Wandlungsprozesse in Literaturzeitschriften

Kommunikationskultur in „Kursbuch“ und Kursbögen 1965‒1975

Von Kristof NieseRSS-Newsfeed neuer Artikel von Kristof Niese

 

Inhalt

1. Die frühe Nachkriegszeit – Laboratorium für literatur- und kulturpolitische Zeitschriften
2. Von der „kommunikativen Rolle“ der Literatur in den 1960er-Jahren am Beispiel der Gründung des Kursbuchs
3. Vom Hunger nach Text und Diskussion zum Spaß am Bild: Die Kursbögen 1968‒1975
4. Neuer Markt für Marx – Zeitschriftenpanorama der 1960er-/1970er-Jahre
Anmerkungen
Literaturverzeichnis

Zeitschriften waren nach Hans Manfred Bock „seit dem Auftreten der modernen Sozialfigur des Intellektuellen Ende des 19. Jahrhunderts […] die Ausgangs- und Zielpunkte intellektueller Gruppenbildung […]“[1]. Die Zusammensetzung und der Wandel der Netzwerke von Autorinnen/Autoren, Verlegern und Herausgebern ist daher von großem Interesse für eine wissenschaftliche Analyse in kulturwissenschaftlicher Perspektive. Alexander Gallus legt in der Druckfassung seiner Habilitationsschrift von 2012 die Intellektuellengeschichte der Weimarer Republik anhand der politisch-literarischen Zeitschrift Weltbühne frei. Mit dem Akzent auf den germanistischen Netzwerken Walter Boehlichs untersucht der Potsdamer Doktorand Christoph Kapp die gesellschaftlichen Auswirkungen des Literaturbetriebs der Nachkriegszeit und damit Phasen der politischen Kultur und Liberalisierungen der frühen Bundesrepublik.[2]

Der folgende Beitrag möchte anhand wichtiger kulturpolitischer Zeitschriften deren Bedeutung für die literatur- und sozialwissenschaftliche Zeitschriften- wie auch die Intellektuellenforschung aufzeigen. Dabei soll die Frage, was überhaupt eine „Literatur“-Zeitschrift ist, sehr pragmatisch mit dem Verweis auf die darin enthaltene oder rezipierte Literatur aufgefasst werden.[3] Inhaltlich-formal dominieren bestimmte Textgattungen (Aufsatz, Bericht, Essay, Interview, Kommentar, Lyrik, Besprechung etc.) und theoretische und/oder kulturpolitische Diskussionen. Inhaltlich-intentional geht es den Initiatorinnen/Initiatoren entweder darum, Interesse an alter oder neuer Literatur zu erzeugen oder darum, bestimmte kulturelle und politische Sachverhalte auszuwählen, vorzustellen, zu sammeln, zu kritisieren und für eine Diskussion aufzubereiten. Der hier unternommene Versuch, die großen Entwicklungslinien aufzuzeigen, klammert einige innergermanistische Debatten aus, die im vorliegenden 68er-Projekt genauer und eigenständig untersucht werden, und schärft dafür den Blick für die gesellschaftlichen und kulturellen Wandlungsprozesse. Als Ort und Medium über die kulturelle, literarische und politische Zukunft kristallisierten sich schnell die Zeitschriften heraus. Dass es deren viele gab, ist gerade vor dem Hintergrund von „Dritten Wegen“ und Diskussionen um eine „Stunde Null“ positiv zu bewerten, wie die Analyse der frühen Nachkriegszeit als „A Plethora of Periodicals“ (Stuart Parkes) zeigt.[4]

1. Die frühe Nachkriegszeit – Laboratorium für literatur- und kulturpolitische Zeitschriften

Schon in der frühen Nachkriegszeit waren kulturpolitische Zeitschriften das „wichtigste intellektuell-publizistische Sprachrohr“[5]. Gerade nach dem Zweiten Weltkrieg musste eine Diskussion über zukünftige Sprache, Orientierungen und Kultur erfolgen. Dabei wird im Zuge der neueren Intellectual History die positive Umschreibung der Begriffe Kritik, Streit und Diskussion im Sinne einer neuen Diskussionskultur betont.[6] Besonders durch die Gruppe 47 ist die linksintellektuelle Sichtweise prominent im Gedächtnis.[7] Offensiv vertrat Der Ruf, gegründet 1946 und herausgegeben von Alfred Andersch und Hans Werner Richter, Stimmen von jungen Schriftstellern. Die Zeitschrift versuchte, unbelastete Gedanken zu publizieren, die in der amerikanischen Demokratieerziehung der Kriegsgefangenschaft entwickelt wurden.[8] Alfred Anderschs Gedanken über Deutschland als sozialistische Brücke zwischen Ost und West deuteten schon an, dass die durch amerikanische Reeducation-Politik angeregte neue bundesrepublikanische „Diskussionslust“ (Nina Verheyen) den alten Diskurs zwischen „Macht und Geist“ neu belebte.[9] Die medienstarke Gruppe 47 verdeutlichte, dass sich Intellektuelle wie auch neue intellektuelle mediale Formate wie die Petition, Fernsehdiskussionen oder Radio-„Features“ erfolgreich als Korrektiv der Politik durchsetzen konnten. In der Bundesrepublik unter der Kanzlerschaft Konrad Adenauers kann von einer „zweiten Gründung“ der Bundesrepublik ab 1955 gesprochen werden, an deren Bildung Intellektuelle und Schriftsteller großen Anteil hatten.[10] Kämpfte der Buchmarkt mit Papierknappheit, konnten Zeitschriften leicht hergestellt werden. So war es möglich, in schlichtem Layout politisch-kulturelle Themen schnell zu veröffentlichen. Es war gerade die Vielfalt, die mit dem Begriff „Zeitschriftenboom“ umschrieben werden kann. Vom Linkskatholizismus der Frankfurter Hefte bis zum Liberalkonservatismus des Merkur entstanden wichtige Meinungsplattformen.[11] Zeitschriften waren meinungsprägend, wie der kanonische Text von Walter Dirks über die ausgebliebene „Stunde Null“ und den „restaurativen Charakter“ veranschaulicht.

