Er ist tatsächlich nie weg gewesen

Die Urheberrechte an Adolf Hitlers „Mein Kampf“ sind erloschen. Jetzt erscheint eine kommentierte Ausgabe jener Schrift, mit der Hitler seine unumstrittene Position als Führer der NSDAP begründete

Von Walter DelabarRSS-Newsfeed neuer Artikel von Walter Delabar

Besprochene Bücher / Literaturhinweise

1. Warum „Mein Kampf“?

Warum schreibt ein gescheiterter Putschist, dessen rechtsnationalistische Partei sich während seiner im Übrigen nicht allzu lange dauernden Haft selbst zerlegte, ein Buch, das zu großen Teilen aus einer Autobiografie, zu nicht minder gewichtigen Teilen aus einer antisemitischen Verschwörungsschrift, einer Parteigeschichte (die bis dahin nicht einmal ein Jahrzehnt umfasste) und nicht zuletzt aus einer programmatischen Anleitung zur effektiven politischen Propaganda besteht? Warum verhindert eine solche Schrift, in der sich ein politischer Hasardeur klar und offen erklärt, nicht die Machtübernahme und Begründung eines totalitären Staates (eine Frage, die sich bereits Victor Klemperer stellte, was in nahezu jedem Beitrag zur Einschätzung dieses Buches aufgenommen wird) und warum wird sie – nach dessen Untergang – zum Orientierungspunkt nahezu jeder nationalistischen bis extremistischen Bewegung auf dem Globus? Und das, obwohl der Text unglaubliche Beschwörungen und Behauptungen enthält, deren Plausibilität gegen Null geht.

Denn, Hand aufs Herz, wer an eine Verschwörung des Weltjudentums glaubt, kann auch an Aliens glauben, an die Islamisierung des Abendlandes, an den Weihnachtsmann oder an irgendetwas anderes, was mit der Wirklichkeit nichts zu tun hat, dennoch aber Wirklichkeit nachdrücklich bestimmen kann. Jede Ideologie entwirft Erklärungsmuster, deren Plausibilität sie aus sich selbst heraus generiert. Ohne Erklärungsmuster ist eine alltagstaugliche Existenz ja nicht einmal denkbar. Wer aber ist in der Lage, ein praktikables Erklärungsmuster von einer hanebüchenen Verschwörungstheorie mit pathologischen Zügen zu unterscheiden? Von innen heraus niemand.

Verschwörungstheorien haben es zudem einfacher als andere, offene Erklärungsmodelle, als sie ja quer durch alle Anschauungen und Phänomene hindurch wirken und die Komplexität der Verhältnisse radikal reduzieren. Sie erhalten ihre besondere Attraktivität daraus, dass für sie alles sehr einfach ist. Einfacher als für andere.

Denn die Komplexität der Verhältnisse rührt für sie nicht aus dem Zusammenwirken widerstreitender, miteinander konkurrierender und absorbierender, gelegentlich auch potenzierender Aktivitäten, sondern geht auf eine Verschwörung zurück, auf einen einheitlichen Willen, der all das, was uns übermannt, verwirrt, überfordert und gegen unsere Interessen wirkt, inszeniert hat, um sich selbst ins Zentrum der Macht zu manövrieren und dort zu etablieren. Um die wahren Ursache all dessen zu verdecken, werden vorgeblich widerstreitende Aktivitäten entfaltet, die aber letztlich nur ein Ziel haben: den Widerstand gegen dieses „System“ zu schwächen und die Suprematie der Drahtzieher zu bestätigen.

Die Gründung des Staates Israel, zu Hitlers Zeiten Projekt der zionistischen Bewegung: ein raffinierter Trick, um von den Zersetzungskräften in anderen Ländern und Völkern abzulenken. Und gerade deshalb besonders infam, weil zugleich ein Trainingszentrum für die kommenden jüdischen Verschwörungskohorten entsteht.

Die Arbeiterbewegung? Die Sozialdemokratie? Klarer Fall: von Juden geführt, sollen sie die Herrschaft der Arier untergraben, indem sie die Einheit des Volkes durch Klassenschranken zerstören. Der american way of life? Nicht minder jüdisch imprägniert, sind doch die USA, der Hort der westlichen Zivilisation, von einer jüdischen Elite dominiert, mit keinem anderen Ziel als die autochthonen Beharrungskräfte entscheidend zu schwächen.

Das Warenhaus? Die Börse? Banken? Eigentlich auch das Geld? Jüdisch. Die Politik? Jüdisch, zumindest solange sie nicht auf Taten, sondern auf Worte setzt (das parlamentarische Palaver). Die Emanzipation der Frauen, der kolonisierten Völker und der Homosexuellen? Gewitzte Strategien, mit denen die reinrassigen Völker ihrer Wehrhaftigkeit beraubt werden sollen. Denn wo Schwule, Schwarze und Frauen das Sagen haben, gibt es kein rassisch reines Volk und damit keine Krieger mehr. Das Volk geht unter.

Man kann ein solches Gedankengut wirr nennen. Irrsinnig wäre allerdings besser, und inhuman sowieso. Denn Hitlers „Mein Kampf“ mag irrsinnig sein, aber die Argumentation des Buches ist nicht wirr, sondern konsistent. Hitler hat einen Schlüssel, mit dem er die gesamte Welt erklärt: Die Juden sind die Ursache alles Bösen, die Basis der Nation liegt in der gemeinsamen Abstammung. Abstammung und Verwandtschaft also konstituieren die Nation, nicht eine Gesinnung, eine Kultur oder der Ort der Geburt. Alles, auch die Kultur, wird auf diese Basis zurückgeführt. Es gibt Herrenvölker und zu beherrschende Völker – und die Arier sind ein Herrenvolk, solange sie kämpfen. Völker kämpfen miteinander, oder sie gehen unter. Und nicht die Demokratie, sondern eine Diktatur, die aus dem Willen des Volkes entspringt, ist die einzige Regierungsform, die eines kämpfenden Herrenvolkes würdig ist. Kein Gottesgnadentum bestimmt den Herrn eines Volkes und keine Wahl, sondern ein Volk inthronisiert in einem direkten, aber unbestimmten Akt seinen Führer. Er ist irgendwann einfach da – was der Selbstinstitutionalisierung dieses Führers die notwendige Tür öffnet.

2. Zur Poetik des Nationalsozialismus

Gerade an diesem Punkt setzt Albrecht Koschorke mit seiner knappen Schrift „Adolf Hitlers ‚Mein Kampf‘. Zur Poetik des Nationalsozialismus“ an, die soeben im kleinen, feinen Verlag Matthes & Seitz erschienen ist, der sich für verstiegene Theoriebildung nie zu schade war (ihm sei es gedankt).

Nun ist Koschorkes Schrift keine Abhandlung über die im Text selbst erkennbare Machart von „Mein Kampf“. Koschorke will auf einen größeren Zusammenhang hinaus, aus dem sich zum einen ableiten lässt, dass überhaupt ein solches Buch wie „Mein Kampf“ entsteht, und zum anderen, nach welchen Regeln es geschrieben ist. Folgt man ihm, so gehört der Autor von „Mein Kampf“ zu jener Gruppe von „Triggern“, die eine vorrevolutionäre Situation in eine heiße Phase wenden können, aus der heraus sie selbst die zentrale politische Machtposition zu erringen vermögen. Koschorke zählt zu dieser Gruppe Jean-Paul Marat ebenso wie eine Reihe von Diktatoren des 20. Jahrhunderts (ein Verweis auf den von ihm mitbetreuten Sammelband von 2011, „Despoten dichten“, sei immerhin hier erlaubt).

Das Buch als Träger der zentralen Botschaften dieser „Trigger“ werde trotz des Vorrangs anderer Medien deshalb gewählt, weil nur ein Buch als heiliges Medium inszeniert werden könne. Es könne als Objekt in den Mittelpunkt von ritualisierten Verfahren gestellt werden („bibliophiler Prunk, Fetischismus, Berührungszauber und andere Formen inszenierter Magie“), mit denen ein ganzes Land auf ein Zentrum, den Führer, ausgerichtet werde. Gerade daher rühre die Fokussierung der modernen Diktatoren aufs Buch, für das Koschorke einige Beispiele anführt, die bis in die jüngere Vergangenheit reichen. Mit dem Buch lasse sich ein System „partieller symbolischer Teilhabe“ errichten, das der Ordnungsstiftung, zum einen der Sicherung von Herrschaft, zum anderen der Befriedigung eines zentralen Bedürfnisses der Beherrschten diene. Denn Ordnung ist es, was das Buch und sein Autor versprechen. Und ein geordneter Blick auf die Welt ist dafür zentral.

Diese Funktion des Buches ist jedoch bei „Mein Kampf“ zeitlich nachgeordnet, also den Jahren nach dem kalten Putsch des Nationalsozialismus vorbehalten. Für den Entwurf des Buches, seine Anlage spielt das noch keine Rolle. Hier ist viel entscheidender, dass das Buch einer nüchternen Lektüre nicht standhält und seine Resonanz rätselhaft erscheint – und dennoch ist „Mein Kampf“ ein unzweifelhafter Erfolg, nicht aufgrund seiner Auflage, die im Wesentlichen erst mit den Wahlerfolgen der Nationalsozialisten anschwoll, sondern insbesondere deshalb, weil es Hitler mit „Mein Kampf“ gelingt, sich als unumstrittener Führer der Partei zu institutionalisieren und sie in der Nachfolge zu einer weitgehend einheitlichen Kampfgruppe zu formen.

Nun kann man argumentieren, dass ein antisozialistisches und antisemitisches Buch seines Publikums Mitte der 1920er-Jahre sicher sein konnte. Allerdings, und dieses Argument fehlt bei Koschorke, gehörte Deutschland um 1925 eben nicht zu den extremen antisemitischen Gesellschaften. Zwar hatte der Antisemitismus in Deutschland eine sichere gesellschaftliche Basis, aber er war lange Jahre nicht mehrheitsfähig. Hitlers Nationalsozialismus änderte das. Und „Mein Kampf“ bereitete dafür den Boden.

Koschorke verweist aber darauf, dass Hitler den Antipoden Antisemitismus und Sozialismus eben erst in „Mein Kampf“ zu ihrer zentralen Position verhilft. Bis um 1920 habe sich Hitler kaum antisemitisch positioniert und seine Frontstellung gegen die Sozialdemokratie gehe nicht auf eigene Anschauung, sondern auf intensive Zeitungslektüre zurück. Antisozialismus und Antisemitismus stünden insofern jedoch in einer notwendigen Verbindung, als es der Antisemitismus Hitler erlaube, sich in seiner sozialreformerischen Positionierung gegen die Sozialdemokratie aufzustellen. Das sei notwendig, da Hitlers Volksbegriff nicht sozial, sondern ethnisch sei und alle sozialen Schichten umfasse. Um ein sozialreformerisches Programm zu entwickeln, das diese ethnische Kategorie umfasst, musste er einen Antipoden auf derselben Ebene, der ethnischen, quasi als Pendant zur Bourgeoisie etablieren, mithin „den Juden“. Damit gerät das Judentum für Hitler in dieselbe antipodische Position wie das Bürgertum für einen Sozialisten. Mit anderen Worten, der Antisemitismus ist für den Nationalsozialismus zwar eine konzeptionell zentrale und logisch abgeleitete Kategorie, die inhaltlich aber nachgeordnet ist. Ohne sie liefe Hitler ins Leere, weil ihm eine notwendige Gegenposition fehlen würde. Und sie ermöglicht es ihm, so Koschorke, beide „Versprechen, das nationale und das soziale, im gleichen Atemzug an den Mann bringen zu können“.

Dass im Übrigen das Judentum in diese Position rückt, liegt laut Koschorke nicht zuletzt daran, dass dies die durch den kulturellen und gesellschaftlichen Kontext naheliegende Kategorie ist. Der Antisemitismus wird vom völkischen Schrifttum, aus dem sich Hitler bedient habe, angeboten: „Hitler schreibt nieder, was sich in völkischen Kreisen als propagandistisch erfolgreich erwiesen“ habe. Sogar sein eigenes Profil gehe nicht auf ihn selbst zurück, sondern habe er sich in der Zusammenarbeit mit der Reichswehr, für die er nach 1918 tätig war, angeeignet. Der Antisemitismus war ein naheliegendes, weil erfolgsversprechende Angebot, das Hitler wahrnahm, kein Thema, das genuin ihm zuzuschreiben ist.

