Nick Hornbys Erfolgsrezept

Ein Thema, drei Romane

Von Uwe WittstockRSS-Newsfeed neuer Artikel von Uwe Wittstock

Besprochene Bücher / Literaturhinweise

In den achtziger Jahren wußte der englische Nachwuchsschriftsteller Nick Hornby nicht viel mit seinem Leben anzufangen. Wenn man seinem ersten autobiographischen Buch "Fever Pitch" trauen darf, rutschte er durch die eigene Antriebs- und Orientierungslosigkeit in eine veritable Depression hinein. Die Tage waren ihm wüst und leer, und er füllte seine schrecklich freie Freizeit vor allem mit Fußball, Fernsehen und Popmusik.

Doch dann machte Hornby, der ein intelligenter und witziger Mann ist, zwei prägende Erfahrungen. Mit einem Mal, ohne daß er genau sagen konnte warum, hob sich seine Depression wie ein lustiger Morgennebel, hob sich, löste sich auf und verflog. Wo zuvor alles in trübem Einerlei verschwamm, da waren plötzlich feste Konturen, Licht und deutliche Perspektiven. Woraufhin Hornby zweitens klar wurde, daß man Lebensziele nicht frei Haus serviert bekommt, sondern daß man sie sich selbst setzen muß, und daß sie genau jenes Gewicht für einen haben, das man für sie in die Waagschale zu werfen bereit ist. Folglich rückte er nicht mehr Fußball, Fernsehen, Popmusik ins Zentrum seiner Tage, sondern regelmäßige (literarische) Arbeit und stabile menschliche Bindungen.

Zwei nicht gerade weltbewegende, nicht gerade überwältigend neue Erfahrungen, aus denen Hornby gleichwohl bislang drei Romane gemacht hat. Diese Feststellung mag zunächst despektierlich klingen, ist aber nicht so gemeint. Denn über die literarische Qualität eines Buches entscheidet in der Regel nicht die Frage, ob die Erfahrungen, von denen der Autor berichtet, neu, überwältigend oder weltbewegend sind. Wie selten gibt es etwas wirklich Neues unter der Sonne. Viel entscheidender ist die Frage, wie präzise und überzeugend der Autor seine Erfahrungen auf dem Papier anschaulich zu machen versteht.

Genau hier liegen Hornbys Stärken. Er konzentriert sich ganz auf den so schmalen Lebenskreis seiner Figuren, auf ihren Egoismus, ihre Orientierungslosigkeit und Besessenheit (durch Fußball, Fernsehen, Popmusik). Aber er beschreibt das alles so kenntnisreich und detailgetreu, daß wir in diesem schmalen Lebenskreis plötzlich Züge unserer Gegenwart erkennen können, eben ihrer Besessenheiten (unter anderem durch Sport, Fernsehen, Popkultur), mit denen eine Leere gefüllt wird, die der Egoismus und die Orientierungslosigkeit der Epoche aufreißen.

Titelbild

Nick Hornby: High Fidelity.
Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 1996.
336 Seiten, 20,30 EUR.
ISBN-10: 3462025244

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Nick Hornby: Fever Pitch.
Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 1997.
335 Seiten, 10,20 EUR.
ISBN-10: 3462025864

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