Der von Sascha Kiefer und Torsten Mergen herausgegebene Sammelband „Gegenwartsnovellen“ nähert sich seinem Thema literaturwissenschaftlich und -didaktisch

Besprochene Bücher / Literaturhinweise

Wirft man einen Blick auf die diesjährigen Pflichtlektüren im Abitur, lässt sich feststellen, dass darunter eine große Anzahl von Novellen vertreten ist. Im Deutschunterricht der vergangenen Oberstufenkurse haben sich die Abiturient*innen in erster Linie mit den Klassikern des Genres aus dem 19. Jahrhundert auseinandergesetzt, doch stehen inzwischen immer häufiger auch novellistische Gegenwartstexte auf dem Plan. In Nordrhein-Westfalen beispielsweise lagen Die Marquise von O…. von Heinrich von Kleist und Der Sandmann von E.T.A. Hoffmann, aber eben auch Hartmut Langes Novellenband Das Haus in der Dorotheenstraße auf dem Prüfungstisch.

Nachdem die Textsorte in der Mitte des letzten Jahrhunderts bereits totgesagt worden war, hat ab den späten 70er Jahren – vor allem mit Martin Walsers Novelle Ein fliehendes Pferd – ein Gegentrend eingesetzt, der sich bis ins 21. Jahrhundert fortsetzt. In den vergangenen Jahren haben sich Autor*innen vermehrt der Textsorte angenommen, wobei Novellen aber nicht nur im Buchhandel beliebt sind und mitunter deutliche Verkaufserfolge feiern konnten. Auch als Schullektüre erfreuen sie sich ungebrochener Beliebtheit, da sie aufgrund ihrer Kürze und Einsträngigkeit gut zu überblicken sind und sich zudem für eine gattungstheoretische Diskussion anbieten.

Der neueren Novellistik widmet sich der von Sascha Kiefer und Torsten Mergen herausgegebene Aufsatzband Gegenwartsnovellen. Literaturwissenschaftliche und literaturdidaktische Perspektiven im 21. Jahrhundert. Es wird dabei das Ziel verfolgt, „[d]en aktuellen Stand der Gattung“ aus der im Untertitel benannten Sicht „zu reflektieren“ und Anregungen für die germanistische Novellendiskussion sowie den Deutschunterricht zu geben. Die darin versammelten Texte sind mehrheitlich aus dem Panel Die Novelle – eine zeit-gemäße Gattung. Fachwissenschaftliche und fachdidaktische Perspektiven auf die deutschsprachige Novellistik des 21. Jahrhunderts hervorgegangen, das vom 22.-25. September 2019 im Rahmen des 26. Deutschen Germanistentages an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken stattgefunden hat.

Einem Überblicksbeitrag zur Novelle im 21. Jahrhundert aus wissenschaftlicher wie didaktischer Perspektive schließen sich Beiträge an, die jeweils nach dem Veröffentlichungsjahr der von ihnen behandelten Novelle geordnet sind. Im Einzelnen sind das Hartmut Langes Die Bildungsreise (2000), Dirk Kurbjuweits Zweier ohne (2001), Thomas Lehrs Frühling (2001), Günter Grass’ Im Krebsgang (2002), Marlene Streeruwitz’ Morire in levitate (2004), Botho Strauß’ Die Unbeholfenen (2007), Siegfried Lenz’ Schweigeminute (2008), Hartmut Langes Das Haus in der Dorotheenstraße (2013), Jonas Lüschers Frühling der Barbaren (2013), Ulrich Tukurs Die Spieluhr (2013), Bodo Kirchhoffs Widerfahrnis (2016) und Terézia Moras Fisch schwimmt, Vogel fliegt (2016).

 

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Titelbild

Sascha Kiefer / Torsten Mergen (Hg.): Gegenwartsnovellen. Literaturwissenschaftliche und literaturdidaktische Perspektiven im 21. Jahrhundert.
Wehrhahn Verlag, Hannover 2021.
303 Seiten, 28,00 EUR.
ISBN-13: 9783865258182

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