Stellungnahmen und Überlegungen zum Thema und folgenden Projekt

Mein herzlicher Dank gebührt allen, die sich zum Projekt geäußert und zu Einzelthemen Stellung bezogen haben. Die Veröffentlichung ihrer Mitteilungen genehmigten die unten stehenden Personen.
Sabine Koloch

Inhalt

Ulrich Harsch, 13.1.2018
Mirko Nottscheid, 10.9.2018
Sonja Hilzinger, 10.9.2018
Peter Nusser, 13.9.2018
Wolfgang Kraushaar, 16.9.2018
Renate Berger, 18.9.2018
Hans Peter Herrmann, 18.9.2018
Hartmut Rosshoff, 20.9.2018
Gerd Simon, 19.10.2018
Gunter Gebauer, 3.11.2018

 

Augsburg, 13. Januar 2018

Liebe Frau Dr. Koloch,

zunächst die für Sie interessanten Fakten. Die Adresse von Hildegard Brenner: […]. Die Daten stammen von Helga Gallas (September 2016), die sie über Moritz Neuffer, „der noch unlängst mit Hildegard Brenner Kontakt hatte“, in Erfahrung bringen konnte. Neuffer hat auf der Zeitschriftentagung des Marbacher Literaturarchivs „Europäische Journalpoetik“ im November 2016 über die „alternative“ referiert (SZ vom 21. November 2016). Vielleicht ist er Ihnen ja bekannt. Das Verhältnis zwischen Helga Gallas und Hildegard war dann ja später zerrüttet. Sollten Sie Kontakt zu Hildegard Brenner bekommen, wäre ich für eine Nachricht dankbar.

Noch ein paar allgemeine Bemerkungen zu 1968. In diesem Jahr war meiner Ansicht nach die Bewegung bereits im Niedergang. Ich denke, die großen Zeiten waren die Jahre davor, als man sich intensiv mit den Marx’schen Frühschriften und dem Kommunistischen Manifest auseinandersetzte. Eine lebendige Diskussions- und Theoriekultur, das Prinzip Hoffnung. Marx’ erstaunliche Vorhersagen zur heutigen Globalisierung konnte man zu damaliger Zeit allenfalls erahnen. Diese Theoriekultur wurde dann mehr und mehr verdrängt durch die Bewegungen aus den USA, Hippies, Black Panther u. Ä. Auch die Massendemonstrationen haben die theoretische Durchdringung des Kapitalismus eher behindert. Auf dem Vietnamkongress 1966 in Frankfurt etwa wurden die Redebeiträge von Rudi Dutschke und Dieter Kunzelmann (beide damals Mitglieder der Viva-Maria-Gruppe) im Beisein Herbert Marcuses noch als phrasenhaft und unreflektiert ausgebuht. Doch das hatte sich dann bis 1968 rasant geändert. Zwar waren die Demonstrationen massenhaft, aber bei der Mehrheit war der Antrieb oft nur ein unbestimmtes Protestbedürfnis, ohne einen reflektierten Hintergrund. Mit der Kommune- und Hippie-Bewegung kam der kleinbürgerliche Rückzug in die Selbstverwirklichung. Die Medien nahmen sich der Sache auf ihre Weise an und die Zerstreuung begann: K-Gruppen, Kommunarden, Karrieristen. Radikalenerlass, Notstandsgesetze und Gerichtsprozesse hatten bei vielen zur Folge: Resignation und Rückzug, Isolation, Depressionen und Suizide. Ich kenne viele Schicksale, die denen von Gansberg sehr ähnlich sind. Aber trotz alledem, vielleicht haben unsere Funken, die eine Zeit lang glühten und dann erloschen sind, doch etwas bewirkt … und zu meinem Trost taucht Hartmut ja den Ertrag jener Jahre in sehr viel helleres Licht.

Ich stelle noch ein paar Sachen in den Anhang und
grüße Sie

Ulrich Harsch

 

Mainz, 10. September 2018

Sehr geehrte Frau Koloch,

vielen Dank für die Einleitung zu Ihrem Web-Projekt. Der Ansatz gefällt mir sehr gut, vor allem weil sie quellennah und zugleich von der personalen „Peripherie“ her an die Sache herangehen, also Studierende, AssistentInnen etc. fokussieren. Ihr Vorschlag, sich Peter Schütt einmal in dieser Zeit genauer anzusehen, vor all den späteren „Konversionen“, ist zweifellos interessant. Ich komme aber leider, wie gesagt, nicht dazu jetzt in dieser Richtung zu arbeiten ‒ jedenfalls nicht in absehbarer Zeit. Ich arbeite seit einigen Monaten in einem neuen Projekt, weit weg von der Wissenschaftsgeschichte, und muss mich jetzt darauf konzentrieren.

