Wichtiger als 1.000 Bibeln

Shlomo Venezias Bericht "Meine Arbeit im Sonderkommando Auschwitz" und Irene Ebers autobiografischer Versuch "Ich bin allein und bang" erzählen, was lange niemand hören wollte - genauso wie Claude Lanzmanns Film "Shoah"

Von Jan SüselbeckRSS-Newsfeed neuer Artikel von Jan Süselbeck

Besprochene Bücher / Literaturhinweise

Es gibt Texte, die man gar nicht rezensieren kann. Die Maßstäbe, die ein Kritiker ansetzt, um etwa den Stil eines Romans zu bewerten, erscheinen unangemessen, wenn man ein Dokument wie Shlomo Venezias Erinnerungen an seine "Arbeit im Sonderkommando Auschwitz" vor sich hat. Der Karl Blessing Verlag nennt den Band im Untertitel das "erste umfassende Zeugnis eines Überlebenden".

Das stimmt so wohl nicht ganz. Denn bereits 1979 erschien Filip Müllers Buch "Sonderbehandlung. Drei Jahre in den Krematorien von Auschwitz", und gerade ist im Unrast Verlag unter anderem auch Richard Glazars Manuskript "Die Falle mit dem grünen Zaun. Überleben in Treblinka" herausgebracht worden, ein weiteres Dokument aus der innersten Zone eines deutschen Vernichtungslagers in Polen. Doch die verlegerische Präsentation von Venezias Band sollte nicht dazu führen, seine Bedeutung in irgend einer Weise zu schmälern.

Es geschah wirklich

Die Vorgänge, von denen Venezia erzählt, wirken wie ein unverfilmbarer Alptraum. Doch sie geschahen wirklich. Schon wenn man zu Beginn Einzelheiten über die Deportation der ahnungslosen, in Armut lebenden Familie des Überlebenden erfährt, ahnt man, wie schnell ein Völkermord in die Tat umgesetzt werden kann. Man vergegenwärtigt sich die Kaltblütigkeit, die Präzision und die Verbissenheit, mit der die deutschen Besatzer vorgingen, um ungeheure Menschenmassen durch ganz Europa in die Vernichtungslager zu transportieren. Kaum einem Opfer aus Venezias Umkreis konnte schnell genug klar werden, was der Einmarsch der deutschen Wehrmacht für sie wirklich bedeutete. Es war der sichere Tod.

Der Haupttext des Bands besteht aus der Übersetzung eines Zeugenberichts Venezias, den die Französin Béatrice Prasquier im Jahr 2006 mit Unterstützung eines italienischen Historikers bei einer Reihe von Gesprächen in Rom aufzeichnete. Geredet wurde damals Italienisch, das Ganze wurde dann ins Französische übersetzt und liegt nun auch auf Deutsch vor. Aufgewachsen war Venezia, der von Juden abstammt, die Ende des 15. Jahrhunderts aus Spanien flohen und bei ihrem Zug durch Italien die dortige Staatsbürgerschaft erlangten, jedoch in Griechenland. Diese komplexe Familiengeschichte erinnert daran, was die Deutschen im Zuge der Shoah versuchten: Nichts weniger als die totale Auslöschung einer gesamteuropäischen Kultur, und damit auch die endgültige Beendigung einer jahrhundertlangen, wechselvollen Geschichte von jüdischer Assimilation, von antisemitischer Verfolgung, Pogromen, Massakern und den Neuanfängen Überlebender.

Das Programm totaler Auslöschung

Am 23. April 1941 hatte die Wehrmacht Griechenland erobert, nachdem Benito Mussolinis Truppen mit ihrer Invasion vom 28. Oktober 1940 schnell gescheitert waren. Was folgte, war zu dem Zeitpunkt bereits Routine und konnte höchstens noch durch den minder radikalen Antisemitismus der italienischen Verbündeten Adolf Hitlers gebremst werden, so lange sie noch eigene Hoheitsgebiete in Griechenland verwalteten. Venezias Familie durfte zunächst noch auf die Hilfe der Italiener hoffen, deren gelegentliche Sabotage der lückenlosen Erfassung aller griechischen Juden von den Deutschen mit Argwohn beäugt wurde.