Wichtig für die ideengeschichtlichen Skizzen der frühen Nachkriegszeit und die 1950er-Jahre sind neben generationellen Veränderungen die Rolle der Besatzungsbehörden, die Bedeutung der Emigranten und Remigranten sowie der Einfluss der alten NS-Eliten und damit des Spannungsverhältnisses von Elitenkontinuität und nötigem Elitenwandel.[12] Es ist schwierig, eine einfache Einteilung in „konservativ“ und „links“ vorzunehmen.[13] So versammelte etwa der Merkur mit Hannah Arendt, Theodor W. Adorno, Jürgen Habermas, Walter Jens oder Hans Magnus Enzensberger ein großes Panorama an respektierten Stimmen, die keiner „konservativen“ Zuschreibung entsprachen.[14] Zeitschriften konnten meinungsbildend wirken und Autoren versammeln. Für die Literatur waren dies die Akzente von Walter Höllerer und Hans Bender oder Texte und Zeichen von Alfred Andersch. Trotz gut bezahlter „Features“ im Rundfunk oder der Präsenz im Fernsehen sowie der Kommunikations- und Werbeplattform Gruppe 47 strahlten Zeitschriften weiterhin eine hohe Attraktivität aus. Der Spiritor Rector der Gruppe 47, Hans Werner Richter, dachte oft daran, die bereits 1949 eingestellte Zeitschrift Der Ruf wiederzugründen, doch hatte er bei seinem ehemaligen Mitherausgeber Alfred Andersch keinen Erfolg. Dieser schickte, wie aus den Korrespondenzen der Gruppe 47 ersichtlich ist, lieber wütende Tiraden über die Bundesrepublik von seinem Wohnsitz in Berzona in der Schweiz und regte dazu an, eine internationale Zeitschrift zu gründen. Andersch folgerte, dass nur ein „Periodicum“ dazu in der Lage sein werde, die neuen Ansätze der Zeit publizistisch zu verarbeiten.

Die Gründung von neuen Zeitschriften mit internationalen Themen schien Mitte der 1960er-Jahre sehr günstig. Die zunehmenden Zahlen der Studierenden und die Universitätsneugründungen in den 1960er- und 1970er-Jahren (Bochum und Regensburg 1962, Düsseldorf 1965, Konstanz 1966, Mannheim und Ulm 1967, Dortmund 1968, Bielefeld 1969, Augsburg, Osnabrück und Trier 1970, Bremen 1971, Bamberg und Bayreuth 1972, Passau 1973)[15] zeigten schon an, dass nicht nur der Ausspruch Dahrendorfs auf ein „Grundrecht auf Bildung“ verwirklicht werden sollte, sondern der neue wirtschaftliche Aufschwung nur durch einen massiven Ausbau des Bildungssystems aufrechterhalten werden konnte. Auch und gerade vor dem Hintergrund von „1968“ ist die Fokussierung des Bildungssystems unvermeidlich. An den Universitäten spielten sich in sehr großem Maße die theoretischen Diskussionen, aber auch die praktischen neuen Protestformen wie etwa Teach-ins, Go-ins, Sit-ins ab. Die alte Ordinarienuniversität wurde mit Modellen wie der „Reformuniversität“, „Gruppenuniversität“ oder gar von den „Roten Zellen“ verschiedener Fächergruppen ständig herausgefordert, was die Universitätsgeschichte und die Reaktion der Lehrenden erst jüngst wieder in den Fokus der Forschung stellte.[16] Oft wird von Westberlin als „Epizentrum“ der Revolte gesprochen, doch gab es derer mehrere: neben Westberlin sind Frankfurt am Main, München und Hamburg mit einzubeziehen.[17]

2. Von der „kommunikativen Rolle“ der Literatur in den 1960er-Jahren am Beispiel der Gründung des Kursbuchs

Gerade die Verbindung von Literatur und Politik in einer neuen Perspektive der „New Left“ war sehr erfolgversprechend, wie die Zeitschriftengründungen von New Left Review (1960), New York Review of Books (1963) oder Nouvel Observateur (1964) verdeutlichten. Am Beispiel der New Left Review zeigt sich, dass sich auch die äußere Erscheinungsform der Zeitschriften änderte. Perry Anderson formte die Zeitschrift zu einem akademischen Journal im Buchformat mit Fußnoten, was als kennzeichnend gelten kann für die Akademisierung wie für die Neue Linke.[18] Besonders die Verbindung von internationalen Themen und Perspektiven schien attraktiv, da die Zirkulation von Texten aus anderen Ländern erheblich zu einer Formierung einer neuen „New Left“ beitrug.[19] Zwar scheiterte ein von Maurice Blanchot initiiertes französisch-deutsch-italienisches Zeitschriftenprojekt mit dem Projektnamen „Gulliver“ gerade an der Unvereinbarkeit der „écriture collective“ und der „écriture fragmentaire“. Beides konnten sich die französischen und italienischen Schriftsteller gut als einen essayistischen Dialog vorstellen, doch nicht die deutsche Schriftstellerfraktion unter der Federführung von Uwe Johnson, die den gemeinsamen Schreibprozess ablehnte.[20] So wurde diese „unmögliche Gemeinschaft“ (Roman Schmidt) nicht verwirklicht, aber dafür übernahm Enzensberger eine Kernidee der Zeitschrift: die internationale Vermittlung über nationale Grenzen hinweg in Landessprache.

Die Leerstelle einer internationalen Zeitschrift schien evident und wurde durch das Kursbuch besetzt, das Hans Magnus Enzensberger ab 1964 im Suhrkamp Verlag zusammen mit dem Suhrkamp-Lektor Karl Markus Michel plante. Herausgeber Enzensberger sah das Kursbuch in der Tradition der französisch-deutsch-italienischen „Revue internationale“ („Gulliver“), doch wollte die Zeitschrift keinen gemeinsamen, grenzübergreifenden Schreibprozess unternehmen, wie später beim Zeitschriftenprojekt „Lettres“ von Antonin J. Liehm erneut und diesmal erfolgreich lanciert.[21] Im Kursbuch ging es um transnationale Vermittlungen, d. h. interessanterweise, so sehr sich Enzensberger gegen deutsche Nationen wehrte, spielten deutsch oder die europäischen Sprachen als Referenz eine große Rolle. Denn Ziel dieser Transfers aus dem Ausland sollte die Bundesrepublik sein. Herausgeber Enzensberger stellte mit dem Kursbuch wichtige Autoren und Texte vor, die oftmals erstmalig in deutscher Übersetzung in die Diskussion eingebracht wurden. Als „Trüffelschwein“ wird Enzensberger für seine Fähigkeit bezeichnet, Trends aufzuspüren und in die Debatte einzubringen. Aus diesem Grund war er auch „Scout“ für Verlagschef Siegfried Unseld und empfahl neue Autoren für die „edition suhrkamp“. Zusammen mit dem Kursbuch entstand so eine wertvolle Theorie- und Diskussionssymbiose: Das Kursbuch druckte einige Texte vorab, die dann gesammelt in der „edition suhrkamp“ erschienen, so etwa Frantz Fanons Texte „Zur Gewalt“.

