Fünf Minuten für E. T. A. Hoffmann
Literaturkritik im Radio wird immer mehr zur Serviceleistung: Kurz und knapp, kaum differenziert. Marketingagenturen greifen immer stärker in redaktionelle Entscheidungen ein und durch Synergieeffekte wird die Anzahl der Rezensionen begrenzt
Von Herbert Hoven
„Guten Abend und herzlich willkommen zum guten Buch zur späten Stunde!“ So eröffnet Denis Scheck das von ihm präsentierte Literaturmagazin Druckfrisch in der ARD. „Der Roman, den ich Ihnen heute als Allererstes empfehlen möchte, ist einer der verführerischsten der gesamten Weltliteratur…“ Scheck in den Straßen von New York, er geht auf die Kamera zu und hält das Cover von Der große Gatsby von F. Scott Fitzgerald ins Bild. Er empfiehlt die Neuauflage in der Übersetzung von Bernhard Robben. Ein andermal postiert er sich vor dem Weißen Haus in Washington oder steht im Ambiente einer Pariser Buchhandlung. Für Liebste Freundin, die zum ersten Mal auf Deutsch erschienenen sämtlichen Briefe Jane Austens, nimmt er an einem klapprigen Bistrotisch Platz, den der Regisseur der Sendung, Andreas Ammer, in einer engen Londoner Gasse hat aufstellen lassen.
Drei Minuten Zeit nimmt er sich für diese ersten Empfehlungen, die jedes Mal mit dem Satz enden: „Also vertrauen Sie mir, ich weiß, was ich tue, und lesen Sie …“ – Dieser Satz duldet keinen Widerspruch. Ganz zu Anfang des Magazins eine Montage aus den wichtigen Hotspots der Sendung und einer markanten OFF-Stimme: „Und hier kommt er, Ihr Streiter für das Gute, Schöne, Wahre: Denis Scheck!“ Solche Teaser kennt man aus Fernsehshows mit Johannes B. Kerner, Giovanni Zarrella oder Florian Silbereisen. Und eben von Denis Scheck, dessen Sendung seit 2003 mehr als 200 Ausgaben hat.
Außerdem „empfiehlt“ er jeden Montag im Kulturmagazin Mosaik auf WDR 3 einen von ihm favorisierten Titel. Pointiert und kenntnisreich setzt er sich gegen den Moderator der Sendung durch. WDR 2 Lesen heißt der „Buchtipp“, den er sonntags im Wechsel mit Christine Westermann vorstellt. Viereinhalb Minuten müssen reichen. Im „lärmenden Formatradio, mit seinen krankhaft gut gelaunten Moderatorendarstellern“ (Götz Alsmann) setzt er, im Unterschied zur Kollegin, auch sperrige Titel durch, etwa den zehnten Band von Andreas Maiers Romanzyklus Ortsumgehung. Oder Jane Austens Briefe, die er in allen drei von ihm bespielten Formaten empfiehlt. In einem Aufwasch sozusagen.
„Unsere Kulturrubriken“, erklärt eine Redakteurin des WDR, „dienen nicht der feuilletonistischen Aufarbeitung, sondern sind als Service gedacht“. Schon 2009 äußerte Christine Westermann in WDR Print, der inzwischen eingestellten Hauspostille des WDR, sie werde nur „Bücher empfehlen“, die ihr „richtig gut gefallen“.
Eine „Rezension“, so Dirk Knipphals, Leiter des Ressorts Kultur bei der taz, könne sich in „Richtung Buchtipp bescheiden“ und in „Richtung Essay erweitern“. Die Entscheidung darüber treffen die Redaktionen und nicht die (meist freien) Kritikerinnen und Kritiker, die anders könnten und wollten, wenn man sie nur ließe. „Schlecht bezahlte arme Teufel“ (Hans Magnus Enzensberger), die nach Abgabe ihres Manuskripts auf den nächsten Zuschlag hoffen. In vier bis fünf Minuten wird im Wesentlichen der Inhalt eines Titels kolportiert, mit den immer ähnlichen Schlusssätzen: Es mache „Spaß“ den Roman „zu lesen“, weil er es „glänzend versteht, die Stimmung der Zeit“ und so weiter.