Hier zeigt das Buch unmittelbar, was die Besonderheit der Shoah ausmachte: Im 20. Jahrhundert reichte es den Nationalsozialisten nicht mehr, die Juden zur Konvertierung zu zwingen, denn sie konstruierten sie ganz neu als feindliche "Rasse". Deshalb genügte es ihnen aber auch nicht, die Opfer an das andere Ende der Welt zu vertreiben. Jetzt sollten sie unwiederbringlich vom gesamten Erdenrund "vertilgt" werden wie ein Bazillus, ohne dass dieses gigantische Verbrechen Spuren hinterließ. Also deportierte man die Opfer selbst von den entlegensten griechischen Inseln über tausende Kilometer nach Auschwitz, um ganze 'deutsche Wertarbeit' zu leisten. Dort blieb von den Ermordeten schließlich nichts als Asche übrig, die junge Männer wie Venezia zu entsorgen hatten, bevor sie selbst vergast und verbrannt wurden.

Venezia überlebte dieses innerste Zentrum des Massenmords. Zeugen wie ihn gab es kaum, denn die Organisatoren der deutschen Vernichtungslager im besetzten Polen achteten peinlich genau darauf, die Mitglieder so genannter "Sonderkommandos" in regelmäßigen Abständen zu eliminieren. Das waren Juden, die dazu gezwungen wurden, den unmittelbaren Prozess der Vergasung zu koordinieren. Sie hatten den ankommenden Opfern vorzugaukeln, sie würden in einen Duschraum geführt, um dabei ihre möglichst rasche Entkleidung zu organisieren. Danach mussten Männer wie Venezia die ineinander verkrallten Leichen auf der anderen Seite der Gaskammer wieder herausholen, ihnen die Haare abschneiden, die Goldzähne ziehen und die Toten in Muffelöfen verbrennen.

Venezias Bericht unterstreicht das Industrielle und Fabrikmäßige dieses Vorgangs besonders anschaulich. Die vergasten Opfer wie auch die Männer des Sonderkommandos seien von den SS-Männern immer nur als "Stücke" bezeichnet worden - so als seien sie eine bloße Ressource. Alles, was die Opfer an und bei sich trugen, wurde sorgsam gesammelt und "verwertet". Selbst ihre Haare.

Dass jemand wie Venezia diese Zone der automatenhaften Leichenfledderei überlebte und noch 2006 davon erzählen konnte, ist fast unwahrscheinlicher als ein Wunder. Für ihn selbst hat der Horror dennoch nie mehr aufgehört: "Was ich auch tue, was ich auch sehe, mein Geist kehrt immer wieder an diesen Ort zurück", sagt er am Ende des Gesprächs. "Man kommt nie mehr wirklich aus dem Krematorium heraus."

Venezias nüchternen und ehrlichen Worte sind zu Zeiten eines weltweit wieder auflebenden Antisemitismus' wichtiger als 1.000 Bibeln und Korane. Wer sie liest, begreift, was es heißt, im "Zeitalter von Auschwitz" (Imre Kertész) zu leben.

Erinnerungsträchtige Reisen

Das gleiche gilt für Irene Ebers autobiografischen Versuch "Ich bin allein und bang. Ein jüdisches Mädchen in Polen 1939-1945". Allerdings handelt es sich um einen ganz anderen Text als das Interview mit Venezia. Die 1930 in Halle geborene, emeritierte Professorin für Ostasiatische Studien an der Hebrew University in Jerusalem hat ein sorgfältig durchgeformtes literarisches Werk verfasst. Darin beschreibt sie außerdem nicht nur ihre Kindheitserlebnisse in Polen, sondern auch solche aus dem nationalsozialistischen Deutschland. Nicht zuletzt thematisiert sie mehrfach die psychischen Probleme und Erfahrungen der erwachsenen Shoah-Überlebenden, die nach einer Odyssee über Tschechien und Deutschland zunächst in die USA emigrierte, dort studierte, heiratete, Kinder bekam, Karriere machte und schließlich nach Israel auswanderte.

