Vom Gesellschaftspanorama zur Sprachphilosophie

Die Bonner Übersetzungsedition "Korea erzählt"

Von Kai KöhlerRSS-Newsfeed neuer Artikel von Kai Köhler

Besprochene Bücher / Literaturhinweise

Eines Wintermorgens beschließt der neunzehnjährige Uyôn, dass nun aller Ärger ein Ende haben soll. Der Ärger: Das ist die Nachhilfeschule, die ihn auf den dritten Versuch vorbereiten soll, die Zulassungsprüfung zur Universität zu bestehen. Das Ende: scheint der Entschluss, einfach nicht mehr hinzugehen. Doch damit beginnen erst seine Schwierigkeiten. Der ständige Krieg zwischen den Eltern gehört noch zu den geringeren; und auch Uyôns Interesse für die gleichaltrige, doch bedrohlich sicherer auftretende Pora tritt in den Hintergrund, als seine Schwester in die Prostitution abrutscht und die Polizei den älteren Bruder als demokratischen Oppositionellen verfolgt. Zudem betreibt Uyôns Mutter eine Pension, die dem Jugendlichen eine Lebensschule ist, indem er gewollt oder ungewollt in die Lebensgeschichten der Gäste hineingezogen wird - bis hin zu dem Bauarbeiter, über den Uyôn herausfindet, dass er einen Mord plant. Und diesen Mord, so gerne er ihn verhindern möchte, kann er doch nicht ablehnen.

Das Gasthaus als Ort der Begegnung ist literarisch wohlerprobt; die verfremdende Perspektive eines Kindes oder Jugendlichen, der die Welt erst langsam begreift, ebenfalls. Die Befreiung vom vorgegebenen schulischen Auswendiglernen zugunsten eines Lernens im Leben ist dagegen spezifisch südkoreanisch. Jahrelang tun dort Kinder nichts anderes als für den Tag zu lernen, der über ihr künftiges Leben entscheidet: den Tag der Universitäts-Aufnahmeprüfung. Es ist ein Akt bewusster Opposition, wenn Yang Guija, geboren 1955, in ihrem Roman "Hoffen" (1990) den Helden sich diesem Drill verweigern lässt und am Ende eines Buchs, das dem europäischen Bildungsroman nahe steht, den Blick Uyôns auf eine Anzeige fallen lässt: "Arbeiter in der Produktion gesucht".

Sozialistischer Realismus also, mit einem positiven Helden, der sein Klassenbewusstsein entdeckt? Kaum. So scharf die Klassenherrschaft in Südkorea umrissen wird, so sehr die linken Gegner der politisch-sozialen Ordnung als Sympathieträger auftreten: Mehr noch als um politische Erkenntnis geht es um menschliche Sensibilisierung - so wenig für Yang die eine von der anderen zu trennen ist. Handelt es sich um Kolportage, sind einer Familie und einer kleinen Gruppe von Gästen alle möglichen Probleme aufgezwungen? Auch nicht. Mit großer erzähltechnischer Ökonomie entwickelt Yang an einem überschaubaren Kreis von Personen ein Panorama der südkoreanischen Gesellschaft, das auch eineinhalb Jahrzehnte nach seiner Entstehung aktuell bleibt.

Klug ist das Buch in vieler Hinsicht, so auch darin, dass Yang Politik nicht moralisiert, Moral nicht politisiert und doch die Verbindung von beidem erfasst. Wenn Uyôns Schwester der ärmlichen Welt ihres Elternhauses zu entkommen sucht, so aus einem Schönheitssinn, der alle Sympathie auf seiner Seite hat. Der Abstieg der Schwester denunziert nicht Wunsch und Sinnlichkeit, sondern lenkt den Blick auf die materiellen Verhältnisse und darauf, wem Genuss erlaubt wird und vor allem: wem nicht. Kaum zufällig spielt Geld, das man hat oder häufiger eben nicht hat, in fast jeder Passage des Romans eine Rolle.

Yangs Roman stellt in mehrerer Hinsicht einen Höhepunkt dar in der Reihe "Korea erzählt - Edition Bonner Übersetzungen", die von dem rührigen Bonner Koreanisten Albrecht Huwe herausgegeben wird. Nicht nur ist der Roman von hohem literarischen Wert - auch die Übersetzung von Kyunghee Park und Matthias Augustin überzeugt sprachlich fast mit jedem Satz. Im Nachwort ist zugestanden, dass es sich vielfach um eine freie Übertragung handelt, mit dem Ziel, das koreanische Original nachvollziehbar zu machen. Diese Absicht ist vollständig erreicht.