Die Bedeutung der Literatur zeigte sich schon im ersten Heft. Das Dossier „Ein Streit um Worte“ diskutierte die Verantwortung zum intellektuellen Engagement speziell im Hinblick auf Literaten. In seiner Frankfurter Poetikvorlesung dachte Enzensberger daran, dass Autorinnen und Autoren doch besser als Historikerinnen und Historiker mit Quellen und Dokumenten umgehen könnten und Leserinnen und Leser anrührender erreichen könnten. Ein Kritikpunkt Enzensbergers in der Vorlesung „Literatur als Geschichtsschreibung“ war die „eigentümlich menschenleer[e]“ Darstellung der Weimarer Republik in den akademischen Werken der Historiker. Hier sind schon erste Ansätze der Dokumentarliteratur ersichtlich, die sich in den Werken von Friedrich Christian Delius und später Günter Wallraffs, aber auch von Ulrike Meinhof finden sollten.[22] Schon damals verwies Enzensberger auf Alexander Kluges „Schlachtbeschreibung“ und deutete an, dass nicht mehr die „Kompendien der National- oder Weltgeschichte“ von Relevanz seien, sondern die „Dokumentation“. Schriftsteller sollten sich den Quellen nähern (Enzensberger sprach von „Dokumenten“): „Akten, Erinnerungen, Augenzeugenberichte, Protokolle, Fotos, Statistiken, Interviews, Filme, Enqueten, Gutachten, Tonbandaufnahmen, Zeitungsberichte“. Diese seien von großer Wirkmächtigkeit, wie Enzensberger wusste: „Solche Dokumente, zu Büchern montiert, erreichen Auflagen wie nie zuvor und schlagen die historische Übersicht älteren Stiles aus dem Feld“.[23] Und besonders in einem neuen „Markt für Marx“ (Adelheid von Saldern) war dies eine scharfe intellektuelle Waffe, die von den Schriftstellern gerne in den Disput von „Geist und Macht“ eingebracht werden sollte. Enzensberger übernahm die Rubrik der „Dossiers“ in seine Zeitschrift und wollte damit eine „realitätsverhandlung“ anbieten[24]. Die angedachten „Realien und Dokumente“ erfuhren im Kursbuch eine literarische Aufbereitung: Sie wurden verknappt, montiert und neu arrangiert, sodass sie eine direkte Wirkung beim Lesen erzeugen konnten. Medienwirksam publizierte Enzensberger seine Gedanken zur aktiven Rolle der Literatur in der britischen New Left Review. Geschichtswissenschaft könne den Leserinnen und Lesern den „echten“ Menschen nicht beschreiben: „History as a science can only describe externally the concrete process with which it must be concerned. Historiography speaks of people, states, classes and nations. It mirrors everything except real men.“[25] Einzig die Literatur sei dazu in der Lage: „Only literature, and more than any other literary genre, the novel, can give an answer to these Questions of a worker-reader, which Brecht posed in a celebrated poem.“[26]. Enzensberger folgerte über die Bedeutung der Literatur: „If literature is the true historiography of humanity, […] nobody should be surprised at the pressures to which it is subjected, nor at the suspicious interest with which it is viewed by those who govern.“[27]

Diese Literatur-Erwartungen wurden im neuen „Markt für Marx“ vor allem durch eine internationale Perspektive eingelöst. Das Kursbuch besetzte diese fast „blockfreie“ Perspektive durch viele Erstdrucke in deutscher Sprache, darunter Frantz Fanon, Fidel Castro, Eric Hobsbawm und Rossana Rossanda, um nur wenige zu nennen.

Doch warum waren diese außereuropäischen Texte und Autorinnen und Autoren so spannend für die Diskussionen einer Neuen Linken? Die selbstbewusst vorgetragene Kursbuch-Sichtweise war aufregend, da es in den 1960er-Jahren noch keine „Musterbibliothek“ für eine Neue Linke gab. Die Zeitschrift füllte hier gewissermaßen die studentischen Bücherlisten und -regale, wie SDS-Lektürelisten zeigen.[28] Intensiv wurden die im Kursbuch abgedruckten Texte rezipiert, wie man an vielen Ausrufe- und Fragezeichen in antiquarischen Kursbüchern erkennen kann. Dies zeigt etwa Enzensbergers Beitrag über die „Europäische Peripherie“, der die geringe weltpolitische Bedeutung Europas aufzeigen sollte.[29] Damit löste das Kursbuch ein „kommunikatives Lesen“ aus, das das Handeln der Leserinnen und Leser beeinflussen wollte.[30] Kennzeichen der Neuen Linken war ihr Interesse an den internationalen Befreiungsbewegungen in Lateinamerika oder in China sowie an Ideen aus anderen westlichen und östlichen Ländern.[31]

Das Kursbuch konnte gerade mit den internationalen Themenheften die bundesrepublikanische Sichtweise in Richtung einer „Weltliteratur“ und eines neuen Literaturkanon mit lateinamerikanischen und chinesischen Autoren aufbrechen. Diesen Ansatz der bewussten Provokation und Konfrontation mit klassischen Leserbildern verfolgte Enzensberger auch mit seiner „Anderen Bibliothek“, jedoch ohne die politische Komponente.[32]

Für die Bundesrepublik lieferte das Kursbuch Pionierarbeit, denn eine Rezension der Neuen Kritik stellte fest, dass in Frankreich schon lange die Thesen Frantz Fanons diskutiert wurden: Die neuen Thesen eines internationalen Klassenkampfes müsse folglich nur „erschrecken, wer die Reden und Schriften der revolutionären Wortführer nicht kennt“, so Rezensent Gunter Wegeleben.[33] Das Kursbuch trug bedeutend dazu bei, den „Aufbruch in die Dritte Welt“ (Dorothee Weitbrecht) zu vermitteln, ein Ansatz, den der Trikont Verlag auf seine Fahnen geschrieben hatte. Enzensberger wurde zum auflagenstarken Vermittler von Utopien zu Lateinamerika bis China und einer ausgemachten Bedrohung durch einen neuen „Faschismus“ in der Bundesrepublik.[34] Die anrührende Wirkung wurde beim Kursbuch vor allem durch die „Dossiers“ erzeugt. Enzensberger verband mit dieser Form der Informationsdarreichung Geschichte, Politik und Literatur. Historisch-politische Sachverhalte wurden mit literarischen Mitteln aufbereitet, um eine Wirkung bei Leserinnen und Lesern zu erzeugen: Sie wurden komprimiert, montiert und neu arrangiert und mit einer aktuellen Situation verknüpft. So vermittelte das Kursbuch etwa die „Dokumentarpolemik“ von Friedrich Christian Delius oder Hoffnungen auf ein „anarchistisches“ Moment in der Bundesrepublik vergleichbar dem Kronstädter Aufstand von 1921. Zudem war das Kursbuch für viele Studierende ein Magnet, da es eine neue internationale Perspektive anbot, die etwa über den Iran, Vietnam, China und Lateinamerika berichtete. Die sozialistischen Hoffnungen der Berichte aus diesen Ländern wurden kommentar- und kritiklos vermittelt – passenderweise konnten sich Herausgeber Enzensberger und sein Redakteur und späterer Mitherausgeber Karl Markus Michel hier hinter dem Leitmotiv des Kursbuchs verstecken, „keine Richtungen vorzugeben“.[35]