Unter anderem kehrte sie 1980 auf einer erinnerungsträchtigen Reise nach Polen zurück, an die Stätten ihrer Kindheit und ihres frühen Leids. Diese und viele andere Erzählebenen hat die Autorin auf außerordentlich reflektierte und selbstreflexive Weise in ihrem stets auf größtmögliche Genauigkeit bedachten autobiografischen Bericht verwoben. Besonders eindrücklich wird ihr Buch aber nicht nur durch die konzise Sprache der Verfasserin, sondern auch durch das ständig mitgedachte und immer wieder neu im Text diskutierte Problem, dass sie das, was sie an emotionalisierenden Erinnerungen hat, niemals in adäquate Worte zu fassen vermag. Die "Nicht-Dechiffrierbarkeit" der Ereignisse, von der die Philologie zu Texten über die Shoah zu sprechen gelernt hat, findet hier ihren unmittelbaren Ausdruck: "Die Bilder, die vor meinen Augen vorbeiziehen, sind manchmal schmerzhaft klar, ein andermal undeutlich, bloße Schatten. Ich kann sie und die Berichte der Vergangenheit, zu denen sie gehören, nicht mehr entschlüsseln."

Eber nennt als Philologin wie selbstverständlich literaturwissenschaftliche Theorien autobiografischen Erzählens, sie zitiert kontrastierende historische Quellen aus der nationalsozialistischen Vernichtungsbürokratie, deren hilfloser Spielball sie und ihre Familie waren - und sie weiß um die Problematik der "Musealisierung" der Shoah, deren neuerdings inflationäre Erwähnung in den Medien nur eine andere, neue, vielleicht noch wirksamere Form ihrer Verdrängung darzustellen scheint: "Wir brauchen das alles, um uns zu erinnern, heißt es. Doch wie viel vergessen wir beim Erinnern? Und was bleibt uns denn wirklich nach dem Besuch eines Holocaust-Zentrums in Erinnerung, abgesehen von seiner technischen Perfektion?"

Gespensterfotografien

Hinzu kommen in Ebers Buch einige aus dieser bruchstückhaften Erinnerung heraus kommentierte und in den Text einmontierte familienhistorische Fotos aus Deutschland und Polen, die den Leser schon allein durch die Unglaublichkeit ihrer Existenz, schockieren müssen: Wie kann es sein, dass so eine Aufnahme all das überdauert hat, was die Autorin durchmachte und hier erzählt? Wer versteckte sie, wie und wo wurden sie aufbewahrt?

Eber erspart sich langatmige Erläuterungen solcher Umstände. Ist ihr doch klar, dass ihr Buch ohnehin eher durch seine erzählerischen Lücken beredt wird, durch seine wohlkalkulierten Andeutungen des Vergangenen, Abwesenden und nicht mehr gesichert Erzählbaren. Die späteren Opfer der Shoah sehen uns auf den von Ebers Familie aufbewahrten Fotografien wie mahnende Gespenster an. Und da die Autorin in ihrem Text oft viel und liebevoll von ihnen erzählt - beispielsweise von ihrer vergötterten polnischen Freundin Toska Spyrina - erschrecken diese Bilder den Leser wie Donnerschläge. Lakonisch heißt es am Ende des betreffenden Kapitels, wie schon einige Seiten zuvor: "Ich hatte eine Freundin. Sie hieß Toska. Sie starb in Belzec." Die kursivierte Wiederholung dieses nüchternen Satzes unterstreicht, das es keine anderen Worte gibt als diese - aber dass sich dahinter gleichzeitig ein so unermesslicher Schmerz verbirgt, wie sie ein gesamtes schriftstellerisches Lebenswerk niemals zu bewältigen vermag.

Vertreibung der ersten Opfer

Belzec war eines der nationalsozialistischen Vernichtungslager in Polen. Irene Ebers Freunde und Verwandte starben an verschiedenen Orten der dazugehörigen Todesmaschinerie. Nur ihre Mutter, ihre Schwester und wenige entfernte Bekannte entkamen der eliminatorischen Industrie der Deutschen (unter anderem durch die glückliche Begegnung mit dem durch Steven Spielbergs Film berühmt gewordenen Oskar Schindler). Eber selbst überlebte als kleines Mädchen ganz auf sich allein gestellt dadurch, dass sie hilfsbereite Polen beinahe zwei Jahre in einem zugigen Hühnerstall versteckten, aus dem sie in dieser Zeit keinen Fuß heraus setzen durfte. Eine halbe Ewigkeit.