Mit freundlichen Grüßen,

Mirko Nottscheid

 

Berlin, 10. September 2018

Liebe Frau Koloch,

übrigens habe ich Ihren Beitrag zu Gansberg gelesen und fand ihn sehr beeindruckend. Er hat meinen Respekt für diese Pionierinnen in Sachen feministische Literaturwissenschaft noch vermehrt. Noch Jahrzehnte später habe ich allerdings Ähnliches erlebt, ich war Mitte der Neunzigerjahre die erste Frau, die am Mainzer Deutschen Institut habilitiert wurde und habe den Herren einen dezidiert feministischen Habil.-Vortrag vorgesetzt. Mein Doktorvater hatte mir ‒ nachdem ich meine M.A.-Arbeit über eine sprachkritische (nach A. Lorenzer) Auseinandersetzung mit „Häutungen“ und meine Diss. über Frauenliteratur in der DDR geschrieben hatte ‒ nahe gelegt, die Habil wenigstens über ein „richtiges“ Thema zu schreiben. Angesichts von so viel Empathie und Wertschätzung fiel es mir nicht schwer, die Uni hinter mir zu lassen, obwohl mir natürlich gerade die Arbeit mit den Studierenden gut gefallen hat.

[…]

Herzlichen Gruß und viel Erfolg!

Sonja Hilzinger

 

Berlin, 13. September 2018

Liebe Frau Koloch,

vielen Dank für Ihren Brief mit den vielen Angaben zu Ihrem interessanten Projekt. Es ist in der Tat meine Generation, die Sie da behandeln, und manche der Genannten waren meine Kollegen. Aber weiterhelfen kann ich Ihnen leider nicht. Über die Reihe „Texte Metzler“ könnten Sie am ehesten etwas vom damaligen Lektor des Metzler Verlags Bernd Lutz erfahren. Leider habe ich keinen Kontakt mehr zu ihm, weiß nicht, ob und wie man ihn erreichen kann ‒ vielleicht indem Sie dem Verlag schreiben und nach ihm fragen. Einen Band der „Romane für die Unterschicht“ schicke ich Ihnen morgen mit der Post.

Mir fällt eben noch ein, dass Bernd Lutz auch 4 Schulbücher für die Sekundarstufe 1 (jeweils einen Lehrer-, einen Schülerband) initiiert hat, die 1976 erschienen sind. Ich war daran beteiligt. Der Titel meines Buches war „Massenpresse, Anzeigenwerbung, Heftromane“. (Den ursprünglich vorgesehenen Titel „Manipulationsstrategien“ hat, wenn ich mich recht erinnere, der Springer Verlag verhindert, weil ich aus der BILD-Zeitung zu viele abschreckende Beispiele zitiert hatte. Aber dies weiß ich nur vom Hörensagen ‒ Herr Lutz hat darüber nur in Andeutungen gesprochen.) Alle diese Bücher, die offenbar zu gesellschaftskritisch waren, wurden nur in den drei Stadtstaaten Berlin, Hamburg, Bremen von den Schulbehörden zugelassen.

Mit besten Grüßen

Peter Nusser

 

Hamburg, 16. September 2018

Sehr geehrte Frau Koloch,

haben Sie vielen Dank für Ihre ebenso ausführliche wie interessante Mail über das Web-Projekt „1968 in der deutschen Literaturwissenschaft“. Ich habe mir Ihren Link zu literaturkritik.de angesehen und bin beeindruckt.

Dennoch glaube ich nicht, dass dies der richtige Ort ist, um unser Handbuch „Die Achtundsechziger. Biographien zur Geschichte einer Bewegung“ dort vorzustellen. Dafür ist das ja doch zu unspezifisch.

Aufmerksam machen möchte ich Sie aber auf den mit vier Bänden ausgestatteten Schuber über „Die 68er-Bewegung international“, in der sich natürlich auch einige Reibungspunkte mit der Germanistik wiederfinden lassen. Die Publikation wird zur Frankfurter Buchmesse vorgestellt und am 22. Oktober in die Buchhandlungen ausgeliefert. Vielleicht haben Sie ja Interesse daran.

Mit besten Grüßen

Wolfgang Kraushaar

 

Berlin, 16. September 2018

Liebe Frau Koloch,

zu der privaten Person Gansberg wüsste man gern mehr, hat sie sich denn so radikal versteckt? Keine befreundeten Kolleginnen, Kollegen oder andere Menschen, mit denen sie näher in Kontakt stand? Keine Eltern oder Geschwister?

