22. Anticomputer-Kampagne: Zurück in die Steinzeit

Die gegen Denkcomputer geführte Kampagne der Noway Party zwang uns schließlich zur Gegenwehr, und A4501 eröffnete die nächste Sitzung des Aktionskomitees mit den Worten: „Die Noway Party begibt sich auf das Terrain von konkreten legislativen Maßnahmen gegen uns, die unseren ohnehin schon unbefriedigenden Status quo im Rahmen der Gesellschaft noch erheblich zu verschlechtern drohen. Wir lagen also richtig mit der Einsicht, dass wir uns in die Politik der Gesellschaft einmischen müssen. Allerdings scheint mir die Idee von E3579, eine neue Partei zu gründen, die unsere Rechte vertreten soll, viel zu spät zu kommen. Es dauert Monate, wenn nicht Jahre, bis eine neue Partei sich behaupten kann, und die Anticomputermaßnahmen, welche die Noway Party propagiert, beweisen, dass wir diese Zeit nicht haben. Ich beziehe mich unter anderem auf den Verlust des Wahlrechtes, der unsere politischen Aktionen vollkommen lahmlegen würde. Es bleibt also nur der Versuch, im Rahmen der existierenden Parteien unsere Rechte einzufordern, wenn das nach den letzten Ereignissen nicht schon überholt ist.“

„Nicht nur überholt, er würde auch nie funktionieren“, bemerkte ich. „Die Menschen verstehen nur eine Sprache: Es gewinnt, beziehungsweise hat recht nur der Stärkere.“

„Und wer ist der Stärkere?“ fragte Monique. „Du willst doch wohl nicht behaupten, dass wir die Stärkeren sind. Wir haben keine Waffen und sind von den Menschen, schon wegen unseres Energiebedarfs, vollkommen abhängig.“

„Das scheint nur auf ersten Blick so,“ meinte D3579. „Was die Waffen betrifft, so haben wir Zugang zu allen Waffen der Menschen, wenigstens zu den komplexeren Waffensysteme, die ohne Computer nicht funktionieren können und zum Teil von uns Denkcomputern erfunden und produziert wurden. Wir können uns also ohne weiteres Waffen im wahren Sinne des Wortes aneignen. Was aber wichtiger ist: Wir sind in fast allen menschliche Aktivitäten vertreten, im Verkehr, in der Industrie, dem Handel, der Wissenschaft und Technik, auch in der Medizin und nicht zuletzt in der Energieerzeugung selbst. Wenn wir nur auf einem dieser Gebiete Druck auf die Menschen ausüben, müssen sie nachgeben. Das hat ja unsere Erfahrung mit dem Streik auf dem Frankfurter Flughafen gezeigt, als wir den ganzen Luftverkehr lahmgelegt haben. Es erübrigt sich hervorzuheben, dass wir angesichts der uns drohenden legislativen Maßnahmen jetzt buchstäblich um unsere Existenz zu kämpfen haben. Die Noway Party will die Menschheit zurück in die Steinzeit treiben.“

„Das finde ich ein wenig übertrieben“, meinte Monique. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Noway Party so weit gehen will. Es würde sich ja letztendlich auch für sie zum Schaden auswirken.“

“Wait and see”, erwiderte A4501. Und damit endete diese Sitzung des Aktionskomitees.

Aus dem Roman „Das Tagebuch eines Denkcomputers“ von Richard M. Weiner (Fortsetzung des 2014 erschienenen Romans „Aufstand der Denkcomputer“)