Wer Hörerinnen und Hörer mit Tipps versorgt, Empfehlungen ausspricht und für wen der Begriff „Service“ (Service Hörbuch auf WDR 5) nur positiv konnotiert ist, für den sind die „klassischen“ Kriterien einer Rezension allenfalls Beifang: Aufbau und Autorenperspektive, Satzbau und Dialogstruktur, Klischee und Stilblüten. Wer die „Kultur“ respektive die Literatur in die „Redaktion“ bringe, giftete schon Karl Kraus, gebäre „die Phrase“. Beispiel: Der Roman sei „kein literarischer Tiefseetauchgang“, „eher ein schnelles Gleiten über die Wellen, mit gelegentlichen Blicken in die Tiefe“. In Redaktionen sollte redigiert werden, und es stellt sich die Frage: Wer verantwortet solch sprachliches Geschwurbel?
Der Takt von vier bis fünf Minuten für einen Magazinbeitrag entspricht offenbar der Aufnahmefähigkeit und Konzentration der Hörerinnen und Hörer. So jedenfalls schallt es aus vielen öffentlich-rechtlichen Kulturredaktionen. Den Kontrapunkt zu dieser Annahme setzt der Deutschlandfunk mit der täglichen Sendung Büchermarkt oder Andruck – das Magazin für Politische Literatur. Dass eine kurze Kritik Substanz haben kann und Argumente liefert, die dem Leser in seiner Entscheidung für oder gegen ein Buch Orientierung bietet, zeigte Andreas Bernard in seiner Replik auf die Bücher Eckart von Hirschhausens: „Wie funktionieren die Bücher von …“ (Spiegel Bestseller, Sommer 2025). Es liegt also nicht am Umfang, an Druckzeilen oder Sendeminuten, sondern daran, ob ein Kritiker sein Handwerk beherrscht, und an den Redaktionen, die das Wort „Service“ aus ihrem Kosmos streichen sollten.
Vier bis fünf Minuten (manchmal dürfen es auch ein oder zwei Minuten mehr sein) für einen Magazinbeitrag sind der Zuschnitt der Kulturkritik auf das Radio als „Nebenbei-Medium“. Diese „Rolle“, so das Fachmagazin für Marketing, Werbung und Medien Horizont, habe das Radio „akzeptiert“ und sich zu einer Art „begleitender Soundtrack des Tages“ weiterentwickelt. Menschen, die „Audi hören“, tönt es ergänzend aus der ARD Media Group, tun dies, um in eine „positive Grundstimmung“ zu kommen oder diese zu „erhalten“. Bitte nicht stören! Breitenprogramme wie WDR 2, SWR 3 oder BR 1 sind längst nach diesem Muster durchdekliniert. Die Taktung dieser Radiowellen setzt sich auch immer mehr in den Formaten der Wortprogramme durch. Was aber auch einen finanziellen Hintergrund für die Rezensenten hat.
Buch- oder auch Filmkritiken von bis zu fünf Minuten werden mit circa 300 Euro honoriert. Einen Beitrag höher zu honorieren, liegt im Ermessen der Redaktion. Worauf sich aber nur wenige prominente Kritikerinnen und Kritiker verlassen können. Einen Aufschlag von etwa 100 Euro bekommt der Rezensent, dessen Beitrag von allen ARD-Rundfunkanstalten kostenfrei abgerufen und ausgestrahlt werden kann. Den Profit machen ganz klar die Sendeanstalten.
Die Kritik zu dem Roman Wackelkontakt von Wolf Haas ist von ein und demselben Rezensenten auf WDR 3, Bayern 2, SR kultur, NDR Kultur,SWR Kultur ausgestrahlt worden. Bodo Kirchhoffs Roman Nahaufnahmen einer Frau, die sich entfernt bringt es auf fünf gleichlautende Rezensionen in den Sendern der ARD. Unisono schallt es aus den Rundfunkanstalten, man strebe Synergieeffekte an.
Durch gemeinsame „Programmstrecken“ und „Formate“ setze man Mittel für neue „digitale Angebote“ frei, so Andrea Schafarczyk, WDR Programmdirektorin für NRW, Wissen und Kultur.