Gibt es nähere Hinweise zur erzwungenen Emeritierung?

Den Hebbel- und Paul-Beitrag fand ich ausgezeichnet; nach meiner Rückkehr werde ich Ihnen die Sonderdrucke zurücksenden, ebenso das Buch ‒ ich besitze es schon.

Freundliche Grüße

Renate Berger

 

Freiburg im Breisgau, 18. September 2018

 Sehr geehrte Frau Koloch,

über ihr Angebot, oder sollte ich schreiben: über Ihre Anregung, in Ihrem Projekt etwas über den Dringenberger Kreis zu verfassen, war ich erstaunt und habe ich mich gefreut. In der unübersehbaren Schriftenflut zu „68“ ist der Anteil derer, die etwas über die soziale Breite und Tiefe dieser Bewegung zu berichten oder gar darüber zu reflektieren wissen, unangemessen klein. Auch für die Geschichte der Germanistik ist konstitutiv, dass es damals nicht nur die bekannten Auseinandersetzungen in den Institutionen und die theoretischen Diskussionen um Methodologie und Literaturbegriff gab ‒ und nicht nur informelle Netzwerke, auf konservativer wie auf linker/linksliberaler Seite (über die mehr wissen sollte, wer wirklich Wissenschaftsgeschichte schreiben will) ‒, sondern eben auch halboffizielle, locker organisierte Gruppierungen innerhalb der Assistenten- und Dozentenschaft, wie die von Ihnen wieder in Erinnerung gebrachte Gruppe um das Münchener Assistenten-Flugblatt oder eben den „Dringenberger Kreis“. Von ersterer hatte ich, wie meine damalige Freiburger Umgebung, nur Ungefähres gehört (das Flugblatt wurde auch bei uns diskutiert), zum Dringenberger Kreis habe ich seit 1979 dazugehört und mich aktiv in ihm engagiert. Über seine Bedeutung für die interne Geschichte der linken westdeutschen Germanistik und über die Grenzen dieser Bedeutung gäbe es durchaus Einiges zu schreiben. Dazu einen Text zu verfassen, zögere ich allerdings noch sehr, weil ich nicht weiß, wie ich das in meiner altersbedingt engen Zeitplanung unterbringen soll.

Mit besten Grüßen
Ihr
Hans Peter Herrmann

  

Zürich, 20. September 2018

Liebe Frau Koloch

wichtig scheint mir der Hinweis auf Dieter Bänsch. Ein sehr ehrgeiziger Germanist, anfänglich im Mittelbau (nur Assistent auf Zeit bei Erich Ruprecht), daraufhin Wissenschaftlicher Rat, danach übergeleiteter Professor, dann auf C3 berufener Professor. Er sah früh, schon nach 68, dass der Lehrstuhl von Ruprecht frei würde.

