Diskussionsplattform der undogmatischen Linken

Die Zeitschrift „Alternative“ und ihre Herausgeberin Hildegard Brenner

Von Sabine KolochRSS-Newsfeed neuer Artikel von Sabine Koloch

 

Inhalt

1. „Zeitschrift für Literatur und Diskussion“: Die Alternative im Verantwortungsbereich von Hildegard Brenner

1.1. Neuer Verlag, neue Herausgeberin, Konzeptänderung
1.2. Die Zeitschrift in Zahlen
1.3. Links ≠ links
1.4. Die Inhalte
1.5. Theorie, Politik, Wissenschaft: begriffliche Präzisierungen und Abgrenzungen

2. Die Literaturwissenschaftlerin Hildegard Brenner

2.1. Brenners Atelier
2.2. „The Matthew/Matilda Effect in Science“: Brenner entpersönlichen, verunwesentlichen und von ihrer Herkunft abtrennen
2.3. Das „Adreßbuch der Stadt Bonn“, das Who’s who, die Laudatio im Universitätsarchiv Bremen und andere biografisch grundlegende Quellen
2.4. Brenners Schwester, die „feministisch-ökonomische Vordenkerin“ Carola Möller

3. Die Redaktionsmitglieder, Verlagssekretär/innen und Typografen der Zeitschrift Alternative 1964‒1982 ‒ eine chronologische Übersicht

Literaturverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Anmerkungen

(Beitrag als PDF-Datei hier: https://literaturkritik.de/public/Koloch-Alternative.pdf)
 

Abb. 1

1. „Zeitschrift für Literatur und Diskussion“: Die Alternative im Verantwortungsbereich von Hildegard Brenner

1964 wurde Hildegard Brenner Herausgeberin der Literaturzeitschrift Alternative. Mit ihr als treibender Kraft etablierte sich das 1958 entstandene Blatt in der bundesrepublikanischen Zeitschriftenlandschaft als Impuls- und Diskussionsmedium der Neuen Linken. Die Mehrheit der Redaktionsmitglieder orientierte sich am Marxismus. In diese Richtung diskutierten und forschten die Mitarbeiter/innen, vor diesem Hintergrund organisierten sie Literatur und Theorie fokussierende Ideentransfers zwischen Ost und West und innerhalb des Westens. Unter Mitwirkung der Alternative erlebte linke Theorie einen Aufschwung, der sich bis zur Theorieapotheose weiterentwickelte. Der hohe Anspruch, gesellschaftliche Umwälzungen aktiv herbeizuführen, konnte nicht eingelöst werden, für Brenner ein starkes Argument, das Periodikum nach 1982 nicht mehr fortzuführen. Die um diese historischen Zusammenhänge wissen bzw. wissen müssten, unterließen es bis heute, die Literaturwissenschaftlerin Hildegard Brenner biografisch zu erfassen und das Bemerkenswerte, das sie Wirklichkeit werden ließ und das weit über das Zeitschriftenprojekt und ihren Verlag hinausgeht und immer noch weiterwirkt, transparent zu machen.

1.1. Neuer Verlag, neue Herausgeberin, Konzeptänderung

Die von Hildegard Brenner seit Jahresbeginn 1964 herausgegebene Zeitschrift Alternative erschien von Dezember 1963 bis zur Einstellung Ende 1982 im Alternative Verlag Berlin.

Übernommen hatte sie die Zeitschrift von Ansgar Skriver (1934‒1997), der als frisch diplomierter Volkswirt im Begriff stand, Berlin den Rücken zu kehren, um in Stuttgart als Lektor für den Kreuz-Verlag zu arbeiten. Dessen Lyrische Blätter (Tübingen: Skriver[1], Berlin-Dahlem: Skriver 1‒4, 1955‒1958, 1‒15) waren 1958 mit dem Visum für Lyrik, Prosa und Graphik (Reutlingen: Lütze 1‒2, 1957‒1958, 1‒6) vereinigt worden.[2] In der solcherart neu entstandenen Alternative. Blätter für Lyrik und Prosa gab der Sohn eines Pfarrers im dritten Jahrgang 1960 Auskunft über seinen Werdegang. 1934 in Ockholm (Nordfriesland) geboren, lebe er als Student der Volkswirtschaft und Soziologie in Berlin, sei Verleger und Journalist und habe zusammen mit Manfred Rexin die Dokumentation Der Weg zum Massenmord. Hundert Jahre Antisemitismus in Deutschland (1960)[3] verfasst. Zuvor schon war Rexin als Sprecher des an der Freien Universität Berlin veranstalteten „Studentenkongresses gegen Atomrüstung“ (3./4.1.1959) in die Schlagzeilen gerückt.[4] Skriver nahm im April/Mai 1961 im Auftrag des Deutschen Bundesjugendrings als Beobachter am Eichmann-Prozess in Jerusalem teil.[5] Beide traten am 30.11.1961 demonstrativ aus der SPD und dem SDS aus.[6] Am Ende des Jahrzehnts war Hildegard Brenner aufgefordert, ihre Kurzbiografie zu verfassen. Die ihrige erschien bezeichnenderweise in dem Sammelband Die neue Linke nach Adorno (1969)[7] und stellt ein beredtes Zeugnis ihrer wissenschaftlichen Ambitionen dar: „Hildegard Brenner, geb. 1927 in Bonn, studierte Literaturwissenschaft, Philosophie, Kunstgeschichte und politische Soziologie in Bonn, Hamburg und Berlin; promovierte 1952 mit einer Arbeit über Hölderlin. 1963 (1965 italienisch) erschien ihre Untersuchung Die Kunstpolitik des Nationalsozialismus, 1967 ihre Anthologie der neueren DDR-Literatur Nachrichten aus Deutschland. Ihre Arbeit über Die politische Formierung der Preußischen Akademie der Künste 1933 soll 1970 erscheinen.“[8]

Das Impressum von Heft 32, Oktober 1963, führt in der Frage weiter, wer den Verlag gründete: „Verlag und Anzeigenverwaltung: alternative-Verlag, Joachim Mansch, 1 Berlin 46 [Bezirk Lankwitz, SK], Sibyllenstraße 13.“[9] Joachim Mansch (1931‒1989)[10] war zu dem Zeitpunkt Geschäftsleiter der Traditionsbuchhandlung Camilla Speth, Kurfürstendamm 38/39 (Bezirk Wilmersdorf-Nord). Die Rolle, die der Verlagsleiter Ulrich Eggestein spielte, wird von dem Zeitschriften- und Theoriehistoriker Mortiz Neuffer genauer ausgeführt: „Mansch sorgt für den ökonomischen Fortbestand, während es dem kurzzeitig als Verlagsleiter dienenden Abend-Redakteur Ulrich Eggestein gelingt, in Hildegard Brenner eine neue Herausgeberin für die Zeitschrift zu finden.“[11]

Im Eigenverlag zu produzieren (ab Einzelnummer 35, April 1964), sicherte der neuen Alternative-Herausgeberin ein Höchstmaß an Unabhängigkeit und Flexibilität.[12] In den Anfangsjahren hatte deren Verlag seinen Sitz in der Steinmetzstraße 13/V (Bezirk Tiergarten, Schöneberg-Nord[13]). 1970 wurde mit dem bis dahin erwirtschafteten Kapital auf der Grundlage eines Kollektivbeschlusses eine GmbH gegründet. 1974 belief sich die Gesamtmenge an Bargeld auf 110 000 DM, davon 62 000 DM sogenanntes politisches Geld[14] (über diesen Fond wurde das zusätzliche politische Engagement abgerechnet[15]). Ende 1972 zog der Verlag in die Konstanzer Straße 11 (Bezirk Wilmersdorf-Süd) um.

Der Untertitel der Alternative wurde in unregelmäßigen Abständen an konzeptionelle Weiterentwicklungen angepasst.[16] Aus der Alternative. Blätter für Lyrik und Prosa wurde 1960 die Alternative. Zeitschrift für Dichtung und Diskussion. Brenner behielt die Kleinschreibung von „alternative“ bei, ersetzte aber „Dichtung“ durch den weiter gefassten Begriff „Literatur“. Ab Einzelnummer 76, Februar 1971, wurde der Untertitel nicht mehr verwendet. Die Bezeichnung „Zeitschrift für Literatur/Theorie“ blieb der Zusammenstellung alternative. Zeitschrift für Literatur/Theorie. Gesamtverzeichnis 1963 bis 1982 (Berlin: Alternative-Verlag 1983) vorbehalten.[17]

Dank der im Untertitel der Alternative zur Devise erhobenen Verbindung von „Dichtung und Diskussion“ (3‒6, 1960‒1963, 13‒35) bzw. von „Literatur und Diskussion“  (7‒13, 1964‒1970, 36‒75)[18] unterschied sich das Blatt signifikant sowohl von anderen Literatur- als auch von germanistischen Fachzeitschriften des Zeitraums 1960‒1971. Die unter dem Titel „Problematik und Diskussion“ (1969‒1974) firmierende Beilage zur Verbandszeitschrift Die Höhere Schule. Zeitschrift des Deutschen Philologenverbandes (1‒37, 1947/48‒1984) wurde von Elisabeth von der Lieth (1918‒2002), einer in Hamburg tätigen Lehrerin, Seminarleiterin und Erziehungswissenschaftlerin, redaktionell betreut.[19] Bei der Alternative wird die Funktion von Literatur in einer pluralen Gesellschaft durch die nebenordnende Konstruktion „Literatur und Diskussion“  unterstrichen.[20] Weit mehr als der Haupttitel und dessen Kleinschreibung verleihen die Umschlagfarbe und das Layout und hier besonders das visuelle Namedropping „der Ausrichtung als intellektuelles, politisches“ Impulsmedium Ausdruck.[21]

Die neue Herausgeberin der Alternative übernahm zusammen mit der Zeitschrift deren Zählung, beginnend mit dem 7. Jahrgang, änderte aber insoweit das vorgefundene Konzept (es zielte darauf, „Alternativen zur sprachlichen und existentiellen Indifferenz“[22] aufzuzeigen), als sie das Periodikum zu einem „Ort und Reflexionsraum“[23] linker Theorie, linker Praxis und linker Forschungsthemen machte, der zur Standortbestimmung der „Neuen Linken“[24] beitragen und ihr zu diesem Zweck eine Diskussionsplattform zur Verfügung stellen wollte. Dazu ein Zitat von Hildegard Brenner aus der letzten Alternative-Ausgabe vom Oktober/Dezember 1982: „‚Alternative‘ ist und war eine politische Zeitschrift, eine Zeitschrift der Linken. Der undogmatischen Linken ‒ bei aller Strenge, die man uns nachsagt. Dabei gehörten wir keiner Parteiung, als Redaktion auch keiner Fraktionierung an. Wir standen dem SDS nahe, die Redakteure und Verlagsmitarbeiter der 60er Jahre waren alle im SDS.“[25] Die undogmatische Linke zeichnete unter anderem aus, an keinem direkten oder politisch unterlegten Geldfluss aus der DDR angeschlossen gewesen zu sein.[26] Konkreter gefasst wirkte das Redaktionskollektiv darauf hin, neuere Entwicklungen und Erscheinungen des Marxismus im Westen und in den sozialistischen Ländern zu dokumentieren, schwerpunktmäßig auf dem Gebiet der Literatur, auch mit Rückgriffen auf vergessene marxistische Theoretiker/innen der 1920er- und 1930er-Jahre. Mir liegt das zweiseitig bedruckte Werbeblatt alternative. Literaturzeitschrift Informationen (1974) vor, in dem die zu diesem Zeitpunkt geltende Programmatik die Form angenommen hat:

— parteilich im sinne unseres programms:

erarbeitung
einer materialistischen literaturtheorie

kritik
der bürgerlichen literaturrezeption

entwicklung
von unterrichtsmodellen für schule und hochschule

Bei näherem Hinsehen war die Alternative nie eine reine Theoriezeitschrift.[27] Wie andere auf Literatur spezialisierte Zeitschriften bot sie ein „beträchtliches Reservoir an Informationen zur Geschichte der Literatur […] [,] ihrer Rezeption“[28] und ihrer Produktionsbedingungen. Auch sind in ihr Rezensionen[29], bibliographische Übersichten, Hilfswerkzeuge wie ein Glossarium wichtiger Begriffe des Strukturalismus,[30] Fotodokumente, ganzseitige Buchanzeigen und anderes mehr erschienen. Die in der Zeitschrift ausgetragenen Diskussionen befassten sich nicht selbstzweckhaft mit Geschichte und Theorie. Im Zentrum standen akute Zeitprobleme und das Anstoßen gesellschaftlicher Veränderungen.

Die von Brenner zu verantwortende inhaltlich-konzeptionelle Ausrichtung der Alternative fasst Janet K. King folgendermaßen zusammen:

1964 ändert sich der Untertitel erneut zu „Zeitschrift für Literatur und Diskussion“. Von nun an erscheinen kaum noch Lyrik und Texte, und die Entwicklung zum Theoretischen und Dokumentarischen macht sich immer mehr bemerkbar. Neben Nachdrucken und Übersetzungen (Politische Lyrik aus den 20er Jahren [H. 48, 1966] oder Protest Songs [H. 46, 1966] gibt es immer mehr Essays wie H. Lethen/H. Gallas, Arbeiterdichtung ‒ Proletarische Literatur. Eine historische Skizze (H. 51) oder L. Goldmann, Zur Soziologie des Romans (H. 49/50). In unregelmäßigen Zeitabständen erscheinen jetzt auch Beilagen mit „Dokumenten“ zu Tagungen wie dem Leningrader Schriftsteller-Colloquium (Der zeitgenössische Roman) oder der Prager Kafka-Konferenz. In den späten sechziger Jahren konzentrierte sich diese Zeitschrift hauptsächlich auf die wissenschaftlich-soziologischen Methoden der Literaturkritik (vgl. Materialistische Literaturtheorie: Georg Lukács [H. 67/68] oder Marxistische Literaturwissenschaft in Italien [H. 72/73].[31]

1.2. Die Zeitschrift in Zahlen

Wichtige Vorarbeiten leistete in dieser Hinsicht die erwähnte US-amerikanische Literaturwissenschaftlerin Janet K. King. Ihr Band Literarische Zeitschriften 1945‒1970 erschien 1974 in der Reihe „Sammlung Metzler“.[32] Zusammen mit Ästhetik und Kommunikation, Das Argument, Die Horen, Kürbiskern und Kursbuch subsumierte sie die Alternative unter das Stichwort „linke Politisierung“.[33] Zur Verbreitung der angeführten Periodika wird angemerkt: „Die bekanntesten Zeitschriften dieser linksengagierten Tendenzen sind Kursbuch und Kürbiskern. Sie wurden beide 1965 gegründet und nahmen von Anfang an eine aggressive Haltung ein. Andere Zeitschriften dieser Richtung, vor allem Die Horen und Alternative, fingen in den fünfziger Jahren mit einer weitgehend ästhetisch orientierten Kulturkritik an, haben aber dann eine Wandlung durchgemacht und in den frühen sechziger Jahren ihr heutiges Profil erreicht.“[34]

King bezifferte die Höhe der Auflage der Alternative für das Jahr 1973 mit 10 000 Exemplaren. Diese Angabe wird durch das Werbeblatt alternative. Literaturzeitschrift Informationen aus dem Jahr 1974 bestätigt. Den angegebenen Höchstwert erreichten auch Alternative-Ausgaben aus dem Zeitraum Ende der 1960er-Jahre sowie die Doppelnummern 108/109 und 120/121 zum Feminismus (Das Lächeln der Medusa, 1976; Der ‚andere Blick‘ ‒ feministische Wissenschaft, 1978). Laut Alternativen zur Rechtspresse. Versuch einer Bestandsaufnahme (Ettlingen: Doku-Verlag 1980, nach Band 1 Erscheinen eingestellt) lag die Auflagehöhe der Zeitschrift Alternative bei 8000 Exemplaren. Der Lektorin Johanna Wördemann, Redakteurin der Alternative 1974‒1982, erscheint diese Zahl für 1979/80 um ein Vielfaches zu hoch. Nicht zuletzt wegen der sinkenden Auflagezahlen ‒ sie betrugen gegen Ende nicht mehr als 2000 bis 3000 Exemplare ‒ habe man 1982 einen Schlusstrich gezogen. Jost Hermand führt als Grund für die rapide steigende Nachfrage nach gesellschaftskritischen periodischen Schriften wie Alternative, Das Argument, Konkret, Kursbuch, Basis ‒ Jahrbuch für deutsche Gegenwartsliteratur, Rororo Aktuell oder den Bänden der Edition Suhrkamp den Informationsbedarf der Achtundsechziger an, die hieraus ihre rebellischen Ideen bezogen. Darum seien diese Sprachrohre der Neuen Linken nach 1975 zusehends unwichtiger geworden.[35] Ausschlaggebend für das nachlassende Interesse war aber auch ‒ neben dem Radikalenerlass 1972 und neben Theoriemüdigkeit[36] die immer schärfer werdende Kritik am Marxismus und an der Forschungsrichtung Marxistische Literaturwissenschaft[37] in den 1970er-Jahren, ich komme auf diesen Punkt in Abschnitt 1.5. nochmals zurück.

In den Impressen der Alternative sind unter anderem Preisangaben verzeichnet und es wird zur Honorarfrage Stellung genommen. Ich zitiere aus dem Impressum von Doppelnummer 49/50, Oktober 1966: „alternative erscheint zweimonatlich und zwar im Februar, April, Juni, August, Oktober und Dezember. Preis des Einzelheftes 2.50 DM. Abonnement 12.‒ DM jährlich (6 Nummern), zuzüglich 1.20 DM Versandkosten; Abonnement de soutien 40.‒ DM. […] alternative erzielt keinen Gewinn. Mitarbeit erfolgt grundsätzlich ohne Honorar.“ Ulrich Harsch (* 1938), einer der drei Typografen der Alternative, arbeitete unentgeltlich, ebenso Peter B. Schumann (* 1941), ständiges Redaktionsmitglied („wir alle wurden für unsere Arbeit bei Alternative nie entlohnt, sondern machten sie aus Spaß an der Freude“[38]). Johanna Wördemann (* 1947) hingegen erhielt eine Vergütung, wenngleich eine sehr geringe. Hartmut Rosshoff (* 1939) verkaufte die Alternative an verschiedenen Büchertischen,[39] bevor er Mitarbeiter in der Redaktion wurde. Er und viele andere übersetzten unentgeltlich für die Alternative, wodurch sich die Zahl der gegen Honorar angefertigten Übersetzungen in überschaubaren Grenzen hielt.[40]

Das Redaktionsarchiv der Alternative wurde 2007 dem Deutschen Literaturarchiv (DLA) Marbach übergeben.[41] Es umfasst 17 Archivkästen sowie einen Kasten zu Hildegard Brenner. Der Online-Katalog des DLA informiert über den Ordnungs- und Verzeichnungsgrad des Vorlasses wie auch über dessen Inhalt:

Signatur                         A: Alternative

Umfang                          18 Kästen

Ordnung                         Ordnungsgrad: Ordnung übernommen (17 Kästen), feingeordnet (1 Kasten)

Verzeichnung                  Verzeichnungsgrad: eigene Liste (17 Kästen), Bestandsbeschreibung (1 Kasten)

Inhaltsangabe                 Redaktionsarchiv (v.a. Typoskripte und Manuskripte) zu den Heften 33/34 (1963) bis 145/46 (1982) (mit Ausnahme der Hefte 93 und 95/96).

Bestandsverzeichnis       Redaktionsarchiv mit Texten von Etienne Balibar, Pierre Bertaux, Horst Bienek, Wolf Biermann, Klaus-Michael Bogdal, Thomas Brasch, Hildegard Brenner, Helga Gallas, André Glucksmann, Lucien Goldmann, Helmut Heißenbüttel, Hans Heinz Holz, Raoul Hübner, Uwe Johnson, Heinar Kipphardt, Heinz-Dieter Kittsteiner, Hartmut Lange, Wolf Lepenies, Helmut Lethen, Ernest Mandel, Frauke Meyer, Heiner Müller, Gerhard Plumpe, Christa Reinig, Hans Werner Richter, Erhard H. Schütz, Alfred Sohn-Rethel, Reiner Uthoff, Christa Wolf, Peter Paul Zahl, Jochen Ziem, Gerhard Zwerenz u.a.; Materialien zu Vergabe und Abrechnung von Lizenzen 1975‒1982.[42]

1.3. Links  ≠ links

Besonders die Herausgeberin und die langjährigen Redaktionsmitglieder fanden in den drahtgehefteten Broschuren im Format A5 in leuchtendem Rot mit einem Stich ins Gelbe[43] eine politische Heimat. Verwandte Zeitschriftenunternehmen waren für Hildegard Brenner ‒ ich folge hier Johanna Wördemann ‒ Ästhetik und Kommunikation und Das Argument. Die Vierteljahrschrift Kürbiskern. Literatur und Kritik (Untertitel ab Jahrgang 1971: Literatur, Kritik, Klassenkampf) war der Herausgeberin zu DKP-nah, folglich zu dogmatisch, dafür mussten ihr Die Horen. Zeitschrift für Literatur, Kunst und Kritik zu wenig politisch erschienen sein. Das international ausgerichtete Kursbuch lag inhaltlich zu weit von ihren Kernkompetenzen „politische Soziologie“, „Literatur- und Kunstsoziologie“, „marxistische Literaturtheorie“ entfernt.

In der Heftästhetik sollte Brenners Zeitschrift sich deutlich von den gängigen „bürgerlichen“ Zeitschriften abheben, die nach dem Urteil von Ulrich Harsch noch sehr konservativ und klassisch gestaltet waren: symmetrische Doppelseite, üppige Randproportionen im goldenen Schnitt. Auch Kursbuch und Kürbiskern blieben in dieser Hinsicht der Tradition verhaftet. Brenner fasste den Plan, die Alternative zu einem „Arbeitsheft“ mit einer preiswerten, funktionalen Ausstattung zu machen. Zu diesem Konzept passte die Klammerheftung, die aus diesem Grund beibehalten wurde. Zustimmung fand die Anregung Harschs, jeweils am rechten Rand ein freies Feld für Notizen und Kommentare zu platzieren, auf dem oben die Seitenzahl erscheint. Dieses Layout hatte den großen Vorteil, dass Seitenumstellungen problemlos möglich waren, was wiederum die Arbeit der (Blei-)Setzer erheblich erleichterte, auch wenn die über den Vorschlag zunächst einmal entsetzt waren. Um möglichst viel Text auf der Seite unterzubringen, wurden die Ränder auf ein Minimum reduziert. Bei der Schriftwahl bestand wenig Spielraum, weil man in preiswerten Hinterhof-Druckereien drucken ließ. Der Fließtext wurde damals noch mit der Linotype gesetzt, einer ratternden Zeilengußmaschine, der übrige Text war Handsatz.

Wie ich darzulegen versuchte, war Ideengeschichte, beschränkt auf „gebildete“ Autor/innen und auf akademisch vermittelbare Themen, durchtränkt vom Fluidum des Abgehobenen, Exklusiven und Zeitlosen, alles andere als das, was Hildegard Brenner sich mit ihrer Zeitschrift auf die Fahnen geschrieben hatte, insofern muss es als eine Ironie des Schicksals erscheinen, dass die erste monografische Arbeit zur Alternative ‒ der Aufsatz Das Ende der ‚Alternative‘ ‒ in der Zeitschrift für Ideengeschichte[44] erschien.[45]

Abb. 2

1.4. Die Inhalte

Im Jahr 2018 bat ich Hartmut Rosshoff ‒ Redaktionsmitglied der Alternative 1965‒1966 ‒ um einen Projektbeitrag zur Alternative der Jahre 1964‒1982. Seine Aufgabe hätte darin bestehen sollen, die in der Zeitschrift vertretenen Themen, die Herausgeberin und ausgewählte Redaktionsmitglieder vorzustellen,[46] doch Geschwächtsein durch Krankheit machte den Plan zunichte. Zum Ausgleich überließ mir Herr Rosshoff ein Bündel aus Absätzen und Skizzen zur freien Verfügung.[47] Der Not gehorchend, konzipierte ich meinen eigenen Alternative-Beitrag, wandelte Rosshoffs Teilstücke in einen kohärenten Text um, machte daraus Abschnitt 1.4. und reicherte den so entstandenen Manuskriptteil mit mir unumgänglich nötig scheinenden Daten, Fakten, Namen, Belegmaterial, Texteinschüben und Fußnoten an.

Während Moritz Neuffer in seinem Aufsatz Das Ende der ‚Alternative‘ (2012) die in der Schlussausgabe der untersuchten Zeitschrift (Doppelnummer 145/146: Im Aufriß[48]) komprimiert wiedergegebenen redaktionellen Dialoge ausführlich zum Sprechen bringt, in deren Verlauf das Finis beschlossen wurde, um darauf aufbauend und auf Forschungen für das DFG-Projekt „Theoriearbeit. Geschichte einer epistemischen Praxis“ (2013‒2016) zurückgreifend in einem Langaufsatz mit dem Titel Arbeit am Material. Die Theorie-Dokumentationen der Zeitschrift alternative‘ (2017) die Geschichte der Zeitschrift fragmentarisch, reichlich chaotisch gegliedert[49], fehlerbehaftet und mit wenig Sinn für interessante neue Forschungsthemen darzustellen (in den Mittelpunkt gerückt wird der Theorie-zu-Praxis-Anspruch der Zeitschrift), liegt in diesem Abschnitt der Akzent auf den Anfängen der Alternative wie auch auf den mittleren bis späten Jahren. Die ohnehin wenig ergiebige Schlussdebatte bleibt ausgeklammert, stattdessen wird die Frage in den Vordergrund gestellt, welcher „rote und literaturwissenschaftliche Faden“ sich bei der Alternative durch die Themenwahl zieht. Einige Absätze könnten auch überschrieben sein: „Vom Umgang mit Literatur. Literaturhistorische Randbemerkungen…“. Im Zuge der strapaziösen Korrektorats- und Recherchearbeiten erhielt ich von Brita Eckert, Ulrich Harsch und Kai Köhler empathische und inhaltlich weiterführende Unterstützung, wofür ich an dieser Stelle nochmals meinen Dank aussprechen möchte. Hier folgt nun der Inhaltsüberblick.[50] Für die Inhalte kann ich nur eingeschränkt die Verantwortung übernehmen, da nicht alle Aussagen ohne größeren Aufwand zu überprüfen waren.

Bereits Ansgar Skrivers Alternative hatte Autoren und ‒ höchst selten ‒ Autorinnen aus Ost und West ein Forum für Lyrik und Essays geboten. Hervorzuheben sind Johannes Bobrowksi, Rolf Haufs, Reimar Lenz, Christoph Meckel, Robert Wolfgang Schnell, Wolfdietrich Schnurre, Volker von Törne, aber auch Günther Anders, Hans Magnus Enzensberger, Alexander Kluge, Walter Jens, ferner Aimé Césaire, Pablo Neruda, Jean Paul Sartre, Simone Weil.

Im ersten der vom Alternative-Verlag produzierten Alternative-Hefte, Doppelnummer 33/34 (Dezember 1963), war ein Thema profiliert worden, das die nachrückende Herausgeberin auch außerhalb ihrer Zeitschrift intensiv beschäftigte: Schriftsteller in der DDR: Lyrik, Prosa und Dramatik seit 1955 (Herausgeber/in: Reimar Lenz, Eva Müthel, Stefan Reisner).[51] In einer Auflage von 7000 Exemplaren im Rowohlt-Verlag erschienen, schickte Hildegard Brenner 1967 die Nachrichten aus Deutschland. Lyrik, Prosa, Dramatik. Eine Anthologie der neueren DDR-Literatur (Rowohlt-Paperback, 412 Seiten, 14.80 DM) hinterher.[52] Ziel war im einen wie im anderen Fall gewiss nicht eine Apologie und schon gar nicht ein Arrangement mit der DDR und ihrer repressiven Literaturpolitik, sondern ganz wörtlich genommen das Nahebringen der „anderen deutschen Literatur“.

Die Inhalte der Heftnummern 35 bis 40 finden sich stichwortartig zusammengefasst in der das Projekt Alternative abschließenden Ausgabe alternative. Zeitschrift für Literatur/Theorie. Gesamtverzeichnis 1963 bis 1982 (hrsg. von Hildegard Brenner, Berlin: Alternative Verlag 1983, S. 2‒3):

35   Literarisches Grenzgespräch    7. Jahrgang 1964

Mit Beiträgen aus beiden Teilen Deutschlands über Lyrik, Bestseller drüben, Bücher hüben und drüben[53] ‒ von Volker von Törne, Bernd Jentzsch, Friedemann Berger, Heinz Kahlau, Helmut Heißenbüttel, Gerhard Reitschert, Hans Bunge, Heinz Kersten. Schriftstellerporträt: Christa Reinig.

