Deutsche Literatur zwischen West und Ost

Marcel Reich-Ranicki über Franz Fühmann

Von Thomas AnzRSS-Newsfeed neuer Artikel von Thomas Anz

Vor 100 Jahren, am 15. Januar 1922, wurde Franz Fühmann in Rochlitz an der Iser (Tschechoslowakei) geboren. Er starb am 8. Juli 1984 in Ost-Berlin. Neben Beiträgen in der Januar-Ausgabe 2022 von literaturkritik.de ist sein 100. Geburtstag ein Anlass, eine kleine Sammlung von Marcel Reich-Ranickis Artikeln über ihn in einer Sonderausgabe von literaturkritik.de erneut zu veröffentlichen. Die ersten sind 1959 erschienen und waren relativ kurz. Umfangreichere folgten in den 1960er Jahren und wurden später mehrfach in unterschiedlichen Büchern Reich-Ranickis nachgedruckt.

In den Erinnerungen Marcel Reich-Ranickis an die Zeit, als er im Juli 1958 das kommunistische Polen endgültig verlassen hatte, zunächst in Frankfurt lebte, im Herbst 1958 erstmals zur Jahrestagung der „Gruppe 47“ eingeladen wurde und 1959 mit der Familie nach Hamburg umzog, für die Frankfurter Allgemeine und bald auch für andere Zeitungen sowie für den Rundfunk literaturkritische Beträge schrieb, hob er wiederholt hervor, dass er damals auf „auf einen jungen Autor aus der DDR aufmerksam“ machte, „dessen Name im Westen noch ganz und gar unbekannt war: Franz Fühmann.“[1] Er selbst, am 2. Juni 1920 in Polen geboren, war nicht viel älter als dieser „junge Autor“. Gekannt hatten sich beide bereits vor Reich-Ranickis Flucht aus Polen. Das belegt ein Brief, den Fühmann am 11. Januar 1957 aus Ost-Berlin an ihn schrieb. Er endet mit den Sätzen:

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