Offenkundig gibt es keine geschlossene Bonner Übersetzungsschule; Hyung-Hi Kims Übertragung von Erzählungen Yi Chong-Yuns, geboren 1939, jedenfalls hält sich enger an die Vorlage, bis hin zu manch allzu skrupulösen Wendungen, in denen die koreanische Satzstruktur noch durchscheint. Literarisch überzeugt in diesem Band die Erzählung "Der Wahrsager" (1977), die Entwicklungen in einer zweifelhaften Kneipe zum Gegenstand hat. Von einer bestimmten Uhrzeit an setzen sich Gäste wie Bardamen Masken auf und agieren in scheinhafter Anonymität derart enthemmt, dass der Profit gesteigert wird. Der Besitzerin der Bar geht es indessen weniger um den Gewinn als um die Demonstration ihrer Macht über die Anwesenden, die sich masochistisch gerne unterwerfen, nur um ein wenig kontrollierte Zügellosigkeit zu genießen.

So wie die Besitzerin zugleich Herrin und Dienerin ihrer Inszenierung ist, so erwächst ihr ein Gegner, ein Wahrsager, der die Konsequenz gesteigerter Herrschsucht erkennt und einen Mord prophezeit; der aber, um zu siegen, die schlimmstmögliche Wendung selbst befördern muss und so im Sieg gleich zweifach verliert - weil er entgegen seiner Rolle ins Geschehen eingriff und weil er schließlich zum Opfer wird.

Dass keinerlei Eindeutigkeit erkennbar ist, erweist dieses Werk als einen Höhepunkt im sonst zuweilen allzu didaktischen Werk von Yi Chong-Jun, von dem bereits etliche Erzählungen auf Deutsch vorliegen. Die belehrende Seite tritt dagegen in dem Zyklus von Erzählungen, die vorliegendem Buch den Titel gaben, in den Vordergrund: "Die Suche nach den verlorenen Worten" soll zugleich eine "Einführung in die Sprachsoziologie" sein. Allerdings täuscht dieser Untertitel, und zwar gleich zweifach. Tatsächlich entwickelt Yi seine Gedanken anhand von Geschehnissen, die dann zum Anlass für ausufernde Reflexionen werden. Vor allem aber kann von einer "Soziologie", die doch nach gesellschaftlichen Verhältnissen im historischen Wandel fragen müsste, nicht die Rede sein. Eher wäre von einer gänzlich ungeschichtlichen Wesensbestimmung von Sprache zu reden. Yi erfasst Sprache nicht in ihrem je konkreten Gebrauch, sondern misst die Gegenwart zu ihrem Nachteil an einem abstrakten Ideal: "Die Menschen hatten das traditionelle Verhältnis zwischen den Worten und ihrer Substanz zu leichtfertig und zu lange missachtet. Die Worte hatten nun nur noch die Funktion inhaltsleerer Begriffe, und nur in dieser Funktion bediente man sich ihrer. Ihr Versprechen gegenüber der Substanz oder der Tat war ihnen abhanden gekommen."

Wie jede Betrachtung, die auf ein Wesen statt auf Praxis zielt, landet auch diese am Ende bei der Moral: "Wieso waren die Menschen darauf gekommen, die Worte derartig zu missbrauchen und das Versprechen ihnen gegenüber zu denunzieren? Daran war vor allem die Verantwortungslosigkeit derjenigen schuld, die die Worte gebrauchten. Sie weigerten sich, beim Umgang mit den Worten ihrem Versprechen und ihrer Verantwortung gegenüber den Worten nachzukommen."

Verantwortungslosigkeit existiert, weil die Leute verantwortungslos sind - man kann sich in diesem Zirkel munter weiter drehen, was Yi auch in acht Erzählungen tat, von denen hier fünf übersetzt sind. Sein Held, der Schriftsteller Tsi-Ug, versucht lange Zeit vergebens, wieder einen Zugang zur erträumten Substanz zu finden. Alles Nachdenken über Literatur, Lebensform und Lebenspraxis löst sich auf den letzten Seiten auf denkbar trivialste Art: mit dem Blick auf eine junge Frau, die ihre langen Haare "inbrünstig" kämmt: "Das könnte ein Bild lebender Worte sein, von Worten, deren Gewicht zurückzuweisen Tsi-Ug in dieser Nacht nicht gestattet war."