Das führt zu einer weiteren Frage, die im Kontext auch der nationalsozialistischen Eliten immer wieder auftaucht, nämlich ob sie wirklich an das geglaubt haben, was sie predigten. Von Joseph Goebbels ist bekannt, dass er zunächst kein Antisemit war, sondern sich erst im Kontext der NSDAP, zu der er Anfang der 1920er-Jahre stieß, zu einem wandelte. Aber Hitler? Folgt man der historiografischen Literatur, ist seine eigene Überzeugung fraglos, aber nicht von Anfang an zentral. Hitler hat sich erst im Rahmen des von ihm in „Mein Kampf“ konstruierten Lernprozess dazu entwickelt. Das ist allerdings später geschehen, als er vorgibt. Und aus anderen Gründen.

Koschorke betont, dass Hitler selbst sogar den strategischen Charakter des Antisemitismus herausstelle, auch wenn er dementieren müsse, dass er ihn aus Opportunismus übernommen habe. Hitler habe den Erfolg gesucht, und der Antisemitismus sei das Konzept, das in seinem politischen Umfeld am erfolgsträchtigsten erschien.

Das hat nicht zuletzt mit dem provokativen Charakter der Agitation und Propaganda zu tun – was unversehens auf aktuelle politische Phänomene verweist. Die Provokation einerseits, ein hermetisches ideologisches Gebäude andererseits, die Verweigerung des Dialogs und die Kombination von Führerhierarchie und Teilhabe an der Macht befördern eine weitgehend geschlossene politische Gruppierung, deren Ziel der Erfolg (in dem sie sich von den nachstoßenden Gefolgsleuten als Kader abgrenzen müssen), die Machtübernahme ist und nicht die Umsetzung politischer Ziele. Dafür ist es nicht notwendig, dass die Eliten der Bewegung selbst an ihre Argumentation glauben. Bis zu einem gewissen Grad sei die „Freiheit vom Inhalt der eigenen Ideologie“ für totalitäre Herrschaften sogar notwendig, wie Koschorke Hannah Arendts berühmte Totalitarismusstudie zitiert. Für die Begründer der Bewegung ist jedoch nicht einmal das zwingend, sondern lediglich die Übereinkunft, dass die einmal gewählte Überzeugung nach außen hin gemeinsam vertreten wird, um die Gruppe selbst an die Macht zu bringen: „Der Hauptzweck der ideologischen Verlautbarungen besteht in der Ermächtigung“, so Koschorke.

Gerade daher rührt auch die unbedingte Notwendigkeit, nach außen hin absolut hermetisch aufzutreten, also gegen die schwache ideologische Basis, die geringe Überzeugungstiefe und den faktischen Dissens der Eliten eine Oberfläche zu installieren, die in sich geschlossen und einheitlich wirkt. Mit anderen Worten, mit politischen Akteuren, die sich am Beispiel Hitler orientieren, ist kein politischer Dialog zu führen, ihnen ist nicht argumentativ beizukommen. Sie werden faktisch immer auf die Provokation als politischen Akt setzen und auf eine ideologische Konstruktion, die sich stets selbst zu bestätigen versteht.

3. Zwischenüberlegungen

„Poetologie“ meint hier also deutlich mehr als die Rekonstruktion der Schreibweisen und deren Regularien. Allerdings wäre dies für diesen Text durchaus lohnenswert. Nicht also die Gattungsbestimmung, die jüngst noch als zentrale Aufgabe einer literaturwissenschaftlichen Beschäftigung gefordert wurde, ist noch offen (dass es sich bei „Mein Kampf“ um einen Hybrid aus Autobiografie, Kampfschrift und Anleitung handelt, ist erkennbar). Hingegen ist die Entstehung des Textes noch nicht hinreichend diskutiert.

Immerhin unterscheidet den Autor Hitler von seinem großen Vorbild Mussolini, dass er ein vergleichsweise ungeübter Schreiber war. Als Redner zweifellos routiniert und kontrolliert, hatte sich Hitler vor 1924 kaum als professioneller Autor oder Journalist hervorgetan. Die kommentierte Ausgabe erwähnt bis 1921 lediglich etwa 40 Artikel für den „Völkischen Beobachter“ sowie einige Manuskripte. Und „Mein Kampf“ blieb der einzige Großtext Hitlers (das sogenannte „Zweite Buch“, das aber unveröffentlicht blieb, ausgenommen). Vergleichsfiguren wie Lenin und Mussolini hingegen waren als Journalisten und propagandistische Autoren tätig und wiesen eine hohe Produktivität und Routine beim Verfassen von Texten auf, wenngleich bei beiden das „sakralisierte Buch“ fehlt. Dazu ist die Masse der Texte zu groß, es sei denn, dass die Gesammelten Werke dazu werden können. Ein Roman wie „Die Mätresse des Bischofs“, an dem sich Mussolini tatsächlich versucht hat, steht solchen Bestrebungen allerdings entgegen.

Hitlers mangelnde Erfahrung macht den Umfang des Textes ebenso erstaunlich, wie es die Wahl seiner Basisgattung erklärt: Die Autobiografie als Matrix erlaubt es Hitler, die basale Chronologie des gelebten Lebens als strukturierendes Element zu nutzen (und auch Volumen zu schaffen), damit zudem sein Anliegen zu authentifizieren und seine Biografie als Argument einzusetzen. Indem er sein gelebtes Leben als Folie nutzte, demonstrierte er, dass er vollständig für seine Ideologie einstand (was über seine tatsächlichen Überzeugungen immer noch nichts aussagt). Dass er seine Biografie dabei stilisiert und zurichtet, ist plausibel auf die von Koschorke skizzierten Gründe zurückzuführen.

Allerdings gehört die sinnstiftende Zurichtung generell zu den Charakteristika der Autobiografie, wie hier den Editoren von „Mein Kampf“ entgegenzuhalten ist. Hitler verhält sich hier also grundsätzlich kaum anders als andere autobiografische Autoren. Wenn er seine eigene Biografie schreibt, dann dient sie selbstverständlichem einem Zweck, und in seinem Fall ist es der, „Hitler als auserwählten ‚Führer‘ nicht nur der nationalsozialistischen ‚Bewegung‘, sondern auch des gesamten deutschen Volkes erscheinen zu lassen.“

Aus der mangelnden Übung heraus erklärt sich auch die unentschlossen und unsystematisch wirkende Gliederung des Textes, der immer wieder zwischen den verschiedenen Themen springt, sich wiederholt und nicht auf den Punkt zu kommen scheint. Auch die Stilistik, die umständlich wirkt, eher an den Redegestus denn an Schriftsprache erinnernd, metaphernreich und unbeholfen, geht wohl vor allem auf mangelnde Professionalität zurück. Eine alternative Erklärung bietet Othmar Plöckinger in seiner Studie zu „Mein Kampf“. Allerdings hat Helmuth Kiesel bereits darauf hingewiesen, dass die Zahl der verderbten Redewendungen vergleichsweise klein ist.

Die stilistischen Mängel sind zugleich im Rahmen dieses Textes und seiner Authentifizierung durchaus funktional: Der Autor macht erkennbar, dass es ihm um die Sache geht, nicht ums Schreiben, dass er die Rede der Schrift bevorzugt und dass er kein professioneller Autor ist, sondern im Wesentlichen ein Mann der Tat, der es sich vorgenommen hat, die Basis seines Handelns, seine Erfahrung, Erkenntnis und Theorie gleichermaßen offenzulegen. Zurecht also warnte Kiesel (assistiert durch Bertolt Brecht) in seinem „FAZ“-Beitrag 2014 davor, den Stil Hitlers allzu verächtlich zu machen: „Die Tuis machen sich lustig über den unwissenden Hu-ih. Sein Werdegang. Seine 53 000 Sprachschnitzer in seinem Buch ,Wie ich es schafftete’. Inzwischen siegt er draußen.“

Erkennbar wird, dass Hitler mit seinem Buch zwei Ziele zu erreichen versuchte. Die Neuausrichtung seiner Partei als Führerpartei und seine Institutionalisierung als Führungsfigur. Das sind zwar organisatorische Aufgaben, die in der institutioneninternen Konkurrenz durchgefochten werden mussten. Das Buch, das Hitler vorzulegen beabsichtigte, sollte dazu jedoch den notwendigen ideologischen und institutionellen Vorsprung sichern.

Das unterscheidet ihn entschieden von den Konkurrenten im Feld, eben nicht nur in der Partei selbst, deren Repräsentanten bis dahin keinen Text vorgelegt hatten, der in Anspruch, Konsistenz und Umfang mit „Mein Kampf“ vergleichbar gewesen wäre. Auch im weiteren Umfeld der nationalistischen und völkischen Essayistik und politischen Publizistik in Deutschland ist „Mein Kampf“ singulär.

Erich Ludendorff, mit dem Hitler noch 1923 den Putsch gewagt hatte, war auch publizistisch lediglich als Kriegsautor bekannt. Er verlor zudem nach der Neugründung der NSDAP deutlich an Einfluss. Autoren wie Darrè, Rosenberg, Röhm oder Goebbels folgten erst Hitlers Vorbild oder konkurrierten direkt mit ihm, hatten aber eine deutlich geringere Breitenwirkung oder schrieben mit geringerem Anspruch. Wie Plöckinger in seiner Studie zur Entstehung und Wirkung von „Mein Kampf“ bis 1945 schrieb, ist Hitlers Buch zwar bis 1930 nur bedingt als verlegerischer Erfolg einzustufen, schneidet aber im Vergleich zu seinen Konkurrenten im rechten Lager recht gut ab. Auffallend auch, dass gerade in der christlichen Publizistik bis 1933, wenn man hier Plöckinger folgen darf, die NS-Gegner auf Rosenbergs „Mythus des 20. Jahrhunderts“ verwiesen, während die eher NS-freundlichen Autoren Hitlers „gemäßigteres“ Buch hinzugezogen hätten.

Wenn man den Fokus auf die literarischen Autoren erweitert, lassen sich zwar anspruchsvollere Texte heranziehen. Deren Wirkung ist aber deutlich beschränkt. Ernst Jüngers Ambitionen waren trotz seiner politischen Phase in den 1920er-Jahren längst nicht so weitreichend. Ab 1929 verlegte er sein Wirken zudem verstärkt in die literarische Sphäre. Wilhelm Schäfers „Dreizehn Bücher von der deutschen Seele“ sind gleichfalls stärker literarisch ausgezeichnet, und zudem nicht derart funktional ausgerichtet wie Hitlers Text.

Hitler legte also mit dem Buch vor und konnte damit seinen Anspruch auf die Führungsposition verstärken – und sei es prospektiv, mit Koschorkes Argumentation, indem er sein Buch als das künftige Sakralobjekt positionierte, um das herum die ideologischen Parameter gesetzt werden konnten und das seinen Autor gleich mit sakralisierte.

Damit dies hinreichend effektiv war, musste Hitler die Bearbeitung durch seine engsten Gefolgsleute und den Verlag – bis hin zur Wahl des Titels – zulassen. Immerhin stammt der Titel nicht von Hitler selbst (allerdings auch nicht nachweisbar vom Leiter des Franz-Eher-Verlags, Max Ammann, wie der französische Journalist Antoine Vitkine in seiner „Geschichte“ von „Mein Kampf“ wohl unzutreffend berichtet), sondern kristallisierte sich im Rahmen der Publikationsarbeiten heraus. Der Textstand, der schließlich publiziert wurde, zog zwar dennoch massive Kritik wegen seiner mangelnden stilistischen Qualität auf sich, allerdings gehörten diese Kritiker nicht zu dem Umfeld, das für die Wirkung des Textes relevant gewesen wäre. Die Funktion als Orientierungspunkt in der Neuausrichtung der Partei hingegen erfüllte das Buch außerordentlich gut. Eine Auflage von 23.000 für den ersten Band, wobei die ersten 10.000 bis Ende 1925 verkauft wurden, und 13.000 für den zweiten Band bis 1929 ist für einen Autor, der einer nachrangigen rechtsradikalen Partei vorsteht, ein hinreichender Erfolg, auch wenn das Gros an Parteimitglieder und Sympathisanten gegangen sein wird. Hitler wurde bis 1929 der unumstrittene Führer jener Splitterpartei, die dann durch die Weltwirtschaftskrise zum Erfolg gespült wurde.

