner und seinen Stil allerdings einmal so: „Stellen Sie sich einen erwachsenen Mann vor, der auf dem Weg ins Zentrum von Gehwegplatte zu Gehwegplatte hüpft und sich selbst verbietet, die Fugen zu berühren – so albern, so leichtfüßig, so streng mit sich selbst, solch rätselhaften, selbstgestellten Regeln folgend, so ungewöhnlich ist Stephan Groetzners Weg, eine Geschichte zu erzählen.“ Und ob er mit einer solchen Geschichte die Juroren und das Publikum des Bachmann Literaturwettbewerbs 2018 für sich gewinnen kann, wird sich in wenigen Tagen in Klagenfurt zeigen.

Ein Beitrag aus der Redaktion Gegenwartskulturen der Universität Duisburg-Essen