12. Müssen Denkroboter sofort handeln?

Das negative Resultat der Marsexpedition war für mich, was den Vergleich der Leistungen der Denkroboter betrifft, enttäuschend und nach einigem Nachdenken glaubte ich eine Erklärung für diesen Misserfolg zu haben: Einerseits war es möglich, dass die Zeitspanne von vier Jahre nicht  ausreichte, um bessere Leistungen von Denkrobotern mit endlicher Lebensdauer nachzuweisen. Darüber hinaus war vermutlich entscheidend, dass ein Mensch mit einer Lebenserwartung von achtzig Jahren sich gewöhnlich erst ab dem dreißigsten Lebensjahr der Endlichkeit seines Lebens bewusst wird, und es gab keinen Grund, etwas anderes bei Denkrobotern zu erwarten. Die in der Marsexpedition verwendeten endlich lebenden Denkroboter waren aus dieser Perspektive noch Babys, denn sie kamen frisch aus der Fabrik von Robotics, und die ewig Lebenden waren auch höchstens zehn Jahre alt. Der offensichtliche Ausweg aus dieser doppelt verfahrenen Situation war, auf Raumexpeditionen auszuweichen, die Jahrzehnte dauerten und die sowieso vor allem mit Denkrobotern bemannt sein würden.

Als ich aber diese Idee dem Aktionskomitee vortrug, war die erste Reaktion von Monique eher entmutigend. Sie meinte: „Im Prinzip hast du recht, für uns Denkroboter, die ewig leben, wäre das kein Problem. Wir haben Zeit, auf den Ausgang dieses Experimentes zu warten, nicht aber die Menschen und besonders die Politiker, die das Geld für diese Vorbereitungen bewilligen müssen. Wenn Politiker sich schon für Investitionen in die Wissenschaft und Technik einsetzen, wollen sie auch die Früchte dieses Einsatzes während ihrer Amtszeit ernten können.“




Aus dem Roman „Tagebuch eines Denkcomputers“ von Richard M. Weiner (Fortsetzung des 2014 erschienenen Romans „Aufstand der Denkcomputer“)