4. Die Geschichte eines Buches

Diese Zahlen und diese Annahme über die vorrangige frühe Leserschaft stammen aus der bereits 2009 in Frankreich erschienenen Studie des französischen Journalisten Antoine Vitkine, die im vergangenen Jahr bei Hoffmann und Campe in deutscher Übersetzung vorgelegt worden ist.

Thema von Vitkines Buch ist der unerhörte Erfolg von „Mein Kampf“, der eben nicht mit der Niederlage des Nationalsozialismus und dem Tod Hitlers endete, sondern sich auch nach dem Krieg in einer mittlerweile siebzigjährigen Geschichte fortsetzte. Die 12,5 Millionen Exemplare, die von „Mein Kampf“ zwischen 1925 und 1945 allein in der deutschen Ausgabe gedruckt wurden, sind kaum verwunderlich, wurde das Buch doch intensiv beworben und massiv in die Öffentlichkeit gedrückt. Ausgaben, die zur Hochzeit oder zu Jubiläen verschenkt wurden, Ausgaben, die für schulische Zwecke benutzt wurden – wenn einmal der Apparat anfängt, ein zentrales Werk, wie es „Mein Kampf“ für den Nationalsozialismus war, durchzusetzen, dann sind dem kaum Grenzen gesetzt. Mit unerhörten Folgen für den Verfasser selbst.

Das Buch habe Hitler ein Honorar von etwa 15 Millionen Reichsmark eingebracht, umgerechnet 20 Millionen Euro, wie Vitkine vorrechnet. Hitler war mithin ein erfolgreicher und reicher Schriftsteller, Profiteur eines One-Hit-Wonders, dessen Einkünfte er auch brav als Schriftsteller versteuert zu haben scheint (wenngleich erst ab 1929).

Bemerkenswerter ist jedoch, dass das Buch auch nach dem Krieg ein großer Erfolg war. Und das, obwohl der Freistaat Bayern, der auf einigermaßen seltsamen Wegen das Urheberrecht an Hitlers „Mein Kampf“ erhalten hatte, jede nur mögliche Anstrengung unternahm, einen Neudruck zu verhindern. Das war in Deutschland derart erfolgreich, dass sogar die kommentierte Ausgabe des Münchener Instituts für Zeitgeschichte erst nach Ablauf der Sperrfrist Ende 2015 erscheinen konnte. In der Bundesrepublik kam es zuvor zu keinem Nachdruck. Die Exemplare, die hier erhältlich waren, wurden etwa in Dänemark mit dem Hinweis gedruckt, es handele es sich um eine „,Widerstandsausgabe‘ gegen den Staat und gegen das so genannte System“, weiß Vitkine zu berichten. Ansonsten waren antiquarisch Ausgaben völlig legal zu erwerben, außerdem ist der Text im Netz online erhältlich.

Das hat den Freistaat nicht daran gehindert, etwa einen Hochschullehrer, der seinen Studierenden einen vollständigen Scan der Ausgabe zugänglich zu machen versuchte, massiv juristisch zu drohen. Den Vertrieb und Neudruck von Hitler-Ausgaben zu verhindern war, so der von Vitkine interviewte zuständige Ministerialrat des bayerischen Finanzministeriums, das Ziel der Aktivitäten seines Hauses, solange dies noch wenigstens für Deutschland möglich war.

Diese Politik ist – international gesehen – vollständig gescheitert. Denn allein die verkaufte englischsprachige Auflage schätzt Vitkine auf etwa 1,2 Millionen Exemplare. Hinzu kommen die Ausgaben in italienischer (in der vom Mussolini selbst beauftragten Übersetzung), arabischer, türkischer, indischer oder französischer Sprache, wobei Hitler selbst lange die französische Ausgabe zu verhindern suchte. Vitkine berichtet von einem Online-Händler, der allein Ausgaben in 14 verschiedenen Sprachen vorrätig hat.

„Mein Kampf“ ist überall dort erfolgreich, wo sich nationalistische Bewegungen ihres Zusammenhalts versichern wollen. Und obwohl Islamisten, so Vitkine, durchaus ihre eigenen „Kampf“-Schriften haben, findet „Mein Kampf“ auch in diesem, „die Grenzen herkömmlicher Ideologien sprengenden hybriden Extremismus einen fruchtbaren Nährboden“. Das Buch wird als Aufklärungsschrift über jüdische Aktivitäten gelesen, als Anleitung für den politischen Kampf und die politische Propaganda, als Fibel für die Bildung nationaler Einheiten. Allein dieser Nachkriegserfolg kennzeichnet die Singularität dieses Buches, das einen großen Teil seiner Attraktivität daher bezieht, dass sein Autor der größte politische Kriminelle des 20. Jahrhunderts war, verantwortlich für den Zweiten Weltkrieg mit mehr als 60 Millionen Opfern sowie umfangreichen Vertreibungen und verantwortlich auch am Mord an etwa 6 Millionen europäischen Juden. Bestenfalls Stalin und Pol Pot werden noch im selben Atemzug genannt.

Vitkine konzentriert sich eingestandenermaßen auf eine Geschichte von „Mein Kampf“, nicht zuletzt, weil er meint, dass das „Schicksal dieses Buches“ noch zu erzählen sei. Dabei kann er auf einen reichhaltigen historiografischen Forschungsbestand zurückgreifen, gilt doch die in „Mein Kampf“ ausgearbeitete Fassung des Antisemitismus und der völkischen Gesinnung als Blaupause für Holocaust und Krieg (dem widersprechen die Editoren der kritischen Ausgabe allerdings entschieden). Hitler habe in „Mein Kampf“ all das angekündigt, wenigstens aber angelegt, was er später umsetzte. Das wird ergänzt durch die Frage, woher die andauernde Faszination des Buches stammt, die sich in seiner grundlegenden Ablehnung ebenso zeigt wie in seiner andauernden Publikationsgeschichte. Der Vorbildcharakter von „Mein Kampf“ steht ebenso im Fokus wie die Frage, ob die NS-Ideologie immer noch virulent sein, ob es also zu einem umfassenden politischen Revival kommen könne.

Nun kann man angesichts der aktuellen Diskussionen tatsächlich über Analogien auch in der bundesdeutschen Politik nachdenken. Dennoch erschöpft sich die Grundfaszination von „Mein Kampf“ wohl wahrscheinlich doch in der Faszination des absolut Bösen, das in den Opferzahlen von Krieg und Holocaust nur unvollkommen Ausdruck findet. Auch die – im Sinne Koschorkes – Sakralisierung des Buches in der NS-Ära ist kaum überraschend. Naheliegend setzten die Nationalsozialisten das Buch in der gesamten Gesellschaft durch. Es war unübersehbar, unvermeidbar und kein Haushalt kam darum herum. Aber es bleibt dennoch ein weniger sakralisiertes denn aufgedrängtes Buch, dessen Lektüre von Überzeugung oder Notwendigkeit getragen werden musste. Anders war eben auch kein Durchkommen.

Zudem ist Vitkines Schilderung der NS-Jahre von einem merkwürdigen Phänomen begleitet: Mit einem Mal erhebt sich wieder jenes in sich geschlossene Bild der totalitären Herrschaft, in dem keine Lücken, Widersprüche und Brüche zu erkennen sind. Hier erscheint auf einmal wieder das glänzende Regime, das die gesamte Gesellschaft überformte und prägte, ohne Lücken und ohne Ausweg. Es ist das Bild einer absoluten Führergesellschaft, die sich mit ihm einig weiß und die in Bewunderung mit ihm aufgeht.

Gerade das aber ist mehr das Produkt der Propaganda des Regimes als sein tatsächlicher Zustand. Trotz aller schnellen Erfolge benötigte es einige Jahre, bis es die deutsche Gesellschaft weitgehend überwältigt und eine Herrschaft errichtet hatte, deren Fassade von Heroik und Klassik zeugen sollte. Kaum hatte es dieses Ziel jedoch erreicht, schickte es seine Soldaten in den Krieg, der nach etwas mehr als drei Jahren dann im Fiasko zu enden begann. Die geschlossene Fassade des Regimes war nur von kurzer Dauer. Und die Auseinandersetzungen und Konkurrenzkämpfe der NS-Diadochen unterhalb dieser Oberfläche waren weit entfernt vom Idealbild einer völkischen Einheit. In diesem Bild steht der Führer selbstverständlich und diktiert sein Werk dem getreuen Rudolf Heß in die Maschine, was bereits Vitkine für einen Teil-Mythos hält, der allerdings fantastisch zum Führerkult passt.

Wie sehr Vitkine dem gängigen Bild des Antisemiten und Sozialistenhassers Hitler folgt, zeigt sich in seinen Bemerkungen über das Zustandekommen und die Funktion des Buches. Es ist ihm weniger eine konzeptionelle, strategisch begründete Schrift, sondern der Versuch einer Selbstbestimmung: Hitlers „Überzeugungen, seine Anstöße, seine Enttäuschungen wie auch seine kurzen politischen Erfahrungen“ hätten sich im Schreibprozess in- und übereinander geschoben, „bis sie schließlich, Seite um Seite, ein Buch“ gebildet hätten. Zwar übernimmt Vitkine die Gewissheit, dass das Buch in Hitlers Selbstermächtigung eine zentrale Rolle gespielt habe. Aber letztlich betrachtet er den Produktionsprozess nicht eingehend genug, so dass er etwa die Frage danach, ob das Buch Hitlers Überzeugung darstelle, gar nicht mehr stellt. Das Buch werde von Historikern mittlerweile als „ein in seinen Absichten klares, bezüglich der Mittel seiner Umsetzung jedoch vage gehaltenes Vorhaben“ verstanden. Auch Vitkine sieht, dass Hitler sich an den seinerzeit kurrenten ideologischen Positionen orientiere, zieht allerdings keine weiter gehenden Konsequenzen, wie dies etwa Koschorke tut. Für ihn bleibt festzuhalten, dass „die ideologische Grundlage für den Genozid in ‚Mein Kampf‘ verewigt wurde“, also jedem Anfang der 1930er-Jahre hätte bekannt sein können.

Die strukturelle Position des Antisemitismus aber entgeht ihm, wie es auch den Lesern ab 1925 ergangen sein wird, soweit sie nicht von vorneherein mit den Positionen des Verfassers übereinstimmten. Für Nicht-Kombattanten war es seinerzeit bereits ein „banales und schreckliches“ Buch, betont Vitkine. Der Antisemitismus sei Ausdruck einer jahrhundertealten Feindseligkeit gegen Juden. Und die Verbreitung solcher antidemokratischen, antisozialistischen und antisemitischen Positionen sei insofern gesichert gewesen, als die „überwiegende Zahl der Zeitgenossen bereits positiv“ auf sie „eingestimmt“ gewesen sei. Das Buch habe Hitler geschrieben, um als „Schriftsteller“ sein Image zu ändern und dem „Sumpf“ zu entsteigen, in dem er sich bis dahin bewegt habe.

Hitlers Buch wird aus dieser Sicht zu einem politischen Pamphlet, in dem zwar extreme Positionen vertreten werden, das aber keine strategischen Aufgaben hatte. Gerade die These, dass Hitlers Instinkt lediglich darauf ausgerichtet war, sich als Machtfaktor zu etablieren (was bereits auf Koschorkes Argumentation hinweist), wird von Vitkine jedoch den hilflosen Antifaschisten der Erstrezeption zugeschrieben.

