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Autoren : Artaud, Antonin

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Antonin Marie Joseph Artaud, geb. am 4.9.1896 in Marseille, gest. am 4.3.1948 in der Klinik von Ivry, erkrankt mit fünf Jahren schwer an Meningitis. Er übersteht die Krankheit zwar, bleibt aber lebenslang Patient.
Mit 14 Jahren gibt Artaud gemeinsam mit Schulkameraden eine Zeitschrift heraus, in der er unter dem Pseudonym Louis de Attides erste Gedichte veröffentlicht. Das erste erhaltene Gedicht schreibt er im Alter von 17 („Le navire mystique“).
Kurz vor seinem Schulabschluss verschlechtert sich Artauds Gesundheitszustand so sehr, dass er sich für einige Monate in ein Sanatorium begeben muss. Ab diesem Zeitpunkt kann er nicht mehr ohne Opium leben. Bis Anfang 1920 hält er sich in verschiedenen psychiatrischen Kliniken auf, unterbrochen durch den Militärdienst, den er dank Intervention seines Vaters nach neun Monaten abbrechen kann. Nach mehreren Kur- und Klinikaufenthalten, in denen er auch dichtet, zeichnet und malt, zieht er Ende 1920 nach Paris, wo er fortan ambulant behandelt wird.
In den folgenden Jahren spielt er über zwanzig kleine Theaterrollen und in etlichen Filmrollen, bleibt allerdings als Schauspieler ohne durchschlagenden Erfolg. Als Mitglied der Theatergruppe „Théâtre de l′Atelier“ von Charles Dullin entwickelt er eine große Theaterbegeisterung.
Im Herbst 1924 schließt sich Artaud, trotz stetiger Skepsis, der surrealistischen Gruppe um André Breton an. Bereits zwei Jahre später wird er, im Zuge der Krise vor der revolutionären Neuausrichtung des „2. Manifestes“, offiziell wieder ausgeschlossen. Artaud hatte gemeinsam mit dem Schriftsteller Roger Vitrac und dem Historiker Robert Aron das "Théâtre Alfred Jarry" gegründet und sich mit der surrealistischen Bewegung nicht im Sinne der anderen Vertreter identifiziert. Im Juni 1927 wird das "Théâtre Alfred Jarry" ohne festes Haus mit Inszenierungen von Artaud und Vitrac eröffnet. Geprägt von finanziellen Problemen, inhaltlichen Differenzen mit den Surrealisten und wechselnder Motivation der Beteiligten musste es trotz massiver finanzieller Unterstützung durch private Gönner schon zwei Jahre später wieder schließen. Während dieser Zeit ist Artaud außerdem mit wechselndem Erfolg als Schauspiellehrer, Mitarbeiter an Filmen und Publizist tätig.
Anfang der 1930er Jahre verfasst Artaud, inzwischen Mitte 30, seine wichtigsten theoretischen Aufsätze über das Theater. So entsteht 1931 „Das balinesische Theater“, 1932 das auf dem balinesischen Theater gründende, von ihm entwickelte „Theater der Grausamkeit“, sowie 1933 „Das Theater und die Pest“ und „Schluss mit den Meisterwerken“.
1935 wird das von ihm geschriebene und gespielte Stück „Les Cenci“ uraufgeführt. Es wird ein Misserfolg, woraufhin Artaud eine Reise nach Mexiko antritt. Er hält sich, von Mexiko City enttäuscht, einige Wochen bei den Tarahuma-Indianern in der Sierra Madre auf und beschäftigt sich mit altmexikanischer Kultur und deren Magie. 1937 schifft er sich ein paar Monate nach der Rückkehr aus Mexiko nach Irland ein. Dort widmet er sich mystischen Studien und der Astrologie. Unter dramatischen Umständen endet der Irland-Aufenthalt. Artaud wird in geistig verwirrtem Zustand für eine kurze Zeit inhaftiert und daraufhin ohne Geld aber im Glauben an die baldige Apokalypse nach Paris zurückgebracht. Dort wird er dann in wechselnden geschlossenen psychiatrischen Kliniken untergebracht, weil er als Gefahr für die öffentliche Ordnung und Sicherheit eingeschätzt wird.
Artauds Abhängigkeit von verschiedenen Drogen nimmt stetig zu. Auch muss er sich ab 1942 wieder einer Behandlung mit Elektroschocks unterziehen. Zwischendurch versucht er literarisch zu arbeiten. Durch finanzielle Unterstützung von Freunden kann er 1946 aus der Anstalt von Rodez entlassen werden. Ein Jahr später gelingt es ihm im „Théâtre du Vieux-Colombier“ und später in einer Sendung des französischen Rundfunks nochmals, sein „Theater der Grausamkeit“ in Vorträgen darzustellen.

Angaben nach Matthes & Seitz Verlag, Juni 2012

Artikel über Artaud in literaturkritik.de:

„… eine Morphiumspritze unter die Haut.“.
Antonin Artaud und der Film
Von Reiner Niehoff
Ausgabe 06-2012




Aktualisiert am 2012-06-06 14:51:18
 
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