Wer zugunsten digitaler Formate am linearen Programm spart und die ARD Audiothek mit den immer gleichen Beiträgen überflutet, grenzt ein, lässt weniger Meinungen und Argumente zu. Der Diskurs verflacht.
Literaturkritik ist Teil des Systems literarischer Kommunikation. Zu deren Akteuren gehören Schriftsteller, Verleger, Lektoren, Buchhändler, Presse- und Marketingagenturen und an entscheidender Stelle Redakteure und Redakteurinnen. Auf sie läuft alles zu, an ihnen prallt alles ab, und sie treffen die Entscheidung, welches Buch rezensiert wird und welcher Rezensent den Zuschlag erhält. Sie sind programmverantwortlich. Sie sind die Zirkulationsagenten, die aufgrund ihrer Position aber auch die „Marketingmaschinerie des Buchmarkts durchbrechen“ (Dirk Knipphals) könnten.
In Konkurrenz zu den Kritikerinnen und Kritikern treten die Influencer. Als Teil des Literaturbetriebs werden sie für die Verlage immer wichtiger. Lovely Books, Booktok oder Avery Little Book – es wird gequatscht, was der eigene Wortschatz hergibt. Viele dieser Plattformen werden bemustert wie Kulturredaktionen, und diese hecheln dem Trend hinterher, produzieren einen Podcast nach dem anderen und setzen, was die Literatur- beziehungsweise die Kulturkritik betrifft, verstärkt auf „Rezensionen im Dialog“ (Matthias Kremin, Programmchef von WDR 3 und 5). Das sind Gespräche zwischen einem Moderator und einem Rezensenten oder „Gespräche mit den Autor*innen“. Das ist keineswegs neu. Das hat es immer gegeben. Auf die Qualität kommt es an. Ob Verkaufsgespräch oder kritischer Dialog, hängt entscheidend von der Kompetenz des Moderators ab und von der Rolle, die ihm im formatierten Radio und im öffentlich-rechtlichen Podcast zugewiesen wird. Es gibt Tipps vom Buchhändler um die Ecke oder die „Straßenkritik“, täglich eine Minute in der Sendung Lesart bei Deutschlandfunk Kultur. Bücher ohne Gedöns (Audio und Video) heißt es beim NDR. „Gesprächswertig“ sollen die Themen sein. Für alle Formate und Ausspielwege gleichermaßen stilprägend. Was aber diejenigen, die in den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten Programmverantwortung tragen, mit gesprächswertig meinen, bleibt nebulös. „Aktuell, relevant und nah an der Lebenswirklichkeit“ der Menschen sollen die Beiträge sein. „Serviceorientiert“, „emotionalisierend“, „originell“ und „plietsch“. Also: pfiffig, schlau und weltgewandt, wie es Radio Bremen formuliert. Für die Programmmacher des WDR ist das Wetter „gesprächswertig“, wie auch die „lustigen Einspieler“ der Carolin Kebekus Show.
Wöchentlich verabreden sich Christine Westermann und Mona Ameziane zu Zwei Seiten – der Podcast über Bücher. 80 Minuten in der ARD-Audiothek und 55 Minuten im linearen Programm auf WDR 5. Nach langatmigen 30 Minuten in der Folge Schmerz – über gebrochene Knochen und gebrochene Herzen werden zum ersten Mal die beiden Bücher erwähnt, die Gegenstand der Sendung sein sollen: dreimeterdreißig von Jaqueline Scheiber und Vergiss mich von Alex Schulman. Bis dahin ging es um persönliche Befindlichkeiten. Christine tut ihr Bein weh und sie vermutet, es liege an den Flipp Flops, die sie zu lange getragen hat. Mona erinnert sich noch ganz genau, wie ihr vor langer Zeit eine Make-up-Flasche aus Glas auf den Fuß gefallen ist. Aua! Und dann wieder Christine, die sich beim Golf spielen das Bein gebrochen hat. Oh Gott! Palavert wird über „Herzschmerz“ und „Weltschmerz“, es geht um „Schmerztabletten“ und „Akupressurmatten“. Die beiden Romane sind Nebensache, sie sind allein die Deutungsfolie für die eigene Nabelschau. Zu Beginn des Podcasts erzählt Mona, dass es ihr gut gehe, weil sie von Christine ein „astreines selbstgeschmiertes Käsebrötchen“ bekommen habe. Zum Schluss des Bücherpodcasts knabbern beide leckere spanische Kekse und es geht ihnen so richtig gut.
