Schwäbische Gemütlichkeit

Eine Auswahl versammelt die schönsten Gedichte von Sebastian Blau

Von Anton Philipp KnittelRSS-Newsfeed neuer Artikel von Anton Philipp Knittel

Besprochene Bücher / Literaturhinweise

2009 haben Eckart Frahm und Rolf Schorp in einem gleichermaßen voluminösen wie ansprechenden Band die Dialektdichtungen des württembergischen „Wohllautmalers aus Sprachweh“ Josef Eberle, besser bekannt als Sebastian Blau, versammelt. Die 500 Gedichte des vielfach geehrten Tübinger poeta laureatus, 1901 in Rottenburg am Neckar geboren und 1986 in Graubünden verstorben, sind alles andere als „Anekdötlekruscht“, sondern zeigen einen Mundartpoeten auf der Höhe der Zeit.

Nun versammelt der ehemalige Journalist Eckart Frahm, ausgewählt von den bekannten Blau-Rezitatoren Peter Nagel, Rolf Schorp und dem Melchinger Theatermacher Bernhard Hurm, dessen „schönste schwäbische Gedichte“ in einer Taschenbuchausgabe. Die neue Zusammenstellung der 100 besten Blau-Gedichte erscheint umso mehr gerechtfertigt als doch der „Mundartpoet, Zeitungsherausgeber, Mäzen [und] Journalist Josef Eberle alias Sebastian Blau“ „zumindest im mittleren Neckarraum weltbekannt“ ist, wie der Herausgeber mit schwäbischem Understatement zu verstehen gibt.

Die gleichermaßen humorvoll-tiefgründigen wie stilistisch-kunstvollen Gedichte Blaus sind es, die ihn auch heute noch zum „Vorbild der schwäbischen Mundartdichtung schlechthin“ machen, wie Frahm in seinem Nachwort zitiert. „Er ist ein ausgesprochener Verskünstler, und das zeigt sich in allen Sprachformen, deren er sich bedient hat. […] Und das Besondere bei ihm – was auch die Qualität seines Mundartdichtens ausmacht – ist, daß man wirklich nirgends eine Füllsilbe findet, nirgends um des Metrums willen die Verse verlängert werden, sondern er hat den natürlichen Sprachduktus und gleichzeitig ein außerordentlich prägnantes Metrum.“

Hätte Wolfgang Thierse vor einigen Monaten, bevor er zur Schwaben-Schelte anhob, Blau-Gedichte wie jenes „In eigener Sache“ gelesen, hätte er bestimmt Ärger vermeiden können: „Sotte hots ond s hot Sotte, / s ist et anders aosrerseits: / Feine, Grobe ond Bigotte / ond ao ebbes Domme geits“, lautet die erste Strophe. „Mir, mir kennet aosre Fehler,/ kratzet selber, mo s aos beißt, / mir brauchet koan Krakeeler, / mo se drüber s Maul verreißt. // s geit jo Mensche’, dia send schneller / mit em Maul als mit em Hiin, / aber – send se dorom heller, / selle Sachs’n –aus-Berlin? // […] Mir als Schwobe’ därfets sage’, / aber wenns en Andrer sait, / noh riskiert r Kopf ond Krage’…/ Hoch de schwäbisch Gmüatlichkeit!“

In diesem Sinne ist auch sein „Adjee!“bleibend: „Be’-n-i mol nemme do, ihr Leut / – noch Salomo hot älls sei’ Zeit – /wärs schö’, wenn Oane sage’ tät: / ‚Iatz merk es, was e an em ghet.‘ // Velleicht sait mancher ao am End, / mein ‚Schwobespiagel‘ en de Händ: / ’Wa hend er denn? dear lebt doch noh – / wenn ao en anderer Fasso‘.“

Titelbild

Sebastian Blau: "So isch noh au wieder ...". seine schönsten schwäbischen Gedichte.
Herausgegeben von Eckart Frahm.
Klöpfer und Meyer Verlag, Tübingen 2012.
191 Seiten, 9,90 EUR.
ISBN-13: 9783863511050

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