36   Was ist ein nationalsozialistischer Roman?

Literatur vor Gericht: Graff/Barthel. Der Arbeiterdichter Max Barthel ‒ ein politischer Modellfall. Urteilsschelte von Ulrich Eggestein, Johannes Feest, Hildegard Brenner

37   1914‒1964.

Fünfzig Jahre Naturheilverfahren ‒ eine Parodie
Anweisungen zum natürlichen Leben, Natürliche Folgen (Spital), Psychotechnik ‒ dokumentiert von Volker von Törne

38/39   Zwei deutsche Literaturen?

Es diskutieren Hans Werner Richter, Uwe Johnson, Günter Grass, Hermann Kant, Paul Wiens, Claude Prévost, Hans G. Helms, Dieter Schlenstedt, Hans-Peter Gente, Jürgen Strutz.
Beilage: dokumente 1
„Der zeitgenössische Roman“ / Leningrader Schriftsteller-Colloquium
Tibor Déty, Sarraute, Enzensberger, Hájek, Ehrenburg, Sartre und andere

40   Französische Essayisten. Zur Theorie der modernen Literatur     1965

Texte von Roland Barthes, Bernard Dort, André Gisselbrecht, Lucien Goldmann, Bernard Pingauld, Georges Poulet, Jean Ricardou, Jean Starobinski

Die in Werkproben und Besprechungen präsentierte Lyrik und Prosa der DDR und anderer mittel- und osteuropäischer Länder wurde ausschließlich dokumentiert, nicht bewertet und auch nicht eingeordnet in einen zu revidierenden Literaturkanon der Moderne oder der Gegenwart. Doppelheft 42/43 zum Thema Tschechoslowakische Lyrik, Prosa, Dramatik (Beilage: Dokumente 2: Die Prager Kafka-Konferenz) stellt eine spielerische und satirische Textsammlung dar, in der Hašek und Kafka unausgesprochen weiterwirken in Collage, Groteske, melancholisch-komischer Erzählprosa. Dass man sich sozialistischen Ländern zuwandte, die in den 1930er-Jahren so große Autoren wie Chlebnikow, Majakowski und Šklovskij hervorgebracht hatten und deren Literaturen ab diesem Jahrzehnt mit dem pauschalen Totschlag-Etikett „Formalismus“ verdammt und unwirksam zu machen versucht wurden, illustriert sehr viel mehr Neugier auf eine lebendige, lebenszugewandte und lustige – vielleicht sogar sozialistische – Sprachkunst, als den allbeherrschenden misanthropischen Bürokrat/innen des Stalinismus bis zum Ende des realen Sozialismus genehm war. Erkundet wurde eine verschüttete Moderne, auf die man sich nicht bloß in der Tschechoslowakei, sondern auch im Westen rückbesann.

Zur Zeit des eskalierenden Vietnamkriegs gab Brenner das Heft Protest Songs (Februar 1966) heraus, in dem die Balladen-Texte von Bob Dylan, Tom Paxton, Peter Seeger, Samuel Allen, Donovan, Phil Ochs und Richard Wright im Original und in den deutschen Übersetzungen von Horst Tomayer und Ulf Miehe (ein)studiert werden konnten. Im gleichen Jahrgang nochmals Lyrik: Die roten Straßen. Politische Lyrik aus den 20er Jahren (mit Gedichten von George Grosz, Oskar Kanehl, Erich Mühsam, Erich Weinert, Georg Kaiser, Alfred Kerr, Ernst Toller, Ödön von Horváth und anderen). Vier Jahrgänge später erneut politische Lyrik: Politische Songs aus Lateinamerika, zusammengestellt von Peter B. Schumann. Erkläre mir nochmals eine oder einer Lyrik für tot.

Die Alternative befasste sich mit Themen, die in einigen Fällen in Medien und Politik eine heftig umstrittene Rolle spielen sollten. So Einzelheft 45, betitelt Moderne Literatur in deutschen Lesebüchern (1965). Zum Deutschunterricht, zu Studienreformen, zur Lage linker Intelligenz (hier und anderswo), zum Verhältnis von Germanistik und Politik widmeten sich Einzelheft 55: Germanistik ‒ Reform oder Politisierung? (1967), Einzelheft 61: Deutschunterricht und Germanistik (1968), Doppelheft 72/73: Literatur und Revolution. Beiträge aus Italien (1970), Einzelheft 74: Sprachunterricht ‒ Gegenmodelle, Einzelheft 77: Schule, Intelligenz, Kapitalismus (1971), Einzelheft 81 mit dem Beitrag Werkimmanenz und Revolution. Zur Hölderlin-Forschung der Tübinger Schule von Ingeborg Gerlach, Einzelheft 82: Materialistische Literaturtheorie IV: Was heißt materialistisches Verfahren für die Literaturwissenschaft? Eine Methodenkontroverse, darin der Beitrag der KSV-Zelle[54] Germanistik (FU Westberlin): Thesen zum historisch-materialistischen Studium der Literaturwissenschaft, Einzelheft 83: Parteilichkeit im Grundschulunterricht (1972), Doppelheft 95/96: Kampf um den Unterricht. Sanktionen gegen Lehrer (1974), Doppelheft 102/103: Politische Theorie der Bildung. Curriculumreform: Soziales Lernen, darin der Beitrag Analyse des Westermannschen Sprachbuchs 2, Einzelheft 112: Abschaffung der Geisteswissenschaften? Qualifikationsvernichtungspolitik an den Hochschulen. Was passiert in den Ministerialbürokratien? Jugendarbeitslosigkeit (1977), Doppelheft 127/28: Der Wunsch nach Nähe. Neue Studenten? Neues Lernen? (1979) und Einzelheft 129: Zum Dilemma linker Literaturwissenschaft (1979). Eines der wichtigsten und bewegendsten Themen der deutschen Literatur, die Exilliteratur, wurde frühzeitig angesprochen: Briefe aus dem Exil (Einzelheft 52, 1967). Kulturelle Neuigkeiten wie das Straßentheater (Theater als Provokation, Einzelheft 70, 1970) kamen ebenso zur Sprache wie das Problem der Arbeiterliteratur (Einzelheft 90, 1973), hier verbunden mit der Frage, ob damit, so der Untertitel, eine „Zerstörung der Literatur“ (des bisherigen Kanons?) einhergeht oder ob die proletarische Literatur von bürgerlichen Rezipierenden als Exotikum konsumiert wird.[55]

Der Alternative galt eine Betrachtungsweise auf die Geisteswissenschaften fernab von „Werktätigkeit“ als einfallslos, repressiv, reaktionär und sicher auch als antiintellektuell. Maßgeblich war für sie das Axiom: Wenn Theorie (Literaturtheorie, Gesellschaftstheorie) in Praxis münden soll, kann sie nicht für sich stehen. Die Alternative wollte Literatur als gesellschaftliches Handeln begreifen. Ein solches (normatives[56]) Literaturverständnis zum Ausgangspunkt nehmend, konnte Theorie nicht beim Text stehen bleiben, sie musste ins Innere der literarischen Werke vordringen und in ihr materielles Äußeres, sie musste den Text und die einzelnen Textsorten auf die ganze Gesellschaft als ihren bestimmenden Rahmen und ihren tiefen Grund beziehen. Theoriedebatten unter diesen Vorzeichen standen nicht zuletzt auch vor begrifflichen Schwierigkeiten. Ist das marxistische Vokabular hinreichend? Und welches davon? Muss es nicht erweitert werden? Mit diesen und ähnlichen Fragen sah sich die Alternative Ende der 1970er-Jahre ‒ in Zeiten abflauender Reformbewegungen in Universität und Gesellschaft ‒ konfrontiert. Geriet während der 68er-Bewegung die faschistische Vätergeneration unter Generalverdacht, waren nach dem „Deutschen Herbst“ die Linken von Unterstellungen und Verdächtigungen betroffen. Die Alternative steuerte mit Heft 129 (Zum Dilemma linker Literaturwissenschaft, 1979) dagegen.[57] Aus den irritiert hinterfragenden und maßvoll analysierenden Beiträgen von Johannes Volmert, Heinz Brüggemann und Klaus Briegleb spricht die Suche nach Selbstvergewisserung, nach treffenderen Ansätzen marxistischer Literaturinterpretation jenseits von Arbeiter- und Protest-Literatur. Schließlich hatte es einen schöpferischen Aufbruch nach dem Ersten Weltkrieg gegeben, auch in der Sowjetunion. Demnach gab es eine vergessene Moderne, die sich nicht im Dadaismus und in Lyrik und Drama des Expressionismus erschöpfte.

Vielleicht sind die Alternative-Ausgaben mit dem geringsten Verfallsdatum – neben den dokumentarischen über die Anstrengungen im „Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller“ (BPRS)[58] – jene zu Autoren und Autorinnen, die sich in der Vermittlung des Neuen hervortaten, Anreger/innen und einflussreiche Weggefährt/innen waren oder Ungewöhnliches und Revolutionäres leisteten: Karl Korsch (Einzelheft 41: Karl Korsch – Lehrer Bertolt Brechts, 1965), Roman Jakobson (Einzelheft 65: Sprachwissenschaft und Literatur, 1969), Carl Einstein (Einzelheft 75: Carl Einstein, 1970), Hanns Eisler (Einzelheft 69: Materialistische Literaturtheorie II: Hanns Eisler, 1969), Lu Märten (Einzelheft 89: Materialistische Literaturtheorie VI: Lu Märtens Kunsttheorie zwischen marxschem Arbeitsbegriff und sozialdemokratischer Technikgläubigkeit, 1973), Heiner Müller (z. B. Doppelheft 110/11: Das Erschrecken vor der Geschichte, 1976).

Karl Korsch (1886–1961) brachte, bevor er Karl Marx und dessen geschichtliche Bedingungen historisierte[59], eine Volksausgabe von Marx’ Kapital auf den Weg[60]. Er und Hanns Eisler hatten sich in die USA retten können. Carl Einstein, Spanienkämpfer, kam auf der Flucht vor den Nationalsozialisten um. Šklovskij überlebte den stalinistischen Terror wie durch ein Wunder und floh nach Finnland.

Da die revolutionäre russische Literatur vorzugsweise von tschechischen Schriftstellern und Sprachneuerern aufgegriffen wurde, erinnerte die Alternative in Einzelheft 80 (Tschechischer Strukturalismus. Ergebnisse und Einwände, 1971) an Eichenbaum, Mukařovský, Šklovskij und Tynjanow. Einige ihrer Werke wurden in die Edition Suhrkamp aufgenommen. Alle vier schrieben vor 1930, bevor der sowjetische Terror die eigene revolutionäre Moderne auslöschte. Das Heft zum tschechischen Strukturalismus spiegelt die Suche der Alternative nach einer materialistischen Ästhetik. Ich zitiere aus dem Beitrag Zur tschechischen Übersetzung von Šklovskijs ‚Theorie der Prosa‘ (1934) von Jan Mukařovský (1891‒1975), übersetzt von Hans Günther:

Versuchen wir darum zunächst, seine ursprüngliche Bedeutung zu skizzieren. Šklovskijs Buch erschien 1925, aber alle darin enthaltenen Studien waren schon vorher, und zwar seit 1917 entstanden und veröffentlicht worden. Entstehungsort ist also das Rußland der Revolution und der Zeit kurz danach. […] Šklovskij indessen ist Mitglied einer Gruppe von jungen Wissenschaftlern, die größtenteils linguistisch orientiert sind, und die ‒ in enger Zusammenarbeit mit den zeitgenössischen Künstlern ‒ das Prinzip verteidigen, daß jene Eigentümlichkeit, die das dichterische Werk zu einem Kunstwerk macht, es wesentlich von jeder mitteilenden Äußerung unterscheidet, und daß gerade sie im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Erforschung der Literatur stehen muß. […] Der Autor wendet sich mehr an die literarische Öffentlichkeit als an die Fachgelehrten […]. […] unter den älteren und zeitgenössischen Werken gibt er denen, die reizen und überraschen, den Vorzug vor solchen, deren Kanten […] durch Handbücher und Anthologien abgeschliffen sind. […] Er sagt so zugespitzt und herausfordernd wie nur möglich, daß die Kunst zu nichts anderem da sei als dazu, Kunst zu sein.[61]

Dennoch sind, so Rosshoffs Beobachtungen, die Romane Sentimentale Reise (über die Schreckensjahre 1917–1922)[62] und Zoo oder Briefe nicht über die Liebe von Viktor Šklovskij (1893‒1984) voller konkreter inhaltlicher Mitteilung. Der Autor stand banaler Fiktion und Literatur als Propaganda ablehnend gegenüber. Ende der 1960er-Jahre erhielt er die Erlaubnis, nach Westberlin reisen zu dürfen. Vor Beginn der Autorenlesung, die Rosshoff miterleben durfte, entschuldigte er sich für seinen früheren „Formalismus“, somit für das Lebendige an ihm, eine traurige Begebenheit angesichts der amüsanten Bücher, die er in den 1920er-Jahren über Berlin geschrieben hatte. Wenn es in Kunst und Literatur doch so etwas wie kommunizierende Röhren gibt,[63] dann zeigt der Blick auf die 1920er-Jahre, dass zu dieser Zeit die Kunst des Bauhauses, die synthetische Collage, die Montage und die erfrischend neue experimentelle russische Literatur und Kunst internationale Phänomene waren. Diese funktionierenden Kanäle, diesen innereuropäischen Transfer bestätigen auch im Westen arbeitende Künstler wie etwa Wassily Kandinsky (1866‒1944) und Alexej von Jawlensky (1964‒1941).

Zu dieser Gruppe gehörte auch der durch den Ersten Weltkrieg weit nach links gerückte Carl Einstein (1885–1940). Er war vor 1914 einer der ersten, die begriffen, dass der Kubismus eine neue, alles Bisherige übersteigende Kunstsprache eröffnet. Er ging so weit, eine kubistische Prosa schaffen zu wollen. Was zu verwirklichen ihm nur vorschwebte, brachte Döblin mit seinem Berlin Alexanderplatz zu Papier. Andererseits schrieb Einstein noch ein polemisches Drama über das Leiden Jesu Christi, das einen Prozess wegen Gotteslästerung gegen ihn und seinen Verleger Ernst Rowohlt nach sich zog und von der Kirche verboten wurde: Die schlimme Botschaft. 20 Szenen (1921). Seine Kunst des 20. Jahrhunderts (1926), Teil der Propyläen-Kunstgeschichte, wurde schnell zum Standardwerk.[64] Angestoßen von der Alternative erwachte in Berlin das Interesse an Carl Einstein. Daraus ging eine dreibändige Carl-Einstein-Werkausgabe hervor.[65]

Das Heft über den Komponisten Hanns Eisler (1898–1962), Schüler Arnold Schönbergs, stellt den Zusammenhang zu seinem engsten Weggefährten Bertolt Brecht (1898–1956) her und beinhaltet neben Ernst Blochs und Eislers Die Kunst zu erben (1938) einen Nachruf auf ihn von Georg Lukács.

Abb. 3

Heiner Müller (1929–1995), der mit Dramen und Prosatexten den Kriegskommunismus und den maximal stressorischen Aufbausozialismus wie auch die damit zusammenhängende Schindung der Körper in Szene setzte, tritt mehrfach auf, vielleicht der letzte überzeugt kommunistische deutsche Schriftsteller neben Peter Hacks. Er äußerte sich eindrücklich in der letzten Ausgabe mit dem Titel Im Aufriß (Doppelheft 145/46, 1982) aus der Perspektive eines schreibend suchenden Autors, ohne vorausgehende ästhetische (Schreib-)Theorie. Letztlich sei alle Kunst Revolte.

Mehrere Hefte zu Brecht machen deutlich, wie vehement dieser sich gegen den „sozialistischen Realismus“ verwahrte. So in der wiederholten Auseinandersetzung mit Georg Lukács, dessen brillante Essays Die Seele und die Formen (1911) und Die Theorie des Romans (1920) ihn berühmt gemacht hatten. Lukács propagierte diese Literatur- und Kunstdoktrin, nachdem er sich dem stalinistischen System unterworfen und richterhaft die Verdammung der experimentellen Gegenwartsdichtung mitformuliert hatte. Verurteilt wurden nicht nur der „russische Futurismus“ und der „Suprematismus“, ferner, besonders wichtig, der „russische Formalismus“ (z. B. Victor Šklovskij), sondern auch das „epische Theater“, die „Collage“, überhaupt alle experimentellen Formen, insbesondere die „Joyce’sche Erzähltechnik“ und sogar die Zwölftonmusik. Sie wurden seit dem ersten Kongress des sowjetischen Schriftstellerverbandes 1934 als Manifestationen „bürgerlicher und westlicher Dekadenz“ abgelehnt. Helga Gallas zitiert zu diesen Vorgängen in ihrer umfangreichen und höchst informativen Ausarbeitung einer marxistischen Literaturtheorie im BPRS und die Rolle von Georg Lukács (Doppelheft 67/68: Materialistische Literaturtheorie I: Georg Lukács, 1969, S. 148‒173) aus Brechts Exiltagebuch, wo dieser sich zu Lukács’ literaturtheoretischen Thesen den Stoßseufzer von der Seele schrieb: „Dieser Stumpfsinn ist gigantisch.“

Literaturtheorie erhielt in der Alternative zunehmend mehr Gewicht, und in diesem Zusammenhang wurde Walter Benjamin (1892‒1940) zu einer wichtigen Identifikationsfigur (von Benjamin sind zehn, über ihn zwanzig Beiträge erscheinen). Die Diskussion bewegte sich namentlich entlang der Frage, was materialistische Literaturtheorie sei oder aller dogmatischen Widerspiegelungstheorie zum Trotz sein könne. Fragen dieser Art wurden in den Doppelheften 56/57, 59/60 und 132/33 (Walter Benjamin, 1967; Walter Benjamin II, 1968; Faszination Benjamin, 1980) erörtert. Bemerkenswert: Helmut Lethens Beitrag Zur materialistischen Kunsttheorie Benjamins (1967, S. 225‒234), worin er die Benjamin-Herausgeber Theodor W. Adorno und Rolf Tiedemann der „Nachlass-Manipulation“ zeiht. Im Vorwort zu Doppelheft 59/60 ein in die gleiche Richtung zielendes Zitat Helmut Heißenbüttels: „In allem, was Adorno für das Werk Benjamins getan hat, bleibt die marxistisch-materialistische Seite gelöscht.“[66] Es grenzt aus Sicht von Rosshoff an Hybris, mit dem Wissen eines Nachgeborenen zum späten marxistischen Benjamin auf Distanz zu gehen,[67] als gehörte er nicht zu den Exilierten und Verfolgten des Naziregimes. Nach bürgerlichen Maßstäben gescheitert, sein Werk fragmentarisch, auf der Flucht vor den Nazis umgekommen, wurde Benjamin für viele Studierende der 68er-Zeit, insbesondere sofern sie sich für die Theorie- und Methodendiskussion des Faches Germanistik interessierten, zu einer Lichtgestalt. Vielleicht auch, weil Benjamin von einflussreichen westlichen Germanistik-Professoren wie Benno von Wiese, Wolfgang Kayser und Emil Staiger und selbstverständlich auch vom realsozialistischen Ostblock totgeschwiegen wurde.

Materialistische Literaturtheorie war in loser Folge Thema vieler Hefte. Man gewinnt einen Überblick über die von der Alternative aufgeworfenen Themen, wenn man die am Ende vieler Hefte abgedruckten Inhaltsübersichten zu aufeinanderfolgenden Heftnummern aufsucht. Mir scheint, es gibt durchaus einen roten Faden: Die Suche nach einer praxistauglichen, die Verhältnisse umstürzenden materialistischen Literaturtheorie. In der Praxis dominierte indes nicht der Praxis-, sondern eindeutig der Theoriebezug. Jost Hermand (* 1930) führt diesen Gedanken näher aus:

Die weitaus größte dieser Gruppen bezeichnete sich damals als Teil jener „Neuen Linken“, die sich einerseits als marxistisch verstand, andererseits jede parteiliche Bindung ablehnte und im Rahmen einer „links-abweichlerischen“ Gesinnung mit anarchistischen, syndikalistischen, trotzkistischen oder eurokommunistischen Vorstellungen sympathisierte, während sie dem in der Sowjetunion und der DDR praktizierten Sozialismus mißtraute, wenn nicht gar ablehnte. Im Hinblick auf die Germanistik herrschte in diesem Bereich zwar kein besonders lebhafter Praxisbezug, aber ein hohes Reflexionsniveau. Dafür sprechen die in diesen Jahren im Argument, in der Alternative, den Texten Metzler, den Fischer-Athenäum-Taschenbüchern, den Scriptor-Bänden und anderswo geführten Theoriediskussionen, in denen Walter Fähnders, Helga Gallas, Marie Luise Gansberg, Hans Peter Herrmann, Michael Pehlke, Martin Rector, Dieter Richter, Peter Stein, Paul Gerhard Völker, Bernd Jürgen Warneken, Lienhard Wawrzyn und andere die bisherige Germanistik einer Methodenkritik unterzogen und materialistisch-fundierte Geschichtskonzepte entwarfen.[68]

Um sich von „älterer oder neuerer marxistischer Literaturtheorie“[69] zu unterscheiden, wählte man die Bezeichnung „materialistische“ Literaturtheorie. Moritz Neuffer drückt den Sachverhalt so aus: „‚Die vorliegende Lukács-Nummer leitet eine Reihe von Heften ein, die den Titel materialistische Literaturtheorie trägt‘, beginnt das Editorial, um anschließend die Begriffe Materialismus und Marxismus zu unterschieden. Der erstere distinguiert die ‚auf Kunst genannte Überbauphänomene‘ angewandte Methode, die hier für sich in Anspruch genommen wird, gegenüber einer Masse an älterer und neuerer marxistischer Literaturtheorie.“[70] Materialistische Literaturtheorie mit „Methode“ gleichzusetzen und damit die Begriffe „Theorie“ und „Methode“ in eins zu verschmelzen, dieser grob fahrlässige Umgang mit an sich grundverschiedenen Begriffen wird uns in Punkt 1.5. nochmals beschäftigen.[71]

Manche Themen konnten von der Alternative nur angerissen werden, so die von 1945 bis 1975 in abstrakte Höhen aufsteigende und von sich reden machende französische Philosophie.[72] Wichtige Namen wie Louis Althusser, Gilles Deleuze, Michel Foucault, Jacques Lacan, Claude Lévy-Strauss tauchen auf, die jedoch sachlich und fachlich wenig miteinander und kaum etwas mit Literatur zu tun hatten. Literaturwissenschaftler waren lediglich Roland Barthes (1915‒1980) und Pierre Bertaux (1907‒1986). In Doppelheft 59/60 (Walter Benjamin II, 1968) erregte Pierre Bertaux mit seinem Artikel Hölderlin und die Französische Revolution (Tagung der Hölderlin-Gesellschaft, Düsseldorf 1968) Aufmerksamkeit[73]; an gleicher Stelle („Dokumente 4“) durchleuchtet Lucien Goldmann ‚Die Neger‘. Untersuchung der Mikrostrukturen in Jean Genets Bühnenstück. Hildegard Brenner war mit Goldmann befreundet. Er reiste mehrfach nach Berlin, kam in die Redaktion, gab Anregungen. Eine Auseinandersetzung mit ihm stellt Einzelheft 71 (Literatursoziologie. Lucien Goldmanns Methode zur Diskussion gestellt, 1970) dar. Goldmann ging auch der Frage nach, wie oder als was Strukturalismus zu verstehen ist. Ein ganzes Heft (Nummer 54) widmete sich 1967 der Strukturalismusdiskussion (Althusser, Barthes, Foucault, Goldmann, Lacan, Lévy-Strauss, Sartre, Sebag). Kurze Zeit später die Vereinigung aus beidem: Strukturalismus und Literaturdiskussion (Doppelheft 62/63, 1968). Darin behandelten Roman Jacobson und Lévy-Strauss Les Chats von Charles Baudelaire (S. 156‒170). Was sich als Resultat zeigte, nämlich eine Untersuchung der Emblematik von Dichter/Weise und von Katze/Löwe/Sphinx, hatte wenig mit materialistischer Literaturanalyse zu tun. Im gleichen Heft fand Julia Kristevas Aufsatz Bakhtine, le mot, le dialogue et le roman (1967) in der Übersetzung von Hans-Jörg Rheinberger und Hanns Zischler im deutschsprachigen Raum Verbreitung: Wort, Dialog und Roman bei Bakhtin. Russischer Formalismus und Strukturalismus (S. 199‒205). Es mussten beinahe zehn Jahre verstreichen, bis die Alternative 1976 Das Lächeln der Medusa[74] (Hélène Cixous: Le rire de la méduse, 1975) entdeckte und in diesem Heft wieder einen Text von Kristeva abdruckte. In alternative. Zeitschrift für Literatur/Theorie. Gesamtverzeichnis 1963 bis 1982 wird der Inhalt von Doppelheft 108/109 in Stichworten wiedergeben: „Frauenbewegung, Sprache, Psychoanalyse. Hexe und Hysterikerin. Neuer Körper, neue Imagination. Gegen den Primat des Phallus im herrschenden theoretischen Diskurs. Texte von Hélène Cixous, Cathérine Clément, Luce Irigaray, Julia Kristeva, Jacques Lacan, Christa Reinig, Elisabeth Roudinesco, Gudrun Brug, Saskia Hoffmann-Steltzer, Johanna Wördemann.“[75] Französische Theorie und Feminismus/Frauenforschung sollten die Zeitschrift bis zu ihrem Ende nicht loslassen.

Einzelheft 119 trägt den Titel Krise des Marxismus (1978). Mit enthalten: Eine scharfe Verurteilung der Ungleichheit in Löhnen und Gehältern. Nicos Poulantzas, der dieses zählebige Problem in seinem Beitrag Der starke Staat und seine Schwächen anspricht, verübte im Folgejahr ‒ 43-jährig ‒ Selbstmord. Ein neues Kapitel hatte er nicht aufgeschlagen. Überhaupt blieben die sozialen Themen in der Alternative über die Jahre hinweg ziemlich die gleichen, bis hinein in den marxistischen Wortlaut. Eine Ausnahme bildet vielleicht Doppelheft 134/35 von 1980: Fürsorgliche Macht. Zwei Jahrhunderte Gefängnis. Diese Institution der Strafverfolgung sagt viel aus über die dahinter stehende Gesellschaft: vom Handabhacken über die Gefängnismonster des 19. Jahrhunderts bis zum offenen Vollzug und der therapeutischen Betreuung der Strafgefangenen heutzutage. Mit Literatur oder der seismographischen Funktion von Theorie im Sinne der Herausgeberin Hildegard Brenner hatte das wenig bis nichts zu tun. Einzelheft 116 (Die Intellektuellen und die Macht, 1977) beschäftigt sich mit den „sogenannten Neuen Philosophen oder der Austreibung des Marxismus aus den Köpfen (Glucksmann, Lévy, Dollé, Guérin)“. Die neuen französischen Philosophen wiesen auf die Verbrechen der Sowjetunion hin. Von Anfang an. Es fand ein Aufstand gegen Sartres Antifaschismus-Gemeinplätze statt.

Gab es für die Alternative keine Theorie mehr, die den Drive zum Greifen hatte? Moment mal, ist es nicht eher „der Absolutismus der Wirklichkeit“ (Hans Blumenberg), der alle Theorie immer wieder über den Haufen wirft? Die Theorie, so Blumenberg in seiner Arbeit am Mythos (1979), tendiere immer wieder dazu, zum Mythos zu gerinnen. Wird Theorie dogmatisch, wird sie zum Herrschaftsinstrument gemacht, ist sie politische Ideologie geworden.

1.5. Theorie, Politik, Wissenschaft: begriffliche Präzisierungen und Abgrenzungen

Ich möchte Hartmut Rosshoffs Ausführungen zum Thema Theorie nicht unkommentiert stehen lassen. Wird Theorie in dem spezifischen Verständnis Theorie als System von Aussagen mit Erklärungswert oder als Modell zur Erfassung von komplexen Zusammenhängen absolut gesetzt, darf und soll sie nicht hinterfragt werden, ist Fundament aller Beschäftigung mit ihr womöglich Theoriegläubigkeit, dann und nur dann gewinnt sie den Charakter eines quasi-religiösen Lehrgebäudes oder einer „individuellen Mythologie“, von Harald Szeemann im Ausstellungskatalog documenta 5. Befragung der Realität, Bildwelten heute (1972) definiert als subjektive Mythenbildung mit dem Anspruch auf Allgemeingültigkeit.