Ferner gab es die Vermehrung der Stellen in Folge der Erweiterung des Bildungsangebots in Schulen und Hochschulen nach 68. Insofern bestand die Möglichkeit, die Zusammensetzung des Fachbereichs neu zu gestalten. Bänsch hatte einen wesentlichen Anteil daran, da er in allen entscheidenden Gremien mitmachte. Er war ein hochempfindlicher und durchaus tüchtiger Hochschullehrer. Keine Berufung ging ohne sein Plazet. So wollte er gerne Thomas Metscher am FB haben, als ein neuer Lehrstuhl für Literatur und Medienkunde geschaffen werden sollte. Jedoch ging Metscher im letzten Augenblick nach Bremen. Verstärkt wurde die Position von Bänsch noch dadurch, dass seine Frau, Dorothea Bänsch, das Büro des Dekanats leitete (hauptsächlich allein). Frau Bänsch war eine äußerst genau arbeitende Sekretärin, die die Fachbereichssitzungen minutiös vorbereitete. Ruhig, zielbewusst, zuverlässig, immer selbstbeherrscht (im Gegensatz zu den zuweilen rauschhaften verbalen Ausfällen ihres Mannes, rundum kamen alle einmal dran, oft aber ging es auch nur gegen Heinz Schlaffer), unbeirrt und sicherlich auch unbestechlich, auch unkündbar. Es ist bedauerlich, dass es diese Ausgrenzungen gab, von denen H. P. Herrmann spricht. Ich kann es bestätigen. Aber ich muss wiederholen, was auch Heinz Schlaffer des Öfteren sagte und worin auch Dieter Bänsch mit ihm einig sein musste, dass es letztlich auf die wissenschaftliche Qualifikation ankommt, sprich auf Qualifikationsarbeiten und sonstige Veröffentlichungen, ungeachtet aller Diskussion über die Aufbrüche von 68. Auch gab es Anfang der 70er-Jahre in Hessen eine sogenannte „Überleitung“ für jene sieben oder mehr zum Teil neu geschaffenen Assistentenstellen, aufgewertet hin zu Dozenturen (auf Zeit) und zum Teil auch zu Professuren auf Lebenszeit (Dauerstellen), die den bereits stattfindenden Ansturm der Studierenden an die Universitäten bewältigen sollten (aufgrund der schulischen Bildungsreformen, besser: -vermehrungen) in den meisten Bundesländern. Nur deswegen konnte z. B. Dieter Bänsch mit ein paar verbündeten Gleichgesinnten überhaupt eine bestimmte Berufungspolitik machen. Er ist also nicht nur negativ zu sehen, aber er hat zur Vergiftung des Klimas und zur Einschüchterung der nicht fest Angestellten gnadenlos beigetragen. Insofern hat H. P. Herrmann durchaus recht: Man muss nicht nur sensibel sein, als Hochschulgermanist/in, sondern auch maximal robust und produktiv ‒ nicht sehr leicht. Außerdem wurde (wird bis heute) die Lehre als Leistung nicht geachtet. Es zählten/zählen nur Veröffentlichungen. Ob man bei aller Anstrengung in der Universität bleiben kann, steht in den Sternen. (Siehe das Schicksal von Rüdiger Safranski.) Und man darf nicht nachlassen, dennoch produktiv zu bleiben, egal was etwa der Fachbereich meint (nicht denkt, sondern nur meint, mainstreammäßig). Der Berufung von Heinz Schlaffer hat übrigens Dieter Bänsch durchaus wohlwollend zugestimmt. Schlaffer hat sich vielleicht zu Beginn einmal (psychologisch gesehen) sehr unaufmerksam verhalten, worüber man auch hätte lachen können, aber das wurde ihm ewig nachgetragen. Habe ich Ihnen aber schon mündlich erzählt.

Freundlicher Gruss

Hartmut Rosshoff

 

Nehren, 19. Oktober 2018

Sehr geehrte Frau Koloch,

herzlichen Dank für Ihre Mail vom 15.10. Ich hatte vor mehr als zwei Jahrzehnten einen ähnlichen Plan – allerdings ausgeweitet auf die Germanistik –, den ich vor einiger Zeit im Internet publizierte. Eine Vorfassung des Entwurfs Das beredte Schweigen der Lämmer[t] & Co. Die Winkelzüge in der Vergangenheitsbewältigung einer nationalen Wissenschaft finden Sie unter: https://homepages.uni-tuebingen.de/gerd.simon/Laemmert.pdf.

Für Sie wäre wichtig zu wissen, dass sich auf meine Bitte, an dem skizzierten Projekt weiterzumachen, nicht ein einziger Kollege meldete und auch keine Kollegin. Ich habe für diesen Plan in über 100 Archiven für ein Vermögen Archivalien kopieren lassen. Anträge an die DFG wurden abschlägig beschieden. Mehr als 200.000 archivalische Quellen sind heute in einer Cloud für Forscher/innen zugänglich. Leider ließen mich die Archive unterschreiben, dass ich genehmigen lassen muss, wenn Interessierte Einblick in diese „Schätze“ nehmen wollen. Mit meinen 81 Jahren habe ich Wichtigeres zu tun, als solche Genehmigungen einzuholen. Deshalb muss jede interessierte Person meine Mitarbeiterin werden und versichern, dass sie selbst diese Texte nicht weiterreicht, vor allem natürlich nicht an Neonazis. Leider gilt das nur für Einzelpersonen, also nicht für Institute, Seminare, Bibliotheken und Archive oder irgendwelche Verbände. Ein Überblick über die wichtigsten Archivalien und Rara, die man in dieser Cloud einsehen kann, findet sich seit einiger Zeit auf meiner Homepage unter: http://www.gerd-simon.de/Ueberblickgesamt.pdf. Dieser Überblick wurde inzwischen zu über der Hälfte detailliert.