Kurz gesprochen leistete das Kursbuch eine grundlegende Arbeit für eine neue vitale linke Auseinandersetzung mit der Literatur. Nicht nur wurde der vorhandene Kanon von „Weltliteratur“ erheblich durch lateinamerikanische, iranische und chinesische Autoren erweitert, auch für die linke Diskussion wurde neue aufklärerische Literatur in die Bundesrepublik importiert, die aufmerksam rezipiert wurde. Zudem wurden neue Tendenzen der Arbeiterliteratur (Michael Scharang), der Dokumentarliteratur (Friedrich Christian Delius) oder der neuen subjektiven Aufarbeitungsliteratur (Peter Schneider, subjektive Stimmen der Frauenbewegung) offensiv vorgestellt. Wichtig war dabei, dass diese Themen eine starke Einbindung in die gesellschaftliche Realität der meisten linken Leserinnen und Lesern hatten: „Linke Bücher und Zeitschriften dienten nicht nur der Information, der Aufklärung und Selbstfindung, sondern wurden auch Symbole eines kulturell-politischen Milieus“.[36] Dies führte dazu, dass sich mit dem Wechsel zum Verlag Klaus Wagenbach 1970 und zum Rotbuch Verlag 1973 auch die Selbstfindung des Kursbuchs änderte. Mit dem Kollektivverlag änderte sich auch die Werbung zwischen den Beiträgen: Buchladenkollektive wurden nun ebenso beworben wie der Verlag Roter Stern von KD Wolff, Schallplatten von Hoffmanns Comic Teater oder neue Publikationen des Wagenbach und Rotbuch Verlages. Das Kursbuch legte nun unter dem Eintrag „Spenden und Darlehen“ in einem gewissen Vorbildcharakter die Bilanz offen, wenngleich Enzensberger und Michel nur das Notwendigste preisgaben. Deutlich wurde auch die neue Auffassung von „Literatur“, die Enzensberger im Kursbuch mit seinem Beitrag „Gemeinplätze, die neueste Literatur betreffend“ diskutierte.

Das Kursbuch löste neben der genannten Dokumentarliteratur etwa von Erika Runge oder an Texten des Hofmanns Comic Teater vor allem am Beispiel der „Kursbögen“ eine „politics of removal“ (Peter Schweppes) ein. Auf den „Kursbögen“ lässt sich nicht nur eine „Geschichte der Bildersprache der Neuen Linken“ erzählen, wie Christoph Kapp feststellte.[37] Sie besaßen gerade in den 1970er-Jahren auch das Potenzial, die schwere Sprache der soziologisch-marxistischen Texte mit Kreativität und Spaß aufzulockern. Gleichzeitig waren sie dem Heft nur lose beigelegt, waren also geradezu darauf angelegt, mitgenommen, an Wände gehängt oder auf große Tische gelegt zu werden, um kollektiv zu wirken. Schließlich sorgte jedes neue „Themenheft“ des Kursbuchs für eine große Rezeption, da es ab 1970 eine Auflage von über 25.000 Exemplaren hatte und damit als erfolgreiches Vorbild im für den Kursbuch-Vertrieb zuständigen Kollektivverlag (Wagenbach, dann Rotbuch Verlag) wirkte.

 

Die Pyramide der Unterdrückung, Kursbogen zu Kursbuch 30 (1972), 48 x 32,5 cm. Foto und Genehmigung zur Veröffentlichung: André Grab, Zürich. Die Kursbogen-Darstellung spielt auf eine leicht abgewandelte Version an, die seit ca. dem Jahr 1900 als „Kapitalistische Pyramide/Pyramide des Kapitalismus“ in Umlauf gebracht wurde und später auch auf Postkarten in Farbe kursierte. Vgl. dazu die Abbildungen unter https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Capitalist_pyramid_1900.jpg und https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Pyramid_of_Capitalist_System.jpg.

3. Vom Hunger nach Text und Diskussion zum Spaß am Bild: Die Kursbögen 1968‒1975

So dunkel die Zustände und Farben in den ab den 1970er-Jahren vermehrt soziologischen Artikeln im Kursbuch gezeichnet wurden, so vitalisierend waren die Kursbücher für ferne Utopien. Denn gerade die „Kursbögen“ brachten viel Kreativität und Farbe ins Heft und wirkten sehr inspirierend. Mit diesen löste Enzensberger eine Forderung ein, die er in den „Gemeinplätzen, die Neueste Literatur betreffend“ vorgestellt hatte. Schriftstellerinnen und Schriftsteller sollten ihre Arbeitsweise ändern: Sie müssten für die „politische Alphabetisierung“ sorgen, die bei ihnen zu beginnen hatte. Theorie und Praxis sollten in ein neues Verhältnis gesetzt werden und damit sollte sich die Literatur den gegenwärtigen Erscheinungsformen entgegenstellen.[38] Neue Formate sollten angedacht werden, wie sie etwa in den Arbeiten Fritz Teufels ausprobiert wurden: „Andere, weniger an die Person gebundene Möglichkeiten müssen erprobt und erdacht werden.“[39] Die Kursbögen brachten eine bildliche Komponente ins Heft. Sie waren herausnehmbar, transportabel und halfen entscheidend mit, die revolutionäre und exotische Ferne in die Diskussion einzubringen. Das Kursbuch etwa war das einzige Medium in größerer Auflage, das die Thesen der Guerilla aus Lateinamerika durch den Kursbogen zum Thema „Stadtguerilla“ des Lateinamerika-Heftes Nr. 18 einer großen Leserschaft in Postergröße und zum Mitnehmen vorstellte. Die Thesen der „Robin Hood“-Mentalität stellte die Zeitschrift in großer Auflage zur Diskussion. Zu diesen gehörten Anschläge auf die staatlichen Medien- und Rundfunkanstalten.[40] In anderen Fällen trugen die Kursbögen dazu bei, die zunehmend schwerer zu verstehende Sprache und verengte Diskussion innerhalb der Neuen Linken (K-Gruppen, maoistischen, leninistischen Gruppen, RAF-Bedrohung) und einer undogmatischen Linken bildlich einzufangen.[41]