Das Alternative-Redaktionskollektiv gehörte zwar ohne Frage in Westdeutschland seit Mitte der 1960er-Jahre bis Anfang der 1980er-Jahre zu den Trendsettern auf dem Gebiet der Theorie, als theoriegläubig würde ich den festen Kern der Redaktion aber nicht bezeichnen (allerdings wird man die Frage, ob die Theoriearbeit der Alternative dem Phänomen der Überbewertung und Verabsolutierung von Theorie Auftrieb gab, wohl mit Ja beantworten müssen). Ich kann nicht umhin, Moritz Neuffer mit dem Monitum Theoriegläubigkeit zu konfrontieren, auch weil er die Schattenseite der einseitigen Überbewertung von Theorie (= Theoretizismus), die Abwertung von Logik, Methodik, Stichhaltigkeit (diese drei Punkte sind für mich Kennzeichen von Wissenschaftlichkeit) [76] und von Grundlagenforschung[77], nicht zu reflektieren scheint. Umgekehrt gilt zu erwägen, dass Theorieabstinenz und Theoriefeindlichkeit zugegebenermaßen fast nie zusammen mit der Abwertung von Logik, Methodik, Stichhaltigkeit und Grundlagenforschung auftreten, doch wer sich ganz und gar nicht mit Theorie befasst, steht in der Gefahr, nicht explizit gemachten Ideologien aufzusitzen.

Hildegard Brenner spricht im Schlussheft explizit von „linker Theorie“, mitgetragen von der Zeitschrift Alternative. Durch die nähere Bestimmung „links“ erlangt Theorie den Stellenwert einer politischen Stellungnahme, möglich geworden durch die Aufspregung der Grenze zwischen Theorie und Politik. Aufgrund des Theorie-zu-Praxis-Anspruchs war das gemeinschaftliche Unterfangen regelrecht darauf angewiesen, keine klare Grenze zwischen Theorie und Politik zu ziehen. Aber erst durch diese Grenzaufweichung rückt Theorie in die Nähe von politischer Bildungsarbeit und von Propaganda.

Moritz Neuffer lässt Theorie in der Nachfolge von Alex Demirović in Kommunikation aufgehen, als wäre es wissenschaftlich völlig legitim, „Theorie“ und „Kommunikation“ zu austauschbaren Termini zu machen: „Lässt sich Theorie als ‚Serie von Äußerungen‘ und ‚dialogischer Prozess‘ untersuchen, dann ist die Zeitschrift der Ort, an dem Serie und Prozess sichtbar werden.“[78] Der bis zur Unschärfe entgrenzte Theoriebegriff verliert in diesem „Spiel mit Grenzen“ die Funktion, zur Klärung/Aufklärung beizutragen, Klarheit zu stiften, Verständnis zu fördern.

Unausgesprochen erhob die Alternative die Forderung nach grundsätzlicher sozialer Gerechtigkeit zum Maßstab ihrer politischen wie ihrer wissenschaftlichen Arbeit und leitete daraus ihren normativen Literaturbegriff ab. In der Folge waren marxistische Literaturtheorie und Marxismus-/Theorieforschung keine deutlich voneinander abgegrenzten Bereiche mehr ‒ aus marxistischer Perspektive kein Irrweg, sondern eine Notwendigkeit, die daraus erwächst, dass der Marxismus nicht als unveränderliches System betrachtet wird, sondern als eine „Methode“, die auf Praxis zielt und gleichzeitig durch die Erfahrungen der Praxis weiterentwickelt wird.

Jede Beschäftigung mit Literatur beruht auf Grundannahmen: Allein schon die Entscheidung, welche Texte der Forschung zugeführt und welche Fragen als wichtig verhandelt und prämiert werden, hat gesellschaftliche Voraussetzungen. Marxist/innen hinterfragen solche Auswahl- und Gewichtungsprozesse und das aus guten Gründen. Ein Manko sehe ich darin, Geschichte nur noch als gesellschaftliche Determinante zu betrachten und andere Einflussgrößen an den Rand zu schieben. Überhaupt nicht akzeptieren kann ich, wie mit dem Begriff der Methode umgegangen wird. Bereits zu einem früheren Zeitpunkt nahm ich hierzu Stellung: „Durch die Gleichsetzung von weltanschaulichen Grundprämissen mit Erkenntnismethoden, die wissenschaftliche (Beweis-)Verfahren außer Kraft setzen oder auf eine nachrangige Position verweisen, wird Wissenschaftlichkeit ausgehöhlt.“[79] Indirekt wird damit vor allem die Frage berührt, wie ergebnisoffene Forschung verfahrenstechnisch zu gewährleisten ist und wie Zirkelschlüsse und Scheuklappendenken vermieden werden können.

Die Zeitschrift Das Argument verkündete 1971 „Wissenschaft als Politik“ provokativ als Programm, um „die politischen Dimensionen von Wissenschaft zu entlarven“[80]. In der Germanistik wurde die Gleichung Wissenschaft = Politik zusammen mit dem wehrhaft gegen die „bürgerliche Wissenschaft“ in Stellung gebrachten marxistischen Parteilichkeitsanspruch seit Anfang der 1970er-Jahre vehement kritisiert.[81] Susanne Baer, seit 2011 Richterin des Bundesverfassungsgerichts, formuliert hinsichtlich der Unterscheidung von Politik und Wissenschaft eine wichtige Teilwahrheit: „Die feministischen Kritiken an Wissenschaft als Politik thematisieren zu selten, dass Wissenschaft von Politik unterschieden werden muss, wenn sie nicht endgültig in den Dienst der Politik gestellt werden soll. Zudem gefährdet es insbesondere kritische Forschung, wenn und solange Wissenschaft als Wissenschaft in der Politik keine Lobby hat. Die Formel, Wissenschaft sei politisch, greift daher, so glaube ich, zu kurz. In der Wissenschaft herrscht auch und sogar zunehmend Politik, aber Wissenschaft lebt davon, in einem anderen Modus zu arbeiten.“[82] In der Tat: Wissenschaft hat einen eigenen Modus und wenn sie sich völlig der Politik unterordnet, arbeitet sie als Wissenschaft nicht mit an der Gewaltenteilung, vorausgesetzt man fasst, wie ich es tue, Wissenschaft als fünfte Gewalt auf. Der andere Teil der Wahrheit, dass nämlich auch eine scheinbar unpolitische Wissenschaft stets politisch fundiert ist und politisch wirkt[83], findet in der Argumentation Baers keine Berücksichtigung.

Abb. 4

2. Die Literaturwissenschaftlerin Hildegard Brenner

Im Folgenden wird der Versuch unternommen, die Herkunft, Persönlichkeit und berufliche Laufbahn von Hildegard Brenner auf einer ausgeweiteten Quellengrundlage nachzuzeichnen. Zuvor aber wollen wir, um in den Worten von Heinz Dieter Kittsteiner (1942‒2008) zu sprechen, einen Blick in „das Reich der Hildegard Brenner“ werfen.[84]

2.1. Brenners Atelier[85]

Das über zwei Etagen reichende geräumige Atelier von Hildegard Brenner in der Düsseldorfer Straße 4 (Wilmersdorf-Nord) war spärlich möbliert. Frei im Raum standen ein niedriges Sofa, ein Teetisch und vis-à-vis ein Lehnsessel. Die unterhalb des riesigen Nordfensters aufgestellte lange Tafel diente als Schreibtisch.

Nach dem Eintreten war man sofort gefangen von dem dreidimensionalen Stadtplan an der Wand, zweifellos in der Größe 2 x 3 Meter oder mehr. Er zeigte die Straßen und Häuser von Paris im Aufriss. Wer je in die Welt von Baudelaire oder Marx’ Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte oder dessen Fragment über die Pariser Kommune eingetaucht ist, musste gebannt sein. Von dem fesselnden Stadtplan ging unterschwellig etwas Hintergründiges aus. Er stand für das Faszinosum Frankreich, aber auch für den Mythos „Französische Revolution“ und die Frage, was uns Frankreich mit seinen linken Vordenker/innen auch heute noch zu sagen hat.

Die heitere Strenge des Ateliers und das leise, sehr konzentrierte Sprechen von Hildegard Brenner drückten den Redaktionssitzungen ihren unverwechselbaren Stempel auf. Alle Meetings fanden im Atelier statt. Bevor die Beteiligten sich ans Werk machten, bot Brenner Tee an. Persönliches blieb ausgeklammert.

2.2. „The Matthew/Matilda Effect in Science“: Brenner entpersönlichen, verunwesentlichen und von ihrer Herkunft abtrennen

Ich zitierte oben nicht ohne Hintergedanken Kittsteiners mehrdeutiges „Reich der Hildegard Brenner“. Kittsteiner verband mit dem „Reich“ nicht mehr als den Ort, an dem die Redaktion tagte: „So betrat ich das Reich der Hildegard Brenner, die im Kreise ihrer wechselnden studentischen Mitarbeiter in einem Gartengebäude der Düsseldorfer Straße 4 jene ‚roten gedrahteten Hefte‘ herausgab.“ Wohl mehr unbewusst als bewusst zeichnete der Verfasser ein Idyll. Muttergleich von jungen Menschen und der Natur umgeben, an einer Stätte, an der Eintracht und Frieden herrschen, dieser innere Film läuft bei mir ab, wenn ich die Wendung „im Kreise ihrer wechselnden studentischen Mitarbeiter“ in Verbindung mit dem Wort „Gartengebäude“ gedankenlos überfliege. Folgt man der Raumbeschreibung von Ulrich Harsch,[86] so war der große untere Bereich von Brenners Atelier, in dem in der Hauptsache Bücherregale standen, ein Ort, an dem unter Hochdruck professionell gearbeitet wurde und an dem so manche Karriere ihren Ausgang oder Fortlauf nahm. Die Zeitschrift, die Hildegard Brenner verlegte, herausgab und redigierte, sollte nichts weniger bewirken als die Welt zum Besseren zu verändern, ein hoher Anspruch, der Druck erzeugt. Es war wiederum Ulrich Harsch, der mir mitteilte, es habe zwischen Brenner und den Mitarbeiter/innen häufig heftigen Streit gegeben.

Demnach war Brenner weit davon entfernt, das Klischee der mütterlichen Glucke, der Harmoniestifterin oder der Frau in der zweiten Reihe, die Männer begleitet und inspiriert und die man durchaus ungestraft abwerten, ausnutzen oder missbrauchen darf, zu bedienen. Vielmehr war sie eine ziel- und machtbewusste Einzelkämpferin, die freilich die Arbeit im Kollektiv sehr schätzte, dabei ihre Person hinter die Sache zurückstellte und wenig von sich preisgab. Wie unten zu zeigen sein wird, stammten sie und ihre Schwester Carola Möller aus einer Bonner Familie, die es zu einem Vermögen gebracht hatte. Die Schwestern gehörten zu jenen Frauen der Nachkriegszeit, die ihren ererbten materiellen Besitz nicht nach außen zeigten, ihn aber klug verwalteten und für ihre „immaterielle Arbeit“ nutzten.[87] Von Johanna Wördemann wird Hildegard Brenner als der feminine, freundlich-reservierte, ernsthafte Frauentyp beschrieben, eine Person, die die Aura einer unverheirateten Intellektuellen umgab.[88] Es sei zu vermuten, dass ihre Distanziertheit aus einer gewissen Schüchternheit herrühre. Wenn es darauf ankam, konnte sie mit harten Bandagen kämpfen. Diese Seite von ihr enthüllt der „Biermann-Boykott“, also die Frage, ob Wolf Biermann selbst es war, der seine Erstdrucke aus Brenners Anthologie Nachrichten aus der DDR zurückzog, oder ob Brenners Verhandlungspartner in der DDR sie dementsprechend unter Druck gesetzt hatten. In diesem Zusammenhang drohte Brenner Fritz Joachim Raddatz (1931‒2015) gerichtliche Schritte an, der ihr vorwarf, sie hätte den Rowohlt-Verlag mehrfach getäuscht.[89] Für Brenner seien, ich zitiere nochmals aus den mündlichen Mitteilungen Wördemanns, nur die besten Anwälte gut genug gewesen, so der auf das Recht des geistigen Eigentums spezialisierte Wilhelm Nordemann (* 1934), nach der Öffnung der Grenzen 1989 Honorarprofessor für Urheberrechte an der Humboldt Universität Berlin.

Es ist schon sehr auffallend, dass Kittsteiner in seinem Erinnerungstext Eine unverzichtbare Episode (2008) und Neuffer in seinem Aufsatz Das Ende der ‚Alternative‘ (2012) Hildegard Brenners Berufung an die Universität Bremen 1971 unerwähnt lassen, gerade so, als sei dieser Aspekt eine „verzichtbare Episode“. Ich demonstrierte im vorangegangenen Absatz am Beispiel von Wilhelm Nordemann, wie gemeinhin verfahren wird, wenn ein Mann Professor wird und wenn auch nur Honorarprofessor. Als Mann im wissenschaftlichen Bereich bemerkenswerte Leistungen, die anerkannt und honoriert werden, vorweisen zu können, steigert Wert und Ansehen, wogegen Frauen bei gleicher oder größerer Befähigung viel häufiger leer ausgehen, etwa weil ihre Forschungsleistungen negiert und unfair attackiert oder als das Werk eines Mannes oder einer höhergestellten bzw. renommierteren Person ausgegeben werden. Die US-amerikanische Wissenschaftshistorikerin Margret W. Rossiter prägte 1993 für die diversen, nicht selten unbewusst ablaufenden Auf- und Abwertungsprozesse im wissenschaftlichen Feld, die am biologischen Geschlecht und an geschlechts- und geschlechterbezogenen Selbst- und Fremdzuschreibungen ansetzen, in Anlehnung an den amerikanischen Soziologen Robert K. Merton[90] das Begriffspaar Matthew/Matilda Effect“.[91] Schauen wir, die Geschlechterkluft-Problematik vor Augen, genauer auf Kittsteiners Äußerungen zu Hildegard Brenner:

Als ein längst geplantes Heft über Walter Benjamin vorbereitet wurde, war ich immer noch in der Redaktion. Das Kernstück war ein Einblick in den Benjamin-Nachlaß in Potsdam, trickreich nachgefragt in einem Interview von Hildegard Brenner mit Rosemarie Heise, Ostberlin.[92]
Einer gewissen Ratlosigkeit begegnete Hildegard Brenner mit dem [= ihrem, SK] Vorschlag, sie wolle das Manuskript Wolfgang Heise zukommen lassen, der sollte seine Meinung dazu sagen.[93]
Ich zog meinen Personalausweis West hervor und ein Schreiben, das Hildegard Brenner mir mit auf den Weg gegeben hatte. […] Wenn ich ihn [Kittsteiners Aufsatz über Benjamins letzte Arbeit, die Thesen Über den Begriff der Geschichte, erschienen in Doppelheft 55/56 unter dem Titel Die „geschichtsphilosophischen Thesen“, SK] heute wieder lese, bin ich Hildegard Brenner dankbar, denn ich hatte auf die Befreiungsbewegungen in der „Dritten Welt“ verwiesen, die ich als „Geschichtszeichen“ im Sinne von Immanuel Kant auffaßte.[94]

In Sicht gebracht wird eine Zeitschriftenherausgeberin, die auf Menschen zugeht, die dem jungen Studenten den Weg zu einem Zeitschriftenaufsatz[95] ebnet und deren intellektuelle Kompetenz, Beschlagenheit und Gewitztheit ihn vor Fehlern bewahrten. So etwas wie eine Gesamtwürdigung wird nicht vorgenommen. Brenner mag für Kittsteiner wichtig gewesen sein, Erzählfreude und Empathie[96] richten sich aber auf ihn selbst, den frühtalentierten Jetzt-komm-ich-Schreibhelden an der Grenze zur Selbstheroisierung[97]: „Das Heft Nr. 56/57 Walter Benjamin kostete 5 Mark, das war nicht wenig. […] Eine Studentin, die mit mir gemeinsam in einem dieser viel zu großen Seminare saß, steuerte auf mich und meinen Verkaufsstand zu. Sie blätterte das Walter-Benjamin-Heft durch. Mein Aufsatz stand ganz am Schluß, und gewiß kannte sie auch meinen Namen. Doch sie schaute mich mißtrauisch an: ‚Hast Du noch einen großen Bruder?‘ ‚Das habe ich selbst geschrieben!‘ Sie legte das Heft entschieden wieder auf den Tisch zurück, machte ‚Phh‘ – und verschwand in der Mensa.“ Elf Jahre nach der geschilderten Episode wurde Kittsteiner von Jacob Taubes promoviert. 1988 habilitierte er sich über Die Entstehung des modernen Gewissens. Von 1993 bis zu seiner Emeritierung lehrte er als Professor für Vergleichende Europäische Geschichte an der Europa-Universität Viadrina.

Zur Verwirrung trägt bei, dass Kittsteiner auf seine Person bezogen von „Redakteur“ („Mit diesem Rüstzeug im Tornister wurde ich Redakteur“) spricht, und damit eine Berufsbezeichnung reklamiert, die nicht in Einklang steht mit der Honorarklausel im Impressum der Alternative.[98] Wo kein Geld für den Lebensunterhalt fließt, kann nicht von Beruf gesprochen werden. Mit anderen Worten: Wördemann steht die Bezeichnung Redakteurin zu, nicht aber Kittsteiner oder der Publizistin Brenner[99], außer es würde sich bei Nachforschungen herausstellen, dass diese durch den Verkauf der Alternative doch Geldeinnahmen, die auf ihr Konto flossen, verbuchen konnte. Gegen diese Argumentation kann man den Einwand erheben, dass der studentische Mitarbeiter Kittsteiner, Geld hin oder her, die Arbeiten eines Redakteurs erledigte.

Anders liegen die Dinge bei dem Berliner Doktoranden Moritz Neuffer. Seine Studie Arbeit am Material durchzieht eine geschlechterdifferenzierende Sprache, womit er einen wissenschaftlichen Standpunkt bezieht,[100] auch wenn er sich mit der in geringem Umfang bereits vorhandenen Forschungsliteratur zur Alternative nicht auseinandersetzt und damit die Regeln guter wissenschaftlicher Praxis ‒ zu seinem eigenen Nachteil ‒ vernachlässigt. Seine „Schlaglichter auf die Biographie der Zeitschrift alternative[101] (die Entwicklung einer Zeitschrift folgt nicht biografischen Mustern) dehnt er auf Brenner aus: „Noch kommen viele der an der Zeitschrift Beteiligten an Universitäten unter, allen voran Helga Gallas und Hildegard Brenner, die an der neugegründeten ‚roten‘ Uni Bremen Professorinnen werden.“[102] Was zu Brenner ausgesagt wird, fällt an Exaktheit hinter den Stand des 2009 initial erstellten Wikipedia-Artikels zu der Literaturwissenschaftlerin zurück: „Von 1971 bis 1978 war Hildegard Brenner ordentliche Professorin an der Universität Bremen“ (abgefragt am 28.12.2019). Präziser und aus diesem Grund deutlich hilfreicher sind die ausgerechnet in Abschnitt „Dichtung und Diskussion“ (so lautete der Untertitel der Alternative von 1961 bis Ende 1963!) von Arbeit am Material niedergelegten personenbezogenen Angaben zu Alternative-Mitarbeiter/innen der Jahre 1964‒1982:

Die Literaturwissenschaftlerin hatte an der FU Berlin über Hölderlin promoviert, sich als Journalistin auf die Kulturszene Ost-Berlins spezialisiert und als Autorin der Studie über die NS-Kunstpolitik in rowohlts deutscher enzyklopädie einen Namen gemacht.[103] Ihr zur Seite stehen anfänglich neben älteren, nach und nach scheidenden Redaktionsmitgliedern[104] der Verlagssekretär Gerd Ziob und der von München aus arbeitende Graphiker Ulrich Harsch. Nach und nach versammelt Brenner eine neue Redaktion, die vor allem aus einer Riege von wissenschaftlichem Nachwuchs an der Freien Universität besteht. Zu ihr gehören die späteren Hochschullehrerinnen und -lehrer Helga Gallas, Heinz-Dieter Kittsteiner und Helmut Lethen, der spätere Merve-Verlagschef Hans-Peter Gente, der Germanist und Psychoanalytiker Klaus Laermann und andere. Der im Rundfunk tätige Peter B. Schumann wird mit Brenner als einziges Redaktionsmitglied bis zur Einstellung der Zeitschrift 1982 aktiv sein. Gemeinsam sorgt diese Riege zu Beginn der Sechziger Jahre[105] dafür, dass neben politischer Literatur vor allem „Theorie“ zum Gegenstand der Zeitschrift wird.[106]

Die linke Innenseite des oben erwähnten Werbeblatts alternative. Literaturzeitschrift Informationen (1974) übermittelt ergänzende Informationen: „alternative literaturzeitschrift […] gemacht und vertrieben von: redaktionskollektiv | hildegard brenner, literaturwissenschaftler | jacques dollmann, buchhändler | georg fülberth, politologe | helga gallas, literaturwissenschaftler | ulrich harsch, grafiker | christian leszczynski, literaturwissenschaftler | peter b. schumann, publizist | riewert tode, buchhändler | theda tode, pädagoge | gerd ziob, erziehungswissenschaftler“.

Der Passus von Neuffer zu Hans-Peter Gente (1936‒2014) ‒ er war 1970 Mitgründer des Merve Verlags in Wilmersdorf-Nord ‒ suggeriert, dieser werde in den Impressen der Alternative als Redaktionsmitglied geführt. Als Nachweis führt der Verfasser das Protokoll der Redaktionssitzung vom 5. Dezember 1964 an, wo Gentes Name hinter „Verantwortlicher Redakteur:“ und hinter „Anwesend:“ (anwesend waren Gente, Eggestein, Strutz, Brenner) gesetzt ist. Zu Gentes Mitarbeit an der Alternative informiert auch die 2015 veröffentlichte theorie- und oppositionsgeschichtliche Übersichtsdarstellung Der lange Sommer der Theorie. Geschichte einer Revolte 1960‒1990 des Historikers Philipp Felsch: „Außer einem Beitrag zum Bitterfelder Weg der ostdeutschen Arbeiterliteratur hatte er [= Gente, SK] jedoch so gut wie nichts veröffentlicht. […] Sein erster kleiner Herausgeber-Coup gelang ihm 1965 mit einem Themenheft der bereits erwähnten Alternative über Pariser Essayisten. […] Zum festen Redakteur wurde Gente aber trotzdem nicht: Hildegard Brenner, die Herausgeberin, mochte sich nicht damit abfinden, dass er partout nicht zum Schreiben zu bewegen war.“[107] Hildegard Brenner war seit Heft 35 (April 1964) durchgehend alleinige Herausgeberin der Zeitschrift Alternative. Ein im Impressum vermerktes Redaktionsteam mit ihr als treibender Kraft und Garantin für Kontinuität gab es erst ab Heft 44 (Oktober 1965). Eben weil Brenner alle Hefte allein herausgab, kann der zweifache Alternative-Beiträger Gente[108] nicht auch im Impressum vermerkter Herausgeber von Heft 40 (Französische Essayisten, Februar 1965) gewesen sein. Kann es sein, dass Felsch dem Geltungsdrang von Gente auf den Leim gegangen ist?[109] Und warum beschränkt sich der Verfasser auf diese eine knappe Aussage über Hildegard Brenner? Was kennzeichnet Wissenschaftlichkeit[110] und warum ist unseriöse und unredliche Forschung mehr als nur ein Kavaliersdelikt? Um ins noch Grundsätzlichere zu gehen: Wann verrät Wissenschaft sich selbst?

Um ein Zwischenfazit zu ziehen: Auch in den Arbeiten von Neuffer und Felsch landet man also in einer Sackgasse, wenn man wissen will, wer sie war, diese Hildegard Brenner, welche Umstände sie prägten und welche hervorstechenden Eigenschaften sie zu dem machten, was sie war und wofür sie sich einsetzte. Und warum wissen wir so wenig über ihre Herkunft?

Nach der Zäsur 1982 lehnte Brenner es kategorisch ab, sich zu ihrer Arbeit als Verlegerin, Herausgeberin und Redaktionsmitglied einer linken Zeitschrift öffentlich zu äußern. Von den politischen Entwicklungen in Deutschland enttäuscht, zog sie sich nach Frankreich zurück, wann genau, ist unklar. Dort lebte sie in der Camarque als Malerin. Ihre strikte Schweigehaltung legte sie irgendwann ab, so dass Moritz Neuffer sich in der komfortablen Situation befand, Hildegard Brenner persönlich befragen zu können.[111] Diese Tür ist inzwischen für immer ins Schloss gefallen. Seit 2018 lebt Brenner in Berlin-Zehlendorf in einem Pflegeheim und wird dort regelmäßig von Johanna Wördemann besucht, die meine Auskunftsquelle für die Lebensumstände der über 90-Jährigen ist.

2.3. Das „Adreßbuch der Stadt Bonn“, das Who’s who, die Laudatio im Universitätsarchiv Bremen und andere biografisch grundlegende Quellen

Hildegard Brenner wurde am 3. September 1927 in Bonn geboren. Ihre Eltern waren der Baumeister Paul Brenner und seine Frau Hanna, geb. Schugt.[112] Das Adreßbuch der Stadt Bonn der Jahre 1938 und 1939 gibt Auskunft darüber, wo die vierköpfige Familie in der Zeit der Herrschaft des Nationalsozialismus wohnte: Im Rochusweg 54 in Bonn-Dottendorf. Das Geschäftshaus der Firma „Hoch- und Tiefbaugesellschaft Brenner & Co“ ‒ auch verzeichnet unter „Brenner, G. m. b. H.“, „Brenner, Bauges.“ ‒ lag im Stadtzentum in der Sternstaße 95, Ecke Windeckstraße. Bonn hatte zu dieser Zeit 102 241 Einwohner.

Abb.5

Die Firma Brenner wurde 1924 gegründet. Zum Familienbesitz gehörte eine Zementwarenfabrik, die während des Krieges unter anderem Bauteile für Bunker herstellte, das heißt der Betrieb wurde von den Behörden als kriegswichtig eingestuft.[113] Die Reichsanstalt für Luftschutz vergab Brenner & Co im Rahmen der Fachgruppe „Bauwesen/Tarnung/Verdunklung“ die Kenn-Nummer RL3-42/43 für Luftschutzzellen aus Eisenbeton, hergestellt im Rüttelverfahren.[114] Bei „Brenner & Co Zementwarenfabrik“ waren 200 Arbeiterinnen beschäftigte.[115] Ein Zwangsarbeiter wurde ab November 1944 im Privathaus Sternstraße 95 beschäftigt. Hinweise auf eine Beschäftigung von Zwangsarbeiterinnen oder Zwangsarbeitern im Betrieb, der sich in Beuel, Südstraße 59 (heute Königswinterer Straße), befand, lassen sich in der allerdings keineswegs vollständigen Zwangsarbeiterliste des Stadtarchivs Bonn nicht nachweisen.[116] Nach Kriegsende wurde aus der Zementwarenfabrik ein Stahlbetonwerk. 1963 übernahm Hildegard Brenners zwei Jahre jüngere Schwester Carola ‒ sie hatte 1954 geheiratet und ließ sich 1966 scheiden ‒ die Geschäftsleitung von Brenner & Co.[117] Paul Brenner verstarb am 15.10.1979.[118] Im gleiche Jahr erfolgte die Veräußerung der Firma. Das über Jahrzehnte erfolgreich aufgebaute Familienunternehmen trug wahrscheinlich nicht wenig dazu bei, den Schwestern Brenner das Gefühl zu vermitteln, machtvolle Mitgestalterinnen zu sein, denen die Welt offensteht. Und er machte sie zu Expertinnen in ökonomischen Fragen, für die jüngere Schwester wurde das „Themendreieck Arbeitsverhältnisse, Frauenleben und gerechtes Wirtschaften“[119] sogar ein Lebensthema. Eines der Hauptziele meiner Forschungen im vorliegenden Rahmen bestand darin, die Herkunft von Hildegard Brenner in Umrissen zu ergründen und die kriegswichtige Rolle, die die Zementwarenfabrik Brenner & Co spielte, nicht weiter in der Versenkung verschwinden zu lassen.[120] Wer wissen will, wer Hildegard Brenner war und wurde und warum sie die meiste Zeit so verschlossen war, findet in dem Zwei-Sparten-Unternehmen ihrer Eltern einen wichtigen Schlüssel.