Darin liegt denn auch die Limitierung von Vitkines Studie, die insgesamt höchst informativ ist. Vitkine tut das, was ein Journalist tut, wenn er sich einem solchen Thema nähert. Er recherchiert und referiert, er redet mit Leuten und berichtet dann über diese Begegnungen. Er macht sich auf diese Weise ein Bild, das weniger von Spezialinteressen geprägt wird denn von der Frage, woher der Erfolg des Buches stammen mag.

Kleinere Mängel oder fragliche Passagen schmälern zwar nicht den Ertrag von Vitkines „Geschichte eines Buches“, sie sollen dennoch vermerkt werden. Hitlers Haltung am Kriegsende 1918 lässt sich sicherlich nicht aus „Mein Kampf“ heraus beschreiben, sondern wird, soweit keine zeitgenössischen Quellen vorliegen, nicht rekonstruiert werden können. „Mein Kampf“ ist jedenfalls eine höchst unzuverlässige Quelle, nicht nur was die Biografie Hitlers betrifft.

Joseph Goebbels war kein promovierter Philosoph, wie Vitkine schreibt, sondern ein promovierter Germanist. Übersetzer oder Lektor hätten dies korrigieren sollen, falls dies Vitkines Fehler war. Auch dass Klaus Theweleit kein Soziologe ist, sondern ein an Lacan und Deleuze geschulter Literaturwissenschaftler, hätte man seinen „Männerphantasien“ (1977/78) entnehmen können. Dem Hinweis in der ersten Anmerkung auf die Studie von Barbara Zuchtpfennig wird man nicht erfolgreich nachgehen können, da die Dame nun einmal mit Nachnamen Zehnpfennig heißt. Niemand wird sich von solchen Flüchtigkeitsfehlern freisprechen wollen, es wäre nur schön, wenn sie wenigstens für die Übersetzung korrigiert werden könnten.

Irreführend ist zudem wohl der Hinweis, dass „Mein Kampf“ wegen der besseren Lesbarkeit in einer Antiqua gedruckt worden sei und nicht in der sonst üblichen Fraktur. Zum einen: Antiqua wurde in der Regel dann eingesetzt, wenn etwa eine internationale Leserschaft in den 1920er-Jahren anvisiert wurde, die nicht an die Fraktur gewöhnt war. Dennoch lag der Antiqua-Anteil Ende der 1920er-Jahre bei etwa 40 Prozent, wie die Editoren der kritischen Ausgabe mitteilen. Aber auch wenn gerade in der Parteipresse die Praxis uneinheitlich war, erst nach der Skandalisierung der Fraktur als „Judenschwabacher“ 1941 schrieb Hitler die Antiqua als verpflichtende Schrifttype für das gesamte Reichsgebiet vor. Zum anderen: Die Editoren der kommentierten Ausgabe von „Mein Kampf“ weisen ausdrücklich drauf hin, dass die Erstausgabe in der Unger-Fraktur gedruckt gewesen sei, die kaum mit einer Antiqua verwechselt werden kann. Plöckinger betont in seiner Studie zur Geschichte von „Mein Kampf“, dass die erste nachgewiesene Ausgabe von „Mein Kampf“ in Antiqua aus dem Jahr 1939 stamme. Das lässt danach fragen, welche Ausgabe Vitkine eingesehen hat, resp. ob es doch eine frühe Antiquavariante gibt, die den Editoren, unter ihnen auch Plöckinger, entgangen wäre.

5. Ein deutsches Buch

Eine der wichtigsten Quellen von Vitkines populär geschriebenem Buch ist die bereits 2006 erstmalig vorgelegte, 2011 aktualisiert wiederaufgelegte Studie Othmar Plöckingers über „Mein Kampf“. Angesichts der hitzigen Diskussionen um die kommentierte Edition ist es zu begrüßen, dass der Verlag nun eine deutlich preisgünstigere Ausgabe von Plöckingers Studie herausbringen wird, die im Juni des Jahres erscheinen soll. Wer sich bis dahin nicht gedulden will, kann immerhin davon ausgehen, dass die relevanten Informationen im Kommentar der Neuausgabe von „Mein Kampf“ verarbeitet sind, was sich am Apparat auch hinreichend genau ablesen lässt.

Plöckinger, der auch als Mitherausgeber der kommentierten Edition fungiert, hat sich in seiner Studie auf die Entstehung und die Rezeption bis 1945 konzentriert und dabei eine unerhört große Zahl von Quellen ausgewertet. Dabei ist es ihm gelungen, eine ganze Reihe von irrigen Annahmen zur Entstehung von „Mein Kampf“ zu korrigieren, insbesondere was die Mitarbeiter und die Frage angeht, ob Hitler das Buch diktiert oder selbst getippt hat. Da Plöckinger wie auch die übrige Forschung keine direkten Zeugen für diese Fragen aufbringen können, bemüht er notgedrungen für ihre Beantwortung Plausibilitätsschlüsse – die zwar indizienhaft bleiben, jedoch einen hohen Wahrscheinlichkeitsgrad aufweisen. Da er die vorliegenden Quellen extensiv auswertet und dabei vor allem chronologische Eckdaten abgleicht, sind seine Ergebnisse nachvollziehbar – und wenigstens deutlich besser belegt als das, was sonst in der Forschung und in einschlägigen Publikationen kursiert.

So muss man davon ausgehen, dass Hitler den ersten Band von „Mein Kampf“ tatsächlich selbst getippt hat und nicht im Führergestus diktiert hat, wie es für die Legendenbildung besser passen würde. Erst für den zweiten Band, der aus der Umstrukturierung des Projekts 1925 entstand, griff Hitler aufs Diktat zurück.

Ähnliches gilt für den griffigen Titel, unter dem das Buch erschienen ist. Das Projekt selbst hatte den erst spät aufgegebenen Arbeitstitel „4 ½ Jahre gegen Lüge, Dummheit und Feigheit“, was Plöckinger mit dem Verweis auf die mitgeführten Nebenbedeutungen sogar als funktional beschreibt. Die Wendung von den „4 ½ Jahre“ sei als Verweis auf den Krieg zu verstehen, die nachfolgenden Begriffe seien direkt aus den politischen Auseinandersetzungen bis 1925 entlehnt. Die Verknappung des Titels bindet Plöckinger in die Verlagsarbeit bis zur Publikation ein. Dabei kann er einen direkten Urheber, etwa Rudolf Heß oder den Verleger Max Ammann, die unter anderem in der Literatur genannt werden, nicht nachweisen. Er kann lediglich feststellen, dass sich der neue Titel im Mai 1925 durchgesetzt zu haben scheint. Alle anderen Zuweisungen sind, so Plöckinger, nicht belegt.

Plöckingers Studie ist in drei Teile gegliedert, in die Beschreibung der Entstehung, die Publikationsgeschichte und die Rezeptionsgeschichte bis 1945. Dabei fokussiert sich Plöckinger auf die kleinschrittige Rekonstruktion der Textarbeit und der Entwicklung der Schreibfähigkeit Hitlers. Hitler wird als politisch höchst aktiv geschildert, als Autor war er jedoch äußerst ungeübt und unerfahren. Vorarbeiten existieren keine wesentlichen. Als Vorstufe lässt sich allerhöchstens die ca. 60 Seiten lange Denkschrift verstehen, die Hitler für den Prozess wegen des Putschversuchs 1923 angefertigt hat. Diese Denkschrift, die Hitler zur Basis seiner Gerichtsvorträge machte, ist jedoch nicht erhalten.

Das Buch hat in seiner Entstehung eine Reihe von Umarbeitungen erlebt. So wurde die autobiografische Basisstruktur erst relativ spät eingepflegt. Die Schrift war, so Plöckinger, „zunächst weitgehend als politische Rechtfertigungs- und Abrechnungsschrift konzipiert“.

Der erste Publikationsversuch Ende 1924 sei zudem möglicherweise an finanziellen Schwierigkeiten des Eher-Verlags gescheitert, der unter dem Verbot des „Völkischen Beobachters“ litt. Das vorliegende Material wurde anscheinend neu gegliedert, umgeschrieben, ergänzt und auf zwei Bände verteilt. Und vor allem wurde der Text gründlich redigiert.

Auffallend ist die Richtung, in die der Text jedoch gestriegelt wurde. Denn der Text des ungeübten Schriftstellers Hitler wurde nicht geglättet und stärker an die Usancen von Buchpublikationen angenähert. Er wurde stattdessen „in einem erheblichen Maße der gesprochenen Sprache angeglichen und vor allem mit Unmengen von Füllwörtern versehen“. Was Plöckinger zweifelsfrei als „stilistische Verschlechterung“ gilt, lässt sich andererseits jedoch als funktionale Anpassung an eine intendierte Leserschaft verstehen, die ihrerseits den Redner Hitler und nicht den Schriftsteller erwartete.

Nicht minder überraschend ist das Attest Plöckingers, dass in der Redaktion, die vor allem von Josef Stolzing-Cerny und der späteren Frau von Rudolf Heß, Ilse Pröhl, durchgeführt wurde, der Text in größerem Umfang „entschärft“ wurde, wie er an Hand von Vergleichen von vorveröffentlichten Textteilen und der jeweiligen Fassung in „Mein Kampf“ feststellt. Man mag das angesichts der heutigen Wahrnehmung kaum glauben – allerdings relativiert sich das, sobald andere Lektüren hinzukommen.

Wenn die Bearbeitungen nicht blind durchgeführt wurden, dann liegt es nahe, sie in die weiteren Strategien, soweit sie über die tagespolitischen Notwendigkeiten hinausgehen, einzubinden, ihnen also Funktion zuzubilligen. Dass die Entstehung des Textes und seine Bearbeitungen unabhängig davon in eine Gemengelage von widersprüchlichen und konträren Entwicklungen eingebunden sind, bleibt davon unbenommen. Mit anderen Worten: Obwohl „Mein Kampf“ gegen jede Wahrscheinlichkeit fertiggestellt und erfolgreich wurde, sind Funktionen und Strategien in Konzept und Ausführung des Buches trotzdem erkennbar.

Hitler positionierte sich mit „Mein Kampf“ im völkischen Sektor völlig neu, er trennte sich, wie Plöckinger bemerkt, beinahe vollständig von den bisherigen Kooperationspartnern und Konkurrenten, um sich als alleiniger Repräsentant einer völkisch fundierten Politik zu etablieren. Er ordnete das Feld der völkischen Akteure entschieden nach dem Kriterium Gefolgsmann oder Konkurrent und setzte sich mit dieser Strategie, im Wesentlichen gestützt durch die Wahlergebnisse seit 1929, erfolgreich durch.

Zwischen 1925 und 1929 aber lagen lange vier Jahre, in denen die NSDAP und Hitler fast völlig für die wesentlichen politischen Akteure außerhalb des völkischen Spektrums verschwanden. Das erklärt, weshalb weder Hitler noch „Mein Kampf“ – bis auf die Besprechungen des ersten Bandes – bis etwa 1930 in der Berichterstattung der Medien und in den Überlegungen der politischen und gesellschaftlichen Akteure eine Rolle spielten.

Wurde der erste Band der bereits vor Erscheinen als „Bibel“ der Völkischen apostrophierten Schrift noch relativ breit rezipiert, galten Hitler und die NSDAP danach weitgehend als erledigt. Der zweite Band erschien 1926 weitgehend ohne Resonanz. Plöckinger konstatiert zudem, dass „der Verkauf“ von „Mein Kampf“ „1927 und 1928 beinahe zum Erliegen“ gekommen sei. Lediglich rund 5.600 Exemplare 1927 und 3.000 Stück 1928 seien von beiden Bänden verkauft worden. Das sind für ein politisches Buch immer noch ganz ordentliche Zahlen, wie man korrigierend hinzufügen muss. Dennoch ist an ihnen erkennbar, dass der Impuls aus dem Jahr 1925, in dem die Erstauflage des ersten Bandes in Höhe von 10.000 Exemplaren fast vollständig abgesetzt werden konnte, 1928 verebbt war. Hitler wies, so Plöckinger, auch erst für 1929 ein Einkommen nach. Anzunehmen ist, dass dies geschah, weil das Interesse an „Mein Kampf“ ab 1929 deutlich anzog und ab 1930 mit Auflagen um 50.000 Exemplaren unübersehbar geworden war, auch für das zuständige Finanzamt. Mit den Wahlerfolgen der NSDAP und der „Volksausgabe“ von 1930, in der beide Bände zum Preis eines der früheren Ausgaben zusammengefasst verkauft wurden, änderte sich alles.