Das ist die autoritative Formel für eine platte Instrumentalisierung von Weiblichkeit, wie sie längst abgetan sein sollte, und die oberflächlich betrachtet philosophisch tiefsinnige Form einer Kapitulation vor den Widersprüchen der Moderne, die mit der simplen, manchmal ein wenig trivialen Prosa von Chong Chaebong (1946-2001) wenig zu schaffen zu haben scheint. Der Buchtitel gibt vor, dass Chong "Von Blumen, Vögeln und anderen nutzlosen Dingen" schreibt - doch ist bei ihm tatsächlich nichts nutzlos, dienen alle seine Pflanzen, Tiere, Kinder oder was auch immer einem pädagogischen Zweck.

Man ist dem Autor, dem in der Übersetzung von Min Sunwoo manches anschauliche Naturbild gelingt, nicht ernstlich böse, schließlich will er zu lauter sympathischen Haltungen erziehen, zu Menschenliebe, emotionaler Zuwendung, Achtsamkeit und Mildtätigkeit. Gerne ist er auf der Seite der Schwachen (jedenfalls solange sie keine Rechte einfordern, sondern dulden und sich schämen).

Dennoch verstimmen die einfachen Geschichten, die Chong sich für Kinder wie auch für Erwachsene ausgedacht hat. Vermögen sie im Detail durchaus zu berühren, so ist im Ganzen die Lehre übermächtig. An keiner Stelle verselbstständigen sich die fantastischen Elemente, stets ist die scheinhafte Befreiung sofort diszipliniert. Noch ein Stein mit Bewusstsein, der an verschiedene Orte verschleppt wird, funktioniert so, dass der Autor mitteilen kann, was er stets schon wusste. Die Welt, wie Chong sie vorstellt, bleibt immer überschaubar; es ordnet sie die Moral. Sie zeigt sich in engen sozialen Zusammenhängen, meist auf dem Land und in der Kleinfamilie. Das Buch zielt auf eine Verhaltenslehre der Wärme - unbrauchbar für den heutigen Städtebewohner, der Chong nur lesen dürfte, um sich durch wohliges Einverständnis für den nächsten Kampf zu stärken. Spezifisch modern ist diese Literatur nicht nur als Kompensation für eine vorgeblich verlorene Harmonie (die es doch nie gab), sondern als eine der moralischen Aufrüstung, die die Frage nach den Gründen für das Schlechte gerade verbirgt. Yi Chong-Jun zielt auf das vergangene unmittelbare Sein (und landet, trivial genug, bei einer Nacht mit einer Frau) - Chong vereinfacht die Welt aufs gute Gewissen. Beide sehen das Schlechte einer entfremdeten Gegenwart. Statt es zu analysieren und nach Ursachen zu fragen, zielen sie auf eine Unmittelbarkeit, die so einfach aber nicht zu haben ist.

Da war viel ältere Literatur in Korea zuweilen schon weiter. Die Bemühungen des Bonner koreanischen Seminars wären unvollständig wiedergegeben ohne den Hinweis auf zwei Themenhefte der Zeitschrift "Orientierungen", die der asiatischen Literatur gewidmet ist.

Bereits 2001 erschien ein Sonderheft zur koreanischen Literatur, das neben einer weiteren Erzählung von Chong Chaebong zwei außerordentlich wichtige Autoren vorstellt. Ch'ae Mansik (1902-1950) erlebte die Zeit der japanischen Kolonialherrschaft in Korea. Mit "Wachtmeister Maeng" (1945) skizziert er schonungslos die Überlebensstrategien der einheimischen Polizisten als ebenso willfährige wie bestechliche Handlager der fremden Herrscher. Wertvoller noch ist "Mein Onkel, der Spinner" (1938): Der Neffe, dessen Perspektive der Übersetzer Martin Tutsch mit einer überzeugend saloppen Sprache skizziert, versucht sich den herrschenden Japanern anzupassen und glaubt allen ihren Parolen. Dabei ist er ein geistig äußerst beschränkter und ärmlicher Opportunist, dessen Fantasien vom kommenden Aufstieg der Leser schnell durchschaut. Der Onkel dagegen ist ein gebildeter Sozialist, der auch nach einer Gefängnisstrafe von seinen Überzeugungen nicht lassen will. Ch'ae zeigt einerseits, dass dieses Leben keinerlei Perspektive hat und die Familie des Onkels ins Elend führen wird; andererseits, dass der Onkel nicht der "Spinner" ist, als den sein Neffe ihn sieht. Aus dem Dilemma zwischen kurzfristig nutzloser Wahrheit und scheinbar pragmatischer, doch erkennbar illusionärer Anpassung führt kein Weg hinaus. Überzeugender noch als die verzweifelte Lage fundierter Opposition zeigt Ch'ae die Hilflosigkeit des Intellektuellen gegenüber der Ignoranz: Der Neffe stellt sich als Gewinner jeder Diskussion dar, während dem Leser aus seiner Schilderung deutlich wird, wie der Onkel mit all seinem Wissen an der geradezu abgründigen Dummheit seines Gegenübers scheitert. Als Studie über den Sieg des Nicht-Wissens ist "Mein Onkel, der Spinner" kaum zu übertreffen.