Das Buch ist so voller einzelner dichter Beschreibungen traumatisierender Erfahrungen während verschiedener Deportationen, überlebten Massakern, von prekären Verstecken und Fluchten, dass es ebenso vermessen wäre, einen Versuch der Nacherzählung zu machen wie im Fall Venezias. Aber einzelne Szenen gehören gleichsam hineingerufen in die aktuellen geschichtspolitischen Vorgänge in Deutschland, nicht zuletzt angesichts des Plans, in Berlin eine Gedenkstätte für die Vertreibung deutscher Nazis einzurichten, deren langjährige Vereins-Funktionäre doch nachweislich zu den Mitorganisatoren des Leids zählten, von dem Eber und Venezia berichten.

Eine dieser - auf den ersten Blick vielleicht unscheinbar wirkenden - Szenen ist die von der Nacht-und-Nebel-Vertreibung der angesehenen jüdischen Kaufmannsfamilie Eber aus Halle an der Saale - im Jahr 1938. Da trampeln abends deutsche Männer in glänzenden Ledermänteln in die gutbürgerliche Wohnung der Familie, führen den kranken polnischen Vater im Pyjama samt Frau und Töchtern ab, halten sie über Nacht in einer Gefängniszelle fest und schicken sie schließlich kurzerhand über die "grüne Grenze" nach Polen. Dort werden die Flüchtlinge von den polnischen Soldaten aber nicht durchgelassen. Es folgt ein verzweifeltes Hin und Her auf offenem, schlammigen Feld im kalten Herbst, mit Pantoffeln an den Füßen, und schließlich darf die Familie doch nach Polen hinüber, während viele andere zurückbleiben, mit ungewissem Schicksal.

Von heute auf morgen aller Güter, aller Konten und Immobilien beraubt, muss Ebers Familie zu ihren - von den zusätzlichen Kostgängern wenig begeisterten - Verwandten nach Mielec, um in bitterster Armut der Ankunft der Wehrmacht entgegenzudämmern. Denn knapp ein Jahr später sind die Deutschen mit ihren Motorrädern schon wieder da, um mit ihrem endgültigen sadistischen Mordgeschäft zu beginnen. Eber schildert diesen Schreckenstag und das folgende Martyrium so eindrücklich, dass auch ihre Leser diese Szenen nicht mehr vergessen werden.

In einem auf Januar 2000 datierten Einschub schreibt Eber zu dieser empörenden Vertreibungsgeschichte, die heute in Deutschland bereits von dem unerträglichen Mediengedröhne über die nach dem Krieg und der Shoah geschehene Vertreibung der Deutschen aus Polen und dem heutigen Tschechien übertönt wird: "Ich suche in den Geschichtsbüchern nach Beschreibungen dieser im Oktober 1938 durchgeführten ersten, äußerst erfolgreichen Deportation von Tausenden Juden mit ihren Familien, die alle für polnisch erklärt wurden, wenn das Familienoberhaupt polnischer Staatsbürger war. Doch ich finde nicht viele Informationen, nicht einmal die exakte Zahl der Deportierten. Es können fünfzehntausend oder zwanzigtausend gewesen sein, oder vielleicht siebzehntausend."

Dass Eber solchen fragwürdigen statistischen Werten, die noch dazu leicht von 'konkurrierenden' Zahlenspielchen historischer Revisionisten getoppt oder verfälscht werden können, ihre dezidierten, subjektiven Erinnerungen entgegensetzt und deren Aussagekraft wiederum mit großem Understatement hinterfragt, ist die besondere Stärke ihres Buchs. Hier zählen die Details, die Kleinigkeiten. Gerade die eingestandene Unfähigkeit, das Erlittene in passenden Worten wiederzugeben, führt in diesem Text zu Beschreibungen, die viel mehr sagen als Kilometer von sachlichen Geschichtsbüchern.