Das ist kein Journalismus, das ist Social-Media-Infotainment der platten Art. Für den Kunsthistoriker Wolfgang Kemp, der sich auch als pointierter und stilsicherer Kulturkritiker (Irgendwie so total spannend) einen Namen gemacht hat, sind das „Gesten des Anbiederns“. Man spreche im Grunde „zu sich selbst“ und halte „die Sprache am Fließen“. Bloß kein Gedankenstrich, keine noch so kleine Pause, dabei habe Sprechen auch immer etwas mit „gedanklicher Trennschärfe“ zu tun. Mit Rück- und Nachfragen, Einordnung und der Fähigkeit, eigene Gedanken aus einem Dialog heraus zu entwickeln. Die „Emotionalisierung“, die inzwischen konstitutiv für viele Podcasts ist, setzen die Hosts in Zugzwang sofort in das Thema einzusteigen und dann nicht mehr nachzulassen. Das ist deren Sache. Die Verantwortung allerdings, dass solcher Meinungsmulm öffentlich-rechtliche Verbreitung findet, liegt bei den Redakteurinnen und Redakteuren. Geradezu ein Gegenentwurf zu dem öffentlich-rechtlichen Wortschwall ist der SZ-Podcast In aller Ruhe. Seit 2023 bittet Carolin Emcke alle zwei Wochen einen Wissenschaftler, einen Autor, eine Politikerin oder Aktivistin zum konzentrierten Gespräch. Der Titel ihres Podcasts ist Programm. In diesen aufgeregten Zeiten, so Emcke, brauche es „Räume“, in denen „auch unsicher, auch skeptisch, auch langsam nach guten Gründen und relevanten Erfahrungen gesucht“ werde.
Was dagegen in den Kulturredaktionen „Einzug gehalten“ habe, so Kathrin Röggla, Schriftstellerin und Professorin an der Kunsthochschule für Medien Köln, sei der „reine Populismus“. Entscheidend für die Redaktionen sei, sich dem „Publikum anzubiedern“.
Zum 250. Geburtstag von E.T.A. Hoffmann sendet WDR 3 (Mosaik) im Januar dieses Jahres eine Serie in fünf Folgen á fünf Minuten. Hoffmann der Jurist, der Maler und Zeichner, der Musikkritiker, der Komponist und Hoffmann der Schriftsteller. Der Rezensent überschlägt sich geradezu in Floskeln und Stereotypen, die offensichtlich auf ein junges Publikum zielen. E.T.A. Hoffmann sei der „Steven King“ seiner Zeit gewesen. Das Kunstmärchen Klein Zaches interpretiert er als „ungesunden Trip“ aus dem Jahr 1819. Da ist vom „wohltemperierten Gruselklavier“ Hoffmanns die Rede und von „düsteren Apparaten“ als „Vorläufer unserer heutigen Chat GPT Hölle“. Schon zu Anfang des 19. Jahrhunderts (!) legte Hoffmann Wert darauf, nicht nur zum „Schulkanon“ zu gehören, sondern „Pflichtlektüre“ aller „Gossip Fans“ zu sein. Kurzum: Was Hoffmann seinen heutigen Lesern anbietet, sei ein „literarischer Horrorladen“. Das ist absolut positiv gemeint. E. T. A. Hoffmann als literarischer Gaudibursch.