Für die schulische Bildung von Hildegard Brenner ist die Vita in ihrer Dissertation maßgeblich. 1934‒1937 besuchte sie die Volksschule Bonn-Dottendorf, 1937‒1944 die Städtische Oberschule II für Mädchen in Bonn. 1944‒1945 leistete sie in Landwirtschaft und Krankenhaus Arbeitseinsatz. 1946 legte sie vor dem Prüfungsausschuss der Städtischen Studienanstalt Clara-Schumann-Schule Bonn das Abitur ab. Ihre Kindheit wird von Johanna Wördemann als sorglos beschrieben. Die seit Sommer 1943 geflogenen Bombenangriffe auf Bonn erlebte sie nur aus der Ferne. In dem Vortragstext „Es ging alles so weiter 1933“ ‒ aber für wen?, einer Auseinandersetzung mit der „Machtübergabe an die Nationalsozialisten“ vor 50 Jahren, nimmt Brenner 1983 sich selbst und ihre Familie, eine Mittelstandsfamilie, analysierend ins Visier:

Ich komme selbst aus einer solchen Familie: linksrheinisch, katholisch, anitpreußisch, eher separatistisch als zentralistisch. Vater aus dem katholischen Landproletariat stammend, erste Stadtgeneration, sozial gesehen Aufsteiger, technische Intelligenz, Baugeschäft und Stahlbetonfabrik. Mutter aus altem frankophilen, also liberalen Bildungsbürgertum kommend, verarmt nach dem Ersten Weltkrieg, früh berufstätig. 1933: Familie, großes selbstgebautes Haus am Rande der Stadt, Geschäftsaufbau durch die Jahre der Weltwirtschaftskrise erschwert, verschuldet, unpolitisch. Unsere Nachbarn waren Juden, jüdische Geschäftsleute, die in sog. Mischehen lebten: Wir Kinder durften am Samstag keinen Lärm machen im Garten und spielten, auch außerhalb, mit dem jüdischen Jungen, dem einzigen, der in der Stadt Bonn überlebt hat.
Ich erinnere mich, man lebte eine Art Doppelmoral, und auf die legte man Wert: Man hielt mit, fühlte sich aber, was das NS-Regime und seine Doktrin anging, diese Maschiererei, Uniformträgerei, Fahnenhisserei und die antikirchliche Einstellung – STETS AUSSEN. (Und nach ’45 konnte man mit gutem Gewissen sagen: das hatten wir nicht gewollt; nicht so!) Wir grüßten als Kinder die Leute, die wir nicht leiden konnten, ostentativ mit „Heil Hitler“, auch solche, die mit Hitler gar nichts im Sinn hatten. Und die Fahne vorm Haus mußten wir immer dann erst aufziehen, wenn auch der letzte in der Straße bereits geflaggt hatte. Das nicht zu tun, hätte nach Opposition ausgesehen; und so meinten wir’s ja dann auch wieder nicht.
Die mich danach befragen heute, neigen dazu, so etwas schon ‚Widerstand‘ zu nennen; ich nenne das ‚PASSIVEN KONSENS‘ ‒ gewiß ein Spielraum, aber ein geduldeter, einer, den das System verkraften kann. Und in dem bewegten wir uns.[121]

Direkt nach dem Abitur nahm Brenner an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn[122] ein Studium der Fächer Deutsch, Philosophie und Psychologie auf. In Klammern setzte sie im Lebenslauf ihrer Dissertation hinzu „(Musik-Wissenschaft)“, das heißt ihre Studieninteressen waren ausgedehnter, als die Prüfungsordnung es verlangte. 1949 begab sie sich für ein Semester an die Universität Hamburg, wo ein Seminar Hans Wolffheims den Grundstein zu ihrem theoriegeschichtlichen Dissertationsthema „Die Verfahrensweise des poetischen Geistes.“ Eine Untersuchung zur Dichtungstheorie Hölderlins[123] legte, kehrte nach Bonn zurück und studierte dort von Wintersemster 1949 bis Sommersemester 1951 weiter, verlegte den Wohnsitz 1950 nach Berlin und schloss 1952 an der Freien Universität ihr Studium ab. Sie studierte bei den „Herren Professoren de Boor, Hoffmeister, Kunisch, Landmann, G. Müller, Rothacker und Herrn Dr. Wolffheim.“ Referent der Dissertation war Hermann Kunisch (1901‒1991), Koreferent der in der Schweiz geborene jüdische Philosoph Michael Landmann (1913‒1984).

Jürgen Habermas, zwei Jahre jünger als Hildegard Brenner, schloss 1949 sein Abitur ab und studierte anschließend in Göttingen (1949/50) und Zürich (1950/51) sowie ‒ wichtig für die weiteren Ausführungen ‒ in Bonn (1951‒1954) Philosophie, Geschichte, Psychologie und Deutsche Literatur. Seine philosophische Ausbildung verdanke er in erster Linie den Professoren Rothacker und Becker, schreibt er im Lebenslauf seiner im Februar 1954 an der Universität Bonn eingereichten und im gleichen Jahr im Bouvier Verlag erschienenen Dissertation.[124] Worauf ich hinaus will: Brenner und Habermas hatten den gleichen philosophischen Lehrer, Erich Rothacker (1888‒1965), seit 1928 ordentlicher Professor für Philosophie und Psychologie an der Universität Bonn.[125] Rothacker und der Germanist Paul Kluckhohn gründeten 1923 die Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte (DVjs)[126].[127] Bereits vor der Machterübertragung am 30.1.1933 unterzeichnete Rothacker den Wahlaufruf für Hitler im Völkischen Beobachter vom 23.7.1932.[128] Aleida Assmann spricht vom langen Schatten der Vergangenheit, der den Erinnerungsdiskurs der Nachkriegszeit bestimmt habe.[129] Es liegt nahe anzunehmen, dass der alternative Denk- und Publikationsstil Hildegard Brenners eine vielleicht auch nur intuitive (Abwehr-)Reaktion auf eben solche Schattenwürfe gewesen ist, die von einem Erich Rothacker ausgegangen sein mögen.

Brenners Interesse an Musik hat auch einen familiengeschichtlichen Hintergrund. Ein bekannter Vorfahre der Brenners war Nicolaus Simrock (1751‒1832).[130] Das Leipziger Musikalische Wochenblatt vom 27.5.1909 weiß zu berichten: „Nicolaus Simrock war Hornist und somit von 1789 [an, SK] Kollege Beethovens in der kurfürstlichen Kapelle in Bonn. Später legte er sich ein Musikaliengeschäft zu, aus dem im Lauf der Zeiten sich der bekannte Verlag in Berlin entwickelte. Hatte Haydns Verleger, der alte Johann Gottlob Immanuel Breitkopf, den Notensatz mit beweglichen Lettern erfunden, so entwickelte sich Nicolaus Simrock zu einem so guten Notenstecher, daß Beethoven am 2. August 1794 an ihn schreiben konnte: ‚wahrhaftig, wenn Sie so fortfahren, so werden Sie noch das Oberhaupt im Stechen werden, versteht sich im Notenstechen‘.“ Die Verwandtschaft der Familie Brenner mit den Simrocks belegt das deutsche Who’s who. Die darin enthaltene Kurzbiografie Hildegard Brenners trägt durch und durch deren Handschrift. Ich zitiere aus jener Ausgabe, in der Brenner letztmals verzeichnet wird:

BRENNER, Hildegard

Dr., Prof., Publizistin, Verlegerin – Lebt s. 1950 in Berlin, s. 1985 in Berlin u. Frankr. – Geb. 1927 Bonn – Stud. Lit.wiss., Phil., Kunstgesch. u. Politikwiss. Bonn, Hamburg, FU Berlin, Madrid, Paris, Freiburg/Br.; Promot. 1952 Berlin – 1954ff. Theater- u. Kunstkritik (spez. DDR); Mitarb. d. Münchner Inst. f. Zeitgesch.; 1964-82 Verlegerin. Herausg. u. Redaktionsmitgl. d. Ztschr. Alternative; 1971-78 Lehrst. f. Lit.theorie u. – soziol. Univ. Bremen; 1983 Gastprof. Univ. Pisa. 1986/87 Mitarb. b. Aufbau sozialökol. Forsch. inst, b. Hess. Min.präs. – BV: Üb. d. Verfahrensweise d. poet. Geistes. Z. Dichtungstheorie Hölderlins, 1952; D. Kunstpolitik d. NS, 1963 (ital. 1965, franz. 1989); Nachr. a. Dtschl., Anthol. d. neueren DDR-Lit.: Lyrik, Prosa, Dramatik, 1967; Asja Lacis – Revolutionär im Beruf, Ber. üb. prol. Theater, üb. Meyerhold, Brecht, Benjamin, Piscator, 1971 (ital. 1976, franz. 1988); Ende d. bürgerl. Kunstinstitution, D. Polit. Formierung d. Preuß. Akad. d. Künste 1933, 1972. Übers. a. d. Ital. u. Frz. Herausg. d. lit.theoret. Buchreihe Collection Altern. (1970-75); Ztsch.-Aufs., Hörspiele – Bek. Vorf.: Nikolaus Simrock, Musikverleger Bonn (Vater von Karl Simrock) – Lit.: D. Fall Brenner, Univ. Hamburg (1972).[131]

Abweichend zum Lebenslauf in der Dissertation führt das Who’s who die Fächer Kunstgeschichte und Politikwissenschaft sowie die Studienaufenthalte Madrid, Paris und Freiburg im Breisgau auf. Erkärungsansätze für diese Abweichungen liefert die Laudatio der Berufungskommission der Universität Bremen, wonach die Bewerberin ‒ offenbar an der FU Berlin ‒ ein Zweitstudium absolvierte und Archivstudien im Ausland betrieb: „Frau Brenner […] studierte von 1947‒1952 Literaturwissenschaft, Philosophie, Psychologie und Kunstgeschichte an den Universitäten Bonn, Hamburg und FU Berlin. […] Nach der Promotion bis zu einem Zweitstudium der politischen Soziologie [und, SK] der Literatur- und Kunstsoziologie verbrachte Frau Brenner einige Zeit zu Studienzwecken im Ausland, arbeitete am Theater und beim Rundfunk. Danach hatte sie eine Dozentur an Berliner Volkshochschulen; 1959 ff betrieb sie umfangreiche Archivarbeiten im In- und Ausland zur Veröffentlichung eines Buches zur Kunstpolitik des Nationalsozialismus.“[132]

 
Abb. 6/7

Brenners erste Buchpublikation war zugleich eines ihrer Hauptwerke: Die Kunstpolitik des Nationalsozialismus (1963). Es kam einem Ritterschlag gleich, dass der italienische Philosoph Ernesto Grassi (1902‒1991), Herausgeber der eine Klasse für sich bildenden Reihe Rowohlts deutsche Enzyklopädie. Das Wissen des 20. Jahrhunderts im Taschenbuch mit enzyklopädischem Stichwort (Hamburg: Rowohlt 1‒400, 1955‒1984), für Brenners Studie votierte. Seit 1965 lag diese in der Übersetzung von Enzo Collotti und Francesco Tosi auf Italienisch vor. 1980 veröffentlichte der namhafte Pariser Verlag Maspero das bahnbrechende Werk in der Übersetzung des Journalisten und Holocaust-Historikers Lucien Steinberg. 1992 folgte die kroatische Fassung, übersetzt von Silvija Bosner. Bereits 1962 war Brenners Aufsatz Die Kunst im politischen Machtkampf der Jahre 1933/34 erschienen,[133] der 1972 in englischer Sprache neu aufgelegt wurde (Art in the Political Power Struggle of 1933 and 1934). Dieser maßgebliche Aufsatz wie auch Brenners im Handbuch der deutschen Gegenwartsliteratur (1965)[134] abgedruckter Grundlagenaufsatz Deutsche Literatur im Exil 1933‒1947[135] und ihre Pionierarbeiten zur nationalsozialistischen Kunstpolitik und zur nationalsozialistischen Akademiepolitik[136] werden bis heute ungebrochen weltweit rezipiert.[137]

Für Deutschland bedeutete die Gewaltherrschaft 1933‒1945 einen epochalen Bruch. Durch ihre fundamentalen Arbeiten zu diesem düsteren Kapitel deutscher Geschichte und in ihrer „politischen Zeitschrift“ hielt Brenner die Erinnerung an die NS-Diktatur lebendig. Ihre Zeitschrift wollte dem nicht Wiedergutzumachenden etwas Neues entgegenstellen. Brenner suchte nach dem Verfemten, Verdrängten und Vernichteten. Das nach 1945 neu Entstehende sollte gezeigt und zur Diskussion gestellt werden.

Knapp zwanzig Jahre nach Kriegsende gehörte Brenner zusammen mit Frauen wie Aenne Burda (1909‒2005) zu den seltenen Ausnahmen, die Zeitschriften herausgaben, die in ihrem eigenen Verlag produziert wurden. Zeitschriftenherausgeberinnen der Nachkriegsjahre stehen in einer Tradition, die im deutschsprachigen Raum des 18. Jahrhundert Gestalt annahm[138] und in der NS-Zeit jäh ausgebremst wurde[139]. Anfangs als Poeten- und Künstlerprojekt mit lokaler und regionaler Reichweite gestartet, wandelte Brenner die Alternative zu einer Zeitschrift von nationalem Rang und wissenschaftlicher Relevanz um. Solange der Matthäus/Matilda-Effekt die germanistische Fachgeschichtssschreibung (ver)formt[140], werden Befunde wie die hier vorstellten totgeschwiegen oder marginalisiert, dabei fußt unsere (Wissenschafts-)Kultur auf repetitiven Handlungen wie auch auf Neuerungen, bei denen aus wissenschaftlicher Perspektive unvoreingenommen und ohne Vorabfestlegungen zu fragen ist, wer denn eigentlich die handelnden Subjekte sind und warum und wer oder was sie prägte.

Folgt man der Laudatio für Brenner, so war diese seit 1963 „verantwortliche Redakteurin“ der „Literaturzeitschrift“ Alternative und gab seit 1970 die literaturtheoretische Reihe „collection alternative“ heraus.[141] Die Zeitangabe in der Laudatio muss dahingehend korrigiert werden, dass die Nebenreihe der „Sammlung Luchterhand“ 1971‒1974 erschienen ist. Hier meine Rekonstruktion der Titel der „Collection Alternative“[142]:

Band 1: Helga Gallas: Marxistische Literaturtheorie. Kontroversen im Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller, 1971 (2. Aufl. 1971, 3. Aufl. 1972, 4. Aufl. 1974)[143]
Band 2: Helga Gallas (Hrsg.): Strukturalismus als interpretatives Verfahren, Darmstadt, 1972
Band 3: Ginka Steinwachs: Mythologie des Surrealismus oder die Rückverwandlung von Kultur in Natur. Eine strukturale Analyse von Bretons Nadja, 1971
Band 4: Georg Fülberth: Proletarische Partei und bürgerliche Literatur. Auseinandersetzungen in der deutschen Sozialdemokratie der II. Internationale über Möglichkeiten und Grenzen einer sozialistischen Literaturpolitik, 1972
Band 5: Dieter Richter (Hrsg.): Das politische Kinderbuch. Eine aktuelle historische Dokumentation, 1973
Band 6: H. Gustav Klaus (Hrsg.): Marxistische Literaturkritik in England. Das „Thirties movement“, 1973
Band 7: Pierre Macherey: Zur Theorie der literarischen Produktion. Studien zu Tolstoj, Verne, Defoe, Balzac, 1974

Brenner gehört global betrachtet zu den ersten Literaturwissenschaftlerinnen, die eine wissenschaftliche Schriftenreihe, dazu noch eine Theoriereihe, initiierten.[144] Den Hintergrund der geschichtlichen Einordnung möchte ich an einem Zitat verdeutlichen. Theoretiker/innen eines Systems männlicher Prädomination rechtfertigten auch noch im 20. Jahrhundert ihr Frauenbild mit dem Argument, das Denken von Frauen sei „gefühlsbetont, intuitiv, daher weniger abstrakt und logisch, auch weniger zur objektiven, von Gefühlseinflüssen unabhängigen Aufnahme und Würdigung von Tatvorgängen und zur objektiven Urteilsfindung geeignet“.[145]

Der dritte Absatz der zweiseitigen Laudatio enthält eine undurchschaubare Information: „Zur Zeit beendet Frau Brenner ihre Habilitationsschrift über Walter Benjamins Literaturtheorie.“ Nichts dergleichen lässt sich in den Bibliothekskatalogen nachweisen. Einen expliziten Bezug zu Benjamin hat hingegen die von Brenner zusammengestellte und 1971 veröffentlichte Textsammlung mit Bildanhang zu der lettischen Theaterregisseurin Asja Lācis (1891‒1979):

Der Name Asja Lacis hätte von denen, die um die historischen Zusammenhänge wußten, schon vor zwei Jahrzehnten genannt werden müssen. Das geschah nicht. Bei der Herausgabe der benjaminschen „Schriften“ 1955 ist die Widmung der „Einbahnstraße“[146] an die „rigaer Freundin“ getilgt worden; der Name Lacis als Mitautor der Essays „Neapel“ wurde gestrichen. Als Begründerin des sowjetischen Kindertheaters wurde nur von Natalia Saz gesprochen, die, dem traditionellen Künstlertheater verpflichtet, seit 1918 ein Theater von Berufsschauspielern für Kinder leitete. […]
Für uns sind die in den vorliegenden Erinnerungen und Dokumenten gespeicherten Erfahrungen in mehrerer Hinsicht aktuell: (1) Asja Lacis ist Zeugin der künstlerischen Aktivitäten auf der organisierten wie nichtorganisierten Linken der Weimarer Republik. (2) Sie war für die Linke, besonders für Brecht und Benjamin, für Piscator, Becher, Kisch, Toller und andere Informantin aus dem Land der Revolution, Zeitgenossin des künstlerischen und politischen Aufbruchs. (3) Sie war als Regisseurin selbst Akteurin des ‚Theateroktobers‘ ‒ in der Sowjetunion, in Lettland, in Deutschland.[147]

Erst nachdem Brenner 1970 Lehrbeauftragte an der Pädagogischen Hochschule Berlin, Abt. Erziehungswissenschaft, geworden war, und erst nachdem ihre Bewerbung auf eine Professur an der Universität Hamburg wegen des Radikalenerlasses verworfen wurde[148], trat sie in Verhandlungen mit der Universität Bremen, wo sie 1971 zur ordentlichen Professorin für Literaturtheorie und -soziologie berufen wurde. In der Laudatio wird die interdisziplinäre Anlage ihrer wissenschaftlichen Arbeiten herausgestellt. Als spezielle Arbeitsgebiete hatte Brenner Literaturtheorie, Literatursoziologie und Literatur in der DDR, insbesondere Brecht und das epische Theater[149], angegeben. Entscheidend aber waren für die Berufungskommission die von ihr vorgelegten Projekte, hervorgegangen aus ihrer Lehrtätigkeit an der erwähnten Pädagogischen Hochschule, die „ein hohes Maß an Fähigkeit zu kritischer und selbstkritischer Auswertung von Lehrerfahrungen, eine so differenzierte und überlegte Gliederung von Lernschritten und eine so reflektierte Auseinandersetzung mit didaktischen Problemen“ zeigen, „daß die Berufungskommission der Universität auf dringendste empfiehlt, Frau Brenner unbedingt zu gewinnen.“ Zur Anleitung von Erkenntnisprozessen erscheine sie ungewöhnlich befähigt. Hierauf wird der Bogen zur Zeitschrift Alternative geschlagen: „Ließ ihre jahrelange Redaktionsarbeit in einem Team ihre Befähigung zur Projektarbeit erwarten, so erwies sich im hearing vor allem ihre besondere Eignung gerade auch für Projekte im Rahmen der Lehrerbildung. Besonders ihre Vorlage zum hearing ‚Literaturinterpretation in den Mittelstufen als Teil der spontaneistisch-affirmativen Sozialisationspraxis‘ wies ihre Qualifikation gerade auch für fachdidaktische Projekte aus, die notwendiger Bestandteil von Projekten im Rahmen der Lehrerausbildung in Bremen sein müssen.“ Im Fazit wird die seltene Verbindung von wissenschaftlicher Qualifikation auf Gebieten der Literatursoziologie und -theorie mit fundierten Fachkenntnissen für die Lehrerbildung und die ungewöhnliche Fähigkeit zur Umsetzung von abstrakten wissenschaftstheoretischen Fragen in Erkenntnisprozesse, die von Schülern jeweils bestimmter Altersstufen nachvollziehbar sind, exponiert.

Bekanntlich erleichtern flache Hierarchien Information und Kommunikation und sie bilden einen Schutzwall gegen Intransparenz und irrationale, antisoziale Entscheidungen. Die Befürworter/innen der Habilitation als höchster akademischer Prüfung müssen sich fragen lassen, ob diese Übereinkunft nicht primär männlichen Interessen dient und zudem die versteckte Möglichkeit bietet, Frauen von hochqualifizierten Berufen fernzuhalten[150], auch wenn sie selbst sich dazu berufen fühlen oder nach Ansicht ihrer Umwelt dazu besonders befähigt erscheinen[151]. Aus der Entscheidung der Universität Bremen für Hildegard Brenner, die keine gedruckte Dissertation vorzeigen konnte und nicht habilitiert war, spricht nicht nur Weisheit,[152] sondern auch sehr viel Realitätssinn, eine differenzierte Wahrnehmungsfähigkeit und vor allem Respekt.

So also wurde das Atelier in der Düsseldorfer Straße über Nacht zum Wirkungsort einer Professorin. Dann das Unvorstellbare: 1978 gab Brenner im Alter von 51 Jahren ihren Lehrstuhl auf, offiziell aus Krankheitsgründen, und ließ sich frühpensionieren[153].[154] Der wahre Grund war das Zerwürfnis mit Helga Gallas, die kurz zuvor oder danach, in jeden Fall aber 1974 ‒ sehr wahrscheinlich mit Unterstützung von Hildegard Brenner ‒ zur ordentlichen Professorin der Universität Bremen berufen worden war. Von diesem markanten Zeitpunkt an wollte Brenner nicht mehr zusammen mit der Person, die sie in einen offenen Machtkampf verwickelt hatte, am gleichen Studiengang[155] tätig sein. Vor ihrem Ausscheiden aus dem Lehrkörper der Universität Bremen bewarb sie sich deswegen eigens auf eine ausgeschriebene Professur in Hannover, hatte damit aber keinen Erfolg.

Der Casus Belli und die Namen der Kontrahent/innen werden in dem Flugblatt „alternative | Stinkbürgerliche Machtpolitik im ALTERNATIVE-Kollektiv[156] (entstanden zwischen dem 24.9.1974 und dem 10.10.1974) expliziert: „Die Zeitschrift Alternative ist von der Herausgeberin Hildegard Brenner unter Mitwirkung unserer ehemaligen Redaktionsgenossen Jacques Dollmann, Peter Schumann und (zögernd, nach anfänglicher Neutralität) Gerd Ziob usurpiert worden. Dieser schwerwiegende Vorwurf wird von denen erhoben, die ‚eliminiert werden mußten, um die Zeitschrift zu retten‘: Helga Gallas, Christian Leszczynski, Riewert und Theda Tode.“[157] Am Konflikt war auf der Seite von Helga Gallas KD Wolff beteiligt, der 1970 in Frankfurt am Main den Verlag Roter Stern gründete.[158] Zum Streit sei es gekommen, als alle Kollektivmitglieder über die Qualität der letzten Alternative-Hefte und die Art und Weise, wie sie zustande kamen, geklagt hätten; es sei unstrittig gewesen, „daß theoretisches Konzept und politische Position der Zeitschrift neu zu bestimmen waren und daß das Kollektiv seinen Arbeitsstil entscheidend verbessern mußte“. In der Generaldebatte des Redaktionskollektivs am 22.6.1974 wurde 1. ein Redaktionsstatut gefordert, das die Feststellung der Verfügungs- und Eigentumsrechte der Kollektivmitglieder gegenüber der Alternative-GmbH beinhalten sollte. Gefordert wurden 2. Arbeitsgruppen, die langfristig Heftprojekte planen und realisieren, um die bisherige hektische und konzeptionslose Produktionspraxis zu beenden. Gefordert wurde 3. die Aufnahme von Kontakten zu wissenschaftlich und politisch arbeitenden Gruppen, um die Isolation aufzuheben, und gefordert wurde 4. die Aufnahme neuer Redaktionsmitglieder, um die Arbeitsbasis zu verbreitern. Zusätzlich wurde die Forderung erhoben, die Herausgeberin der Alternative und ihre Redaktion sollten sich während der 26. Frankfurter Buchmesse (10.‒15. Oktober 1974) einem Gremium des VLB stellen. Von der Gegenseite sei angekündigt worden, auf der Buchmesse eine „Erklärung“ zu veröffentlichen.

Brenner habe in der Generaldebatte alle Forderungen zurückgewiesen („Arbeitsgruppen? ‒ Aushöhlung der Redaktion. Statut? ‒ Rechtsformalismus‘“). Ihren Gegenantrag, Gallas und Leszczynsi für ein Jahr unter Fortfall aller Rechte und Pflichten zu beurlauben, habe sie mit Spontaneismus, Theoretizismus, Karrierismus und pathologischer Psyche begründet. Der Streit eskalierte nach einem, wie ich es verstehe, Alleingang von Helga Gallas:

Als Gallas bestimmte Faustpfänder für Trennungsverhandlungen behalten, vor allem die Gelder unseres ‚politischen Fonds‘ bis zur Klärung von einem Anwaltskollektiv endgültig sichern lassen wollte, wurden sie und Leszczynsi in Abwesenheit endgültig ausgeschlossen. Zwei weitere Mitglieder des Kollektivs, die sich solidarisierten, wurden in der Zeit danach peu à peu ihrer Funktionen enthoben (Riewert und Theda Tode).
Gleichzeitig wurden Anwälte, Gerichtsvollzieher und Gerichte mobilisiert, und mit Strafrechtsdrohungen und zwei Prozessen wurde die Rückgabe der Faustpfänder erzwungen. Brenner-Anwalt: „Wollen Sie sich allen Ernstes um Ihre Karriere und ins Gefängnis bringen?“.

Es sei mir an dieser Stelle eine Bemerkung erlaubt, die sich insbesondere an die Redaktionsmitglieder der Alternative richtet: „Ich hätte es sehr begrüßt, wenn Sie die vorliegende Studie verfasst hätten. Sie würden damit glaubhaft beweisen, dass Sie als Wissenschaftler/innen in der Lage sind, unbeeinflusst und unbeirrt von persönlichen Erfahrungen, Machtkämpfen und politischen Orientierungen zu einer Person zu forschen, die aufgearbeitet und erinnert werden muss.“

Seit 1986 engagierte sich Hildegard Brenner für das 1989 gegründete Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE; Website: https://www.isoe.de/) mit Sitz in Frankfurt am Main, eine gemeinnützige Forschungseinrichtung, die sozialökologische Konzepte für eine nachhaltige Entwicklung erarbeitet. Das Gutachten[159], das sie mitverfasste, zeugt ein letztes Mal von ihrem Verantwortungsbewusstsein, ihrer politischen Integrität, ihrem Spürsinn für Neues und ihrer überragenden Fähigkeit, in größeren Zusammenhängen zu denken, zu analysieren, zu diskutieren.

Ein Anfang ist gemacht. Ob Brenner ihren fest umrissenen Platz in der Zeitgeschichte wie auch in der Germanistik und Kunstwissenschaft finden wird, ist nicht nur eine Frage des Könnens und Wollens, sondern auch der Respektierung und Förderung von Frauenforschung inner- und außerhalb des Wissenschaftsbetriebes. Die an den Rand gedrängte, abgewertete oder demonstrativ nicht beachtete Frauenforschung, die allgegenwärtige, hoch gehandelte und opulent geförderte Männerforschung sowie die noch junge Transforschung sind gleichwertige Forschungsgrundausrichtungen.[160] Aber gerade weil die Quellenlage zu Frauen oft besonders mangelhaft und heterogen ist, sind wir alle aufgerufen, Frauenforschung in besonderer Weise unsere Unterstützung, Geduld, Ausdauer und Förderung zukommen zu lassen.

2.4. Brenners Schwester, die „feministisch-ökonomische Vordenkerin“ Carola Möller

Carola Möllers Leben verlief wendungsreicher als das ihrer älteren Schwester. Zu ihrem 89. Geburtstag erhielt sie 2018 eine Festschrift mit ausgewählten Schriften und Vorträgen des Zeitraums 1966‒1999, zusammengestellt von Marlies W. Fröse, Rita Seppelfricke und Annekathrin Linck.