Ab 1930 tauchen Hitler und „Mein Kampf“, wie Plöckinger im Referat der Rezeption zeigen kann, flächendeckend in den politischen, gewerkschaftlichen und konfessionellen Medien auf. Mehr noch, die staatlichen Institutionen wie das Außenministerium haben sich nicht weniger intensiv mit den Phänomen Nationalsozialismus auseinandergesetzt und ihm umfassende und detaillierte politische Analysen gewidmet, wie Plöckinger zu berichten weiß. „Mein Kampf“ spielt hierbei als Referenz eine prominente Rolle, war aber vor allem bis 1932 nicht exklusive Quelle für die Ideologie der NSDAP.

Angesichts der intensiven kritischen Diskussion und ablehnenden medialen Repräsentanz der NSDAP, Hitlers und von „Mein Kampf“, die Plöckinger ab spätestens 1930 feststellt, bleibt allerdings zu fragen, welchen Einfluss die mediale Öffentlichkeit auf politische Entwicklungen und Entscheidungen hat. Denn bei allen Fragen, die an die politischen Entscheidungsträger und die gesellschaftliche Eliten vor 1933 zu stellen sind, bleibt immer noch festzuhalten, dass die NSDAP Anfang 1933 politisch legal an die Macht gekommen ist. Die Frage Victor Klemperers, weshalb Hitler trotz seines Buches, in dem all das, was er später umgesetzt habe, angekündigt worden sei, erfolgreich war, weist so gesehen in die falsche Richtung. Freilich auch nicht in die, dass der Nationalsozialismus gerade deshalb an die Macht gekommen wäre. Auch wenn große Teile des politischen Establishments ab 1930 die antisemitische Karte zogen, ist der Erfolg dieser Partei dennoch eine Anomalie, die bis heute nicht ohne weiteres erklärbar ist. Es sei denn dadurch, dass ein politischer Erfolg, „klug“ genutzt, weiteren Erfolg generiert. Was – unter den aktuellen Umständen – zur Vorsicht und Achtsamkeit mahnen sollte.

Bei allem Ertrag, Plöckingers Studie bedient ihre Leser nicht, will es als historiografische Spezialstudie auch überhaupt nicht. Nach einer knappen Einleitung, die mehr die Skizze eines Forschungsreferats als Problemaufriss ist, stürzt sich Plöckinger beinahe unvermittelt in den Infight der historischen Dokumente, um sie zu strukturieren, zu arrangieren und zu referieren. Die wesentlichen kontextuellen Bedingungen der Textkonstitution, der Publikation und Rezeption werden dabei in beinahe beiläufigen Bemerkungen mitgeliefert. Die Einordnung überlässt Plöckinger den Lesern weitgehend selbst. Dass sich Plöckinger in dieses Getümmel stürzt, ist dabei fraglos notwendig und zu begrüßen. Nur mit einer genauen und detaillierten Sichtung des vorliegenden Materials, das in seiner Fülle beeindruckend ist, sind die eingeschliffenen Halbwahrheiten über „Mein Kampf“ zu korrigieren.

Insbesondere in den ersten beiden Teilen, die Entstehungs- und Publikationsgeschichte behandeln, ist das Ergebnis Plöckingers eben nicht nur beeindruckend, sondern auch plausibel. Im Rezeptionsteil bietet er hingegen vor allem Skizzen und Referate, die bei Gelegenheit einer genaueren Prüfung unterzogen werden dürften – was durch den Referatscharakter allerdings auch notwendig ist.

Offensichtlich ist dies beim Abschnitt über die Rezeption von „Mein Kampf“ in der deutschsprachigen Literatur, der in der vorliegenden Fassung kaum belastbar ist.

Plöckinger verweist für die Zeit vor 1933 auf die Hinweise bei Rudolf Binding, auf Werner Hegemanns Bericht zu Heinrich Manns 60. Geburtstag und zur Rede Gottfried Benns, auf Hans Grimm, Paul Ernst und Albert Einstein. Ernst Jüngers Austausch von Widmungsexemplaren mit Hitler wird erwähnt, hinzu kommen Belege bei Carl Zuckmayer, Ernst Ottwalt und Hans Reimann (dessen Persiflage auf „Mein Kampf“ nicht zustande gekommen sei). Für die Rezeption nach 1933 werden Gerhart Hauptmann, Arnold Zweig, Heinrich Mann, Erwin Piscator, Reinhold Schneider, Ernst Weiß, Hermann Broch, Karl Kraus und Mechthilde Lichnowsky genannt.

Bemerkenswert ist, dass Plöckinger anstandslos Exilanten neben Autoren stellt, die in Deutschland geblieben waren, NS-Gegner neben NS-Sympathisanten, bedeutende neben unbedeutende. Hier hätte eine klarere Struktur sicherlich bei der Einordung der jeweiligen Stellungnahmen geholfen.

Außerdem scheinen die Hinweise Plöckingers nicht vollständig zu sein: Ein Blick in die Register der Werkausgaben von Bertolt Brecht, Carl von Ossietzky, Kurt Tucholsky und Ernst Jünger zeigt, dass hier weitere Quellen zu Hitler und eben auch zu „Mein Kampf“ zu finden gewesen wären, wie umfangreich auch immer die Beschäftigung mit beidem jeweils gewesen sein mag. Mindestens wird man jedoch die Feststellung, die deutschsprachigen Schriftsteller hätten sich erst nach 1933 intensiver mit „Mein Kampf“ beschäftigt, nicht damit verwechseln dürfen, dass sie sich nicht intensiv seit 1930 mit dem Nationalsozialismus auseinandergesetzt hätten. Die Auseinandersetzung lässt sich auch nicht auf „Mein Kampf“ und die Abscheu reduzieren, die Hitlers Stil bei den deutschsprachigen Autoren erzeugt habe. Stefan Zweigs Kritik an der Geschmäcklerei seiner Kolleginnen und Kollegen, mit der Plöckinger sein kurzes Referat beendet, wäre hier genauer zu prüfen. Völlig ausgeblendet ist hier Brechts bereits zitierte Glosse ebenso wie Thomas Manns Aufeinanderprallen mit dem Nationalsozialismus etwa bei seiner „Deutschen Ansprache“ 1930, die von Nationalsozialisten gestört wurde. Auch die Diskussion um Erich Maria Remarques Kriegsroman „Im Westen nichts Neues“ (1929), der massiv von den Nationalsozialisten angegangen wurde, wird ausgeblendet. Die Fokussierung auf Hitlers Buch verschiebt hier die Perspektive zu stark, um ein angemessenes Bild von der Auseinandersetzung deutschsprachiger Autorinnen und Autoren mit dem Nationalsozialismus zu erhalten.

Zehn Jahre nach der ersten Publikation seiner Studie hat Plöckinger nun einen Band mit „Quellen und Dokumenten zur Geschichte von ‚Mein Kampf‘ 1924-1945“ herausgegeben, in dem zahlreiche Belege, die er in seiner Studie ausgewertet hat, vorgelegt werden – eine löblich brauchbare und nützliche Hilfestellung, da diese Dokumente in der Regel nur schwer zugänglich sind. Hier finden sich nicht nur die wenigen Vorarbeiten zu Hitlers „Mein Kampf“, die sich erhalten haben. Darunter ein Fragment aus Hitlers Denkschrift zum Hochverratsprozess und die Manuskriptblätter. Auch die die Publikation ankündigenden Publikationen, einige Erinnerungen von Mitgefangenen in Landsberg und wenigstens eine der Vorveröffentlichungen aus „Mein Kampf“ sind abgedruckt. Hinzugefügt hat Plöckinger zudem das Honorarbuch des Eher Verlags, aus dem Auflage und Honorar abzulesen sind.

Von besonderer Bedeutung sind die Besprechungen zu „Mein Kampf“, immerhin über 50, die aus dem gesamten medialen Spektrum der Weimarer Republik stammen – darunter die der „Frankfurter Zeitung“, die Hitler seinerzeit für erledigt hielt. Ein Fehlurteil, für das es immerhin Gründe genug gab. Zwar haben alle größeren Blätter der Republik den ersten Band des Buches wahrgenommen und besprochen, denn Hitler war nach seinem Putschversuch eine durchaus prominente Person. Aber die völkischen und nationalistischen Zeitungen waren bei der Rezeption des Bandes dominant.

Aufschlussreich auch die Analysen und Reaktionen außerhalb der Presse, die sich mit dem Buch beschäftigten, sowie die Dokumente aus den Jahren nach 1933. Plöckinger unterfüttert damit seine Studie mit einem umfänglichen Materialfundus, was eine Prüfung seiner Berichte und Einschätzungen deutlich vereinfacht. Die Dokumente sind mit den Herkunftsangaben und einer knappen Skizze ihres Kontextes und publizistischen Profils versehen, was die Einordnung erleichtert. Außerdem werden die Akteure kurz vorgestellt. So ist etwa Artur Dinter Literaturwissenschaftlern vielleicht durch seine „Sünde“-Trilogie bekannt geworden: „Die Sünde wider das Blut“ (1918), „Die Sünde wider den Geist“ (1921) und „Die Sünde wider die Liebe“ (1922), zu der Hans Reimann eine seiner höhnischen Satiren verfasst hat („Die Dinte wider das Blut“, 1921). In diesen Romanen, die zum Teil sehr hohe Auflagen erreichten, hatte Dinter entschieden antisemitische Positionen vertreten.

Dass er zudem ungemein aktiv in der Völkischen Szene war, 1925 die NSDAP wieder mit begründete und 1925 bis 1927 – also gerade in der Rekonsolidierungsphase der NSDAP – Gauleiter in Thüringen war, ist zumeist unbekannt. Außerdem war Dinter, der eine naturwissenschaftliche Ausbildung genossen hatte, zwischen 1925 und 1927 Herausgeber der Zeitschrift „Der Nationalsozialist“. 1928 wurde er aufgrund seiner spiritistischen und heidnisch-arischen Ansichten aus der Partei ausgeschlossen – einer der vielen völkischen Sonderlinge, gegen die sich Hitler entschieden gewandt hatte.

Es mag angesichts der entschiedenen Parteinahme Dinters für die NSDAP kaum verwundern, dass in seiner Zeitschrift der zweite Band von Hitlers „Mein Kampf“ als „bedeutendster literarischer Niederschlag staatsmännischen Denkens seit Bismarcks Tagen“ gepriesen wurde, mehr noch: Wir „haben es mit dem ganz groß angelegten und bis in alle Einzelheiten vollendeten Werke einer genialen staatsmännischen Natur zu tun, die notwendigerweise mit ihren schöpferischen Anschauungen zu Rasse und Volkstum noch über die politischen Grundsätze eines Steins und Bismarck hinauswächst. Das Werk ist eine Tat, die die Kraft der Gestaltung zu neuen Taten in sich trägt.“ Das Genie sucht sich anscheinend gelegentlich merkwürdige Gefäße.

Bemerkenswert daran ist, dass solche Zeilen ja von intelligenten und gut ausgebildeten Leuten stammen: Dinter war promovierter Chemiker, der Autor dieser Hitler-Besprechung, Hans Severus Ziegler, Germanist, wie überhaupt der Anteil der Akademiker in der NSDAP relativ hoch ist, trotz der dezidiert nicht akademischen Karriere des Führers – ein Phänomen, das, mit anderen Vorzeichen, jüngst wieder die Öffentlichkeit beschäftigt hat: So berichtete die „FAZ“ von einer Studie zweier britischer Soziologen, die die Bildungskarrieren von islamistischen Terroristen erkundeten. Sie stellten einen hohen Anteil von Akademikern und vor allem Ingenieuren fest, und sie sahen, so der Bericht, einen der wichtigsten Gründe für deren Engagement in den verwehrten beruflichen Karrieren der gebildeten Terroranhänger, einen anderen in der Neigung zu klaren und eindeutigen Verhältnissen, die herzustellen eine ihrer Aufgaben sei. Es gehört wenig Fantasie dazu, vor allem für den zweiten Punkt vergleichbare Muster in den von Plöckinger zusammengestellten Dokumenten wiederzufinden.