In den 60er Jahren brachte Kim Sungok (geb. 1941) einen neuen Ton in die vielfach allzu didaktische Prosa Südkoreas. Das Heft bringt drei seiner Erzählungen aus dieser Zeit, von denen die längste, "Mujin im Nebel" (1965), etwas breit die Reise eines Hauptstädters in sein Heimatstädtchen beschreibt. Er trifft auf Schulfreunde, alles wirkt ein wenig verödet, bis er fast eine Affäre mit einer jungen Lehrerin beginnt; ein Telegramm ruft ihn jedoch in die Hauptstadt zurück, das Realitätsprinzip siegt.

"Stark ist der Ziegenbock" (1966) bringt wenig an Handlung, doch weit mehr an Kraft. Besagtes Tier wird gleich anfangs totgeschlagen, von einem Nachbarn. Der Kadaver dient dann als scheinbar unerschöpfliches Ingrediens zu einer Ziegensuppe, deren Verkauf eine Familie in die Öffentlichkeit rückt und den Männern der Nachbarschaft immer wieder Stärke verleiht, auch zu einer Vergewaltigung der Tochter, die erschreckend folgenlos bleibt. Die Verkäufer sind schwach, die Kunden haben Geld und also Macht, die sie selbst in der Reue beweisen - wenn der Vergewaltiger die Tochter zuletzt zur Busfahrerin macht und also zur Starken. Refrainartig und suggestiv durchziehen Sätze über Stärke und Schwäche den kurzen Text und weisen auf die außerordentliche strukturelle Dichte des Werks hin.

Das Element der Groteske prägt hingegen "Seoul, Winter 1964" (1964). Der Ich-Erzähler trifft einen verwandten Charakter in einer Kneipe; beide streifen durch die Großstadt, sinnlos beobachtend und zählend: "An der Bushaltestelle am Westtor standen 49 Leute, 17 davon waren Frauen, 5 Kinder, 21 junge Männer und 6 Alte." Die beiden repräsentieren eine Schwundstufe des Flaneurs, den der Romanistik-Student Kim sicher kannte, und können auch nur über ihre Fetischisierung von Zahlen miteinander kommunizieren. Nähe entsteht erst, als ein dritter Mann zu ihnen stößt, den sie nicht loswerden können: ein Straßenhändler, gerade starb seine geliebte Frau, deren Leichnam er aus Not an die Universitätsmedizin verkauft hat. Nun aber will er das schmutzige Geld ausgeben, und die beiden anderen sollen dabei helfen. Man isst, man kauft, Geldnoten verbrennen in einem Feuer, an dem man vorbeikommt; der Weg endet in einer Herberge, mit dem Witwer in einem Einzelzimmer, in dem er sich umbringt. Die beiden Überlebenden versuchen kurz eine Verständigung über das Geschehene und trennen sich dann: Sie gehen gealtert in eine großstädtische Umgebung, die sich für das Einzelne nicht interessiert, die radikal quantifiziert, wobei doch die, die starrköpfig das Sinnlose zählen, am Rande stehen - Oppositionelle durch absurde Übersteigerung des allgemeinen Prinzips. Hier kritisiert Kim Sungok nicht im Namen irgendeiner Moral; die Moral, dass es ganz anders sein müsste, entsteht in diesem konzentrierten Meisterwerk erst aus der Kritik.