In ihrem Einführungstext würdigt Marlies W. Fröse die ausgeprägte Fähigkeit Carola Möllers, vorzudenken: „Ihre Themen sind nach wie vor aktuell: Frauenarbeit und Frauenarmut, ungeschützte Beschäftigungsverhältnisse und deren Auswirkungen, garantiertes Grundeinkommen, Prekarisierung von Beschäftigungsverhältnissen, die Rahmenbedingungen für ein anderes Wirtschaften, neue Arbeitsformen, neue Widerstandsformen.“[161] Hier ist nicht der Ort, die Vita von Carola Möller auszubuchstabieren.[162] Für die 68er-Forschung erscheint mir bemerkenswert, dass Möller 1967 den Republikanischen Club Köln mit ins Leben rief.[163] 1978‒1994 gehörte sie der Redaktionsgruppe der von ihr mitgegründeten Zeitschrift Beiträge zur feministischen Theorie und Praxis an.[164] 1996 etablierte sie ihre eigene Stiftung, die „Stiftung Fraueninitiative“.[165] Seit 1998 war sie Mitglied der Frauenredaktion der Zeitschrift Das Argument.[166] Mit Parteiarbeit wollte Möller nie etwas zu tun haben. Sie habe wiederholt die Erfahrung gemacht: „Sobald die Macht näher rückt, sind alle Überlegungen dahin und alle Grundsätze weg“.[167]

Mir scheint, das Verhältnis von Hildegard Brenner zu ihrer Schwester war gut und eng. Ich mache das daran fest, dass Carola Möller zum Alternative-Heft 139 (Unversöhnlich. Frauen zwischen Befreiung und Vereinnahmung, Oktober 1981) zusammen mit Barbara Bolder, Anne Lütkes und Rita Seppelfricke den Aufsatz Frauenhaus Köln: Politische Arbeit oder Dienstleistung für den Sozialstaat? beisteuerte. 1975‒1982 hatte Möller am Aufbau des ersten autonomen Frauenhauses in der BDR mitgearbeitet.[168]

3. Die Redaktionsmitglieder, Verlagssekretär/innen und Typografen der Zeitschrift Alternative 1964‒1982 ‒ eine chronologische Übersicht

Ulrich Harsch danke ich für seine Unterstützung bei der Erstellung der vorliegenden Liste. Johanna Wördemann äußerte mir gegenüber Zweifel, ob auf der Impressumseite der Alternative stets und immer alle Studierenden erwähnt werden, die in der Redaktion mitmachten. Nach außen hin habe man Kontinuität signalisieren wollen. Die Schreibweisen der Personennamen richten sich auch dann nach der Vorlage, wenn sie von der amtlichen Schreibung oder von Veröffentlichungen abweichen.

Der erste Versuch, die Redaktionsmitglieder der Alternative und die Dauer ihrer Mitarbeit zu erfassen, stammt von Dagmar Laakmann und Reinhard Tgahrt.[169] Deren dokumentarische Arbeit endet mit dem Jahr 1970. Die Redaktion wird nach dem Muster „Jg. 8, H. 44ff: Red. von Hildegard Brenner, Georg Fülberth, Helga Gallas, Klaus Laermann, Hartmut Rosshoff, Peter B. Schumann, Jürgen Strutz, Kathrin Vier; Jg. 9, H. 46‒11, H. 27: und Helmuth Lethen“ erfasst. Im Personenregister (S. 207‒227) des Verzeichnisses sind die Vornamen bis auf wenige Ausnahmen ausgeschrieben. Das Verhältnis Männer zu Frauen beträgt auf Seite 209 (hier finden sich die weiblichen Namen Dorothy M. Boyce, Ursula Brandes, Hildegard Brenner, Nanne Büning, Marianne Cantwell, Elise Crenow und Wendula Dahle) 81:7. Der Berichtszeitraum des Repertoriums Deutsche literarische Zeitschriften erstreckt sich auf die Jahre 1945–1970. Die „Redakteure“ werden nach dem Muster „Kathin Vier (8.1965, H. 44‒9.1966. H. 48)“ erfasst; Kathrin Vier ist identisch mit Katharina Rutschky (1941‒2010), die den Begriff „schwarze Pädagogik“ prägte.[170] Das Nachschlagewerk beinhaltet ein „Chronologisches Zeitschriftenverzeichnis“ (S. 37‒64).

7. Jahrgang
Einzelnummer 35, April 1964: Literarisches Grenzgespräch
Herausgegeben von Hildegard Brenner
Verlagsleiter: Ulrich Eggestein
 
Einzelnummer 36, Juni 1964: Was ist ein nationalsozialistischer Roman? Zum Fall Graff/Barthel
Herausgegeben von Hildegard Brenner
Redaktionssekretär: Gerd Ziob
Typographie: Ulrich Harsch
 
Einzelnummer 37, August 1964: 1914‒1964: Fünfzig Jahre Naturheilverfahren. Dokumentiert und kommentiert von Volker von Törne
Herausgegeben von Hildegard Brenner
Redaktionssekretär: Gerd Ziob
Typographie: Ulrich Harsch
 
Doppelnummer 38/39, Oktober 1964: Zwei deutsche Literaturen? Beilage: Dokumente 1: Leningrader Schriftsteller-Colloquium „Der zeitgenössische Roman“
Herausgegeben von Hildegard Brenner
Redaktionssekretär: Gerd Ziob
Typographie: Ulrich Harsch
 
8. Jahrgang
Einzelnummer 40, Februar 1965: Französische Essayisten
Herausgegeben von Hildegard Brenner
Redaktionssekretär: Gerd Ziob
Typographie: Ulrich Harsch
 
Einzelnummer 41, April 1965: Karl Korsch ‒ Lehrer Bertolt Brechts
Herausgegeben von Hildegard Brenner
Redaktionssekretär: Gerd Ziob
Typographie: Ulrich Harsch
 
Doppelnummer 42/43, Juni 1965: Tschechoslowakische Lyrik, Prosa, Dramatik. Beilage: Dokumente 2: Die Prager Kafka-Konferenz
Herausgegeben von Hildegard Brenner
Redaktionssekretär: Gerd Ziob
Typographie: Kay Wiedemann
 
Einzelnummer 44, Oktober 1965: PEN-Kongreß in Bled, Juli 1965
Redaktion: Hildegard Brenner, Georg Fülberth, Helga Gallas, Klaus Laermann, Hartmut Rosshoff, Peter B. Schumann, Jürgen Strutz, Kathrin Vier
Verlagssekretär: Gerd Ziob
Typographie: Günter Seid
 
Einzelnummer 45, Dezember 1965: Moderne Literatur in deutschen Lesebüchern
Redaktion: Hildegard Brenner, Georg Fülberth, Helga Gallas, Klaus Laermann, Hartmut Rosshoff, Peter B. Schumann, Jürgen Strutz, Kathrin Vier
Verlagssekretär: Gerd Ziob
Typographie: Günter Seid
 
9. Jahrgang
Einzelnummer 46, Februar 1966: Protest Songs
Redaktion: Hildegard Brenner, Georg Fülberth, Helga Gallas, Klaus Laermann, Hartmut Rosshoff, Peter B. Schumann, Jürgen Strutz, Kathrin Vier
Verlagssekretär: Gerd Ziob
Typographie: Holger Markhoff
 
Einzelnummer 47, April 1966: Ružena Grebeničková: Moderner Roman und russische formale Schule ‒ Karel Kosík: Zur Realismus-Diskussion
Redaktion: Hildegard Brenner, Georg Fülberth, Helga Gallas, Klaus Laermann, Hartmut Rosshoff, Peter B. Schumann, Jürgen Strutz, Kathrin Vier
Verlagssekretär: Gerd Ziob
Typographie: Günter Seid
 
Einzelnummer 48, Juni 1966: Die roten Straßen. Politische Lyrik aus den 20er Jahren
Redaktion: Hildegard Brenner, Georg Fülberth, Helga Gallas, H. D. Kittsteiner, Klaus Laermann, Helmut Lethen, Hartmut Rosshoff, Peter B. Schumann, Kathrin Vier
Verlagssekretär: Gerd Ziob
Typographie: Holger Markhoff
 
Doppelnummer 49/50, Oktober 1966: Literatursoziologie. Beilage: Dokumente 3: Soziologische und psychoanalytische Methoden der Interpretation von Kunstwerken. Tagung in Royaumont
Redaktion: Hildegard Brenner, Georg Fülberth, Helga Gallas, H. D. Kittsteiner, Klaus Laermann, Helmut Lethen, Peter B. Schumann
Verlagssekretär: Gerd Ziob
Typographie: Holger Markhoff
 
Einzelnummer 51, Dezember 1966: Industriearbeiter-Romane in Westdeutschland
Redaktion: Hildegard Brenner, Georg Fülberth, Helga Gallas, Heinz-Dieter Kittsteiner, Klaus Laermann, Helmut Lethen, Peter B. Schumann
Verlagssekretär: Gerd Ziob
Typographie: Holger Markhoff
 
10. Jahrgang
Einzelnummer 52, Februar 1967: Briefe aus dem Exil
Redaktion: Hildegard Brenner, Georg Fülberth, Helga Gallas, Heinz-Dieter Kittsteiner, Helmut Lethen, Peter B. Schumann
Verlagssekretär: Gerd Ziob
Typographie: Holger Markhoff
 
Einzelnummer 53, April 1967: Arvo Salo/Kaj Chydenius: Die Lapua-Oper
Redaktion: Hildegard Brenner, Georg Fülberth, Helga Gallas, Heinz-Dieter Kittsteiner, Helmut Lethen, Peter B. Schumann
Verlagssekretär: Gerd Ziob
[Typographie: keine Angabe]
 
Einzelnummer 54, Juni 1967: Strukturalismusdiskussion. Neue Texte und Interviews aus Frankreich
Redaktion: Hildegard Brenner, Georg Fülberth, Helga Gallas, Heinz-Dieter Kittsteiner, Helmut Lethen, Peter B. Schumann
Verlagssekretär: Gerd Ziob
[Typographie: keine Angabe]
 
Einzelnummer 55, August 1967: Germanistik ‒ Reform oder Politisierung?
Redaktion: Hildegard Brenner, Georg Fülberth, Helga Gallas, Piet Gruchot, Heinz-Dieter Kittsteiner, Helmut Lethen, Peter B. Schumann
Verlagssekretär: Gerd Ziob
[Typographie: keine Angabe]
 
Doppelnummer 56/57, Oktober/Dezember 1967: Walter Benjamin
Redaktion: Hildegard Brenner, Georg Fülberth, Helga Gallas, Piet Gruchot, Heinz-Dieter Kittsteiner, Helmut Lethen, Peter B. Schumann, Horst Tomayer
Verlagssekretär: Gerd Ziob
Typographie: Ulrich Harsch
 
11. Jahrgang
Einzelnummer 58, Februar 1968: Neue Texte aus der DDR
Redaktion: Hildegard Brenner, Nanne Büning, Georg Fülberth, Helga Gallas, Piet Gruchot, Peter B. Schumann, Horst Tomayer
Verlagssekretär: Gerd Ziob
Typographie: Ulrich Harsch
 
Doppelnummer 59/60, April/Juni 1968: Walter Benjamin (II), Beilage: Documente 4
Redaktion: Hildegard Brenner, Nanne Büning, Georg Fülberth, Helga Gallas, Piet Gruchot, Peter B. Schumann
Verlagssekretär: Gerd Ziob
Typographie: Ulrich Harsch
 
Einzelnummer 61, [Oktober, SK] 1968: Deutschunterricht und Germanistik
Redaktion: Hildegard Brenner, Nanne Büning, Georg Fülberth, Helga Gallas, Piet Gruchot, Peter B. Schumann
Verlagssekretär: Gerd Ziob
Typographie: Ulrich Harsch
 
Doppelnummer 62/63, Dezember 1968: Strukturalismus und Literaturwissenschaft
Redaktion: Hildegard Brenner, Nenne Büning, Georg Fülberth, Helga Gallas, Piet Gruchot, Petra Niemeyer, Peter B. Schumann
Verlagssekretär: Gerd Ziob
Typographie: Ulrich Harsch
 
12. Jahrgang
Einzelnummer 64, Februar 1969: Frankreich Mai 1968. Analysen von André Glucksmann, André Gorz, Ernest Mandel
Redaktion: Hildegard Brenner, Jacques Dollmann, Georg Fülberth, Helga Gallas, Petra Niemeyer, Peter B. Schumann
Verlagssekretär: Gerd Ziob
Typographie: Ulrich Harsch
 
Einzelnummer 65, April 1969: Sprachwissenschaft und Literatur
Redaktion: Hildegard Brenner, Jacques Dollmann, Georg Fülberth, Helga Gallas, Peter B. Schumann
Verlagssekretär: Gerd Ziob
Typographie: Ulrich Harsch
 
Einzelnummer 66, Juni 1969: Revolutionäre Texttheorie. Die Gruppe TEL QUEL ‒ ein Versuch
Redaktion: Hildegard Brenner, Jacques Dollmann, Georg Fülberth, Helga Gallas, Peter B. Schumann
Verlagssekretär: Gerd Ziob
Typographie: Ulrich Harsch
 
Doppelnummer 67/68, Oktober 1969: Materialistische Literaturtheorie I
Redaktion: Hildegard Brenner, Jacques Dollmann, Georg Fülberth, Helga Gallas, Peter B. Schumann
Verlagssekretär: Gerd Ziob
Typographie: Ulrich Harsch
 
Einzelnummer 69, Dezember 1969: Materialistische Kunsttheorie II: Hanns Eisler
Redaktion: Hildegard Brenner, Jacques Dollmann, Georg Fülberth, Helga Gallas, Peter B. Schumann
Verlagssekretär: Gerd Ziob
Typographie: Ulrich Harsch
 
13. Jahrgang
Einzelnummer 70, Februar 1970: Theater als Provokation
Redaktion: Hildegard Brenner, Jacques Dollmann, Georg Fülberth, Helga Gallas, Peter B. Schumann
Verlagssekretär: Gerd Ziob
Typographie: Ulrich Harsch
 
Einzelnummer 71, April 1970: Literatursoziologie II: Lucien Goldmanns Methode ‒ zur Diskussion gestellt
Redaktion: Hildegard Brenner, Jacques Dollmann, Georg Fülberth, Helga Gallas, Peter B. Schumann
Verlagssekretär: Gerd Ziob
Typographie: Ulrich Harsch
 
Doppelnummer 72/73, Juni/August 1970: Literatur und Revolution: Beiträge aus Italien
Redaktion: Hildegard Brenner, Jacques Dollmann, Georg Fülberth, Helga Gallas, Peter B. Schumann
Verlagssekretär: Gerd Ziob
Typographie: Ulrich Harsch
 
Einzelnummer 74, Oktober 1970: Sprachunterricht ‒ Gegenmodelle
Redaktion: Hildegard Brenner, Jacques Dollmann, Georg Fülberth, Helga Gallas, Peter B. Schumann, Heiner Stück
Verlagssekretär: Gerd Ziob
Typographie: Ulrich Harsch
 
Einzelnummer 75, Dezember 1970: Carl Einstein
Redaktion: Hildegard Brenner, Jaques Dollmann, Georg Fülberth, Helga Gallas, Peter B. Schumann, Heiner Stück
Verlagssekretär: Gerd Ziob
Typographie: Ulrich Harsch
 
14. Jahrgang
Einzelnummer 76, Februar 1971: Proletarische Partei und bürgerliche Literatur
Redaktion: Hildegard Brenner, Jaques Dollmann, Georg Fülberth, Helga Gallas, Peter B. Schumann, Heiner Stück
Verlagssekretär: Gerd Ziob
Typographie: Ulrich Harsch
 
Einzelnummer 77, April 1971: Schule/Intelligenz/Kapitalismus
Redaktion: Hildegard Brenner, Jaques Dollmann, Georg Fülberth, Helga Gallas, Peter B. Schumann, Heiner Stück
Verlagssekretär: Gerd Ziob
Typographie: Ulrich Harsch
 
Doppelnummer 78/79, Juni/August 1971: Materialistische Literaturtheorie III: Große und Kleine Pädagogik. Brechts Modell der Lehrstücke
Redaktion: Hildegard Brenner, Jaques Dollmann, Georg Fülberth, Helga Gallas, Peter B. Schumann, Heiner Stück
Verlagssekretär: Martin Bellermann
Typographie: Ulrich Harsch
 
Einzelnummer 80, Oktober 1971: Tschechischer Strukturalismus. Ergebnisse und Einwände
Redaktion: Hildegard Brenner, Jaques Dollmann, Georg Fülberth, Helga Gallas, Peter B. Schumann, Heiner Stück
Verlagssekretär: Martin Bellermann
Typographie: Ulrich Harsch
 
Einzelnummer 81, Dezember 1971: Ružena Grebeničková: Karl Kraus’ magische Operette „Literatur oder Man wird doch da sehn“ ‒ Ingeborg Gerlach: Zur Höderlinforschung in der Bundesrepublik (Ryan) ‒ Raoul Hübner: Polemisches zum Literaturbetrieb (Demetz, Wapnewski)
Redaktion: Hildegard Brenner, Jaques Dollmann, Georg Fülberth, Helga Gallas, Peter B. Schumann, Heiner Stück
Verlagssekretär: Martin Bellermann
Typographie: Ulrich Harsch
 
15. Jahrgang
Einzelnummer 82, Januar 1972: Materialistische Literaturheorie IV: Was heißt materialistisches Verfahren für die Literaturwissenschaft? Eine Methodenkontroverse
Redaktion: Hildegard Brenner, Jacques Dollmann, Georg Fülberth, Helga Gallas, Peter B. Schumann, Heiner Stück, Gerd Ziob
Verlagssekretär: Martin Bellermann
Typographie: Ulrich Harsch
 
Einzelnummer 83, April 1972: Parteilichkeit im Grundschulunterricht
Redaktion: Hildegard Brenner, Jacques Dollmann, Georg Fülberth, Helga Gallas, Peter B. Schumann, Heiner Stück, Gerd Ziob
Verlagssekretär: Martin Bellermann
Typographie: Ulrich Harsch
 
Doppelnummer 84/85, Juni/August 1972: Materialistische Literaturtheorie V
Redaktion: Hildegard Brenner, Jacques Dollmann, Georg Fülberth, Helga Gallas, Peter B. Schumann, Gerd Ziob
Verlagssekretär: Martin Bellermann
Typographie: Ulrich Harsch
 
Einzelnummer 86, Oktober 1972: Mit der Gitarre auch die Knarre… Politische Songs aus Lateinamerika
Redaktion: Hildegard Brenner, Jacques Dollmann, Georg Fülberth, Helga Gallas, Peter B. Schumann, Gerd Ziob
Verlagssekretär: Martin Bellermann
Typografie: Ulrich Harsch
 
Einzelnummer 87, Dezember 1972: Eisler, Brecht ‒ Verhöre vor dem Ausschuß für unamerikanische Tätigkeit
Redaktion: Hildegard Brenner, Jacques Dollmann, Georg Fülberth, Helga Gallas, Peter B. Schumann, Gerd Ziob
Verlagssekretär: Martin Bellermann
Typografie: Ulrich Harsch
 
16. Jahrgang
Einzelnummer 88, Februar 1973: Della Volpe
Redaktion: Hildegard Brenner, Jacques Dollmann, Georg Fülberth, Helga Gallas, Peter B. Schumann, Gerd Ziob
Verlagssekretär: Theda Tode
Typografie: Ulrich Harsch
 
Einzelnummer 89, April 1973: Materialistische Literaturtheorie VI: Lu Märtens Kunsttheorie zwischen marxschem Arbeitsbegriff und sozialdemokratischer Technikgläubigkeit
Redaktion: Hildegard Brenner, Jacques Dollmann, Georg Fülberth, Helga Gallas, Peter B. Schumann, Gerd Ziob
Verlagssekretär: Theda Tode
Typografie: Ulrich Harsch
 
Einzelnummer 90, Juni 1973: Arbeiterliteratur ‒ Zerstörung der Literatur
Redaktion: Hildegard Brenner, Jacques Dollmann, Georg Fülberth, Helga Gallas, Christian Leszczynski, Peter B. Schumann, Theda Tode, Gerd Ziob
Verlagssekretär: Theda Tode
Typografie: Ulrich Harsch
 
Einzelnummer 91, August 1973: Brecht-Materialien I: Zur Lehrstückdiskussion
Redaktion: Hildegard Brenner, Jacques Dollmann, Georg Fülberth, Helga Gallas, Christian Leszczynski, Peter B. Schumann, Theda Tode, Gerd Ziob
Verlagssekretär: Theda Tode
Typografie: Ulrich Harsch
 
Einzelnummer 92, Oktober 1973: Dogmen des Abbilds und des Typischen
Redaktion: Hildegard Brenner, Jacques Dollmann, Georg Fülberth, Helga Gallas, Christian Leszczynski, Peter B. Schumann, Theda Tode, Gerd Ziob
Verlagssekretär: Theda Tode
Typografie: Ulrich Harsch
 
Einzelnummer 93, Dezember 1973: Brecht-Materialien II: Zur Rezeption in der BRD
Redaktion: Hildegard Brenner, Jacques Dollmann, Georg Fülberth, Helga Gallas, Christian Leszczynski, Peter B. Schumann, Theda Tode, Gerd Ziob
Verlagssekretär: Theda Tode
Typografie: Ulrich Harsch
 
17. Jahrgang
Einzelnummer 94, Januar 1974: Materialistische Literaturtheorie VII: Kontroverse über den ‚Gebrauchswert‘ von Literatur
Redaktion: Hildegard Brenner, Jacques Dollmann, Georg Fülberth, Helga Gallas, Christian Leszczynski, Peter B. Schumann, Theda Tode, Gerd Ziob
Verlagssekretär: Theda Tode
Typografie: Ulrich Harsch
 
Doppelnummer 95/96, April/Juni 1974: Kampf um den Unterricht. Sanktionen gegen Lehrer
Redaktion: Hildegard Brenner, Jacques Dollmann, Georg Fülberth, Helga Gallas, Christian Leszczynski, Peter B. Schumann, Gerd Ziob
Verlagssekretär: Theda Tode
Typografie: Ulrich Harsch
 
Einzelnummer 97, August 1974: Louis Althusser. Ideologie/Literatur/Wissenschaft
Redaktion: Hildegard Brenner, Jacques Dollmann, Helga Gallas, Christian Leszczynski, Peter B. Schumann, Gerd Ziob
Verlagssekretär: Theda Tode
Typografie: Ulrich Harsch
 
Einzelnummer 98, Oktober 1974: Materialistische Literaturtheorie VIII: Literatur als ideologische Form
Redaktion: Hildegard Brenner, Jacques Dollmann, Michael Günther, Frauke Meyer, Peter B. Schumann, Johanna Wördemann, Gerd Ziob
[Verlagssekretär: keine Angabe]
Typografie: Ulrich Harsch
 
Einzelnummer 99, Dezember 1974: Ideologische Staatsapparate/fortschreitende Krise
Redaktion: Hildegard Brenner, Jacques Dollmann, Michael Günther, Frauke Meyer, Peter B. Schumann, Johanna Wördemann, Gerd Ziob
Typografie: Ulrich Harsch
 
18. Jahrgang
Einzelnummer 100, Februar 1975: Literatur in der Übergangsgesellschaft
Redaktion: Hildegard Brenner, Jacques Dollmann, Michael Günther, Frauke Meyer, Peter B. Schumann, Johanna Wördemann, Gerd Ziob
Typografie: Ulrich Harsch
 
Einzelnummer 101, April 1975: Materialistische Literaturtheorie IX
Redaktion: Hildegard Brenner, Jacques Dollmann, Michael Günther, Frauke Meyer, Peter B. Schumann, Johanna Wördemann, Gerd Ziob
Typografie: Ulrich Harsch
 
Doppelnummer 102/103, Juni/August 1975: Politische Theorie der Bildung. Curriculumreform: Soziales Lernen
Redaktion: Hildegard Brenner, Jacques Dollmann, Michael Günther, Peter B. Schumann, Johanna Wördemann, Gerd Ziob
Typografie: Ulrich Harsch
 
Einzelnummer 104, Oktober 1975: Materialistische Literaturtheorie X
Redaktion: Hildegard Brenner, Jacques Dollmann, Michael Günther, Peter B. Schumann, Johanna Wördemann, Gerd Ziob
Typografie: Ulrich Harsch
 
Einzelnummer 105, Dezember 1975: Brecht/Korsch-Diskussion
Redaktion: Hildegard Brenner, Jacques Dollmann, Michael Günther, Peter B. Schumann, Johanna Wördemann, Gerd Ziob
Typografie: Ulrich Harsch
 
19. Jahrgang
Einzelnummer 106, Februar 1976: Widerspiegelung ‒ Materialismus/nicht Realismus. Konterpositionen
Redaktion: Hildegard Brenner, Jacques Dollmann, Michael Günther, Peter B. Schumann, Johanna Wördemann, Gerd Ziob
Typografie: Ulrich Harsch
 
Einzelnummer 107, April 1976: Erprobung des brechtschen Lehrstücks. Politisches Seminar im Stahlwerk Terni
Redaktion: Hildegard Brenner, Jacques Dollmann, Michael Günther, Peter B. Schumann, Johanna Wördemann, Gerd Ziob
Typografie: Ulrich Harsch
 
Doppelnummer 108/109, Juni/August 1976: Das Lächeln der Medusa. Frauenbewegung/Sprache/Psychoanalyse
Redaktion: Hildegard Brenner, Jacques Dollmann, Michael Günther, Peter B. Schumann, Johanna Wördemann, Gerd Ziob
Typografie: Ulrich Harsch, Titelblatt: Antje Schupke
 
Doppelnummer 110/111, Oktober/Dezember 1976: Das Erschrecken vor der Geschichte. DDR-Dramatik: Heiner Müllers „Mauser“. Das Lächeln der Medusa. Briefe, Antworten, Kommentare
Redaktion: Hildegard Brenner, Michael Günther, Peter B. Schumann, Johanna Wördemann, Gerd Ziob
Typografie: Ulrich Harsch
 
20. Jahrgang
Einzelnummer 112, Februar 1977: Abschaffung der Geisteswissenschaften? Qualifikationsvernichtungspolitik an den Hochschulen. Was passiert in den Ministerialbürokratien? Jugendarbeitslosigkeit
Redaktion: Hildegard Brenner, Michael Günther, Peter B. Schumann, Johanna Wördemann, Gerd Ziob
Typografie: Ulrich Harsch
 
Einzelnummer 113, April 1977: Schriftsteller DDR BRD geben zu Protokoll
Redaktion: Hildegard Brenner, Michael Günther, Peter B. Schumann, Johanna Wördemann, Gerd Ziob
Typografie: Ulrich Harsch
 
Doppelnummer 114/115, Juni/August 1977: Wer spricht für wen? Rundfunk: Arbeiter-Radiobewegung, Freier Sender in Italien, Neue Technologien in der BRD ‒ andere Medienpraktiken?
Redaktion: Hildegard Brenner, Michael Günther, Peter B. Schumann, Johanna Wördemann, Gerd Ziob
Typografie: Ulrich Harsch
 
Einzelnummer 116, Oktober 1977: Die Intellektuellen und die Macht. Die Austreibung des Marxismus aus den Köpfen. Die sog. Neuen Philosophen in Frankreich
Redaktion: Hildegard Brenner, Michael Günther, Lothar Klawohn, Peter B. Schumann, Johanna Wördemann, Gerd Ziob
Typografie: Ulrich Harsch
 
Einzelnummer 117, Dezember 1977: Brecht/Eisenstein. Gegen die Metaphysik des Sichtbaren
Redaktion: Hildegard Brenner, Michael Günther, Lothar Klawohn, Peter B. Schumann, Johanna Wördemann, Gerd Ziob
Typografie: Ulrich Harsch
 
21. Jahrgang
Einzelnummer 118, Februar 1978: Münchhausen-Effekt. Von der Materialität der Ideologie
Redaktion: Hildegard Brenner, Michael Günther, Lothar Klawohn, Peter B. Schumann, Johanna Wördemann, Gerd Ziob
Typografie: Ulrich Harsch
 
Einzelnummer 119, April 1978: Krise des Marxismus. Mit Beiträgen von Louis Althusser, Nicos Poulantzas, Michel Foucault, Karl Heinz Roth
Redaktion: Hildegard Brenner, Michael Günther, Lothar Klawohn, Peter B. Schumann, Johanna Wördemann, Gerd Ziob
Typografie: Ulrich Harsch
 
Doppelnummer 120/121, Juni/August 1978: Der ‚andere Blick‘ ‒ feministische Wissenschaft?
Redaktion: Hildegard Brenner, Michael Günther, Lothar Klawohn, Peter B. Schumann, Johanna Wördemann, Gerd Ziob
Typografie: Ulrich Harsch
 