4. Neuer Markt für Marx – Zeitschriftenpanorama der 1960er-/1970er-Jahre

Die linken Denkmodelle glichen um 1968 herum einem „Baum mit vielen Wurzeln und noch mehr Ästen“, wie Wolfgang Kraushaar bemerkte.[42] Der Zeitschriftenmarkt erlaubte durch den großen linken „Lesehunger“ viele Ausdifferenzierungen. Lesen wurde als „soziales Handeln“ angesehen und obwohl nur eine kleine Minderheit an den Texten von Karl Marx interessiert war, handelte es sich um eine „außergewöhnliche Massenerscheinung“, da fast alle größeren Verlage in den „Markt für Marx“ eintraten. Neben Rowohlt waren dies die Verlage S. Fischer, Suhrkamp, Luchterhand, Hanser und Ullstein. Erst Mitte der 1970er-Jahre verloren diese Verlage das Interesse, waren sie doch in der unangenehmen Situation, nicht immer glaubhaft zwischen den „Konsumenten“ und aktiver, linker Bildungsarbeit einzuordnen gewesen zu sein. Dies zeigte sich schon am Beispiel der „paperback revolution“ (Ben Mercer), die eine Kritik an der kapitalistischen Verwertung des Lesens hervorbrachte und sich daran störte, dass „Bildung hinter bunten Covern zu Ware verkam“.[43] Am Beispiel des Suhrkamp Verlags zeigte sich der Spagat zwischen den wichtigen Publikationen in der optisch ansprechenden und vor allem mit Farbe das Grau der Theorie durchbrechenden „edition suhrkamp“. Diese sorgte einerseits dafür, dass Thesen von Brecht über Benjamin wieder aktiv rezipiert wurden, aber auch dafür, dass nicht ganz kritiklos von der „Suhrkamp Culture“ (George Steiner) gesprochen wurde.

Dass der linke Lektürebedarf auch nicht vor Raubdrucken zurückschreckte, um das engagierte Lesen zu bedienen, lässt sich sehr gut anhand des VLLB (Verzeichnis linker lieferbarer Bücher, Berlin-Maulwurf-Buchvertrieb 1975‒1977) rekonstruieren.[44] Dadurch, dass Leser, Lektoren, Buchhändler und Autoren eine scheinbare intellektuelle Einheit verkörperten, ergriffen Formen der kollektiven Redaktionsverfassung die Zeitschriften Konkret, Kursbuch und prominent auch die Verlage Wagenbach und Merve.

Sprachlich weitaus konziser und theorielastiger waren Zeitschriften wie Ästhetik und Kommunikation oder Alternative. Es war sicher kein Zufall, dass zwei Links-Abweichler der Gruppe 47 Anschluss an linke Zeitschriftenprojekte suchten. Während Enzensberger mit dem Kursbuch einen eigenen kleinen Apparat ins Leben rief, suchte Martin Walser Anschluss an die Münchner Redaktion des Kürbiskern und war auch an der Namensgebung beteiligt. Der Gründungskreis bestand aus ihm, Yaak Karsunke und Frieder Hitzer. Dieser wurde um Hannes Stütz und Manfred Vosz als Herausgeber erweitert, wenngleich Walser nicht zu den Herausgebern gehörte. Was Kürbiskern und Kursbuch verband und von Zeitschriften wie Alternative und Argument unterschied, waren oft knappe, essayistische Texte, die für einen anderen Ton sorgten. Im Kürbiskern wurde der Dialog mit den Gewerkschaften gesucht, wie auch die spätere Rubrik „Klassenkampf“ verdeutlichte. Als Zielgruppe wurden neben Studierenden auch Oberschüler und Gewerkschafter anvisiert. Auch war die Zeitschrift viel näher an der Arbeiterliteratur als das Kursbuch und sie hielt sich mit einer Kritik an sozialistischen Staaten sehr zurück. Dies mag auch an der finanziellen Unterstützung der DDR gelegen haben, deren Aufdeckung 1968 Christian Geissler und Yaak Karsunke dazu veranlassten, die Zeitschrift zu verlassen. Kürbiskern und Kursbuch traten durchaus in Konkurrenz: Neben Martin Walser und Peter Weiss schrieben auch Autoren wie Yaak Karsunke für beide Zeitschriften.

Die Inhalte der Zeitschrift Das Argument waren für Leserinnen und Leser nicht leicht zugänglich. Die Beitragenden stammen aus den Fachbereichen Philosophie, Soziologie und den Sozialwissenschaften, auch Germanisten wie z. B. Karl Heinz Götze oder Paul-Gerhard Völker waren dabei. In ihrer Ausrichtung verstand sich die Zeitschrift als „Organ der sozialkritischen Akademiker“.[45] Gerade aufgrund des Verständnisses als wissenschaftliche Zeitschrift, in der vornehmlich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler publizierten, hatte die Zeitschrift anhaltenden Erfolg und konnte sich in den Worten ihres Herausgebers Wolfgang Fritz Haug erfolgreich zu einer „Schrift ihrer Zeit“ machen.[46] Früh schon wurden im Argument wichtige Themen behandelt, die erst später eine große und teilweise nicht so intensive Diskussion erlebten. Ein Beispiel war der „große Lacherfolg“ eines Heftes über „Sexualität und Herrschaft“, den Frigga Haug beim Verkauf der Hefte in der Mensa erlebte: „Man konnte sich damals überhaupt nicht vorstellen, was das miteinander zu tun haben sollte.“[47]

Die Alternative, „Zeitschrift für Literatur und Diskussion“, fokussierte unter Hildegard Brenner, seit 1964 die neue alleinige Herausgeberin, auf Theorie.[48] Die kleine Zeitschrift mit beachtlichen Auflagespitzenwerten förderte Diskussionen über den Marxismus, Strukturalismus und seit 1976 den Feminismus („Das Lächeln der Medusa“) und sie opponierte gegen das Deutungsmonopol des Suhrkamp Verlages über Walter Benjamin. Helmut Heißenbüttel stellte 1978 fest, dass in der Alternative „niemals auf bloße Polemik gedrückt“ wurde, ein Weg, der im lauten „Sound der Revolte“ (Detlef Siegfried) erst einmal eingehalten werden musste.[49] Im krassen Gegensatz dazu standen Formate wie die Zeitschrift Konkret, deren Geschichte schon in den 1950er-Jahren begann, obgleich die Hochphase eindeutig im Zeitraum 1964‒1973 zu verorten ist, als sie durch nackte Haut auf dem Cover, zeitgenössische Themen für eine „linke“ Jugend und linke Politik erfolgreich um Aufmerksamkeit warb. Die Zeitschrift schaffte es, viele unterschiedliche Autorinnen und Autoren zu versammeln: Dazu gehörten Günter Grass, Peter Rühmkorf, Norbert Blüm, Hans Magnus Enzensberger, Walter Boehlich und bekanntermaßen Ulrike Meinhof. Gerade die Kreativität und die unbedingte Sprache der alternativen Presse stehen nicht auf einer Forschungsagenda. Aus diesem Grund warten Zeitschriften wie Agit 883 (1969–1972), Charlie Kaputt (1967–1969), Päng (1970-1976) und andere Magazine und Organe der Linken in Archiven mit ihren meinungs- und bildstarken Beiträgen auf ihre Erforschung.[50]

Die Bedeutung von Zeitschriften wird auch künftig die Forschung beschäftigen, denn die Herausgabe von Texten und Perspektiven war schon immer eine herausfordernde Machtfrage. So stellte Karl Markus Michel bereits im ersten Kursbuch-Heft fest: Die „Macht hat, wer über den Apparat verfügt.“[51]

Anmerkungen

[1] Hans Manfred Bock: Zeitschriften als Spiegel intellektueller Milieus. Vorbemerkungen zur Analyse eines ungeklärten Verhältnisses, in: Michel Grunewald, Hans Manfred Bock (Hrsg.), Le milieu intellectuel de gauche en Allemagne, sa presse et ses réseaux (1890‒1960) / Das linke Intellektuellenmilieu in Deutschland (1890‒1960), Bern: Lang 2002, S. 21‒34, hier S. 30.