Das ist kein Zufall. Das ist das Ergebnis, wenn es darum geht, „Eroberungszielgruppen“ (ARD-Sprech) zu identifizieren, dem sich das Programm anzupassen hat. Die Sender rekrutieren Marketingagenturen, die idealtypische Hörerinnen und Hörer für alle Programme und Formate modellieren. Das zielt auf alle Altersgruppen und sozialen Milieus. Zum Beispiel: Klaus (66 Jahre) und Tina (50 Jahre) gehören zum Milieu „nostalgisch-bürgerlich“, ganz wichtig sei ihnen „Sicherheit und Harmonie“. Oder ein anderes Milieu: „jung, mittleres Einkommen, Garten-affin, aber konservativ mit veganen Anwandlungen“. Aus diesen Parametern meißeln die Beratungsagenturen deren „Hörgeschmack“. Wo früher Redaktionen „selbstbewusst“ Themen setzten und über „Projekte entschieden“, so Eiko Wachholz, freier Produzent für Dokumentationen und Reportagen, schielten sie heute auf „Eroberungszielgruppen“ und versteckten sich hinter Marketingstrategien. Was zur Folge habe, dass niemand für irgendetwas im Programm verantwortlich sei. „Hasenfüßigkeit“, so der Schauspieler Ulrich Tukur, „ist ein echtes Problem geworden“. Ein „Verbrechen“ sei es, die „Zuschauer ständig mit Brei abzufüttern und hinzunehmen, dass ihnen irgendwann die Zähne ausfallen“.
„Redakteure“, so Sabine Rollberg, ehemalige Redaktionsleiterin der Arte Redaktion im WDR, seien heute „Experten in Zuschauerwanderung“ und „Zielgruppenbestimmung“ und beklagt, dass Ausdünnen und das Verschwinden von Fachredaktionen. Alle „sollen alles können“. Nun, ganz so schlimm ist es noch nicht, aber die Tendenz geht eindeutig hin zu den redaktionellen Generalisten. Wer gerne Sachbücher liest, hebt die Hand bei Architektur und Archäologie, wer einige Male bei Filmfestivals O-Ton-Schnipsel von Schauspielern und Regisseuren eingesammelt hat, gilt redaktionsintern fortan auch als Experte für Arthouse Produktionen. Und Medienkritik können sowieso alle, weil alle ja in den Medien arbeiten. „Alle sollen alles können.“ Es ist dramatisch, weil die freien Autorinnen und Autoren, die im Wesentlichen für die öffentlich-rechtlichen Kulturprogramme schreiben, in den Redakteurinnen und Redakteuren kein kritisches Korrektiv mehr haben.
„Willkommen meine Damen und Herren, beim öffentlich-rechtlichen Kulturauftrag“, begrüßt Heinz Sichrovsky, Moderator der Sendung erLesen (alle vier Wochen auf 3sat) seine Zuschauerinnen und Zuschauer. Das ist ein wenig kokett formuliert. Könnte aber als Appell verstanden werden, eben über diesen öffentlich-rechtlichen Kulturauftrag öffentlich neu nachzudenken. Coram publico. Der Programmauftrag ist mehr als ein juristisch austariertes Bekenntnis zu „Bildung“, „Allgemeinbildung“, „Wissensvermittlung“, „Wissenschaft“, „Kultur“, „Medienkompetenz“ und so weiter. Entscheidend ist die Vermittlung und das Medium dafür ist die Sprache.
Aber, so ein Wissenschaftsjournalist, die „Unterhaltung“ nehme in der „Wissenschaftsberichterstattung immer mehr Raum ein“. Ergebnisse zu referieren sei das eine, aber es braue Zeit, Ergebnisse zu erklären: wie diese „zustande kommen“ und welche „Fragen das aufwirft“.
Kritik/von wem/für wen/wie Eine Selbstdarstellung der Kritik, unter diesem Titel gab der Hörfunkredakteur Peter Hamm 1968 einen viel diskutierten Sammelband heraus, der einerseits eine Positionsbestimmung skizzierte, andererseits den Blick nach vorne richtete. Das Wort „Verlautbarungsjournalismus“ zieht sich wie ein roter Faden durch einzelne Beiträge.
„Ich muss aufpassen“, so ein Medienwissenschaftler, „nicht immer weiter in Kulturpessimismus zu rutschen. Die Selbstabschaffung des Journalismus schreitet voran.“ Aber und jetzt erst recht: „Bloß nicht aufgeben.“
„Fünf Minuten für E. T. A. Hoffmann“ ist die vom Autor erweiterte Fassung eines Essays, der unter dem Titel „Literaturkritik als Serviceleistung“ in der Freitag [Nr. 18, 27. November 2025, S. 18] erschienen ist.