Doppelnummer 122/123, Oktober/Dezember 1978: Montage/Avantgarde
Redaktion: Hildegard Brenner, Michael Günther, Lothar Klawohn, Peter B. Schumann, Johanna Wördemann, Gerd Ziob
Typografie: Ulrich Harsch, Titelgrafik: Jan Hinrichs
 
22. Jahrgang
Einzelnummer 124, Februar 1979: Indula oder „Die Zeiten werden härter“
Redaktion: Hildegard Brenner, Michael Günther, Lothar Klawohn, Peter B. Schumann, Johanna Wördemann, Gerd Ziob
Typografie: Ulrich Harsch
 
Doppelnummer 125/126, Juni 1979: Passolini: Genosse Nichtgenosse
Redaktion: Hildegard Brenner, Michael Günther, Lothar Klawohn, Peter B. Schumann, Johanna Wördemann, Gerd Ziob
Typografie: Ulrich Harsch
 
Doppelnummer 127/128, Oktober 1979: Der Wunsch nach Nähe. Neue Studenten? Neues Lernen?
Redaktion: Hildegard Brenner, Michael Günther, Lothar Klawohn, Peter B. Schumann, Johanna Wördemann, Gerd Ziob
Typografie: Ulrich Harsch
 
Einzelnummer 129, Dezember 1979: Zum Dilemma linker Literaturwissenschaft
Redaktion: Hildegard Brenner, Michael Günther, Peter B. Schumann, Johanna Wördemann
Typografie: Ulrich Harsch
 
23. Jahrgang
Doppelnummer 130/131, Februar/April 1980: Italienisches post-politico
Redaktion: Hildegard Brenner, Michael Günther, Peter B. Schumann, Johanna Wördemann
Typografie: Ulrich Harsch
 
Doppelnummer 132/133, Juni/August 1980: Faszination Benjamin
Redaktion: Hildegard Brenner, Michael Günther, Peter B. Schumann, Johanna Wördemann
Typografie: Ulrich Harsch
 
Doppelnummer 134/135, Oktober/Dezember 1980: Fürsorgliche Macht
Redaktion: Hildegard Brenner, Michael Günther, Peter B. Schumann, Johanna Wördemann
Mitarbeiter dieses Heftes: Wolfgang Dreßen, Mechthild Küpper, Frank Mecklenburg
Typografie: Ulrich Harsch
 
24. Jahrgang
Einzelnummer 136, Februar 1981: Linke und Tod
Redaktionsrat: Hildegard Brenner, Michael Günther, Peter B. Schumann, Johanna Wördemann
Redaktion dieses Heftes: Hildegard Brenner, Helga Grubitzsch, Frieder O. Wolf, Johanna Wördemann
Koordination: Mechthild Küpper
Typografie: Ulrich Harsch
 
Einzelnummer 137, April 1981: Louis Althusser, Frühe Schriften
Redaktionsrat: Hildegard Brenner, Michael Günther, Peter B. Schumann, Johanna Wördemann
Redaktion dieses Heftes: Hildegard Brenner, Johanna Wördemann
Koordination: Mechthild Küpper
Typografie: Ulrich Harsch
 
Einzelnummer 138, Juni 1981: „Wird Zeit, daß wir leben“
Redaktionsrat: Hildegard Brenner, Michael Günther, Peter B. Schumann, Johanna Wördemann
Redaktion dieses Heftes: Hildegard Brenner, Mechthild Küpper, Uta Ruge, Jörg Staiber, Johanna Wördemann
Koordination: Mechthild Küpper
Typografie: Ulrich Harsch
 
Einzelnummer 139, Oktober 1981: Unversöhnlich. Frauen zwischen Befreiung und Vereinnahmung
Redaktionsrat: Hildegard Brenner, Michael Günther, Peter B. Schumann, Johanna Wördemann
Redaktion dieses Heftes: Hildegard Brenner, Mechthild Küpper, Uta Runge
Koordination: Elisabeth Käsbauer
Verlag und Werbung: Till Dauer
Typografie: Ulrich Harsch
 
Doppelnummer 140/141, Dezember 1981: Volksfeind ‒ Staatsfeind
Redaktionsrat: Hildegard Brenner, Michael Günther, Peter B. Schumann, Johanna Wördemann
Redaktion dieses Heftes: Hildegard Brenner, Frauke Meyer-Gossau
Koordination: Elisabeth Käsbauer
Typografie: Ulrich Harsch
 
25. Jahrgang
Einzelnummer 142, Februar 1982: Indiz ‚Sprachlosigkeit‘
Redaktionsrat: Hildegard Brenner, Michael Günther, Peter B. Schumann, Johanna Wördemann
Redaktion dieses Heftes: Hildegard Brenner, Frauke Meyer-Gossau, Holger Senft
Koordination: Elisabeth Käsbauer
Typografie: Ulrich Harsch
 
Doppelnummer 143/144, April/Juni 1982: Projektionsraum Romantik
Redaktionsrat: Hildegard Brenner, Michael Günther, Peter B. Schumann, Johanna Wördemann
Redaktion dieses Heftes: Sabine Berloge, Hildegard Brenner, Frauke Meyer-Gossau
Koordination: Claudia Hoff
Typografie: Ulrich Harsch
 
Doppelnummer 145/146, Oktober/Dezember 1982: Im Aufriß
Redaktion: Hildegard Brenner, Michael Günther, Frauke Meyer-Gosau, Peter B. Schumann, Hans-Georg Tacke, Johanna Wördemann,
Koordination: Claudia Hoff
Verlag und Werbung: Hans Georg Tacke
Typografie: Ulrich Harsch 

Literaturverzeichnis

Den Anstoß zu der vorliegenden chronologisch geordneten Zusammenstellung, die, ohne den Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben, publizistische, wissenschaftliche und autobiografische Arbeiten zur Zeitschrift Alternative im Verantwortungsbereich von Hildegard Brenner aufführt, gab die Erfassungskategorie „Literatur“ (S. 82‒83) im Repertorium Deutsche literarische Zeitschriften 1945–1970 (1992).

Patrick Bridgwater: West German Literary Magazines, in: The Times Literary Supplement 67, 1968, Nr. 3451, 18.4.1968, S. 401.

Kurt P. G. Brandt: Literarische Zeitschriften heute, in: Die Bücherkommentare. Kritisch informierende Zeitung vom Buch zum Leser 17, 1968, September, S. 52.

Hans Bender: Reflexionen über Zeitschriften, in: Heinz Ludwig Arnold (Hrsg.): Literaturbetrieb in Deutschland, Stuttgart, München, Hannover: Boorberg 1971, S. 224‒233.

Literarische Zeitschriften und Jahrbücher 1880‒1970. Verzeichnis der im Deutschen Literaturarchiv erschlossenen Periodica. Herausgegeben vom Literaturarchiv. Bearbeitet von Dagmar Laakmann und Reinhard Tgahrt (Verzeichnisse, Berichte, Informationen; 2), Marbach am Neckar: Deutsches Literaturarchiv 1972, S. 10‒11.

Janet K. King: Literarische Zeitschriften 1945‒1970, Stuttgart: Metzler 1974, S. 63‒64.

Stephan Reinhardt: Möglichkeiten proletarischer Gegenkultur, in: Frankfurter Rundschau 33, 1977, Nr. 155, 8.6.1977, S. 12.

Helmut Heißenbüttels Zeitschriftenschau (6): Denk mal andersrum. „Alternative“– seit fast zwei Jahrzehnten ein einzigartiges, kaum beachtetes Diskussionsforum für politische Kritik und progressive Ästhetik, fern aller Dogmatik, in: Die Zeit 33, 1978, Nr. 30, 21.7.1978, S. 34.

Hildegard Brenner, Frauke Meyer-Gosau, Peter Krumme, Klaus Schloesser: Dissens. Ein Gespräch anläßlich des Endes von Alternative, in: Alternative 25, 1982, 145/46, S. 186‒196.

Hildegard Brenner, Peter Krumme, Hans-Thies Lehmann, Frieder O. Wolf: Der Ort der Theorie, in: Alternative 25, 1982, 145/46, S. 202‒211.

Ohne „alternative“, in: Die Zeit 37, 1982, Nr. 52, 24.12.1982, S. 30.

Thomas Rothschild: Opfer der Mode, in: Basler Zeitung 6, 1982, Nr. 304, 29.12.1982, S. 27.

Bernhard Fischer, ‎Thomas Dietzel: Deutsche literarische Zeitschriften 1945‒1970. Ein Repertorium, Bd. 1, München, London, New York/NY, Paris: Saur 1992, S. 81‒85.

Alfred Estermann: Literaturzeitschriften, in: Walter Killy (Hrsg.), Literatur-Lexikon, Bd. 14: Begriffe, Realien, Methoden. Hrsg. von Volker Meid, Gütersloh, München: Bertelsmann 1993, S. 45‒50, hier S. 49.

Jost Hermand: Geschichte der Germanistik, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1994, S. 161, 166.

Fotis Jannidis: Marxistische Literaturwissenschaft, in: Harald Fricke (Hrsg.), Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Neubearbeitung des Reallexikons der deutschen Literaturgeschichte, Bd. 2, Berlin, New York/NY: De Gruyter 2000, S. 541–546, hier S. 546.

Helmut Lethen: Über das Spiel von Infamien, in: Ulrich Ott, Roman Luckscheiter (Hrsg.), Belles lettres, Graffiti. Soziale Phantasien und Ausdrucksformen der Achtundsechziger. Vorträge des Symposiums vom 19.‒21. November 1998 im Deutschen Literaturarchiv Marbach am Neckar aus Anlaß der Jahresausstellung Protest! Literatur um 1968, Göttingen: Wallstein 2001, S. 53‒66. Widerabdruck in: Helmut Lethen (Hrsg.): Unheimliche Nachbarschaften. Essays zum Kälte-Kult und der Schlaflosigkeit der philosophischen Anthropologie im 20. Jahrhundert, Freiburg im Breisgau, Berlin, Wien: Rombach 2009, S. 135–149.

Helga Gallas: Auf Umwegen zur Psychoanalyse, in: Wolfram Mauser, Carl Pietzcker (Hrsg.), Literatur und Psychoanalyse. Erinnerungen als Bausteine einer Wissenschaftsgeschichte, Würzburg: Königshausen & Neumann 2008, S. 191‒208.

Heinz Dieter Kittsteiner: Unverzichtbare Episode. Berlin 1967, in: Zeitschrift für Ideengeschichte 2, 2008 4, S. 31‒44.

Helmut Lethen: Suche nach dem Handorakel: Ein Bericht (Historische Geisteswissenschaften. Frankfurter Vorträge; 1), Göttingen: Wallstein 2012, S. 111‒112, 125 (2. Aufl. 2013).

Moritz Neuffer: Das Ende der Alternative, in: Zeitschrift für Ideengeschichte 6, 2012, 2, S. 50‒61.

Philipp Felsch: Der lange Sommer der Theorie. Geschichte einer Revolte 1960‒1990, München: Beck 2015, S. 54‒55.

Moritz Neuffer: Arbeit am Material. Die Theorie-Dokumentationen der Zeitschrift alternative (Sonderdruck; 4), Berlin [Verlag nicht ermittelbar] 2017.

Kristof Niese: „Vademekum“ der Protestbewegung? Transnationale Vermittlungen durch das Kursbuch von 1965 bis 1975 (Mediengeschichte; 2), Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2018, S. 73‒74.

Ulrich Harsch: Unter Linken. Vom SDS-Mitglied zum Grafiker der Zeitschrift Alternative, in: Sabine Koloch (Hrsg.), 1968 in der deutschen Literaturwissenschaft (literaturkritik.de Archiv/Sonderausgaben), URL: https://literaturkritik.de/public/artikel.php?art_id=1129&ausgabe=51 (26.6.2018).

Hartmut Rosshoff: Politisch ist auch das Private! Subjektiver Rückblick auf ’68. Ein Brief in sechs Teilen, in: ebd., URL: https://literaturkritik.de/public/artikel.php?art_id=1128&ausgabe=51 (26.6.2018).

Helmut Lethen: Denn für dieses Leben ist der Mensch nicht schlau genug. Erinnerungen, Berlin: Rowohlt 2020 (im Erscheinen).

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Titelblatt aus Heft 117 (Dezember 1977) der Zeitschrift Alternative
Foto: Ulrich Harsch

Abb. 2: Titelblatt aus Heft 132/133 (Juni/August 1980) der Zeitschrift Alternative
Foto: Ulrich Harsch

Abb. 3: Maschinenschriftlicher Brief von Hildegard Brenner an Georg Lukács, Berlin 5.9.1969
Lukács Archívum, Signatur: Ms 2857/237
Foto: http://real-ms.mtak.hu/17650/ (20.6.2018)

Abb. 4: Titelblatt aus: Die Kunstpolitik des Nationalsozialismus, Reinbek bei Hamburg 1963
Foto: Ulrich Harsch

Abb. 5: Adreßbuch der Stadt Bonn und der benachbarten Orte Beuel, Vilich-Rheindorf, Schwarz-Rheindorf und Vilich 1939, Bonn: Carthaus 1939, S. 314
Foto: Online-Ausgabe Universitäts- und Landesbibliothek Bonn 2012, URL: http://digitale-sammlungen.ulb.uni-bonn.de/periodical/titleinfo/1493680

Abb. 6/7: Widmungsexemplar von Hildegard Brenners „Rowohlts deutsche Enzyklopädie“-Taschenbuch aus Georg Lukács’ Nachlass
Lukács Archívum, Signatur: DB II/33
Foto: Magyar Tudományos Akadémia Könyvtára és Információs Központ, URL: https://konyvtar.mta.hu/index_en.php

Anmerkungen

[1] Peter Roos: Genius loci. Gespräche über Literatur und Tübingen, 2. Aufl. Tübingen: Narr 1986, S. 110: „EXKURS: Auch Johannes Poethen gehörte damals zu einem Kreis junger Literaten, für die eine 1955 in Tübingen gegründete Zeitschrift das Forum bildete ‒ es waren die Lyrischen Blätter, die in der Belthlestraße 41 als ‚Rundbrief für jüngste Lyrik […] nach Bedarf‘ (!) erschienen ‒ Reimar Lenz hatte die Idee, Ansgar Skriver den Vervielfältigungsapparat. Die literarische Nase des Herausgeberteams war beachtlich, wenn man heute die Namen der damals publizierten Autoren liest: Horst Bienek, Günter Bruno Fuchs, Peter Hamm, Ludwig Harig, Walter Hinderer, Christoph Meckel, Reinhard Opitz, Peter Rühmkorf, Richard Salis; daneben übersetzte Stephan Hermlin Gedichte des französischen Surrealisten Paul Eluard (Toeten).“

[2] Janet K. King: Literarische Zeitschriften 1945‒1970, Stuttgart: Metzler 1974, S. 41‒42, 44‒45.

[3] Die 54 Seiten umfassende Veröffentlichung erschien im Selbstverlag Berlin-Lichterfeld-West und wurde für die Mitglieder der „Bundesarbeitsgemeinschaft jugendeigener Zeitungen Junge Presse“ herausgegeben.

[4] Willy Albrecht: Der Sozialistische Deutsche Studentenbund (SDS). Vom parteikonformen Studentenverband zum Repräsentanten der Neuen Linken (Reihe Politik und Gesellschaftsgeschichte; 35), Bonn: Dietz 1994, S. 321.

[5] Alternative. Zeitschrift für Dichtung und Diskussion 4, 1961, 5, S. 88. Vgl. Hannah Arendt: Eichmann in Jerusalem: A Report on the Banality of Evil, London: Faber & Faber 1963, und Günther Anders: Wir Eichmannsöhne. Offener Brief an Klaus Eichmann, München: Beck 1964.

[6] Tilman Fichter: SDS und SPD. Parteilichkeit jenseits der Partei, Opladen: Westdeutscher Verlag 1988, S. 366.

[7] Wilfried F. Schoeller (Hrsg.): Die neue Linke nach Adorno. Mit Beiträgen von Johannes Agnoli, Achim Bergmann, Frank Böckelmann, Konrad Boehmer, Hildegard Brenner, Peter Brückner, Herbert L. Fertl, Otto F. Gmelin, Hans Heinz Holz, Hartmut Lück, Hans N. Schmidt, Otto Karl Werckmeister und einer Erklärung der Frankfurter Schüler, München: Kindler 1969. Die Festschrift versammelt Beiträge von Schüler/innen Theodor W. Adornos (1903‒1969).

[8] Hildegard Brenner: Theodor W. Adorno als Sachwalter des Benjaminschen Werkes, in: Wilfried F. Schoeller (Hrsg.), Die neue Linke nach Adorno, München: Kindler 1969, S. 158‒175.

[9] Auf der ersten Seite (S. 85) von Heft 32 wird der Verlagswechsel mit den Worten angekündigt: „[…] Ansgar Skriver ist aus der Verantwortung für alternative ausgeschieden, um als Lektor an den Kreuz-Verlag nach Stuttgart zu gehen. Zum Ärger und zur Freude vieler Leute: alternative existiert dennoch weiter. Sie wird auch in Zukunft erscheinen dank des Interesses von Herrn Mansch, des Geschäftsleiters der Berliner Buchhandlung Camilla Speth, der dafür sorgen wird, daß die Redaktion sich nicht auf die faule Haut legt und daß Sie auch weiterhin in den Genuß Ihrer alternative kommen. Herausgeber und Redaktion“.

[10] Joachim Mansch: Das Buch ‒ ein unbekannter Gegenstand?, in: Alternative. Zeitschrift für Dichtung und Diskussion 6, 1963, 28, S. 89. Ders.: Der parasitäre Buchmarkt, in: Blätter für deutsche und internationale Politik 15, 1970, 9, S. 895‒896 (der kapitalismuskritische Kommentar erschien als 6-seitiger Sonderdruck in der Reihe „Argumente der Zeit“, Köln: Pahl-Rugenstein 1970). Ende der 1960er-Jahre wechselte Mansch zur Bahnhofsbuchhandlung Köln. Bis zu seinem Tod 1989 war er Organisator der Fachbuchhandlung Sack in Düsseldorf, wo er 1987 seine Frau Erika kennenlernte, ebenfalls Buchhändlerin, eine sehr bekannte sogar.

[11] Moritz Neuffer: Das Ende der Alternative, in: Zeitschrift für Ideengeschichte 6, 2012, 2, S. 50‒61, hier S. 10.

[12] In alternative. Literaturzeitschrift Informationen (1974) wird der „alternative verlag gmbh westberlin“ auf der linken Innenseite ausdrücklich als „ökonomisch und organisatorisch unabhängig“ bezeichnet.

[13] Zu den alten Postleitzahlen der Bezirke in Berlin West (im vorliegenden Fall lautete die PLZ 1000 Berlin 30) siehe die Website: http://www.postleitzahlen-berlin.com/berlin/berlin.htm.

[14] alternative ‒ Stinkbürgerliche Machtpolitik im ALTERNATIVE-Kollektiv (entstanden zwischen dem 24.9.1974 und dem 10.10.1974) (Flugblatt).

[15] Uwe Sonnenberg in einer Mail an die Verfasserin vom 3.2.2010.

[16] Es stellte kein Novum dar, den Untertitel einer Zeitschrift zu ändern. Um ein Beispiel zu geben: Die von drastischen Zensur- und Polizeimaßnahmen betroffene Zeitschrift Der Leuchtthurm. Wochenschrift für Politik, Literatur und gesellschaftliches Leben (Leipzig u.a.: Keil 1‒5, 1846‒1850, Nr. 1‒36), aus der Taufe gehoben und redigiert von dem freisinnigen Leipziger Buchhändler, Verleger und Publizisten Ernst Keil, trug bis 1848 den Untertitel „Wochenschrift zur Belehrung und Unterhaltung für das deutsche Volk“. Vgl. Karl Feißkohl: Ernst Keils publizistische Wirksamkeit und Bedeutung, Stuttgart, Berlin, Leipzig: Union Deutsche Verlagsgesellschaft 1914. Im Metzler-Verlag Stuttgart sind von Sibylle Obenaus erscheinen: Literarische und politische Zeitschriften 1830–1848, 1986; Literarische und politische Zeitschriften 1848–1880, 1987.

[17] Der Blogger Detlef Georgia Schulze stellte das Gesamtverzeichnis am 4.12.2011 mit der Begründung auf seiner Website Theorie als Praxis. Gegen die wechselseitige Bevormundung von Politik und Wissenschaften ein: „Gibt es vielleicht wieder Bedarf? […] Ich stelle hiermit das Gesamtverzeichnis der von 1964 bis 1982 von Hildegard Brenner verantworteten Westberliner Zeitschrift alternative als pdf-Bild-Datei zur Verfügung. Die Zeitschrift spielte u.a. eine wichtige Rolle für die deutschsprachige Rezeption des französischen strukturalen Marxismus (Louis Althusser u.a. […] und des französischen Strukturalismus.“

[18] Zum sprunghaften Anstieg der Diskussionshäufigkeit in den 1960er-Jahren, insbesondere zu politischen Themen, vgl. Nina Verheyen: Diskussionslust. Eine Kulturgeschichte des „besseren Arguments“ in Westdeutschland (Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft; 193), Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2010, S. 224‒233, 244‒297.

[19] Diskussion. Zeitschrift für Journalisten und Literaten (Nürnberg: Journalistischer Arbeitsring e. V. 1, 1963, 1‒4) blieb im Anfangsstadium stecken. Mehr als zwei Jahrzehnte später erschien das Österreichische Literaturforum. Internationales Publikations- und Diskussionsorgan deutschsprachiger Literatur (Wien: Verein Österreichisches Literaturforum 1–5, 1987–1991). Ergänzend sei angemerkt, dass eine der Schriftenreihen des Centaurus-Verlages sich „Literatur in der Diskussion“ (Bd. 1‒7, 1996‒2012) nannte.

[20] Peter Bürger: Institution Kunst als literatursoziologische Kategorie. Skizze einer Theorie des historischen Wandels der gesellschaftlichen Funktion von Literatur, in: ders., Vermittlung, Rezeption, Funktion, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1979, S. 173‒199.

[21] Eine davon abweichende Lesart vertritt Neuffer: Das Ende der Alternative, S. 10: „Die baldige Aufnahme eines der zentralen Schlagwörter in den Untertitel ‒ Diskussion ‒ verleiht der Ausrichtung als intellektuelles, politisches Magazin Ausdruck.“

[22] Alternative. Blätter für Lyrik und Prosa 1, 1958, 1, S. 2. Victor O. Stomps: Die literarischen und Kunst-Zeitschriften, in: Harry Pross (Hrsg.), Deutsche Presse seit 1945, Bern, München, Wien: Scherz 1965, S.173‒210, hier S. 207.

[23] Zu diesem Heft, in: Alternative 25, 1982, 145/46, S. 133.

[24] Jürgen Seifert: Die Neue Linke. Abgrenzung und Selbstanalyse, in: Frankfurter Hefte. Zeitschrift für Kultur und Politik 18, 1963, 1, S. 30‒40. Jürgen Seifert (* 1928) war SDS-Vorstandsmitglied und Mitarbeiter des SDS-Organs Neue Kritik. Zeitschrift für sozialistische Theorie und Politik (Frankfurt am Main: Neue Kritik 1‒10, 1960‒1970. ‒ Bereits 1954 veröffentlichte Hildegard Brenner in den Frankfurter Heften den Artikel: Beförderung in die Feuerprobe, Brechts episches Theater unter dem „sozialistischen Realismus“ (Heft 7, S. 557‒558). Vgl. zu den Frankfurter Heften Harry Pross: Literatur und Politik. Geschichte und Programme politisch-literarischer Zeitschriften im deutschen Sprachgebiet seit 1870, Olten, Freiburg im Breisgau: Walter 1963, S. 323‒325.

[25] Hildegard Brenner, Peter Krumme, Hans-Thies Lehmann, Frieder O. Wolf: Der Ort der Theorie, in: Alternative 25, 1982, 145/46, S. 202‒211, hier S. 202. ‒ Zur institutionalisierten Literaturforschung der 1960er-Jahre in der BDR, der DDR und weltweit vgl. Ralph Klausnitzer: Endpunkte und Neuanfänge. Das Jahr 1966, in: Thomas Anz (Hrsg.), Handbuch Literaturwissenschaft, Bd. 3: Institutionen und Praxisfelder, Stuttgart, Weimar: Metzler 2007, S. 141‒147.

[26] Uwe Sonnenberg in einer Mail an die Verfasserin vom 4.2.2020.

[27] Beispiele für marxistische Theoriezeitschriften sind: Der Kampf. Vereinigt mit der Tribüne [Titelzusatz bis 1924: sozialistische Revue, bis 1931: sozialdemokratische Monatsschrift], Wien: Georg Emmerling 1‒27, 1907‒1934; Das Argument. Zeitschrift für Philosophie und Sozialwissenschaften, Hamburg, Berlin: Argument-Verlag 1, 1959‒; GegenStandpunkt. Politische Vierteljahreszeitschrift, München: Gegenstandpunkt Verlag 1, 1992‒.

[28] Alfred Estermann: Literaturzeitschriften, in: Walter Killy (Hrsg.), Literatur-Lexikon, Bd. 14: Begriffe, Realien, Methoden. Hrsg. von Volker Meid, Gütersloh, München: Bertelsmann 1993, S. 45‒50, hier S. 46.

[29] Vgl. Hildegard Brenner (Hrsg.): alternative. Zeitschrift für Literatur/Theorie. Gesamtverzeichnis 1963 bis 1982, Berlin: Alternative Verlag 1983, darin: „Verzeichnis der Rezensionen“ (S. 53‒56).

[30] Moritz Neuffer: Arbeit am Material. Die Theorie-Dokumentationen der Zeitschrift alternative (Sonderdruck; 4), Berlin [Verlag nicht ermittelbar] 2017, S. 28‒29. Die mit zahlreichen Schwarz-Weiß-Abbildungen ausgestattete Arbeit ging teilweise aus einer Abschlussarbeit hervor, entstanden 2012 am Institut für Geschichtswissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin, betreut von Anke te Hessen und Philipp Felsch.

[31] King: Literarische Zeitschriften 1945‒1970, S. 64.

[32] Den Anstoß zu dem Buch gab Hugo Kuhn, so die Verfasserin in ihrem Vorwort. Das Manuskript wurde von ihrem ehemaligem akademischen Lehrer Jost Hermand durchgesehen. King führte die Forschungen von Fritz Schlawe weiter: Literarische Zeitschriften [Tl. 1:] 1885‒1910, Stuttgart: Metzler 1961; Tl. 2: 1910‒1933, Stuttgart: Metzler 1962.

[33] King: Literarische Zeitschriften 1945‒1970, S. 62. Im „Register der Herausgeber und Redakteure“ (S. 102‒105) erscheinen die Vornamen in abgekürzter Form, sehr zum Nachteil geschlechtervergleichender Forschungen.

[34] Ebd.

[35] Jost Hermand: Geschichte der Germanistik, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1994, S. 166.

[36] Vgl. Manfred Görtemaker: Geschichte der Bundesrepublik Deutschland von der Gründung bis zur Gegenwart, München: Beck 1999, S. 681: „Im Gegensatz zu den theoriefixierten Repräsentanten der Studentenbewegung waren die Vertreter der neuen Alternativbewegungen eher theoriemüde […].“

[37] Ich setze mich dafür ein, „Marxistische Literaturwissenschaft“ als Forschungsrichtung zu bezeichnen und damit unterscheidbar zu machen von Forschungsgrundausrichtungen (z. B. „Männerforschung“) und von Richtungen und Spezialgebieten innerhalb einer Fachdisziplin wie etwa „Literaturwissenschaftliche Männerforschung“ und „Literaturwissenschaftliche Imagologie“. Sabine Koloch: Wissenschaft, Geschlecht, Gender, Terminologiearbeit ‒ Die deutsche Literaturwissenschaft, München: Epodium Verlag 2017, 7f., 35f.

[38] Peter B. Schumann in einer Mail an die Verfasserin vom 13.12.2019.

[39] Heinz Dieter Kittsteiner: Unverzichtbare Episode. Berlin 1967, in: Zeitschrift für Ideengeschichte 2, 2008 4, S. 31‒44, hier S. 40: „Wenn die Hefte von der Druckerei kamen, wurden sie für die Abonnenten verpackt. Dann ging Etliches an den Buchhandel, und schließlich organisierten wir den Kleinverkauf vor der FU-Mensa. So gegen zwölf Uhr mittags bezogen wir Posten vor dem Eingang; jeder mußte mal ran.“

[40] Vgl. zum Thema Übersetzungen mit und ohne Honorar auch Neuffer: Das Ende der alternative, S. 28.

[41] Gegenwärtig ist Klaus-Michael Bogdal (Bielefeld) Ansprechpartner für Genehmigungen zur Einsichtnahme in Redaktionsarchivakten.

