Fröhliche Flatologie

Ein Kinderbuch und eine tierische Bestandsaufnahme des Furzens

Von Lutz HagestedtRSS-Newsfeed neuer Artikel von Lutz Hagestedt

Besprochene Bücher / Literaturhinweise

Unter dem Hashtag „#DoesltFart?“ fragten der Ökologe Nick Caruso (University of Alabama) und die Zoologin Dani Rabaiotti (University College, London) ihre Wissenschaftskollegen weltweit, ob Tiere furzen können.

Die erstaunliche Resonanz auf diese heikle Frage liegt seit kurzem auch auf Deutsch gebündelt vor, und sie belegt, dass tierische Flatulenz weit mehr bedeutet als das geräuschvolle rektale Ablassen einer Blähung infolge von Verdauungsvorgängen. So glauben Forscher, dass Heringe sich durch Furzgeräusche zu Heringsschwärmen organisieren und sich vor Raubfischen zu schützen suchen: und tatsächlich scheinen die hohen Frequenzen der „Farts“ (beziehungsweise der „Fast Repetitive Ticks“) über dem hörbaren Spektrum der meisten Fressfeinde des Herings zu liegen.

Der Pavian wie auch das Nilpferd tragen durch Furzen und Koten Rivalitätskämpfe aus; das Flusspferd ist sogar in der Lage, durch Schwanzwedeln seinen Stuhl fächerförmig zu verteilen. Ach, wer da mitfächeln könnte! Und der Wombat, der seinen Kot in Würfelform ablegt (vermutlich, damit er nicht davonrollt), nutzt das Medium der Geruchsbelästigung, ähnlich wie der Koala, zur Reviermarkierung. Die knapp 80 Tierarten, die hier vorgestellt werden, haben also auch ihr Rektum trainiert und spezialisiert, um sich evolutionär durchzusetzen.

Beim Menschen schließlich ist die Abluft bis in die Kunst und die Wissenschaft vorgedrungen: „Es farzt die Hexe, es stinkt der Bock“, heißt es schon im Faust, aber auch in Dantes Göttlicher Komödie wird höllisch gestunken; ebenso lassen Bildende Kunst, Film und Musik sich das Thema nicht entgehen. Früher gehörte das klangvolle Anheben der Pobacken zum guten Ton: „Warum furzet und rülpset ihr nicht, hat es euch nicht geschmacket?“ Dieses Luthern zugeschriebene Wort bringt uns auf den Hinweis, dass Wiederkäuer deutlich mehr rülpsen als furzen.

Ein Tierchen, das nicht mehr furzen kann (weil es ausgestorben ist), ist der Dinosaurier. Das gereimte Kinderbilderbuch Furzipups, der Knatterdrache erzählt von solch einem urzeitlichen Wesen. Furzipups, der Protagonist, kann im Unterschied zu seinen Artgenossen kein Feuer speien – aber eben üble Dämpfe rückwärtig zum besten geben. Damit macht er Furore, wie hoffentlich auch das Buch selbst: eine beigegebene Kapsel gibt auf Knopfdruck das Gewünschte zu Gehör (nur Geruchsproben sind nicht vorgesehen). Beide Bücher, die hier vorgestellt wurden, sind sachkundig und liebevoll illustriert. Man fragt sich, ob die Verfassernamen (Caruso und Lüftner) gewollt sind. Jedenfalls ist es wichtig, Kinder frühzeitig mit den Widrigkeiten (Kempowski nennt sie „Anblasungen“) des Lebens vertraut zu machen. Diese Bücher gehören auf jeden Gabentisch. Vorsicht jedoch bei Flatulenz unterm Weihnachtsbaum, damit sich nichts entzündet!

Titelbild

Nick Caruso / Dani Rabaiotti: (P)oops! . Erstaunliches zur tierischen Flatulenz.
Mit Illustrationen von Ethan Kocak.
Aus dem Englischen von Katharina von Savigny.
Nagel & Kimche Verlag, Zürich 2019.
143 Seiten , 15,00 EUR.
ISBN-13: 9783312011100

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Titelbild

Kai Lüftner: Furzipups, der Knatterdrache.
Mit Illustrationen von Wiebke Rauers.
Coppenrath Verlag, Münster 2019.
28 Seiten , 16,00 EUR.
ISBN-13: 9783649626145

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