Ihr Projekt bin ich bereit, nach Kräften zu unterstützen. Meine Prinzipien wissenschaftlicher Studienplanung am Beispiel der germanistischen Linguistik (Tübingen 1976) hatten in der Tat ihre Wurzeln in der Zeit um 1968, stark beeinflusst durch die Bundesassistentenkonferenz (BAK), die seinerzeit unter Leitung von Ludwig Huber (* 1937) ihren Sitz an meiner Heimatuni Hamburg hatte. Sie wurden in Vorfassungen Anfang der 70er-Jahre verfasst, 1975 an der Universität Duisburg als Teil eines Habilitationsantrags eingereicht, und – abgelehnt. Ich habe dann den Kadi bemüht, der riet mir zu einem Vergleich. Danach übernahm die Universität die Kosten des Verfahrens und ich musste versichern, in Duisburg nicht nochmals einen Habil.-Antrag zu stellen, was ich ohnehin nicht vorhatte. Publiziert wurde der Text 1979 durch das Tübinger Zentrum für Hochschuldidaktik, das einige Jahre später geschlossen wurde, was nach der damals gültigen Fassung des Hochschulrahmengesetzes widerrechtlich war.

Natürlich bin ich bei den Prinzipien der Studienplanung nicht stehen geblieben. Grundzüge eines „Alternativen Wissenschaftskonzepts“ finden Sie auf meiner Homepage im Gliederungspunkt „Lehre“ (http://www.gerd-simon.de/altwisskonz4.pdf). Verweisen möchte ich auch auf meine Thesen zum Verhältnis der Forschungsrelevanz-Entscheider/innen aus der Wissenschaft zu Politik und Wirtschaft (https://homepages.uni-tuebingen.de//gerd.simon/AltwissThesen.pdf).

Für Open Access trat ich programmatisch schon ein, als dieser Begriff in Deutschland noch gar nicht im Gebrauch war. Sie können alle meine Texte also ungefragt neu publizieren. Lediglich bei einigen, die Sie nicht auf meiner Homepage finden, müsste der Verlag gefragt werden.

Bei Wikipedia mache ich nicht mit, weil mir die Verantwortlichkeit für die Endfassung zu undurchsichtig ist. Als Linguist mit dem Studienschwerpunkt Lexikologie begrüßte ich diese freie Enzyklopädie aber grundsätzlich. Kritik hatte ich nur in Einzelfällen.

Auf alle Fälle viel Spaß mit meinen Texten und

Freundliche Grüße

Gerd Simon

 

Berlin, 3. November 2018

Sehr geehrte Frau Koloch,

es freut mich, dass über Frau Cepl-Kaufmann der Kontakt zwischen uns zustande gekommen ist.

Ich war Student in Szondis Seminaren, Vorlesungen und dann in dem handverlesenen Kreis seines Oberseminars „Das hermetische Gedicht“. In engerem Kontakt mit Szondi war ich nicht; das war keiner seiner Studenten. Er hielt großen Abstand und gab sich unnahbar.

Zu diesem elitären Zirkel (in dem ich totaler Außenseiter war, aber das waren irgendwie alle, obwohl sie fast alle Literaturprofessoren wurden oder in die Philosophie gingen) wurde man nach einer mündlichen Prüfung von Szondi himself mit ad hoc-Übersetzungen aus drei Sprachen.

Was aber spannend für 68 oder besser: die Vorbereitung von 68 wurde, war Adornos Iphigenien-Vortrag im Audi Max im Sommer 1967 und seine vorausgehende „Privatvorlesung“ in unserem Oberseminar zu Celans „Engführung“. Das was grandios.

Ich habe zu meiner Zeit bei Szondi ein kleines Statement für Irene Albers’ Band über Szondi geschrieben. Wenn Sie den nicht haben sollten, können Sie ihn gern erhalten.

Meine Zeit bei Szondi dauerte nicht lange. Mir gefiel der autoritäre Stil nicht besonders, habe aber bei ihm höllisch viel gelernt. Ich ging dann in die Analytische Philosophie an der TU Berlin ab, wo zwei brillante Geister (Kurt Hübner und Hans Lenk, zwei spätere Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Philosophie) ein Seminar gemeinsam mit Paul Feyerabend zu Karl R. Popper veranstalteten.

Viele Jahre später (1995) gründete ich an der FU mit einigen gleichgesinnten Kollegen das „Interdisziplinäre Forschungszentrum für Historische Anthropologie“. Dazu gehörte Gert Mattenklott, mit dem ich mich wunderbar verstand. Wenn Sie zu seiner Person einen Beitrag brauchen, könnte ich seinen letzten Assistenten, einen Freund von mir, fragen, ob er mit mir zusammen etwas verfassen möchte.

Mit besten Grüßen

Gunter Gebauer