[42] URL: https://www.dla-marbach.de/katalog/bestaende/.

[43] Das politische Farbenspiel hat im Zeitschriftenbereich eine lange Tradition, siehe etwa Das rothe Blatt, eine Dekadenschrift (Koblenz: Lasaulx 1, 1798, 1‒9), eine im Umkreis der jakobinischen Publizistik von Joseph Görres herausgegebene Zeitschrift. Vgl. Paul Hocks, Peter Schmidt: Literarische und politische Zeitschriften 1789‒1805. Von der politischen Revolution zur Literaturrevolution, Stuttgart: Metzler 1975, S. 53.

[44] Das 2007 gegründete Fachblatt wird vom DLA, der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, der Klassik Stiftung Weimar, dem Wissenschaftskolleg Berlin und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz getragen.

[45] Vgl. auch den von Moritz Neuffer für das Projekt „1968. Ideenkonflikte in globalen Archiven“ (Start 2017) verfassten Kurztext zur Alternative, URL: http://www.literaturarchiv1968.de/content/alternative-zeitschrift-fuer-literatur-und-diskussion/.

[46] Neuffer bietet in Das Ende der Alternative  einen Kurzüberblick über die thematischen Schwerpunkte der Alternative: „Die Wiederentdeckung vergessener Denker der Weimarer Republik, der aufsehenerregende Streit mit Adorno und Tiedemann um die Editionen Walter Benjamins, Strukturalismusdebatten und die fortlaufende Reflexion eines angereicherten Programms materialistischer Ästhetik gehörten ebenso zum Spektrum der theoretischen ‚Bewegungsimpulse‘ von Alternative wie die spätere Konfrontation der westdeutschen Frauenbewegung mit der feministischen Psychoanalyse französischer Provenienz.“ (S. 51)

[47] Ein an mich gerichtetes Schreiben vom 19.11.2019 enthält die Direktive, dass die „entworfenen Absätze und Skizzen […] in Gänze zur freien Verwendung“ an die Verfasserin übergehen. „Eine Verpflichtung zu einem Hinweis auf meine Person [= Hartmut Rosshoff, SK] und meinen Namen ist nicht damit verbunden.“

[48] Im Editorial werden für die Entscheidung zur Einstellung zeitgeschichtliche und funktionale Gründe geltend gemacht: „Darin wird ausgesprochen, was die übrigen Gespräche im Heft teils gewollt, teils ungewollt festhalten: wie diese Neue Linke schleichend und weitgehend reflexionslos auseinandergebrochen ist. Daß es sie als Kollektivum nicht mehr gibt. Die in ihrem Erklärungsanspruch […] erschütterte linke Theorie, wie alternative sie mitgetragen hat, hat bei uns keinen Ort und keinen Reflexionsraum mehr […]. Und die sich innerhalb der sozialen Protestbewegungen zur Wehr setzen, machen keinen Gebrauch von dem, was wir produzieren. Damit verliert eine Zeitschrift wie alternative nicht nur ihr Publikum, sondern auch ihre Funktion.“ (S. 133)

[49] Die Gliederung einer wissenschaftlichen Arbeit sollte logisch und formal richtig aufgebaut sein. Hier die Gliederung der Arbeit am Material: „Lehrer und Schüler“; „alternative“; „Zeitschriften und Zeitschichten“; „Dichtung und Diskussion“; „Rote gedrahtete Hefte“; „Nüchternere Kinder“; „Beweismaterial“; „Geschichte und Natur“; „Geschichte und Struktur“; „Gegenwissenschaft“; „Versuchsaufbau“; „Lesen lernen“; „1982“; „Im Aufriss“. ‒ Laut violettem Umschlagtext will die Reihe „Sonderdruck“ in erster Linie „Studierenden die Chance geben, hervorragende Texte zu publizieren, für die bislang kein Veröffentlichungsformat existiert. Dabei geht es nicht um den bloßen Abdruck kompletter Abschlussarbeiten, sondern um die Aufbereitung spannender Forschungsergebnisse in Form kurzer Essays, die mit Vergnügen zu lesen sind.“

[50] Die Ausführungen können eine systematische, strukturierte Inhaltsanalyse nicht ersetzen. Eine Geschichte der Zeitschrift Alternative hat auch ihre Wirkung in den Blick zu nehmen: Was von dem Veröffentlichten wirkt wo und wie und warum weiter und was nicht?

[51] In dieser Ausgabe waren mit Erstveröffentlichungen vertreten: Friedemann Berger, Manfred Bieler, Wolf Biermann, Johannes Bobrowski, Volker Braun, Günther Deicke, Adolf Endler, Franz Fühmann, Peter Hacks, Karl-Heinz Jakobs, Bernd Jentzsch, Heinz Kahlau, Rainer Kirsch, Horst Kleineidam, Günter Kunert, Hartmut Lange, Heiner Müller, Karl Mundstock, Christa Reinig, Erwin Strittmatter, Paul Wiens. ‒ Ulrich Harsch am 9.11.2019 an die Verfasserin: „Die junge DDR-Lyrik hatte ihren Ursprung in den öffentlichen Lyrik-Rezitationen von Jewgenij Jewtuschenkow in Moskau. Sie lösten in allen osteuropäischen Ländern eine Lyrikwelle aus.“

[52] Das Verhältnis Männer zu Frauen beträgt 39:3. Hier die Werkproben der drei Frauen: Christa Wolf (Juninachmittag, S. 216‒230), Sarah Kirsch (Bevor die Sonne aufgeht; Die Kettenblume Löwenzahl; Januar; Kleine Adresse, S. 315‒317) und Helga M. Novak (Kosakenlied; Hundstreue; Gammler von Leipzig; Ratschlag, S. 331‒333). Das Vorwort ist betitelt „Von verschiedenen Möglichkeiten in dieser Anthologie zu lesen“(S. 6‒15).

[53] Eine mögliche Inspirationsquelle: Lothar von Balluseck, Karl Heinz Brokerhoff (Hrsg.): Geschichten von drüben. Erzählungen und Kurzgeschichten aus Mitteldeutschland. Für die Schule (Literatur der „DDR“. Textsammlungen für den Unterricht; 2), Bad Godesberg: Hohwacht-Verlag 1964. Vgl. Manfred Behn: DDR-Literatur in der Bundesrepublik Deutschland. Die Rezeption der epischen DDR-Literatur in der BRD 1961‒1975 (Hochschulschriften. Literaturwissenschaft; 34), Meisenheim am Glan: Hain 1977. Rainer Rosenberg: Was war DDR-Literatur? Die Diskussion um den Gegenstand in der Literaturwissenschaft der Bundesrepublik Deutschland, in: Zeitschrift für Germanistik 5, 1995, S. 9‒21.

[54] KSV = Kommunistischer Studentenverband.

[55] Das Problemfeld wird von allen Seiten betrachtet, befragt und dargestellt von Helga Gallas: Marxistische Literaturtheorie. Kontroversen im Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller, Neuwied, Berlin: Luchterhand 1971, ausführliche Bibliographie S. 240‒249; 4. Aufl. (17.‒213. Tausend) 1974. Neuausgabe Frankfurt am Main: Verlag Roter Stern 1978.

[56] Einfügung der Verfasserin. Es kennzeichnet Literaturkritik, einen normativen Literaturbegriff zu unterlegen. Literaturwissenschaft verwendet deskriptive Termini.

[57] Hildegard Brenner (Hrsg.): alternative. Zeitschrift für Literatur/Theorie. Gesamtverzeichnis 1963 bis 1982, Berlin: Alternative Verlag 1983, S. 17: „Fehleinschätzungen der Kulturtheorie von ’68. Der vergessene Text: Über die Ausweichmanöver bürgerlicher Wissenschaft und ihre Kopie von links. Die Leichtigkeit von Antworten nicht vortäuschen. Mit Beiträgen von Lothar Baier, Klaus Briegleb, Hans-Thies Lehmann, Thomas Schmid und anderen“.

[58] Ich zitiere den Inhaltstext auf der Vorderseite des kartonierten Umschlags von Helga Gallas’ organisations- und theoriegeschichtlicher Untersuchung Marxistische Literaturtheorie. Kontroversen im Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller (1971): „Die materialistisch-dialektische Methode ist von Marx am Gegenstand der politischen Ökonomie expliziert worden. Diese Methode systematisch auf die Überbauphänomene Literatur und Kunst anzuwenden, bleibt Aufgabe. Der seit Franz Mehrings Arbeiten wichtigste deutsche Beitrag dazu ist in der Weimarer Repubik im BPRS, dem Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller, geleistet worden. Bekannt geworden ist dieser Beitrag bislang nur in seiner Formulierung durch Georg Lukács, und in dieser Form gilt er bis heute fast unangefochten als marxistische Literaturtheorie schlechthin. Helga Gallas rekonstruiert die Auseinandersetzungen inner- und außerhalb des BPRS und der Russischen Assoziation Proletarischer Schriftsteller (RAPP) um diesen Beitrag. Dabei gelingt ihr die Aufdeckung damals verdrängter Ansätze und Elemente einer materialistisch-dialektischen Kunstpraxis und -theorie, die vom linken Flügel im BPRS und auch von Bert Brecht, Hanns Eisler und Walter Benjamin erarbeitet worden waren. Von diesen avancierten Möglichkeiten aus gelangt sie zu einer Kritik an den Auffassungen der durch Wittfogel und Lukács repräsentierten Gruppe und dem revolutionären Anspruch ihrer Theoreme.“

[59] Karl Korsch: Karl Marx, London: Chapman & Hall, New York/NY: John Wiley & Sons 1938.

[60] Karl Marx: Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie. Ungekürzte Ausgabe nach der zweiten Auflage von 1972. Mit einem Geleitwort von Karl Korsch, Berlin: Kiepenheuer 1932.

[61] Jan Mukařovský: Zur tschechischen Übersetzung von Šklovskijs Theorie der Prosa, in: Alternative 14, 1971, 80, S. 166‒171, hier S. 166, 170.

[62] Viktor Šklovskij: Sentimentale Reise. Aus dem Russischen übersetzt von Ruth-Elisabeth Riedt unter Mitwirkung von Gisela Drohla, Frankfurt am Main: Insel-Verlag 1964. Die Andere Bibliothek Berlin legte 2017 eine Neuübersetzung der Sentimentalen Reise vor, ergänzt um Anmerkungen und ein Nachwort von Anselm Bühling.

[63] Vgl. etwa Roland Berbig (Hrsg.): Stille Post. Inoffizielle Schriftstellerkontakte zwischen West und Ost. Von Christa Wolf über Günter Grass bis Wolf Biermann, Berlin: Links 2005.

[64] Carl Einstein: Die Kunst des 20. Jahrhunderts, Berlin: Propyläen Verlag 1926 (mit 42 zum Teil farbigen Tafeln). Die Darstellung gliedert sich in die Kapitel „Die Vorbedingungen“, „Beginn“, „Der Kubismus“, „Der Futurismus“, „Die Deutschen“, „Russen“, „Zur Plastik“.

[65] Carl Einstein: Werke, 3 Bde., Berlin: Medusa Verlag 1980‒1985.

[66] Helmut Heißenbüttel: Vom Zeugnis des Fortlebens in Briefen, in: Merkur. Deutsche Zeitschrift für europäisches Denken 21, 1967, 228, S. 232‒244, hier S. 240.

[67] Mark Lilla (* 1956 in Detroit): The Reckless Mind: Intellectuals in Politics, New York/NY: New York Review Books 2001. Der Verfasser behauptet, Walter Benjamin, Martin Heidegger, Carl Schmitt, Alexandre Kojève, Michel Foucault und Jacques Derrida seien geblendet gewesen von der Macht, getrieben von dem Wunsch nach andersartiger oder umstürzlerischer Teilhabe, anstatt die pluralistische Demokratie zu verteidigen. Es fragt sich aber, ob Walter Benjamin weiter seine Hoffnungen in den Kommunismus, der ihm Befreiung vom rassistischen Nationalsozialismus vorspiegelte, gesetzt hätte, wäre er nicht auf der Flucht vor den Nazis 1940 umgekommen. Außerdem wussten die Verfolgten nichts von den verbrecherischen Zuständen in der Sowjetunion. Man denke an den verfolgten Komponisten Erwin Schulhoff (1894‒1942), der in den 1930er-Jahren Kommunist wurde und 1942 im Lager auf der Wülzburg bei Weißenburg in Bayern starb. Man denke an die Schauspielerin Carola Neher (1900‒1942), die in der Sowjetunion zugrunde ging. Oder auch an den Jugendstil-Künstler Heinrich Vogeler (1872‒1942).

[68] Hermand: Geschichte der Germanistik, S. 161.

[69] Hildegard Brenner: Zu diesem Heft, in: Alternative 12, 1969, 67/68, S. 133.

[70] Neuffer: Arbeit am Material, S. 32f.

[71] Anmerkung der Verfasserin.

[72] Vgl. Helga Gallas (Hrsg.): Strukturalismus als interpretatives Verfahren, Darmstadt, Neuwied: Luchterhand 1972. Der Inhaltstext auf dem Umschlag lautet: „Die Herausforderung, die der französische Strukturalismus für die historisch-materialistische Methode bedeutet, ist in Deutschland bisher nicht angenommen worden. Die Auseinandersetzungen, so weit sie überhaupt geführt wurden, haben sich weniger an der strukturalen Methode als heuristischem Prinzip oder an den Ergebnissen dieser Methode orientiert: sie zielten unmittelbar auf die in der Tat angreifbaren anthropologischen Forderungen, die einige Strukturalisten aus ihren Analysen gezogen haben. So war es leicht, die Methode abzuwehren, ohne daß ihr Vorgehen diskutiert worden wäre. Die Herausgeberin greift auf die analytischen Arbeiten der Strukturalisten zurück und expliziert anhand der im Textteil vorgestellten Interpretationsmodelle Tragweite und Grenzen der strukturalen Methode. Ihre konsequente Anwendung im Bereich der Literaturwissenschaft ‒ so die These der Herausgeberin ‒ steht noch aus; ebenso die Überprüfung ihrer Relevanz für eine Differenzierung der Basis-Überbau-Theorie. Der Band enthält für die bisherige Anwendung des stukturalen Verfahrens exemplarische Texte, die in der Mehrzahl hier erstmals in deutscher Übersetzung erscheinen; und zwar Texte von Barthes, Goldmann, Greimas, Jakobsen, Kristeva, Lacan, Lévi-Strauss und Todorov.“

[73] Der Aufsatz Hölderlin und die Französische Revolution erschien auch im Hölderlin-Jahrbuch 1967/68 (S. 1‒27) und in der Festschrift Klaus Ziegler 1968. Vgl. auch Pierre Bertaux: Hölderlin und die Französische Revolution, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1969.

[74] Anmerkung der Verfasserin: Das Heft zeigte Wirkung, siehe zum Beispiel die folgenden zwei Veröffentlichungen: Sigrid Weigel: Die Stimme der Medusa: Schreibweisen in der Gegenwartsliteratur von Frauen, Dülmen-Hiddingsel: Tende 1987. Inge Stephan: Musen & Medusen. Mythos und Geschlecht in der Literatur des 20. Jahrhunderts (Literatur, Kultur, Geschlecht. Studien zur Literatur- und Kulturgeschichte. Kleine Reihe; 9), Köln, Weimar, Wien: Böhlau 1997.

[75] Anmerkung der Verfasserin: Damit leitete die Zeitschrift einen Trend ein. 1977 veröffentlichte Renate Möhrmann (* 1934, Studium der Germanistik, Romanistik, Philosophie und Medienwissenschaft in Hamburg, Lyon und der City University of New York) ihre an der Universität Duisburg eingereichte Habilitationsschrift, die erste „feministische“, die an einer westdeutschen Hochschule entstand: Die andere Frau. Emanzipationsansätze deutscher Schriftstellerinnen im Vorfeld der Achtundvierziger-Revolution, Stuttgart: Metzler 1977. ‒ Zur Entstehung der Forschungsrichtung „Feministische Literaturwissenschaft“ aus dem Blickwinkel einer Zeitzeugin: Barbara Becker-Cantarino (* 1937, Studium der Germanistik, Geschichte und klassischen Philologie in Göttingen, Berlin und Chapel Hill): Vom Feminismus und den Women’s Studies zu den Gender Studies, in: dies., Genderforschung und Germanistik. Perspektiven von der Frühen Neuzeit bis zur Moderne (Germanistische Lehrbuchsammlung; 86), Berlin: Weidler 2010, S. 19‒32. ‒ Zur institutionellen Verankerung von Frauen- und Geschlechterforschung: Ulla Bock (* 1950): Pionierarbeit. Die ersten Professorinnen für Frauen- und Geschlechterforschung an deutschsprachigen Hochschulen 1984–2014 (Politik der Geschlechterverhältnisse; 55), Frankfurt am Main, New York/NY: Campus 2015. ‒ Feministische Literaturtheorien im Überblick: Andrea Rinnert (* 1967): Körper, Weiblichkeit, Autorschaft. Eine Inspektion feministischer Literaturtheorien (Frankfurter feministische Texte. Literatur und Philosophie; 5), Königstein im Taunus: Ulrike Helmer Verlag 2001.

[76] Sabine Koloch: Rollenspektrumerfassung ‒ eine heuristische Methode zur Erschließung des Wirkungspotenzials von Autor/inn/en am Beispiel von Sidonia Hedwig Zäunemann. Mit Randbemerkungen zur Krise der literaturwissenschaftlichen Germanistik und mit Vorschlägen zu einem Literaturlexikon der Zukunft, in: Jahrbuch für internationale Germanistik 48, 2016, 1, S. 73–120, hier S. 110.

[77] Sabine Koloch: Des Kaisers neue Kleider. Über Erfolgssimulation, kontraproduktive Ausleseprozesse und Wissenschaftslenkung, URL: www2.bdwi.de/uploads/koloch_des_kaisers_neue_kleider.pdf (21.9.2016), darin S. 12, Anm. 39: „Unter Grundlagenforschung verstehe ich Quellenerschließung, Datenerhebung, Faktengewinnung sowie Erarbeitung von fundamental neuen Fragestellungen, Methoden, Begrifflichkeiten, Theoriebausteinen.“

[78] Neuffer: Arbeit am Material, S. 46.

[79] Koloch: Wissenschaft, Geschlecht, Gender, Terminologiearbeit, S. 51, Anm. 8; siehe ebd. auch S. 51, Anm. 125.

[80] Susanne Baer: Interventionen in der Akademie: „Gleichstellung“ in der Wissenschaft im 21. Jahrhundert, in: Ulrike Auga, Claudia Bruns, Levke Harders, Gabriele Jähnert (Hrsg.), Das Geschlecht der Wissenschaften. Zur Geschichte von Akademikerinnen im 19. und 20. Jahrhundert, Frankfurt am Main, New York/NY: Campus 2010, S. 91‒109, hier S. 100.

[81] Vgl. unter anderem: Friedrich Sengle: Zur Überwindung des anachronistischen Methodenstreits in der heutigen Literaturwissenschaft, in: Historizität in Sprach- und Literaturwissenschaft. Vorträge und Berichte der Stuttgarter Germanistentagung 1972. In Verbindung mit Hans Fromm und Karl Richter hrsg. von Walter Müller-Seidel, München: Fink 1974, S. 157‒170. Jens Stüben: Parteilichkeit. Zur Kritik der marxistischen Literaturtheorie (Abhandlungen zur Kunst-, Musik- und Literaturwissenschaft; 171), Bonn: Bouvier 1974. Gerhard Kaiser: Neue Antithesen eines Germanisten 1974‒1975, Kronberg im Taunus: Scriptor 1976. Till Kinzel: Der „Bund Freiheit der Wissenschaft“ und die „Notgemeinschaft für die freie Universität“ im Widerstand gegen die Achtundsechziger, in: Hartmuth Becker (Hrsg.), Die 68er und ihre Gegner. Der Widerstand gegen die Kulturrevolution, Graz, Stuttgart: Stocker 2003, S. 112‒136.

[82] Baer: „Gleichstellung“ in der Wissenschaft im 21. Jahrhundert, S. 100.

[83] Vgl. Christoph König (Hrsg.): Germanistik ‒ eine politische Wissenschaft. Ein Kolloquium im Jüdischen Museum Wien am 11. September 2000, Göttingen: Wallstein 2002.

[84] Kittsteiner: Unverzichtbare Episode, S. 31. Kittsteiner war von Doppelnummer 49/50 (Oktober 1966) bis Doppelnummer 56/57 (Oktober/Dezember 1967) Redaktionsmitglied.

[85] Die Beschreibung entstand auf der Grundlage von Schilderungen Hartmut Rosshoffs.

[86] Ulrich Harsch am 6.11.2019 an die Verfasserin: „In der Düsseldorferstraße lebte Hildegard sehr spartanisch in einer Atelierwohnung im Hinterhaus: Ein großer, hoher, lichtdurchfluteter Raum. Auf halber Höhe war eine Galerie eingebaut, zu der eine Treppe hinaufführte. Dort befand sich Hildegards privater Bereich mit ihrem Bett. Der große untere Bereich war Arbeitsraum mit wenigen Möbeln, vor allem Bücherregale. Hier tagte auch die Redaktion. Nebenan gab es noch einen kleinen Abstellraum. Die Wohnung in Brissago im Tessin war ebenfalls spartanisch eingerichtet. Sie lag hoch über dem Tal, mit einem herrlichen Blick auf den Lago Maggiore.“

[87] Carola Möller: Immaterielle Arbeit. Die neue Dominante in der Wertschöpfungskette (1999), in: Carola Möller. Eine feministisch-ökonomische Vordenkerin. Ausgewählte Schriften und Vorträge 1966‒1999. Hrsg. von der Stiftung Fraueninitiative, Marlies Fröse, Rita Seppenfricke und Annekathrin Linck (Konzepte/Materialien, hrsg. von der Stiftung Fraueninitiative; 11), Darmstadt: Ulrike Helmer Verlag 2018, S. 184‒197.

[88] Brenner blieb zwar unverheiratet, unterhielt aber langjährige Zweierbeziehungen, Johanna Wördemanns Aussage zufolge zu Männern und zu Frauen.

[89] Dieter E. Zimmer: Gegendarstellung (7.7.1967), in: Die Zeit Online, URL: https://www.zeit.de/1967/27/gegendarstellung.

[90] Robert K. Merton: The Matthew Effect in Science, in: Science 159, 1968, 2810, S. 56–63. Auf Deutsch: Der Matthäus-Effekt in der Wissenschaft, in: ders., Entwicklung und Wandel von Forschungsinteressen, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1985, S. 147‒172. Robert K. Merton: The Matthew Effect in Science, II: Cumulative Advantage and the Symbolism of Intellectual Property, in: Isis 79, 1988, S. 600–623.

[91] Margaret W. Rossiter: The Matthew/Matilda Effect in Science, in: Social Studies of Science 23, 1993, 2, S. 325–341. Neuauflage in deutscher Sprache unter dem Titel: Der Matthäus Matilda-Effekt in der Wissenschaft, in: Theresa Wobbe (Hg.), Zwischen Vorderbühne und Hinterbühne. Beiträge zum Wandel der Geschlechterbeziehungen in der Wissenschaft vom 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart, Bielefeld 2003, S. 191‒210.

[92] Kittsteiner: Unverzichtbare Episode, S. 33. Die Literaturwissenschaftlerin Rosemarie Heise war mit dem Philosophieprofessor Wolfgang Heise verheiratet. Vgl. Helga Hirsch: Erinnern gegen Schweigen. Zum Beispiel Rosemarie Heise, in: dies., Endlich wieder leben. Die fünfziger Jahre im Rückblick von Frauen, München: Siedler Verlag 2012, S. 199–242.

[93] Ebd., S. 35

[94] S. 39

[95] Heinz Dieter Kittsteiner: Die „geschichtsphilosophischen Thesen“, in: Alternative. Zeitschrift für Literatur und Diskussion 10, 1967, 56/57, S. 243‒251. Wiederabdruck in: Peter Bulthaup (Hrsg.), Materialien zu Benjamins Thesen Über den Begriff der Geschichte. Beiträge und Interpretationen, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1975, S. 28‒42.

[96] Luise F. Pusch: Weibliches Schicksal aus männlicher Sicht. Über Syntax und Empathie, in: dies., Das Deutsche als Männersprache. Aufsätze und Glossen zur feministischen Linguistik, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1984, 109–128.

[97] Erving Goffman: Wir alle spielen Theater. Die Selbstdarstellung im Alltag, München: Piper 1969.

[98] Vgl. auch die Kurzbiografie, die Helga Gallas für den rückseitigen Umschlag der Luchterhand-Ausgabe ihrer Dissertation verfasste: „Helga Gallas — 1940 geboren, Schulbesuch und Abitur in der DDR (Halle), Studium der Germanistik, Publizistik und Politologie in Tübingen und an der FU Berlin, mehrere Studienaufenthalte in Paris, Promotion 1969. 1965/66 Gewerkschaftsarbeit; seit Ende 1965 Redakteur der Zeitschrift ‚alternative‘. Veröffentlichungen (Aufsätze) zu Arbeiterliteratur, marxistischer Literaturtheorie, Literatursoziologie, Strukturalismus u. a.“

[99] Vgl. Helmut Lethen: Über das Spiel von Infamien, in: Ulrich Ott, Roman Luckscheiter (Hrsg.), Belles lettres, Graffiti. Soziale Phantasien und Ausdrucksformen der Achtundsechziger. Vorträge des Symposiums vom 19.‒21. November 1998 im Deutschen Literaturarchiv Marbach am Neckar aus Anlaß der Jahresausstellung Protest! Literatur um 1968, Göttingen: Wallstein 2001, S. 53‒66, hier S. 57: „Als wir, d. h. Heinz-Dieter Kittsteiner, Helga Gallas, Piet Gruchot und als auswärtiger Beiträger Hans Heinz Holz, und Rosemarie Heise unter der strengen Aufsicht der Chefredakteurin Hildegard Brenner im Atelier in der Düsseldorfer Straße (Berlin-Wilmersdorf) diese für uns so wichtige, von der Benjamin-Forschung inzwischen, wie gesagt, abschätzig behandelte Nummer unserer Zeitschrift zusammenstellten, konnten wir nicht ahnen, daß wir in Plettendorf einen andächtigen Leser finden würden.“ Das Verhältnis Männer zu Frauen beträgt in dem Sammelband 12:2.

[100] Josef Klein: Der Mann als Prototyp des Menschen ‒ immer noch? Empirische Studien zum generischen Maskulinum und zur feminin-maskulinen Paarform, in: Karin M. Eichhoff-Cyrus (Hrsg.), Adam, Eva und die Sprache. Beiträge zur Geschlechterforschung, Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich: Dudenverlag 2004, S. 292–307; das Verhältnis Männer zu Frauen beträgt in dem Sammelband 4: 25. Koloch: Wissenschaft, Geschlecht, Gender, Terminologiearbeit, S. 1‒2, 14‒15.

[101] Neuffer: Arbeit am Material, S. 6.

[102] Ebd., S. 36. Ulrich Harsch (* 1938) war 1981‒1984 Professor am Fachbereich Design der Fachhochschule Bielefeld und 1984‒2002 in gleicher Funktion an der Fakultät für Gestaltung der Hochschule Augsburg. Georg Fülberth (* 1939) war 1972‒2004 Professor für Politikwissenschaft an der Universität Marburg. Helmut Lethen (* 1939) war 1977‒1995 Hoofddocent an der Universiteit Utrecht (Niederlande) und 1996‒2004 Professor für Neueste Deutsche Literatur an der Universität Rostock. Frieder O. Wolf (* 1943) ist seit 2007 Honorarprofessor für Philosophie an der FU Berlin. Helga Grubitzsch (* 1945) war von 1988‒2003 Professorin an der Universität Paderborn (sie hatte die erste Professur für literaturwissenschaftliche Frauenforschung inne, die in Deutschland ausgeschrieben wurde).

[103] Der folgende wichtige Hinweise findet sich in Fußnote 29 (S. 10): „Brenner hatte unter anderem im Auftrag des Westdeutschen Rundfunks und des Senders Freies Berlin gearbeitet. Ihre Monographie (Hildegard Brenner: Die Kunstpolitik des Nationalsozialismus, Reinbek bei Hamburg 1963) wurde in der ZEIT als eine der ‚besten und fundiertesten Analysen, die über jene frühe Zeit der Diktatur bisher vorliegen‘ bezeichnet. Dieter Strothmann: Der Ruin der Kultur, in: DIE ZEIT 49, 6.12.1963.“

[104] Anmerkung der Verfasserin: Doppelheft 33/34 (Dezember 1963) der Alternative. Zeitschrift für Dichtung und Diskussion gab die Dreiergruppe Wendula Dahle, Friedrich-Christian Delius und Gudrun Traumann heraus.