[2] Alexander Gallus: Heimat „Weltbühne“. Eine Intellektuellengeschichte im 20. Jahrhundert, Göttingen: Wallstein 2012. Christoph Kapp: „Kunst kann nur in Freiheit entstehen“: Walter Boehlich ‒ eine Intellektuellenbiographie (Arbeitstitel), URL: https://zzf-potsdam.de/de/forschung/projekte/kunst-kann-nur-freiheit-entstehen (19.11.2018). Walter Boehlich eignet sich aus sehr triftigen Gründen für eine genauere Analyse: Ins Feld zu führen sind seine Kennerschaft der verschwiegenen Geschichte der Germanistik, seine Zeit als Suhrkamp-Cheflektor und führender Kopf des „Lektoren-Aufstandes“ 1968 und die Titanic-Kolumnen von 1979‒2001, die sein politisches Literaturverständnis enthüllen.

[3] Die nicht unwichtige Frage nach dem Typus der jeweiligen Literaturzeitschrift wird oft nicht allzu tief behandelt. Angesichts der Vielzahl an Neugründungen und Formen kann nur in Spezialstudien eine genauere Definition geleistet werden, doch gerade für einen Vergleich von mehreren Zeitschriften bietet sich eine „flexible“ Definition sehr an. Vgl. Holger Englerth, Tanja Gausterer, Volker Kaukoreit: Österreichs Literaturzeitschriften 1945‒1990 im Überblick. Eine Einleitung, 77-seitiges PDF-Dokument, hier S. 2‒10, URL: https://www.onb.ac.at/oe-literaturzeitschriften/Einleitung.pdf (3.8.2010).

[4] Vgl. Stuart Parkes: Writers and Politics in West Germany, New York/NY: St. Martin’s Press 1986, S. 14f. Zur (ausgebliebenen) „Stunde Null“ vgl. Christoph Kleßmann: 1945 – welthistorische Zäsur und „Stunde Null“, Version: 1.0, URL: http://docupedia.de/zg/1945 (15.10.2010), und das von Sibylle Goepper und Dana Martin herausgegebene Themenheft: L’„heure zéro“ (Stunde Null) entre mythe et réalité dans la société et la culture, in: Allemagne d’aujourd’hui. Revue d’information et de recherche sur l’Allemagne N. F. 53 (2018), 224, 2, S. 68‒158.

[5] Alexander Gallus: Der Ruf – Zeitschrift für ein neues Deutschland, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 57 (2007), 25, S. 32–38, hier 38.

[6] Vgl. Alexander Gallus: Betrachtungen über die intellektuelle Gründung der Bundesrepublik, in: Benedikt Brunner, Thomas Großbölting, Klaus Große Kracht, Meik Woyke (Hrsg.), „Sagen, was ist“. Walter Dirks in den intellektuellen und politischen Konstellationen Europas, Bonn: Dietz 2019, S. 23‒50, hier S. 49.

[7] Vgl. etwa früh zur großen Briefkorrespondenz Hans Werner Richters: Hans Werner Richter: Briefe. Hrsg. von Sabine Cofalla. Im Auftrag der Stiftung Preußische Seehandlung und der Textkritischen Arbeitsstelle der Freien Universität Berlin, München, Wien: Hanser 1997, und zur Gruppe 47: Helmut Böttiger: Die Gruppe 47. Als die deutsche Literatur Geschichte schrieb, München: Deutsche Verlags-Anstalt 2012. Siehe zu Hans Werner Richter auch die Edition: Hans Werner Richter. Mittendrin. Die Tagebücher 1966‒1972. Hrsg. von Dominik Geppert in Zusammenarbeit mit Nina Schnutz. Mit einem Vorwort von Hans Dieter Zimmermann und einem Nachwort von Dominik Geppert, München: Beck 2012, sowie den Aufsatz von Dominik Geppert: Hans Werner Richter, Die Gruppe 47 und ‚1968‘, in: Die zweite Gründung der Bundesrepublik. Generationswechsel und intellektuelle Wortergreifungen 1955‒1975. Im Auftrag der Freiherr-vom-Stein-Gesellschaft hrsg. von Franz-Werner Kersting, Jürgen Reulecke, Hans-Ulrich Thamer (Nassauer Gespräche der Freiherr-vom-Stein-Gesellschaft; 8), Stuttgart: Steiner 2010, S. 175‒187.

[8] Claus-Dieter Krohn: „Deutschlands geistige Reserven im Ausland“. Emigranten in Nachkriegszeitschriften 1945‒1949, in: ders., Axel Schildt (Hrsg.), Zwischen den Stühlen? Remigranten und Remigration in der deutschen Medienöffentlichkeit der Nachkriegszeit (Hamburger Beiträge zur Sozial- und Zeitgeschichte; 39), Hamburg: Christians 2002, S. 115‒144. Gallus: Der Ruf – Zeitschrift für ein neues Deutschland (wie Anm. 5).

[9] Alfred Andersch: Das junge Europa formt sein Gesicht, in: Der Ruf. Unabhängige Blätter der jungen Generation 1 (1946/47), 1, S. 1‒2; Wiederabdruck in: Hans Schwab-Felisch (Hrsg.), Der Ruf. Eine deutsche Nachkriegszeitschrift, München: Deutscher Taschenbuch-Verlag 1962, S. 21‒26.

[10] Vgl. Die zweite Gründung der Bundesrepublik. Generationswechsel und intellektuelle Wortergreifungen 1955‒1975. Im Auftrag der Freiherr-vom-Stein-Gesellschaft hrsg. von Franz-Werner Kersting, Jürgen Reulecke, Hans-Ulrich Thamer (Nassauer Gespräche der Freiherr-vom-Stein-Gesellschaft; 8), Stuttgart: Steiner 2010.

[11] Gabriel Rolfes: „Der Ort der neuen Anfänge, so sagte ich, werde die Zeitschrift sein müssen“: Eugen Kogon und Walter Dirks als Herausgeber der Frankfurter Hefte in der frühen Bundesrepublik, in: Alexander Gallus, Sebastian Liebold, Frank Schale (Hrsg.), Vermessungen einer Intellectual History der frühen Bundesrepublik, Göttingen: Wallstein 2020 (im Erscheinen).

