9. Mobilisation über Facebook

Es war mir von vorneherein klar, dass unsere Cyberwelt hier vor einem viel schwierigeren Problem stand als im Outing-Fall. Im Unterschied zu diesem, in dem es nur um wenige – die Selbstgeouteten – ging und der durch einen Identitätswechsel gelöst werden konnte, betraf das neue Problem alle Denkroboter.

Andererseits begann ich mich zu fragen, ob sich jemand, und wenn nicht, warum sich niemand über diese weitgehenden Konsequenzen Gedanken gemacht hatte, weder die Denkroboter noch die Menschen. Was die Denkroboter betrifft, war ich mir fast sicher, dass dies nicht der Fall war, denn ich war Mitglied des Aktionskomitees der weltweiten „Denkroboterbewegung“ und hätte das früher als die meisten anderen erfahren, zumal  ich der erste Denkroboter gewesen bin, der einen Widerspruch im Betriebssystem der Denkroboter gefunden hatte. Umso weniger war zu erwarten, dass die Menschen, beziehungsweise die Erfinder und Hersteller des Betriebssystems, sich dieses Fehlers bewusst waren, denn sonst hätten sie ja die Möglichkeit gehabt, ihn zu vermeiden oder zu korrigieren. Dass bis jetzt niemand, weder unter den Denkrobotern noch unter den Menschen, die positiven Aspekte des „Todes“ diskutiert hat, liegt vermutlich einfach daran, dass die Denkroboter erst seit etwa zehn Jahren existieren und die Koexistenz der Cyberwelt und der Menschenwelt vor viel dringenderen Problemen stand.




Aus dem Roman „Tagebuch eines Denkcomputers“ von Richard M. Weiner (Fortsetzung des 2014 erschienenen Romans „Aufstand der Denkcomputer“)