[105] Anmerkung der Verfasserin: Richtig ist: seit Ende der 1960er-Jahre.

[106] Neuffer: Arbeit am Material, S. 10.

[107] Philipp Felsch: Der lange Sommer der Theorie. Geschichte einer Revolte 1960‒1990, München: Beck 2015, S. 54f.

[108] Hans-Peter Gente: Versuch über „Bitterfeld“, in: Alternative. Zeitschrift für Literatur und Diskussion 7, 1964, 38/39, S. 126‒131. Ders.: Rezension o. T. [Michel Leiris: Mannesalter, Neuwied, Berlin: Luchterhand 1962; L‘âge d’homme, Paris 1939] in: ebd. 8, 1965, 40, S. 41.

[109] Felsch widmete sein Buch Der lange Sommer der Theorie dem langjährig liierten Paar Paris/Gente: „‚Wir sind besessene Leser.‘ | Heidi Paris (1950‒2002) | & Peter Gente (1936‒2014)“.

[110] Der umfangreiche Fußnotenapparat (S. 243‒292) von Der lange Sommer der Theorie zeugt vom wissenschaftlichen Anspruch seines Verfassers.

[111] Neuffer: Arbeit am Material, S. 48.

[112] Hildegard Brenner: „Die Verfahrensweise des poetischen Geistes.“ Eine Untersuchung zur Dichtungstheorie Hölderlins (Maschinenschrift, Freie Universität Berlin 1952, darin: „Lebenslauf“ (S. 199). Nobert Schloßmacher, Leiter des Stadtarchivs Bonn, in einer E-Mail an die Verfasserin vom 8.1.2020: „Paul Brenner wurde am 7. September 1897 in Vilich-Rheindorf/Beuel geboren, er verstarb am 15. Oktober 1979 in Bonn. Seine Ehefrau, die Mutter von Hildegard Brenner, wurde am 24. Januar 1899 ebenfalls in Vilich-Rheindorf geboren. Sie verstarb am 16. August 1997 in Bonn. Die Eheschließung fand am 23. September 1926 in Beuel statt.“

[113] Nobert Schloßmacher in einer E-Mail an die Verfasserin vom 8.1.2020.

[114] Ingo Danielzik, Holger Förstemann: RL-Nummern-Liste. Kenn-Nummern der Reichsanstalt für Luftschutz 1936‒1944, 5. Aufl. Norderstedt: Books on Demand GmbH 2018, S. 151.

[115] Antifaschistischer Stadtführer. Bonn zur Zeit des Nationalsozialismus, 3., überarb. u. erw. Aufl. Bonn: Bildungswerk für Friedensarbeit 1983 (Faltblatt).

[116] Nobert Schloßmacher in einer E-Mail an die Verfasserin vom 8.1.2020.

[117] Irene Franken: „…weil mir eigentlich die Verbindung von politischer Praxis und Wissenschaftspraxis am Herzen liegt.“ Carola Möller ‒ eine engagierte Ökonomin, in: Carola Möller. Eine feministisch-ökonomische Vordenkerin. Ausgewählte Schriften und Vorträge 1966‒1999. Hrsg. von der Stiftung Fraueninitiative, Marlies Fröse, Rita Seppenfricke und Annekathrin Linck (Konzepte/Materialien, hrsg. von der Stiftung Fraueninitiative; 11), Darmstadt: Ulrike Helmer Verlag 2018, S. 198‒235, S. 200.

[118] Ebd.

[119] S. 198.

[120] So geschehen bei Irene Franken, ebd., S. 200. Die Kölner Historikerin betrieb wenig oder keine eigenständigen Forschungen, dies geht aus Anm. 1 (S. 227) ihres Aufsatzes hervor: „Dieser Text beruht im Wesentlichen auf diesem Interview, Texten von Carola Möller sowie einem Interview, das die Ökonomin im Juli 1999 dem Kölner Frauengeschichtsverein gab.“

[121] Hildegard Brenner: „Es ging alles so weiter 1933“ ‒ aber für wen?, in: Die schwarze Botin 8, 1983, 20, S. 85-92, hier S. 87. Deutsche Fassung des Vortrags „The Conflicts of Everyday Life and Resistance“ anlässlich der Tagung „Women, Fascism, Everyday Life in Germany“, 28.‒30. April 1983, Ohio State University, Columbus (Leitung: Helen Fehervary).

[122] Lothar Mertens: Vernachlässigte Töchter der Alma Mater. Ein sozialhistorischer und bildungssoziologischer Beitrag zur strukturellen Entwicklung des Frauenstudiums in Deutschland seit der Jahrhundertwende, Berlin: Duncker & Humblot 1991. Sigrid Metz-Goeckel, Christine Roloff, Anne Schlüter: Frauenstudium nach 1945. Ein Rückblick, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 39, 1989, 28, S. 13‒21. Annette Kuhn (Hrsg.): 100 Jahre Frauenstudium: Frauen der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Dortmund: Edition Ebersbach 1996.

[123] Die Dissertation wurde nicht gedruckt, warum nicht? Vgl. auch Michael Konrad: Hölderlins Philosophie im Grundriß. Analytisch-kritischer Kommentar zu Hölderlins Aufsatzfragment Über die Verfahrensweise des poetischen Geistes (Abhandlungen zur Philosophie, Psychologie und Pädagogik; 37), Bonn: Bouvier 1967.

[124] Jürgen Habermas: Das Absolute und die Geschichte. Von der Zwiespältigkeit in Schellings Denken, Diss. Bonn 1954, darin nach S. 424: „Lebenslauf“. ‒ Weil er anfänglich Journalist werden wollte, sandte Habermas bevorzugt an die Frankfurter Allgemeine Zeitung und die Frankfurter Hefte unaufgefordert Artikel. Vgl. Roman Yos: Der junge Habermas. Eine ideengeschichtliche Untersuchung seines frühen Denkens 1952‒1962, Berlin: Suhrkamp 2019, S. 113.

[125] Im Sommersemster 1951 könnten sich Brenner und Habermas in Lehrveranstaltungen begegnet sein.

[126] Elke Dubbels: Zum Verhältnis von wissenschaftlicher Tradition und Politik im „Dritten Reich“: Die Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte in den Jahren 1933‒1944, in: Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte 78, 2004, S. 672‒706.

[127] Wohl nicht zufällig erschien 1958 in der DVjs Brenners Besprechung der Brecht-Dissertation des späteren Theaterwissenschaftlers und -kritikers Ernst Schumacher (1921‒2012).

[128] Hans Joachim Dahms: Philosophie, in: Frank-Rutger Hausmann (Hrsg.), Die Rolle der Geisteswissenschaften im Dritten Reich 1933–1945 (Schriften des Historischen Kollegs. Kolloquien; 53), München: Oldenbourg 2002, S. 193–228, hier S. 215. Ralph Stöwer: Erich Rothacker. Sein Leben und seine Wissenschaft vom Menschen, Göttingen: V & P 2012, S. 113.

[129] Aleida Assmann: Der lange Schatten der Vergangenheit. Erinnerungskultur und Geschichtspolitik, München: Beck 2006.

[130] Sein Sohn Karl studierte und lehrte an der Universität Bonn. Vgl. Hugo Moser: Karl Simrock. Universitätslehrer und Poet. Germanist und Erneuerer von „Volkspoesie“ und älterer „Nationalliteratur“. Ein Stück Literatur-, Bildungs- und Wissenschaftsgeschichte des 19. Jahrhunderts (Philologische Studien und Quellen; 82), Berlin: Erich Schmidt 1976.

[131] Wer ist wer? 45. Ausgabe 2006/2007. Das deutsche Who’s Who. Bundesrepublik Deutschland = The German who’s who = Le who’s who allemand. Begründet von Walter Habel, Lübeck: Schmidt-Römhild 2006, S. 164. Einträge zu Hildegard Brenner enthalten auch die biografischen Nachschlagewerke Kürschner und Kosch: Kürschners Gelehrtenkalender. Bio-bibliographisches Verzeichnis deutschsprachiger Wissenschaftler der Gegenwart, Bd. 2: Geistes- und Sozialwissenschaften, Berlin, New York/NY: De Gruyter 1996, S. 163. Konrad Feilchenfeldt (Hrsg.): Deutsches Literatur-Lexikon. Das 20. Jahrhundert. Biographisches-bibliographisches Handbuch. Begründet von Wilhelm Kosch, fortgeführt von Carl Ludwig Lang, Bd. 4, Zürich, München: Saur 2003, Sp. 1904.

[132] BUA 2/BK-Nr. 1757 a und b.

[133] Hildegard Brenner: Die Kunst im politischen Machtkampf der Jahre 1933/34, in: Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte 10, 1962, S. 17‒42.

[134] Das Inhaltsverzeichnis der Erstauflage wird von mir wörtlich wiedergegeben, um das Verhältnis Männer zu Frauen (6:1) und die Wortwahl („Dichtung“, konsequenter Gebrauch der männlichen Formen) sichtbar zu machen: „Vorwort“, „Die deutsche Gegenwartsdichtung ‒ Kräfte und Formen“ (Hermann Kunisch), „Autorenartikel A‒Z“ [siehe darin S. 474‒475 den von Brenner verfassten Artikel zu Christa Reinig], „Der Expressionismus ‒ Anreger, Herausgeber, Verleger“ (Günther Erken), „Deutsche Literatur im Exil 1933‒1947“ (Hildegard Brenner), „‚Innere Emigration‘ ‒ Die innerdeutsche Literatur im Widerstand 1933‒1945“ (Herbert Wiesner), „Dichter und Dichtung des Nationalsozialismus“ (Rolf Geißler), „Neue Strömungen in der deutschen Literatur der Nachkriegszeit“ (Karl August Horst), „Die literarische Situation in der DDR“ (Jan Peddersen), „Register“, „Hinweise und Abkürzungsverzeichnis“, „Ergänzungen“. ‒ Zum generischen Maskulinum vgl. Josef Klein: Benachteiligung der Frau im generischen Maskulinum – eine feministische Schimäre oder psycholinguistische Realität?, in: Norbert Oellers (Hrsg.), Germanistik und Deutschunterricht im Zeitalter der Technologie. Selbstbestimmung und Anpassung. Vorträge des Germanistentages, Berlin 1987, Bd. 1: Das Selbstverständnis der Germanistik. Aktuelle Diskussionen, Tübingen: Niemeyer 1988, S. 310–319.

[135] Hildegard Brenner: Deutsche Literatur im Exil 1933‒1947, in: Hermann Kunisch (Hrsg.), Handbuch der deutschen Gegenwartsliteratur, München: Nymphenburger Verlagshandlung 1965, S. 677‒695. Wiederabdruck in: Heinz Ludwig Arnold (Hrsg.), Geschichte der deutschen Literatur aus Methoden, Bd. 7: Deutsche Literatur im Exil 1933‒1945, Bd. 2: Materialien, Frankfurt am Main: Athenäum Fischer Taschenbuchverlag 1974, S. 85‒110.

[136] Hildegard Brenner: Ende einer bürgerlichen Kunst-Institution. Die politische Formierung der Preußischen Akademie der Künste ab 1933. Eine Dokumentation (Schriftenreihe der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte; 24), Stuttgart: Deutsche Verlagsanstalt 1972.

[137] Hildegard Brenner: Art in the Political Power Struggle of 1933 and 1934, in: Hajo Holborn (Hrsg.), From Republic to Reich: The Making of the Nazi Revolution, New York/NY: Random House 1972, S. 395‒434.

[138] Helga Neumann: Zwischen Emanzipation und Anpassung. Protagonistinnen des deutschen Zeitschriftenwesens im ausgehenden 18. Jahrhundert (1779–1795), Würzburg: Königshausen & Neumann 1999.

[139] Dietrich Strothmann: Nationalsozialistische Literaturpolitik. Ein Beitrag zur Publizistik im Dritten Reich (Abhandlungen zur Kunst-, Musik- und Literaturwissenschaft; 13), Bonn: Bouvier 1960. Karin Fontaine: Nationalsozialistische Aktivistinnen (1933–1945). Hausfrauen, Mütter, Berufstätige, Akademikerinnen. So sahen sie sich und ihre Rolle im „tausendjährigen Reich“, Würzburg: Königshausen & Neumann 2003. Marita Krauss (Hrsg.): Sie waren dabei. Mitläuferinnen, Nutznießerinnen, Täterinnen im Nationalsozialismus (Dachauer Symposien zur Zeitgeschichte; 8), Göttingen: Wallstein-Verlag 2008.

[140] Hedwig Dohm: Die wissenschaftliche Emancipation der Frau, Berlin: Wedekind & Schwieger 1874. Gruppe Berliner Dozentinnen (Hrsg): Frauen und Wissenschaft. Beiträge zur Berliner Sommeruniversität für Frauen, Juli 1976, Berlin: Courage-Verlag 1977. Anne Schlüter, Annette Kuhn (Hrsg.): Lila Schwarzbuch. Zur Diskriminierung von Frauen in der Wissenschaft (Geschichtsdidaktik. Studien, Materialien; 35), Düsseldorf: Schwann 1986. Beate Krais (Hrsg.): Wissenschaftskultur und Geschlechterordnung. Über die verborgenen Mechanismen männlicher Dominanz in der akademischen Welt, Frankfurt am Main: Campus 2000.

[141] Die Zielsetzung der Reihe ist dem rückseitigen Umschlagtext zu entnehmen: „Die Arbeit [von Helga Gallas, SK] erscheint als erster Band der ‚collection alternative‘, einer literaturtheoretischen Reihe innerhalb der Sammlung Luchterhand, die von Hildegard Brenner herausgegeben wird. In der Reihe werden Ergebnisse präsentiert, die die Methodendiskussion um die Analyse von Überbauphänomenen vorantreiben. Damit soll das theoretische Programm von ‚alternative‘ über den Rahmen dessen hinaus realisiert werden, was in einer Zeitschrift möglich ist.“

[142] Neuffer lässt die „Collection Alternative“ im Abschnitt „Gegenwissenschaft“ (S. 32–36, hier S. 34) seiner Arbeit am Material 1972 beginnen und spricht von acht Bänden. Nach sorgfältigen Nachforschungen komme ich zu dem Ergebnis, dass die Reihe sieben Bände umfasst.

[143] Der Publikation liegt die Dissertation der Verfasserin zugrunde: Die Linkskurve 1929‒32. Ausarbeitung einer proletarisch-revolutionären Literaturtheorie in Deutschland, Berlin [Ladewig] 1969. Die Linkskurve. Eine literarisch-kritische Zeitschrift (Berlin, Weimar: Internationaler Arbeiterverlag, Aufbau-Verlag 1‒4, 1929‒1932) war das Publikationsorgan des Bundes proletarisch-revolutionärer Schriftsteller Deutschlands.

[144] Für die wissenschaftliche Schriftenreihe „LKG“, von zwei deutschen Literaturwissenschaftlerinnen im Böhlau-Verlag herausgegebenen, wird in der Zeitschrift Frauen in der Literaturwissenschaft 1991 mit der Anzeige geworben: „LITERATURKULTURGESCHLECHT | Studien zur Literatur- und Kulturgeschichte (Kleine und Große Reihe) | Herausgegeben von Inge Stephan und Sigrid Weigel | in Zusammenarbeit mit Gert Mattenklott / Klaus R. Scherpe / Jost Hermand / Lutz Winkler. | Im Mittelpunkt der Reihe stehen Studien, die in den literarischen Texten ‒ ebenso wie in anderen Medien und Künsten ‒ kulturelle und historische Konstellationen aufsuchen und entziffern.“

[145] L. W. Weber: Kriminalistik und gerichtliche Medizin, in: Zeitschrift für die gesamte Strafrechtwissenschaft 44, 1924, S. 204‒325, hier S. 310. Vgl. auch Arthur Kirchhoff (Hrsg.): Die akademische Frau. Gutachten hervorragender Universitätsprofessoren, Frauenlehrer und Schriftsteller über die Befähigung der Frau zum wissenschaftlichen Studium und Berufe, Berlin: Steinitz 1897. Das Wort „Männerlehrer“, das Pendant zu „Frauenlehrer“, ist mir im Zuge meiner Quellenstudien nicht einmal untergekommen.

[146] Laut rückseitigem Umschlagtext widmete Walter Benjamin „der kommunistischen Regisseurin, Schauspielerin und Pädagogin […] 1931 sein Buch Einbahnstraße” mit den Worten: „Diese Straße heißt | ASJA-LACIS-STRASSE | nach der sie als Ingenieur im Autor durchgebrochen hat”.

[147] Hildegard Brenner: Nachwort, in: Asja Lācis, Revolutionär im Beruf. Berichte über proletarisches Theater, über Meyerhold, Brecht, Benjamin und Piscator. Hrsg. von Hildegard Brenner, München: Rogner & Bernhard 1971, S. 121‒124, hier S. 121f. (2., durchges. u. erw. Aufl. 1976). Das Buch erschien 1989 in französischer Sprache.

[148] Die AStA-Materialien zum Fall Brenner ‒ Geschichte einer verhinderten Berufung (Universität Hamburg 1972) konnten von mir nicht eingesehen werden.

[149] Vgl. Hildegard Brenner: Rezension o. T. [Ernst Schumacher: Die dramatischen Versuche Bertolt Brechts 1918‒1933, Berlin: Rütten & Loening 1955], in: Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte 32, 1958, S. 476‒478 (Schumacher war von Hans Mayer und Ernst Bloch promoviert worden). Bertolt Brecht 1898‒1956 (Viersener Theaterblätter; 6), Viersen: Kulturamt der Stadt 1967, darin Gunter Schäble: Werk und Wirkung in der Bundesrepublik seit 1956 (S. 3–10), Hildegard Brenner: Brecht in der DDR (S. 15–21). Vgl. auch die in der Alternative erschienenen Brecht-Beiträge Brenners: Zu diesem Heft [Große und Kleine Pädagogik. Brechts Modell der Lehrstücke] 14, 1971, 78/79, S. 101. Die Fehldeutung der Lehrstücke. Zum methodischen Vorgehen der Germanistik 14, 1971, 78/79, S. 146‒154. Zusammen mit Hermann Haarmann: Brecht/Korsch-Diskussion. Positionen der Literaturwissenschaft [Esslin, Rasch, Alternative 41, Völker, Mittenzwei, Münz-Koenen, Fiebach, Brüggemann, Steinweg, Knopf, Buono] 18, 1975, 105, S. 260‒279. Schule des Helden. Anmerkungen zu Brechts „Büsching“-Entwurf 16, 1973, 91, S. 213‒221. Heiner Müllers „Mauser“-Entwurf. Fortschreibung der brechtschen Lehrstücke? 19, 1976, 110/111, S. 210‒221. Benno Besson: Als Theatermann in Terni [bei der Erprobung des Lehrstücks Die Ausnahme und die Regel von Bertolt Brecht] (Interview) [geführt von Hildegard Brenner], in: 19, 1976, 107, S. 66‒68. Vgl. auch Klaus-Dieter Krabiel: Brechts Lehrstücke. Entstehung und Entwicklung eines Spieltyps, Stuttgart, Weimar: Metzler 1993, darin zu Brenner S. 217f., 228, 403, 420, 425.

[150] Vgl. Imke Krebs, Sabine Voigt: Umfrage zur Arbeitssituation von Ärztinnen und Ärzten in der Wissenschaft und Forschung an der Universität Lübeck, Lübeck 2004, URL: http://frauenbeauftragte-mul.de/UmfrageArbeitssituation/Auswertung.html: „Hinsichtlich der Unvereinbarkeit von wissenschaftlicher Karriere und Familie hat die Umfrage an der Universität zu Lübeck letztlich die Ergebnisse von ähnlichen Umfragen in Göttingen und Berlin bestätigt. Noch immer lasten mehrheitlich die familiären Verpflichtungen auf den Schultern der Frauen, was sich insbesondere während der medizinischen Weiterbildung und der wissenschaftlichen Qualifizierungsphase ungünstig auf die Karriereverläufe von Ärztinnen auswirkt. […] Ein weiteres wichtiges Ergebnis dieser Umfrage ist die viel zu geringe Einbindung von Doktoranden insbesondere von Doktorandinnen in Forschungsprojekte.”

[151] Ulrike Gilhaus, Julia Paulus, Anne Kugler-Mühlhofer (Hrsg.): Wie wir wurden, was wir nicht werden sollten. Frauen im Aufbruch zu Amt und Würden, Essen: Klartext-Verlag 2010.

[152] Vgl. Gesa Dane: Melitta Gerhard (1891‒1981). Die erste habilitierte Germanistin: „In bunten Farben schillernder Gast“ und „uniformiertes Glied der Zunft“, in: Barbara Hahn (Hrsg.), Frauen in den Kulturwissenschaften. Von Lou Andreas-Salomé bis Hannah Arendt, München: Beck 1994, S. 219‒234.

[153] Brenner schützte wohl, so Ulrich Harsch an die Verfasserin in einer E-Mail vom 17.1.2020, Krankheit vor, weil für sie die Situation unterträglich geworden war.

[154] Kai Köhler in einer Mail an die Verfasserin vom 11.2.2010: „Zwischen dem Redaktionskonflikt 1974 und Brenners Rückzug von ihrer Professur 1978 liegen immerhin vier Jahre. Das deutet darauf hin, dass andere Gründe zumindest auch eine Rolle spielten ‒ institutsinterne Auseinandersetzungen, vielleicht mit Gallas, vielleicht mit anderen. Enttäuschung über den Verlauf der Hochschulreform? Oder Brenner hatte genug Geld, um sich mit den Dingen zu beschäftigen, mit denen sie sich beschäftigen wollte, und keine Lust, Studienanfänger/innen das Einmaleins beizubringen? Die Angelegenheit scheint mir offen.“

[155] Vgl. Vademecum deutscher Lehr- und Forschungsstätten VDLF. Ein Handbuch des wissenschaftlichen Lebens, 7. Aufl. Essen: Gemeinnützige Verwaltungsgesellschaft für Wissenschaftspflege 1978, S. 402: „660/83 Studiengang Kommunikation/Ästhetik der Universität Bremen […] Hochschullehrer: Prof. Dr. Wilhelm ALFF, Prof. Dr. Johannes BECHERT, Prof. Dr. Hildegard BRENNER, Prof. Dr. Peter BÜRGER, Prof. Dr. Wendula DAHLE, Prof. Dr. Franz DRÖGE, Prof. Dr. Martin FRANZBACH, Prof. Dr. Helga GALLAS, Prof. Dr. Heinz-Gerhard HAUPT, Prof. Dr. Dieter HERMS, Prof. Dr. Hans-Wolf JÄGER, Prof. Otto KASCHNER, Prof. Dr. Horst KREYE, Prof. Dr. Werner KROGMANN, Prof. Dr. Antje-Katrin MENK, Prof. Dr. Thomas METSCHER, Prof. Dr. Jose M. NAVARRO, Prof. Dr. Lothar PAUL, Prof. Dr. Gert SAUTERMEISTER, Prof. Liese-Lotte STRECKERT, Prof. Dr. Karl-Heinz WAGNER, Prof. Dr. Matthias WALTZ Studienfächer: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Linguistik“. Das Verhältnis Männer zu Frauen beträgt: 18:5.

[156] Das Flugblatt ist zweiseitig bedruckt, der Titel gerahmt, das mittig gesetzte Titelwort „alternative“ mit einem weißen Schrägstrich durchgestrichen. Die Rückseite enthält den gerahmten offenen Brief des 1970 gegründeten Verbandes des linken Buchhandels (VLB) an das Redaktionskollektiv der Alternative vom 24.9.1974 und die Information: „Verantwortlich i.S.d. Presserechts: H. Gallas, 1‒31, Konstanzer Str. 11“. Der VLB sollte auf der Buchmesse als Schichter auftreten. Die ersten drei Abschnitte unterhalb des Titels tragen keine Überschrift. Erst danach folgen Überschriften, vier an der Zahl: „Wie entstand der Streit?“, „Unsere Forderungen und die Maßnahmen gegen uns“, „Das traurige Fazit“, „Das politische Geld“.

[157] Am Ende der Generaldebatte am 22.6.1974 trat Georg Fülberth, der gegen Brenner gestimmt hatte, aus der Redaktion aus.

[158] Georg Fülberth in einer Mail vom 25.1.2020 an die Verfasserin. Karl Dietrich Wolff (* 1943) war 1967‒1968 Erster Vorsitzender des SDS. Vgl. zu KD Wolff Sabine Koloch: Die Assistenten-Flugblatt-Gruppe ‒ Aktionsfelder, Orte, Kommunikationskanäle, RL: https://literaturkritik.de/public/artikel.php?art_id=1134&ausgabe=51 (7.7.2018), S. 13f., Anm. 50.

[159] Forschungsgruppe Soziale Ökologie [Egon Becker, Hildegard Brenner, Iring Fetscher, Wilhelm Schumm, Klaus Traube, Ernst U. von Weizsäcker, Thomas Jahn, Thomas Kluge, Fritz Reusswig, Michael Scharping, Elvira Scheich, Engelbert Schramm, Irmgard Schultz]: Soziale Ökologie. Gutachten zur Förderung der sozial-ökologischen Forschung in Hessen, erstellt im Auftrag der Hessischen Landesregierung, Frankfurt am Main 1987 (ein Typoskript im Umfang von 449 Seiten).

[160] Koloch: Wissenschaft, Geschlecht, Gender, Terminologiearbeit, S. 7f.

[161] Marlies W. Fröse: Carola Möller. Großzügig und ihrer Zeit voraus, in: Carola Möller. Eine feministisch-ökonomische Vordenkerin. Ausgewählte Schriften und Vorträge 1966‒1999. Hrsg. von der Stiftung Fraueninitiative, Marlies Fröse, Rita Seppenfricke und Annekathrin Linck (Konzepte/Materialien, hrsg. von der Stiftung Fraueninitiative; 11), Darmstadt: Ulrike Helmer Verlag 2018, S. 7‒21, hier S. 7.

[162] Die Festschrift enthält neben dem bereits zitierten biografischen Abriss von Irene Franken im Anhang eine Tabula vitae (S. 236) und ein tabellarisch geordnetes Verzeichnis, betitelt „Feministische und gesellschaftspolitische Aktivitäten“ (S. 237).

[163] Irene Franken: „…weil mir eigentlich die Verbindung von politischer Praxis und Wissenschaftspraxis am Herzen liegt.“ Carola Möller ‒ eine engagierte Ökonomin, in: Carola Möller. Eine feministisch-ökonomische Vordenkerin. Ausgewählte Schriften und Vorträge 1966‒1999. Hrsg. von der Stiftung Fraueninitiative, Marlies Fröse, Rita Seppenfricke und Annekathrin Linck (Konzepte/Materialien, hrsg. von der Stiftung Fraueninitiative; 11), Darmstadt: Ulrike Helmer Verlag 2018, S. 198‒235, hier S. 204.

[164] Ebd., S. 213f.

[165] S. 223f.

[166] S. 218. Die Zusammensetzung der Frauenredaktion 1998: Susan Arndt, Hanna Behrend, Anneliese Braun, Karsta Frank, Frigga Haug, Kornelia Hauser, Jutta Held, Brigitte Hipfl, Barbara Ketelhut, Helgard Kramer, Marlis Krüger, Annette Kuhn, Elisabeth List, Jutta Meyer-Siebert, Carola Möller, Herlinde Pauer-Studer, Michaela Reisin, Birgit Rommelspacher, Christina Schenk, Ruth Seifert, Dorothee Sölle. Eva Wollmann. Internationaler Beirat: Cynthia Cockburn, Sandra Harding, Nancy Hartsock, Hilary Rose, Dorothy Smith, Janna Thompson u.a.

[167] S. 220.

[168] S. 209‒212.

[169] Literarische Zeitschriften und Jahrbücher 1880‒1970. Verzeichnis der im Deutschen Literaturarchiv erschlossenen Periodica. Herausgegeben vom Literaturarchiv. Bearbeitet von Dagmar Laakmann und Reinhard Tgahrt (Verzeichnisse, Berichte, Informationen; 2), Marbach am Neckar: Deutsches Literaturarchiv 1972, S. 10f.

[170] Bernhard Fischer, ‎Thomas Dietzel: Deutsche literarische Zeitschriften 1945‒1970. Ein Repertorium, 4 Bde., München, London, New York/NY, Paris: Saur 1992, Bd. 1, S. 81‒85, hier S. 82. Vgl. auch Thomas Dietzel, Hans-Otto Hüge: Deutsche literarische Zeitschriften 1880–1945. Ein Repertorium, 5 Bde., München, New York/NY, London, Paris: Saur 1988.