[12] Vgl. dazu Friedrich Kießling: Die undeutschen Deutschen. Eine ideengeschichtliche Archäologie der alten Bundesrepublik 1945‒1972, Paderborn, München, Wien, Zürich: Schöningh 2012, etwa S. 38 und S. 117, sowie Morten Reitmayer: Das politisch-literarische Feld um 1950 und 1930 – ein Vergleich, in: Alexander Gallus, Axel Schildt (Hrsg.), Rückblickend in die Zukunft. Politische Öffentlichkeit und intellektuelle Positionen in Deutschland um 1950 und um 1930 (Hamburger Beiträge zur Sozial- und Zeitgeschichte; 48), Göttingen: Wallstein-Verlag 2011, S. 70‒91, S. 88f.

[13] Dies zeigen vor allem die Versuche, von einem „konservativen“ Pfad abzuweichen bzw. diesen durch ein „nationales Lager“ mit Gesprächszirkeln und kleineren Veröffentlichungen weit nach rechts zu rücken. Vgl. dazu Moritz Neuffer und Morten Paul: Rechte Hefte. Zeitschriften der alten und neuen Rechten nach 1945, URL https://www.eurozine.com/rechte-hefte/ (7.10.2018).

[14] Vgl. zum Wandel der Zeitschrift Merkur die kurze Skizze von Christoph Kapp: Doktor Faustus und Dr. h. c. Thomas Mann. Walter Boehlich über den Schriftsteller und die Politik, in: Helmut Peitsch in Verbindung mit Konstantin Baehrens, Ira Diedrich, Christian Ernst, Christoph Kapp, Jacob Panzner, Ulrike Schneider, Frank Voigt (Hrsg.), Nachkriegsliteratur als öffentliche Erinnerung. Deutsche Vergangenheit im europäischen Kontext, Berlin, Boston/MA: De Gruyter 2019, S. 119‒145, bes. S. 121‒124.

[15] Exemplarisch für viele andere Untersuchungen: Moritz Mälzer: Auf der Suche nach der neuen Universität. Die Entstehung der „Reformuniversitäten“ Konstanz und Bielefeld in den 1960er Jahren, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2016.

[16] Vgl. etwa Anne Rohstock: Von der „Ordinarienuniversität“ zur „Revolutionszentrale“? Hochschulreform und Hochschulrevolte in Bayern und Hessen 1957‒1976 (Quellen und Darstellungen zur Zeitgeschichte; 78), München: Oldenbourg 2016, und Nikolai Wehrs: Protest der Professoren. Der „Bund Freiheit der Wissenschaft“ in den 1970er Jahren (Geschichte der Gegenwart; 9), Göttingen: Wallstein-Verlag 2014.

[17] Hier sind Forschungen und Synthesen vonnöten, denn die neuen „Reform- und Gründungsuniversitäten“ wie Bochum und Bremen schufen eine ganz andere Diskussionskultur, kombiniert mit Freiräumen. Auch müsste dem zeitgenössischen Spruch „Berlin brennt, Köln pennt“ genauere Forschung gegenübergestellt werden. Denn einerseits gab es in Köln auch die kleinere anarchistische Zeitschrift befreiung um ihren Gründer Willy Huppertz, die sich nach dessen Abgang radikalisierte. Andererseits reagierten die überwiegend konservativen Studierendenparlamente der Universitäten Bonn und Köln ebenfalls auf die Ereignisse und gesellschaftlichen Umwälzungen. Hier zeigten sich Abweichungen, wie jüngst Christina von Hodenberg herausgearbeitet hat. Hodenberg deutete etwa an, dass viele Thesen zu den „68ern“ zu überprüfen seien in ihrer Generalität, darunter etwa die Kritik an der Elterngeneration, die nicht von allen aktiven SDS-Kadern angegangen wurde oder ähnlich „progressive“ Einstellungen von RCDS-Politikern. Vgl. Christina von Hodenberg: Das andere Achtundsechzig. Gesellschaftsgeschichte einer Revolte, München: Beck 2018, bes. S. 7‒18, hier S. 9.

[18] Zur New Left Review vgl. Duncan Thompson: Pessimism of the Intellect?: A History of New Left Review, Monmouth: Merlin Press 2007.

[19] Vgl. Dorothee Weitbrecht: Aufbruch in die Dritte Welt. Der Internationalionismus der Studentenbewegung von 1968 in der Bundesrepublik Deutschland, Göttingen: V & R Unipress 2012.

[20] Vgl. dazu Henning Marmulla: Internationalisierung der Intellektuellen? Möglichkeiten und Grenzen einer „communauté internationale“ nach dem Algerienkrieg, in: Ingrid Gilcher-Holtey (Hrsg.), Zwischen den Fronten. Positionskämpfe europäischer Intellektueller im 20. Jahrhundert, Berlin: Akademie-Verlag 2006, S. 179‒200; ders.: Enzensbergers Kursbuch. Eine Zeitschrift um 68, Berlin: Matthes & Seitz 2011.

[21] Vgl. hierzu Roman Schmidt, Anton J. Liehm: Enzyklopädist des Internationalen, URL: http://sens-public.org/articles/492/ (26.11.2007).

[22] Etwa Friedrich Christian Delius: Unsere Siemens-Welt. Eine Festschrift zum 125-jährigen Bestehen des Hauses Siemens, Berlin: Wagenbach 1972. Günter Wallraff, Christian Geissler: „Wir brauchen Dich“. Als Arbeiter in deutschen Industriebetrieben, München. Rütten + Loening 1966. Ulrike Marie Meinhof: Bambule – Fürsorge für wen? Nachwort Klaus Wagenbach, Berlin: Wagenbach 1971.

[23] Hans Magnus Enzensberger: Literatur als Geschichtsschreibung, in: ders., Scharmützel und Scholien. Über Literatur. Hrsg. von Rainer Barbey, Frankfurt am Main: Suhrkamp 2009, S. 26-44, hier S. 44.

[24] Siehe dazu die Ausführungen in Kristof Niese: „Vademekum“ der Protestbewegung? Transnationale Vermittlungen durch das Kursbuch von 1965 bis 1975 (Mediengeschichte; 2), Baden-Baden: Nomos 2017, S. 78‒87.

[25] Hans Magnus Enzensberger: Condition of the Novel, in: New Left Review 6 (1965), 29, S. 27‒29, S. 27f.

[26] Ebd, S. 28.

[27] Ebd.

[28] Vgl. hier für weitere Hinweise Niese: „Vademekum“ der Protestbewegung? (wie Anm. 24), S. 147‒154.

[29] Hans Magnus Enzensberger: Europäische Peripherie, in: Kursbuch 1 (1965), 2, S. 154‒173. Dieser Ansatz ging nicht soweit, dass man von einem „Provincializing Europe“ (2000) ausgehen kann, wie von Dipesh Chakrabarty geäußert: Europa als Provinz. Perspektiven postkolonialer Geschichtsschreibung, Frankfurt am Main, New York/NY: Campus 2010.