Erfreulicher sind allerdings die Hitler-Lektüren, die zu ganz anderen Ergebnissen als Ziegler kommen, auch wenn ihr mehr oder weniger leiser Spott über die Selbststilisierung und das politische Pathos historisch verfrüht war.

So druckt Plöckinger nicht zuletzt Stefan Großmanns Besprechung von „Mein Kampf“ ab, die 1925 zuerst in der Wiener „Neuen Freien Presse“ und dann in Berlin im „Tage-Buch“ erschienen. Dass es sich bei Großmann (den Plöckinger mit der Schreibweise Stephan führt) um einen der prominentesten Journalisten seiner Zeit handelt, einen langjährigen Mitarbeiter und Feuilletonleiter der „Vossischen Zeitung“, zudem Mitbegründer der politischen Zeitschrift „Das Tage-Buch“, muss vielleicht doch eigens erwähnt sein. Großmann – offensichtlich ein Ungläubiger – zeigt sich in seinem Text weder besonders beeindruckt vom Rhetor Hitler noch von seinem Buch, dessen Stilisierungsversuche er mit grandioser Beiläufigkeit benennt. Geärgert haben wird Hitlers Genossen nicht zuletzt, dass Großmann Hitler keine besonderen Fähigkeiten, dagegen aber ein „pathologisches Ichgefühl“ zuschrieb, „das ja das Merkmal so vieler Minderwertiger“ sei. Zudem legt er den Finger in jene Leerstellen, die der bildungshungrige Autobiografiker offensichtlich lassen muss, weil er sie nicht recht füllen kann: Gelesen haben will Hitler mit größtem Eifer, ja studiert, aber was er da alles studiert hat, bleibt ungenannt, außer dem, was man aus der Zeitung kennt. Auch dass Großmann Hitlers Ausrede zu seinem „Durchpurzeln in der Schule“ als „Sums“ qualifiziert, wird dem nicht gefallen haben. Großmanns „Sums“ ist freilich bekannt genug, dass man es nicht mit einem [!] kennzeichnen muss. Und auch historisch eingeführte Schreibweisen wie „fascistisch“ nicht.

Andere Mühen machte sich der Rezensent der „Frankfurter Zeitung“, die als liberales Feigenblatt des Regimes bis 1943 erscheinen konnte, in seiner Besprechung des ersten Bandes von „Mein Kampf“. Immerhin folgt er den biografischen Linien, die Hitler legt, sehr weit, anscheinend neugierig darauf, wie dieser Mann zu dem geworden ist, der dann 1923 meinte, gegen die Reichsregierung putschen zu können. Und er wundert sich darüber, wie Hitler „ohne alle Kenntnis reichsdeutscher Verhältnisse allein mit seiner terroristischen Leidenschaft eine süddeutsche Hauptstadt faszinieren und von hier aus beinahe die Gespenstervögel des Bürgerkriegs über Deutschland jagen konnte“. Bewundernswert, wie sehr der ungenannte Verfasser der Rezension die sachliche Arbeit des Parlaments hervorhebt und die „konstruktive Politik“ lobt. Das ist für die aufgewühlten 1920er-Jahre eine ungewöhnliche Haltung. Aus dieser Sicht ist es eben nicht verwunderlich, dass der Artikel damit endet, dass Hitler „vollends nach diesem Selbstbekenntnis – erledigt“ sei. Auf dem Hintergrund zudem, dass die NSDAP Ende 1925 faktisch nicht mehr präsent war, ist diese Einschätzung nachvollziehbar.

Dass es Hitler gelang, aus diesem Fiasko heraus die Partei nicht nur zu konsolidieren, sondern alle Konkurrenten im völkischen Lager entweder auf seine Seite zu ziehen (Gregor Strasser, Rosenberg und Goebbels sind dafür die einschlägigen Beispiele) oder aus dem Feld zu schlagen wie etwa Ludendorff, zeugt für seine Fähigkeit, aus einer Position der Schwäche heraus erfolgreich agieren zu können, und dafür, dass es die richtige Entscheidung war, die NSDAP gegen die völkische Bewegung zu positionieren.

6. Blaupause Italien

Wenngleich die Frage, ob „Mein Kampf“ die Blaupause der späteren Politik Hitlers war, widersprüchlich beantwortet wird, der Vorbildcharakter, den die faschistische Machtübernahme mit Benito Mussolini an der Spitze für Hitler und die NSDAP hatte, wird nicht bestritten. Dabei sind die Unterschiede insbesondere der Persönlichkeiten der beiden faschistischen Diktatoren kaum größer zu denken. Der virile, den vitalen Willensmenschen bereits in seiner Physiognomie signalisierende Mussolini, der sich von Anfang an als Machtmensch gerierte, scheint wenig gemein zu haben mit dem eher unscheinbaren und in seinem persönlichen Auftreten zurückhaltend wirkenden Hitler, der erst durch die Entdeckung seines Rede- und Führungstalents sein politisches Talent entfaltete.

Allerdings sank Mussolini spätestens mit seinen missglückten Feldzügen auf dem Balkan und in Griechenland 1941 zum Satrapen Hitlers ab. Von dem Großmeister der faschistischen Internationale blieb wenig mehr übrig als ein eifriger Erfüllungsgehilfe des bis dahin äußerst erfolgreichen und anscheinend deutlich besser organisierten Hitler, der sich das italienische Beispiel eine Lehre hatte sein lassen, spätestens nachdem sein eigener Marsch auf die Feldherrenhalle im Fiasko geendet war. 15 Jahre später hatten sich die Verhältnisse umgekehrt.

Mussolini ist Gegenstand einer Biografie, mit der das Institut für Zeitgeschichte in diesem Jahr eine Reihe über die Diktatoren des 20. Jahrhunderts bei C.H.Beck begonnen hat. Ihr Verfasser, Hans Woller, Mitarbeiter des Instituts, ist bereits zuvor mit einer Reihe von Arbeiten zur Geschichte Italiens im 20. Jahrhundert und insbesondere zum italienischen Faschismus hervorgetreten, ist also kein Unbekannter im Arbeitsfeld.

Sein Ziel war keine umfassende Fachbiografie, betont Woller. Er habe sich stattdessen auf das Wesentliche fokussieren wollen, wie es sich unter dem Blickwinkel der modernen Forschung ergebe: Person, Hauptmerkmale des Regimes und deren historischer Ort in der Geschichte der Gegenwart seien das Interesse dieses Bandes wie der gesamten Reihe, so Woller. Mussolinis politische Biografie wird dennoch weitgehend lückenlos skizziert, angefangen bei den ersten publizistischen Gehversuchen in der Schweiz über den ominösen „Marsch auf Rom“ und die Partnerschaft mit dem deutschen Nationalsozialismus bis hin zur Entmachtung und zum Tod.

Naheliegend geht Woller auch auf die Differenzen und Analogien zwischen der italienischen und deutschen Fassung des Faschismus ein. Der Antisemitismus, der im italienischen Faschismus anfangs keine prominente Rolle gespielt habe, auch wenn Mussolini selbst wohl von Beginn an antisemitische Ansichten hatte (und dennoch jüdische Geliebte), sei erst mit der Radikalisierung in Italien Mitte der 1930er-Jahre verstärkt worden. Juden seien in diesem Zuge zwar schließlich als Ausländer diskreditiert worden, Mussolini habe die deutsche „Endlösung“ auch nicht kritisiert und habe noch im Juni 1943 kurz vor seiner eigenen Entmachtung die jüdischen Italiener der Jahrgänge 1907 bis 1925 in Zwangslager einweisen lassen. Der italienische Autor Primo Levi, dessen Berichte einen tiefen Einblick in die Verfahren der deutschen Vernichtungslager geben, ist eines seiner bis heute bekanntesten Opfer.

Im italienischen Faschismus habe aber die Judenverfolgung keine derart zentrale Rolle gespielt wie im deutschen Nationalsozialismus. Erst dem deutschen Vorbild nacheifernd habe Mussolini, je später, desto mehr eine rassische Säuberung Italiens bis hin zu eugenischen Lösungen ins Auge gefasst. Mit Zunahme der Krisen, die nicht zuletzt durch die Diskrepanz zwischen den Suprematiebehauptungen der faschistischen Elite und der wirtschaftlichen und militärischen Leistungsfähigkeit Italiens befördert wurden, radikalisierte sich der italienische Faschismus – und Mussolini war, wenn man Woller hier folgen darf, der letzte, der hier bremsend eingegriffen hätte.

Auch der Verlauf der Machtübernahme der italienischen Faschisten erinnert strukturell an die des Nationalsozialismus. Der „Marsch auf Rom“, der nach Woller keineswegs der triumphale und überwältigende Zug des kommenden Duce auf die marode italienische Hauptstadt gewesen ist, sondern eigentlich ein Fiasko war, kehrt im Putschversuch Hitlers 1923 wieder. Mussolini hätte kläglich scheitern können – und war sich dieses Risikos wohl auch bewusst. Allerdings waren die italienischen Eliten 1922 deutlich stärker zerrüttet als die deutschen 1923, hinzu kommt die desolate Situation der Regierung Italiens 1922 wie auch der italienischen Wirtschaft. Der Terror der Schwarzhemden stand den Deutschen 1923 allerdings noch bevor. SA und SS eroberten erst nach der Restituierung der Partei und der Institutionalisierung Hitlers zum unumstrittenen Führer Ende der 1920er-Jahre die Straßen der Republik.

Woller zeigt nicht den vitalen, von sich unerschütterlich überzeugten Willensmenschen Mussolini, sondern einen unsicheren, von den Ereignissen oftmals überrollten, dabei skrupellosen und radikalen, von sich und seiner Sicht auf die Welt überzeugten Duce. Er porträtiert Mussolini als ersten „Popstar der Politik“, als einen Politiker neuer Machart, der sein Handeln präzise am Erfolg bei den Massen auszurichten versteht. Trotz der Gewaltwelle, die von Mussolini und den von ihm nicht kontrollierbaren Schwarzhemden ausging, versprachen sich die Italiener vom Kraftprotz Mussolini anscheinend vor allem Ordnung, Ruhe und mehr Entschlusskraft und Erfolg, als die Regierungen zuvor vorzuweisen hatten. Die Tendenz zum Militärischen und zum Krieg, die dem Faschismus (nicht anders als dem Nationalsozialismus) innewohnte, weil in seinem Verständnis nur kämpfende Völker überleben (ein völkisch verstandener Nietzsche stand hier wohl nicht zuletzt Pate), wurde so lange hingenommen, wie damit wirtschaftliche Vorteile, aber auch die nationale Aufwertung verbunden waren. Sobald die Nachteile und Kosten jedoch die Vorteile überwogen, begann die Zustimmung zum Faschismus, allerdings erst spät, zu bröckeln.

Woller bestätigt damit zum einen, wie sehr die faschistischen Frontleute und hier vor allem Mussolini im Aufstieg Vabanque spielten, wie sehr sie im unübersichtlichen Feld der widerstreitenden politischen Akteure lavierten. Er kann darüber hinaus zeigen, dass für die faschistische Machtübernahme die Strategie der Faschisten selbst, historische Zufälle und die Schwäche der politischen Eliten zusammentreffen mussten, die mehr Angst vor dem Bolschewismus und der Demokratie hatten als vor den selbstermächtigen und gewaltbereiten Extremisten, die vor keiner politischen Provokation und keiner Gewalttat zurückschreckten und dafür stets belohnt wurden.

