Tanzende Britinnen

Heines Gedichte und Prosatexte in ansprechender Form

Von Ursula HomannRSS-Newsfeed neuer Artikel von Ursula Homann

Besprochene Bücher / Literaturhinweise

Wer erinnert sich noch an die unsäglich peinliche Diskussion, ob die Düsseldorfer Universität den Namen Heines tragen solle oder nicht? Eine Diskussion, die - man bedenke - im Nachkriegsdeutschland geführt wurde! Aber dann hat die Düsseldorfer Universität doch noch Heinrich Heine, den "ungezogenen Liebling der Grazien", diesen vielleicht geistreichsten Schriftsteller deutscher Sprache, zu ihrem Namenspatron gemacht, sodass sie heute ihren Namen "Heinrich-Heine-Universität" mit einem gewissen Stolz trägt und sich ihrem Namensgeber durchaus verpflichtet fühlt. Zu seinem 150.Todestag hat sie sogar ein kleines ansprechendes Bändchen mit einer Auswahl seiner Gedichte und Prosatexte herausgegeben.

"Brillanter Intellekt, weltoffener Geist und weites Herz" sei Heine zu eigen gewesen, schreiben die Herausgeber in ihrem Vorwort und rühmen seine "Toleranz gegenüber anderen Menschen und Meinungen" sowie sein "Engagement für den Kulturraum Europa". Leben, Werk und Vermächtnis Heinrich Heines seien mithin der Universität ein dauernder Ansporn.

Die Zitatensammlung "aus der Apotheke des Poeten" beginnt mit Heines Bekenntnis:

"Ich bin ein deutscher Dichter,
Bekannt im deutschen Land;
Nennt man die besten Namen,
So wird auch der meine genannt."

So ist es tatsächlich dann auch gekommen, obwohl der Dichter in seinen "Geständnissen" noch bekennt, dass er es "auf dieser schönen Erde zu nichts gebracht" habe, "wie die Leute sagen", als zu einem Dichter, oder um seinen Onkel Salomon, der ihn zeitlebens großzügig unterstützt hat, zu zitieren: "Hätt' er was gelernt, braucht er nicht zu schreiben Bücher."

Heines Lebenslauf spiegelt sich in vielen seiner Texte, beginnend mit der Stunde seiner Geburt, "um meine Wiege spielten die letzten Mondlichter des achtzehnten und das erste Morgenrot des neunzehnten Jahrhunderts." Geboren wurde er am 13. Dezember 1797 in Düsseldorf, in einer Stadt, wo zur Zeit seiner Kindheit "nicht bloß die Franzosen, sondern auch der französische Geist herrschte."

Aus Heines Blickwinkel erlebt man seine Kindheit und Jugend mit und lernt selbst seine Mutter kennen, die mit ihren Erziehungsversuchen angeblich bereits vor seiner Geburt begonnen hatte und die Programme für all seine Studien erstellte. Schon früh hat der zukünftige Dichter ein starkes Selbstbewusstsein entwickelt: "Ich bins gewohnt, den Kopf recht hoch zu tragen".

Dem Thema "Schule, Studium, Lernen" ist ein weiteres Kapitel gewidmet. Man erfährt, wie schwer Heine Latein fiel, während er mit dem Fach Deutsch offensichtlich keine Mühe hatte. Heine wörtlich: "Was aber das Lateinische betrifft, so haben Sie gar keine Idee davon, Madame, wie das verwickelt ist. Den Römern würde gewiss nicht Zeit genug übrig geblieben sein, die Welt zu erobern, wenn sie das Latein erst hätten lernen sollen. Diese glücklichen Leute wussten schon in der Wiege, welche Nomina den Akkusativ auf im haben. Ich hingegen musste sie im Schweiße meines Angesichts auswendig lernen, aber es ist doch immer gut, dass ich sie weiß... Vom Griechischen aber will ich gar nicht sprechen, ich ärgere mich sonst zu viel. Die Mönche im Mittelalter hatten so ganz Unrecht nicht, wenn sie behaupteten, dass das Griechische eine Erfindung des Teufels sei. Gott kennt die Leiden, die ich dabei ausgestanden...".

In Heines "Aufzeichnungen" findet man auch lebenspraktische Ratschläge: "Handwerker oder Philologe soll man werden, man wird zu allen Zeiten Hosen brauchen, und es wird immer Schulknaben geben, die Deklinationen und Konjugationen gebrauchen". Wie irdisch Heine eingestellt und der Alltäglichkeit verhaftet war, geht auch aus folgender Überlegung hervor: "Aber ist das Geld nicht der Gott der ganzen Welt, ein allmächtiger Gott, den selbst der verstockteste Atheist keine drei Tage lang verleugnen könnte, denn ohne seine göttliche Hilfe würde ihm der Bäcker nicht den kleinsten Semmel verabfolgen lassen."

Über Kunst und Literatur urteilte er: "Die Musik ist vielleicht das letzte Wort der Kunst, wie der Tod das letzte Wort des Lebens".

Unter "Liebe, Liebesleid und Weibsbilder" spottet der nicht immer galante Autor: "Britinnen - sie tanzen, als wenn sie auf Eseln ritten." Die vielsagende Ballade über "Die Wallfahrt nach Kevlaar", bei der man nicht genau weiß, wie ernst oder spöttisch Heine hier die Haltung einer frommen und strengen Mutter betrachtet hat, fehlt gleichfalls nicht, ebenso wenig Hannah Arendts Lieblingslied "Schlage die Trommel und fürchte dich nicht" im Abschnitt "Freiheit".

Natürlich kommen die Liebe und das andere Geschlecht nicht zu kurz. "Die Liebe suchte ich auf allen Gassen" heißt es im "Buch der Lieder". In "Neue Gedichte" stehen dagegen die neckischen Verse:

"Ein Fräulein stand am Meere
Und seufzte lang und bang,
Es rührte sie so sehre
Der Sonnenuntergang.
Mein Fräulein! sein Sie munter,
Das ist ein altes Stück;
Hier vorne geht sie unter
Und kehrt von hinten zurück."

In "Abschied, Leid und Tod" wird der oft zitierte Satz "De mortuis nil nisi bene" sehr frei übersetzt mit "man soll von den Lebenden nur Böses reden."

"Mit Heine durch die Unwägbarkeiten des Lebens" verspricht ein weiteres Kapitel. Dann wieder stößt man auf mancherlei Texte aus der "Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland."

Der Band bietet mit seinem bunten Querschnitt eine gute Vorstellung von Heines Scharfsinn, Esprit und Witz, deretwegen ihn schon Zeitgenossen mit Aristophanes und Voltaire verglichen haben, und macht Appetit auf den ganzen Heine.

Als kleines akademisches Vergnügen ist in dem Band sogar ein Zitat eines anderen bedeutenden deutschen Autors versteckt - um welches Zitat es sich dabei handelt? Nun, das wird nicht verraten, das möge jede Leserin und jeder Leser selbst herausfinden.


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Heinrich Heine: ...aus der Apotheke des Poeten. Heinrich Heine (nicht nur) für Studierende.
Herausgegeben von Alfons Labisch und Christoph auf der Horst.
Grupello Verlag, Düsseldorf 2005.
120 Seiten, 7,90 EUR.
ISBN-10: 3899780507

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