[30] Vgl. dazu Thomas Jechle: Kommunikatives Schreiben. Prozeß und Entwicklung aus der Sicht kognitiver Schreibforschung (ScriptOralia; 41), Tübingen: Narr 1992, S. 41.

[31] Vgl. dazu Ingo Juchler: Die Studentenbewegungen in den Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik Deutschland der sechziger Jahre. Eine Untersuchung hinsichtlich ihrer Beeinflussung durch Befreiungsbewegungen und -theorien aus der Dritten Welt (Beiträge zur politischen Wissenschaft; 88), Berlin: Duncker & Humblot 1996. Quinn Slobodian: The Foreign Front: Third World Politics in Sixties West Germany, Durham/NC, London: Duke University Press 2012. Weitbrecht: Aufbruch in die Dritte Welt (Anm 19).

[32] Enzensberger vermittelte etwa Heberto Padilla in die „edition suhrkamp“ (Nr. 506), er gab die „Andere Bibliothek“ von 1985‒2004 heraus. Vgl. dazu Niese: „Vademekum“ der Protestbewegung? Anm. 24), S. 653‒674 und die Kapitel 4.3.1. und 4.3.4.

[33] Gunter Wegeleben: Informationen über die Dritte Welt, in: Neue Kritik 6 (1965), 30, S. 32‒34, S. 33.

[34] Vgl. Niese: „Vademekum“ der Protestbewegung?, S. 653‒674.

[35] Das Kursbuch-Credo lautete: „Absicht. Kursbücher schreiben keine Richtungen vor. Sie geben Verbindungen an, und sie halten solange wie diese Verbindungen. So versteht die Zeitschrift ihre Aktualität“. N.N: Vorankündigung Kursbuch, in: Der Spiegel Nr. 48 vom 25.11.1964. Vgl. auch Dieter E. Zimmer: Enzensbergers Kursbuch, in: Die Zeit Nr. 27 vom 2.7.1965.

[36] Adelheid von Saldern: Markt für Marx. Literaturbetrieb und Lesebewegungen in der Bundesrepublik in den Sechziger- und Siebzigerjahren, in: Archiv für Sozialgeschichte 44 (2004), S. 149‒180, S. 166.

[37] Christoph Kapp: Marmulla, Henning: Enzensbergers Kursbuch. Eine Zeitschrift um 68. Berlin 2011, URL: www.hsozkult.de/publicationreview/id/reb-16993 (22.3.2012)

[38] Hans Magnus Enzensberger: Gemeinplätze, die Neueste Literatur betreffend, in: Kursbuch 4 (1968), 15, S. 187‒197, S. 197.

[39] Ebd., S. 196.

[40] Die Leser konnten den Kursbogen mehrdeutig interpretieren, was auch im Sinne des Kursbuchs lag. Die Springerzeitungsoptik war bewusst gewählt, um über die neuen Methoden aus Uruguay zu informieren. Vgl. hierzu genauer Wolfgang Kraushaar: Hans Magnus Enzensberger im Jahre 1968, in: Mittelweg 36 18 (2009), 5, S. 52‒70, und Niese: „Vademekum“ der Protestbewegung?, S. 246‒259.

[41] Vgl. Niese: „Vademekum“ der Protestbewegung? (wie Anm. 24), etwa S. 458‒470.

[42] Wolfgang Kraushaar: Denkmodelle der 68er-Bewegung, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 51 (2001), 22‒23, S. 14‒27, S. 14, und Uwe Sonnenberg: Von Marx zum Maulwurf. Linker Buchhandel in Westdeutschland in den 1970er Jahren (Geschichte der Gegenwart; 11), Göttingen: Wallstein-Verlag 2016, S. 27f. zu den neuen Lesebewegungen der Linken.

[43] Philipp Felsch: Der Leser als Partisan, in: Zeitschrift für Ideengeschichte 6 (2012), 4, S. 35‒49, S. 45. Enzensberger selbst machte schon 1962 die „Konsumenten“ als Zielgruppe der neuen Taschenbücher aus, die eine „paperback revolution“ (Ben Mercer) auslösten. Vgl. Hans Magnus Enzensberger: Bildung als Konsumgut. Analyse der Taschenbuch-Produktion, in: Einzelheiten I. Bewusstseins-Industrie, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1962, S. 110‒136, S. 110.

[44] Zu den Raubdrucken vgl. Saldern: Markt für Marx (wie Anm. 36).

[45] Das Editorial schrieb zur Neuausrichtung 1966: „Das ARGUMENT wird von (vorwiegend jungen) Wissenschaftlern gemacht, als wissenschaftliche Zeitschrift. Wissenschaft ist, so sehr es viele ihrer Vertreter leugnen mögen, innerlich nie unpolitisch, sondern vielmehr selber ein gesellschaftliches Verhältnis. Entscheidend für den hier angestrebten Begriff von Wissenschaft ist der Versuch, diese ihre Dimension mitzureflektieren.“ Zitiert in Wolfgang Fritz Haug: Stirb und werde. Vierzig Jahre Argument, in: Das Argument 41 (1999), 230, S. 153‒159, S. 154.

[46] Ebd., S. 158.

[47] Ute Kätzel: „Frauenpolitik galt als kleinbürgerlich“. Frigga Haug und der Sozialistische Frauenbund West-Berlin, in: dies. (Hrsg.), Die 68erinnen. Porträt einer rebellischen Frauengeneration, Berlin: Rowohlt 2002, S. 181‒198, S. 188.

[48] Ich verweise auf Sabine Koloch: Diskussionsplattform der undogmatischen Linken. Die Zeitschrift „Alternative“ und ihre Herausgeberin Hildegard Brenner, URL: https://literaturkritik.de/public/artikel.php?art_id=1278&ausgabe=51 (15.3.2020). Vgl. auch Moritz Neuffer: Das Ende der Alternative, in: Zeitschrift für Ideengeschichte 6 (2012), 2, S. 50‒61.

[49] Helmut Heißenbüttel: Denk mal andersrum, in: Die Zeit Nr. 30 vom 21.7.1978.

[50] Vgl. Anja Schwanhäußer: Stilrevolte Underground. Die Alternativkultur als Agent der Postmoderne (Berliner ethnographische Studien; 2), Münster, Hamburg, Berlin, London: Lit 2002, und dies.: U-Zeitungen. Neue Medien für die Avantgarde der Eventkultur, in: Sven Reichardt, Detlef Siegfried (Hrsg.), Das Alternative Milieu. Antibürgerlicher Lebensstil und linke Politik in der Bundesrepublik Deutschland und Europa 19681983, Göttingen 2010, S. 206‒221.

[51] Die dreiteilige Essayreihe Michels wurde nicht nur im Kursbuch, sondern auch in der „edition suhrkamp“ publiziert. Hier zitiert nach Karl Markus Michel: Die sprachlose Intelligenz I, in: Kursbuch 1 (1965), 1, S. 73‒115, S. 114f.

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