Dass die aufsteigenden Nationalsoziallisten anfangs mehr von den Faschisten an der Macht lernten als umgekehrt, ist naheliegend. Aber dabei sollte es ja nicht bleiben. Aufschlussreich ist auch, dass im Unterschied zu Hitler Mussolini keine Hauptschrift vorgelegt hat, um die herum eine derart große Aufmerksamkeitskultur entwickelt worden ist. Und das, obwohl Mussolini als ein höchst produktiver Autor begonnen hat und wohl als der professionellere Schreiber von beiden gelten kann. Mag sein, dass Hitler diese Leerstelle im italienischen Faschismus wahrgenommen hat. Mag aber auch ebenso sein, dass der italienische Faschismus eine deutlich höhere Überlebenschance gehabt hätte als der deutsche, hätte sich Mussolini nicht derart eng an Hitler angelehnt.

Insofern ist Wollers Biografie höchst lehrreich und gibt zahlreiche Anregungen, die faschistischen Revolten in ihrer Entstehung genau zu analysieren. Bei aller Sachkunde hätte man sich allerdings etwas weniger Küchenpsychologie gewünscht: Woller vermutet hinter Mussolinis anhaltendem sexuellen Appetit eine „innere Leere“, was wohl im Umkehrschluss zulassen könnte, bei Hitler, der bis heute als sexuell eher inaktiv gilt, das Gegenteil anzunehmen. So weit wird man aber nicht gehen wollen.

Stattdessen bietet es sich an, Mussolinis Neigungen, jenseits der persönlichen Disposition, als konzeptionell konsistent aufzufassen. Immerhin passt Mussolinis Promiskuität ausgezeichnet zu dem Konzept des virilen und vitalen Mannes, der Sport treibt, sich nur halb bekleidet im Bad wie im Schneetreiben ablichten lässt und der in seiner Körperlichkeit ungemein präsent ist. Hitler wählte – vielleicht notgedrungen – ein anderes Konzept, das nicht weniger wirksam war. Wie es im Seelenleben der beiden Diktatoren dabei ausgesehen hat, entzieht sich unserer Kenntnis und ist gegebenenfalls auch irrelevant. Wie auch für den Erfolg des Faschismus und ihrer Führer deren psychische Brüche weniger relevant sind als ihre Fähigkeit, sich aus einer nachrangigen und minoritären Position an die Spitze einer modernen Industriegesellschaft zu katapultieren und dort ein totalitäres Regime zu etablieren. Ein bisschen „innere Leere“ werden dabei vielleicht beide hingenommen haben.

7. Extremer Text oder das Absolut Böse?

Die größte Aufmerksamkeit bei den Publikationen zu Texten, die dem Nationalsozialismus eng verbunden sind, hat zweifelsohne die kommentierte Edition von Adolf Hitlers „Mein Kampf“ auf sich gezogen, die in diesem Jahr, kurz nachdem das Urheberrecht erloschen war, vorgelegt wurde. Die publizistischen Reaktionen waren bereits im Vorfeld ungemein stark, es gab zum Teil erheblichen Widerstand. Dies hat sich nach der Veröffentlichung nicht geändert.

Der Intention der Betreiber, dem Text und seiner Mystifizierung mit einer intensiven Kommentierung „entgegenzuarbeiten“, wurde massiv widersprochen. Patrick Bahners, München-Korrespondent der „FAZ“, führte in einem Beitrag für den „Merkur“ (Heft 3/2016) gegen diese Formulierung sogar eine zeitgenössische, anscheinend aber singuläre Quelle ins Feld, nach der „entgegenarbeiten“ im Sinne von zuarbeiten verstanden werden muss. Immerhin habe sich dieses Verständnis in der einschlägigen Forschung durchgesetzt, es sei „in der NS-Forschung üblich“ (was, wenn dies zuträfe, bemerkenswert wäre, da damit eine stilistische Sonderlichkeit zur Norm erhoben, ein ironisches Zitat konterkariert würde). Die Verwendung durch die Herausgeber der kommentierten Ausgabe sei kontaminiert und ins Gegenteil des wohl eigentlich Gemeinten zu verkehren. Wenn man Bahners an dieser Stelle auslegen darf, dann gibt er damit zu verstehen, dass, wer auch immer Hitlers „Mein Kampf“ der Öffentlichkeit zugänglich mache, kommentiert oder nicht, sich damit abfinden müsse, dass er die Sache des Nationalsozialismus betreibe.

Er stützt sich dabei auf einen Beitrag des englischen Literaturwissenschaftlers Jeremy Adler, der in der „Süddeutschen Zeitung“ kurz vor der Veröffentlichung der Edition die These vertreten hatte, dass eine Edition qua Definition die Sache eines Autors betreibe, ihn zudem zum Klassiker aufwerte – und beides sei bei diesem Autor und diesem Buch nicht vertretbar.

Außerdem hielt Adler es für anrüchig, dass eine editorische Methode, die am Talmud entwickelt worden sei, nun auf „Mein Kampf“ angewendet werde. Gemeint ist damit, dass sich die Editoren entschieden, den Originaltext jeweils auf die rechten Seiten zu setzen und den textkritischen Apparat sowie die Stellenkommentare um den Text herum als Glossen zu platzieren. Erreicht wird damit, jenseits jeder Anrüchigkeit, ein schneller und unmittelbarer Zugriff auf die Kommentare und Textvarianten, was man im Grund jeder Edition wünscht.

Ob allerdings die Übernahme der Methode anrüchig sein kann, ist fraglich, denn letztlich sind alle editorischen Prinzipien ursprünglich an religiösen Texten entwickelt worden. Will man daraus kein Generalverdikt machen, muss auch die Anwendung bei so extremen Texten wie diesem möglich sein. Andernfalls nicht. Dann wäre allerdings der editorischen Willkür Tür und Tor geöffnet, denn wem würde man die Entscheidungskompetenz zuweisen, welche Edition zulässig wäre und welche nicht?

Adler geht in seinem Artikel sogar so weit, anzudeuten, dass die Edition dieses Textes strafbar sei, da es sich um eine Hetzschrift handele, deren Verbreitung inkriminiert, mindestens aber als „Affront gegen den Staat“ zu betrachten sei. Das „Böse“ lasse sich nicht edieren, der Missbrauch der Edition lasse sich nicht verhindern, betont Adler, was zwar stimmt, aber dennoch nicht gegen die Edition von „Mein Kampf“ spricht. Adler mystifiziert einen politischen Text der 1920er-Jahre (der inhaltlich allerdings nicht derart singulär ist, wie es Adler anscheinend meint), der analysiert und kommentiert gehört. Außerdem gibt er damit ein klares Votum gegen politische Mündigkeit und gegen ein Zentraldiktum der Aufklärung ab: „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.“ Das muss auch bei einem solchen Text gelten dürfen. Gerade an ihm beweist sich, wie weit sich die deutsche Zivilgesellschaft vom Nationalsozialismus entfernt hat. Für die historische, kulturhistorische und literaturwissenschaftliche Forschung zur Geschichte des Nationalsozialismus und der Weimarer Republik war die Kommentierung von „Mein Kampf“ aus dieser Sicht ein Desiderat.

Die intensive mediale Debatte ist weitgehend auf der Website des Instituts für Zeitgeschichte dokumentiert, wenngleich einige Lücken zu beklagen sind. So fehlen etwa die Beiträge der „Süddeutschen Zeitung“ vom 7. Januar, darunter die scharfe Polemik von Jeremy Adler gegen das Projekt, wohl aus rechtlichen Gründen, was zu bedauern ist.

Wissenschaftliche Editionen, die historische relevante Texte aufbereiten und kommentieren, richten sich in der Regel jedoch an die scientific community. Deren Standards müssen Editionen gehorchen, das heißt, der Referenztext der Edition muss benannt sein, der textkritische Apparat muss die Textentwicklung hinreichend dokumentieren, Textvorstufen und -vorarbeiten müssen transparent gemacht werden. Die Einleitung muss den Text in den werkbiografischen, kulturellen und in diesem Fall insbesondere historischen wie politischen Kontext verorten. Stellenkommentare müssen notwendige Erläuterungen geben, in denen die offenen und verdeckten Quellen des Textes sowie sein Subtext erkennbar werden.

Die Edition soll in der Tat, wie Wolfgang Benz in seiner „Zeit“-Rezension eingeräumt hat, den Forschungsstand wiedergeben, nicht Forschungslücken auffüllen. Allerdings machen Editionen oft erst Forschungslücken erkennbar, deren Nacharbeitung anderen vorbehalten bleibt. Die Kommentierung des Hitler-Textes sollte deshalb weitergeführt werden, eben nicht nur in wissenschaftlichen Monografien, wie dies Adler einschränkt, sondern eben auch in der Weiterschreibung des Kommentars.

Die Kommentierung, die jetzt vorgelegt wurde, ist für die Implementierung des Textes in den Forschungshorizont mehr als sinnvoll, angesichts der Bedeutung, die ihm zugemessen wird, sogar geboten. Die These, dass eine solche Edition die Sache des Autors und seines Textes befördere, ist dysfunktional, mehr noch, sie befördert seine Mystifizierung, was gerade in diesem Falle tunlichst vermieden werden sollte.

Nun steht die Edition des Textes nicht ohne Grund in der Medienöffentlichkeit und wird intensiv und widerstreitend diskutiert. Das Institut für Zeitgeschichte hat bewusst die breitere Öffentlichkeit gesucht und die Edition auch in einem politischen Kontext zu positionieren versucht. Diesen Text kommentiert zu edieren bedeutet, seine verhängnisvolle Wirkung zu entschärfen, so sinngemäß das Institut für Zeitgeschichte.

Allerdings bleibt zu fragen, ob die breitere Öffentlichkeit tatsächlich der korrekte Adressat ist. Der publizistische Erfolg der Ausgabe scheint dies zu bestätigen. Die Erstauflage war nach nur kurzer Zeit vergriffen. Nachauflagen sind bereits in den Verkehr gebracht. Die Editoren haben der erwartbaren kritischen Resonanz immerhin mit größtmöglicher Transparenz zu begegnen versucht. Sie erläuterten eben nicht nur die Editionsziele und -prinzipien, sondern auch die Wahl der Darstellung und Kommentierungsform bis hin zur Typografie. Ihnen sollte nicht einmal hier ein Lapsus unterlaufen, was ihnen jedoch wenig genutzt hat. Denn wer quasi im Fettnapf lebt, wird ihm nicht entkommen können.

Die Einleitung der Edition zieht die Konsequenzen aus dem unentrinnbaren Dilemma, in dem diese Ausgabe steckt. Sie versucht, es durch noch mehr Kommentar und Reflexion als sonst üblich zu entschärfen. Auf knapp 90 Seiten erläutern die Editoren ihr Vorgehen detailliert.

Die Herkunft des Editionsprinzips wird nicht verschwiegen, wird aber nicht als problematisch angesehen, da die Brauchbarkeit und Lesefreundlichkeit im Vordergrund stehen. Der textkritische Apparat ist allerdings reduziert, was mit der Vielzahl der Auflagen begründet wird, die „Mein Kampf“ vor allem seit 1933 erlebt hat. Die meisten Umarbeitungen habe der Text bis zur sogenannten „Volksausgabe“ erlebt, in der 1930 der erste und zweite Band zusammengefasst wurden, wie bei einer Stichprobe von zwei Kapiteln in 38 Auflagen ermittelt wurde. Dies bestätige ein Attest, das bereits Hermann Hammer 1956 in einem Vergleich ausgewählter Fassungen im Jahr 1956 ausgestellt habe.

Die Stichprobe ergab für den Zeitraum bis 1930 insgesamt rund 2.300 Änderungen, während zwischen 1930 und 1939 lediglich knapp 300 Änderungen vorgenommen wurden. Das Gros der Änderungen bezog sich allerdings auf stilistische Korrekturen oder auf Schreibweisen. Inhaltlich relevante und weittragende Änderungen seien nur in geringem Maße festgestellt worden. Hitler selbst hat aber anscheinend den Text später nicht mehr redigiert. Diese Aufgabe sei verschiedenen Redakteuren, unter ihnen Rudolf Heß, zugefallen. Dass Varianten auf einen Neusatz zurückgehen, haben die Editoren allerdings nicht in Betracht gezogen.