Das zweite Heft der "Orientierungen" stellt mit An Chonghyo (geb. 1941) einen in Deutschland bereits zugänglichen Autor vor, mag dies auch die Schreibweise des Namens verdecken. Unter dem Titel "Illusion" liegen drei gut übersetzte Erzählungen von Ahn Junghyo vor, dessen Roman "Der silberne Hengst" Kindheitserinnerungen aus dem Koreakrieg spannungsreich vermittelt. Hier heißt der Verfasser im Deutschen Ahn Jung-Kyo. Wie auch immer der Name übertragen ist: stets findet sich Literatur, die auf genauer Beobachtung basiert und gesellschaftliche Widersprüche zwischen Alt und Neu plastisch ins Bild setzt. Seine Bemerkungen zur Übersetzungspraxis in Korea sind gleichzeitig ermutigend (weil sie zeigen, welch produktives Übersetzerleben möglich ist) und desillusionierend (indem deutlich wird, wie in einer auf Tempo und Kommerzialität orientierten Praxis wertvolle Ansätze meist zuschanden werden). Ein Auszug aus Ans Roman "Der weiße Krieg" rückt nicht nur die koreanische Beteiligung am Vietnamkrieg ins Bewusstsein; US-amerikanische Zahlungen für Söldner, die die südkoreanische Militärdiktatur verkaufte, waren wichtige Voraussetzung für den koreanischen Wirtschaftsaufschwung. An schildert weniger das Spektakuläre des Kriegs als sein Kleinliches: zermürbende Wachdienste, ein kaum je fassbarer Feind, irritierende Zivilisten. Zerfall tritt an die Stelle von Heroismus, Zweifel und ziellose Wut brutalisieren das Handeln und dementieren jedwede Ordnung. Man wünscht sich den Roman vollständig übersetzt (und dabei kleinere sprachliche Mängel beseitigt).

Weniger befriedigt stilistisch eine Erzählung von Pak Wanso im gleichen Heft. Ihre "Reise in die Vergangenheit" (1985) führt den deutschen Leser in die Zeit der koreanischen Militärdiktaturen zurück, als schon ein kommunistischer Onkel reichte, den für die Ausreise nötigen Pass nicht zu bekommen. Die Tochter der Erzählerin muss nicht nur erkennen, dass sie ans Land gefesselt ist und ihrem Freund nicht ins Ausland folgen kann; und nicht nur, dass der von der Mutter als Kämpfer für die Demokratie heroisierte Vater eher zufällig von den "Roten" im Korea-Krieg getötet wurde. Auf der Rückreise vom Heimatdorf tyrannisiert ein Besoffener den ganzen Bus, mit der Drohung, jeden, der aufmuckt, als Kommunisten zu denunzieren. So entsteht ein seinerzeit mutiges Bild einer Zwangsgemeinschaft von Unterdrückten, einer Angst, die es so heute in Südkorea nicht mehr gibt, aber doch verallgemeinert werden kann: für eine Zukunft, die von staatlicher Überwachung und Konformitätsdruck gekennzeichnet sein dürfte.

Den beiden Heften sind nützliche, von Martin Tutsch erstellte Bibliografien zur koreanischen Literatur in deutscher Übersetzung beigefügt. Leider sind sie nicht auf dem aktuellen Stand: als Datum der Schlussredaktion im Heft von 2005 ist der März 2002 angegeben. Dennoch sind die Listen instruktiv für alle, die an Korea und koreanischer Literatur interessiert sind.


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Albrecht Huwe (Hg.): Die Antenne. Erzählungen koreanischer Autoren des 20. Jahrhunderts. Orientierungen. Zeitschrift zur Kultur Asiens. Sonderheft 2001.
Übersetzt aus dem Koreanischen von Martin Tusch, Mathias Augustin und Sunwoo Min.
Edition Global, München 2001.
164 Seiten, 14,00 EUR.
ISBN-10: 3922667031
ISSN: 09364099

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Titelbild

Chaebong Chong: Von Blumen, Vögeln und anderen nutzlosen Dingen.
Übersetzt aus dem Koreanischen von Sunwoo Min.
EOS Verlag, St. Ottilien 2001.
127 Seiten, 14,50 EUR.
ISBN-10: 383067077X

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Guija Yang: Hoffen. Roman.
Übersetzt aus dem Koreanischen von Kyunghee Park und Matthias Augustin.
EOS Verlag, St. Ottilien 2002.
368 Seiten, 19,80 EUR.
ISBN-10: 3830671261

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Chong-Jun Yi: Die Suche nach den verlorenen Worten. Eine Einführung in die Sprachsoziologie.
Herausgegeben von Albrecht Huwe.
Übersetzt aus dem Koreanischen von Hyung-Ki Kim unter Mitwirkung von Matthias Gatzemeier.
EOS Verlag, St. Ottilien 2003.
246 Seiten, 14,80 EUR.
ISBN-10: 383067127X

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Albrecht Huwe (Hg.): Der weiße Krieg. Der koreanische Autor und Übersetzer An Chonghyo. Orientierungen. Zeitschrift zur Kultur Asiens. Themenheft 2005.
Edition Global, München 2005.
170 Seiten, 14,00 EUR.
ISBN-10: 3922667066
ISSN: 09364099

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