Eine der wenigen inhaltlich relevanten Änderungen betreffe die Konstituierung des „Führers“ selbst, teilen die Editionen mit. Im 12. Kapitel des ersten Bandes wurden demnach die Hinweise auf die „germanische Demokratie“ und die „Wahl des Führers“ getilgt. Stattdessen handelt der Absatz nun davon, dass die mittleren Chargen jeweils von den oberen Ebenen bestimmt werden sollten. Der Führer selbst bleibt nun ohne Erwähnung.

Dass die Editoren der Ausgabe erster Hand folgten, ist naheliegend, weniger weil der Text fast keinen wesentlichen Änderungen unterzogen wurde, sondern weil diese anscheinend nicht vom Autor selbst stammen (was allerdings die Frage nach der Herkunft der oben stehenden Änderung aufwirft). In einem Interview von 1936, das auch Vitkine zu Rate zog, hat Hitler dies vor allem damit begründet, dass er Politiker und nicht Schriftsteller sei.

Varianten werden nach den Auflagen 1930, 1933, 1937, 1939 und 1944 angegeben, womit die Editoren eine Auswahl getroffen haben – was immer problematisch, in diesem Fall aber nachvollziehbar ist, da die Wiedergabe aller Varianten aller Voraussicht nach den Apparat überfrachtet und wenig Gewinn gebracht hätte. Allerdings hätte man sich als Nutzer gern selbst davon überzeugt, ohne den Editoren damit zu nahe treten zu wollen.

Der Kommentar zielt darauf ab, die Angaben und Darstellungen Hitlers mit den notwendigen historischen Hintergründen zu versehen, dabei Irrtümer und Falschdarstellungen zu korrigieren und auf die Quellen, die Hitler in Anspruch nimmt, sowie auf den ideengeschichtlichen Kontext, auf den er sich bezieht, zu verweisen. Nicht zuletzt die massive Stilisierung der Selbstbiografie Hitlers sollte korrigiert werden.

Dem Text soll mit größtmöglicher Transparenz begegnet werden, um so viel wie möglich über ihn, seine Ziele, seine Verfahren und die Umstände, in denen und aus denen heraus er entstanden ist, zu informieren. Das ist nicht mehr und nicht weniger, als von jeder, gerade historiografischen Edition zu erwarten ist. Sie muss ihren Text und die für sein Verständnis notwendigen Materialien angemessen aufbereiten.

Im Fall Hitlers ist das allerdings in besonderem Maße notwendig, da Person und Text um 1925 durch ihre fatale Entwicklung retrospektiv zu einem besonderen Fall geworden sind. Historisch gesehen ist Hitlers „Mein Kampf“ kaum mehr als ein weiteres Pamphlet aus dem nationalistischen Kontext, weder besonders originell noch besonders bösartig (auch wenn seine Aggression deutlich genug formuliert ist). Den Text wie seinen Verfasser mit dem „Bösen“ zu identifizieren, wie Jeremy Adler dies tut, verhindert wahrzunehmen, wie eng extremistische Positionen an die Normgesellschaft anschließen, wie nahe sie ihr sind. Deshalb tut es umso mehr not, sich mit den Grauzonen zwischen den zivilisierten Gesellschaften und ihren extremen Rändern zu beschäftigen. Aus der ewigen Wiederkehr des „Bösen“ gibt es nur einen Ausweg: mehr Aufklärung.

Allerdings ist nicht auszuschließen, dass die Editoren in ihrem Bemühen, etwa Fehler Hitlers zu korrigieren, einem Irrtum aufsitzen. Denn grundsätzlich ist es möglich, dass Hitler mit solchen Fehlern eine relativ genau nachvollziehbare Intention verfolgte, dass er also jenem Prinzip folgte, das Koschorke als Provokationsstrategie beschrieben hat. Danach wären Fehler und Falschbehauptungen Teil des Desorientierungsverfahrens, als dessen Ausweg sich allein der Autor dieses Textes respektive dieser Fehlinformation geriert. In diesem Kontext kommt es nicht darauf an, ob eine Information oder Nachricht wahr ist, sondern ob sie geglaubt wird, ob sie ins Erklärungsmuster passt, das Autor und Leser teilen.

Aber dazu ein Beispiel: Die Editoren geben eine Anmerkung zur Behauptung Hitlers wieder, dass Deutschland bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs gegen die größten Militär- und Industriestaaten gekämpft habe, die einen aktiven Angriffspakt geschlossen hätten. Diese Behauptung sei falsch, da Deutschland eben zu Kriegsbeginn selbst nach den USA der zweitgrößte Industriestaat weltweit gewesen sei. Die USA hätten zudem erst spät, nämlich 1917, in die Kämpfe aktiv eingegriffen, Großbritannien erst, nachdem das neutrale Belgien von Deutschland besetzt worden sei. Von einem Angriffspakt könne also keine Rede sein. So weit, so gut.

Der Hinweis auf die Größe der Industriestaaten ignoriert jedoch Hitlers rekonstruierbare Intention und wäre gegebenenfalls mit einem Hinweis auf die Größe Frankreichs, Russlands und eben dann auch Großbritanniens zu unterlaufen. Hitlers Konstruktion zielt ja gerade (bei aller Unschärfe) darauf ab, die Größe der Allianz gegen Deutschland hervorzuheben, mithin den Krieg als Kampf gegen eine Übermacht zu apostrophieren, gegen die jeder andere sehr viel schneller in die Knie gegangen wäre. Und wäre da nicht die Heimatfront, die zusammengebrochen sei, hätte möglicherweise sogar ein Sieg herauskommen können – um die Konstruktion hinreichend zu skizzieren. Die Korrektur läuft ins Leere, bleibt aber immer noch unzweifelbar geboten. Denn gerade in der Großzahl solcher, die historischen Ereignisse und Zusammenhänge umdeutender Darstellungen steckt das seinerzeit explosive Potential der Ansichten Hitlers, so wie sie hier niedergeschrieben sind.

Auch wird bereits in der Einleitung erkennbar, dass Edition und Kommentierung erst den Grundstein legen können, also ein Zwischenergebnis vorlegen: Die Editoren geben beispielsweise an, dass der Begriff „Volksgemeinschaft“ immerhin etwa 40 Mal verwendet werde, zu diesem Zeitpunkt (1925/26) sei er jedoch keineswegs exklusiv dem völkischen Bereich zuzuordnen. Erst Jahre später sei er von rechtsradikalen Ideologien vereinnahmt gewesen. Auffallender Weise fehlt hier wie auch bei der Anmerkung zur ersten Nennung des Begriffs (I/47) jeder Verweis auf die Debatte um die Begriffe Gemeinschaft und Gesellschaft, die in den 1920er-Jahren intensiv geführt und die mit den Soziologen Ferdinand Tönnies und Helmuth Plessner verbunden wird und die etwa in Karl Jaspers „Die geistige Situation der Zeit“ (1932) Platz findet. Auffallend ist auch, dass die Editoren die Verwendung bei Friedrich Ebert, auf die sie verweisen, durchaus begründen. Hinweise darauf aber, warum Hitler den Begriff wählte, fehlen. Dabei ist es durchaus aufschlussreich, dass er zwei zentrale Begriffe seines Denkmusters, Volk und Gemeinschaft, eng aneinanderbindet: Das lässt sich durchaus als Versuch werten, den Begriff zu besetzen, und zwar ideologisch eindeutig.

Die Selbstbeschränkung des Kommentars wird auch an einer Passage erkennbar, die das literatur- und kunstwissenschaftliche Interesse bedient. In der Schilderung des seinerzeitigen Niedergangs (Kapitel 10 des ersten Bandes) kommt Hitler auch auf den vermeintlichen kulturellen und künstlerischen Verfall zu sprechen, den er als „Bolschewismus der Kunst“ bezeichnet. Er fasst darunter die „krankhaften Auswüchse irrsinniger oder verkommener Menschen, die wir unter dem Sammelbegriff des Kubis- und Dadaismus seit der Jahrhundertwende kennenlernten“, was vor allem an der bolschewistischen Staatskunst erkennbar sei. Was von der Münchener Räterepublik zu halten gewesen ist, hätte man, wenn man ihm hier folgt, eben nicht nur an den politischen Zielen, sondern auch am kulturellen „Verfall“ erkennen können, seien doch Phänomene von „Kubis- und Dadaismus“ auf deren Plakaten zu finden gewesen.

Auffallend ist an dieser Passage, dass der Expressionismus in Hitlers Text selbst nicht erwähnt wird. Das Register der Ausgabe verweist dennoch auf die Seiten 273 und 278 des ersten Bandes. Das Register des mir vorliegenden Drucks der „Volksausgabe“ von 1930 kennt das Lemma Expressionismus nicht – anders als die Stichworte Dadaismus, Bolschewismus der Kunst und Kubismus. Der Kommentar nimmt den Expressionismus zwar auf, da er in der Formulierung vom „inneren Erleben“ einen Hinweis darauf sieht, kommt aber nicht darum herum, Hitlers Ausführungen vor allem auf Dadaismus und Kubismus zu beziehen. Die Ablehnung des Futurismus, die sich gleichfalls in dieser Passage findet, ist insofern bemerkenswert, als Hitler die große Nähe des italienischen Futurismus zum Faschismus möglicherweise entgangen ist. Möglicher Weise ignorierte er sie an dieser Stelle, da der Futurismus in Deutschland gleichermaßen der modernen Verfallskunst zugeschlagen wurde. Die Querverbindungen zum Expressionismus wären hier erwähnenswert, galt der Expressionismus zeitweise doch als deutsche Variante des Futurismus. Der Kommentar zeigt sich also in dieser Passage denkwürdig verkürzt und unvollständig, zumal die gescheiterten Versuche, den Expressionismus nach 1933 als deutsche Variante der Moderne im Nationalsozialismus zu etablieren, bekannt genug sind.

Erkennbar wird daraus, dass der Kommentar hilfreiche Informationen liefert, dabei aber immer wieder zu Ergebnissen kommt, die kaum als abgeschlossen gelten können. Eine Weiterarbeit wird also notwendig sein, um eine umfassende und angemessene Kommentierung zu ermöglichen. Insbesondere die Fokussierung auf die politische Geschichte und der Verzicht auf weitergehende soziologische, philosophische und kunst- respektive literaturwissenschaftliche Studien sollten aufgehoben werden.

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Othmar Plöckinger: Geschichte eines Buches: Adolf Hitlers „Mein Kampf“. 1922 – 1945.
Eine Veröffentlichung des Instituts für Zeitgeschichte.
Oldenbourg Verlag, München 2011.
632 Seiten, 69,95 EUR.
ISBN-13: 9783486705331

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Titelbild

Antoine Vitkine: Hitlers „Mein Kampf“. Geschichte eines Buches.
Übersetzt aus dem Französischen von Sabine Hedinger, Sabine Schneider und Christian Stonner.
Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2015.
320 Seiten, 16,00 EUR.
ISBN-13: 9783455503951

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Othmar Plöckinger (Hg.): Quellen und Dokumente zur Geschichte von „Mein Kampf“ 1924–1945.
Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2015.
695 Seiten, 99,00 EUR.
ISBN-13: 9783515111645

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Titelbild

Albrecht Koschorke: Adolf Hitlers „Mein Kampf“. Zur Poetik des Nationalsozialismus.
Matthes & Seitz Verlag, Berlin 2016.
94 Seiten, 10,00 EUR.
ISBN-13: 9783957572813

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Adolf Hitler: Mein Kampf. Eine kritische Edition. 2 Bände.
Hg. im Auftrag des Instituts für Zeitgeschichte München – Berlin von Christian Hartmann, Thomas Vordermayer, Othmar Plöckinger, Roman Töppel.
Institut für Zeitgeschichte, München und Berlin 2016.
2000 Seiten, 59,00 EUR.
ISBN-13: 9783981405231

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Hans Woller: Mussolini. Der erste Faschist. Eine Biografie.
Verlag C.H.Beck, München 2016.
400 Seiten, 26,95 EUR.
ISBN-13: 9783406690341

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