Gründe für den Bombenkrieg

Dabei kommen nicht zuletzt Erinnerungen zu Tage, die auch das seit einigen Jahren in Mode gekommene Beschwören deutscher Bombenkriegsopfer in ein anderes Licht rückt. Die Autorin erinnert sich an einen ersten Spaziergang im zerbombten Regensburg im Sommer 1945: "Straßen waren unter dem Schutt eingestürzter Gebäude verschwunden. Hier und da bewegten alte Leute Steine und Ziegel auf der Suche nach ihren Habseligkeiten. Sie wirkten ärmlich und vernachlässigt, doch bemitleidete ich sie nicht. Wieder dachte ich, wie ich es in den kommenden Monaten noch oft tun würde: Ihr könnt mir nichts mehr tun; ich gehe mitten unter euch und ich habe keine Angst. Und ich muss nicht mehr so tun, als sei ich eine andere."

Von solchen Gefühlen erzählt auch ein Film, der längst zu dem Klassiker der Shoah-Erinnerung schlechthin avanciert ist und nun auf DVD neu herausgebracht wurde: Claude Lanzmanns "Shoah" aus dem Jahr 1985. Bei absolut Medien ist eine arte-Edition der legendären Neuneinhalb-Stunden-Dokumentation auf 4 DVD erschienen, samt einem kleinen Begleitheft, das über die einzelnen Zeugen informiert, die dort zur Sprache kommen. Die Problematik der Inkommensurabilität des Geschehenen, die auch Eber in ihrem Buch immer wieder aufwirft, führte in Lanzmanns Werk zu einer Art cineastischen Bilderverbots, das auch für die Literatur stilprägend geworden ist: keine filmischen Archivmaterialien der Shoah kommen hier vor, und keine aus dem Off eingespielte und damit kitschverdächtige Musik erzeugt wohlfeile Emotionen. Nur die Zeugen reden in diesem sehr präzise arrangierten Gesprächsreigen - sowohl die Opfer als auch die Täter und ihre deutschen 'Mitläufer'.

"Als ich 'Shoah' machte, sprach man kaum davon", sagte Lanzmann 2006 in einem Interview mit der FAZ. "Ich denke, dass mein Film am Anfang dieser Konjunktur steht. Er ist das Ereignis, das sie auslöste. [...] 'Shoah' ist ein Film, der nicht altert. Er hat kein Alter. Obwohl er zwischen 1973 und 1985 entstanden ist. [...] Er ist eine Barriere. Eine Barriere gegen das Vergessen."

Das stimmt. Es ist tatsächlich ein zeitloser Film, den man noch in hundert Jahren zeigen wird. Und schon der erste Zeuge, der dort auftritt, liefert so etwas wie ein paradoxales Motto für die hier besprochenen Bücher: Simon Srebnik, der die grausame Vernichtungsfabrik von Chelmno mit 13 Jahren überlebte, kehrt vor der Kamera in den stillen Wald zurück, in dem er seinerzeit gezwungen wurde, die Opfer der Gaswagenmorde zu verbrennen und ihre Kochen zu zermalmen, damit sie in den nächsten Fluss geworfen werden konnten, ohne Spuren zu hinterlassen. Zu sehen ist an dem Ort fast nichts mehr von dem, was dort über Jahre verbrochen wurde. Was hier passiert sei, könne man nicht erzählen, sagt Srebnik in gebrochenem Deutsch. Und er könne es auch nicht fassen, dass er nun selbst wieder an diesem Platz sei.

Es ist an der Zeit, dass noch viel mehr Zuschauer mit dorthin gehen, um ihm einfach einmal zuzuhören. Lanzmann hat Srebnik seinen Namen und sein Gesicht zurückgegeben. Jetzt wird man sich an ihn erinnern.


Titelbild

Irene Eber: Ich bin allein und bang. Ein jüdisches Mädchen in Polen 1939-1945.
Übersetzt aus dem Englischen von Reinhild Böhnke.
Verlag C. H. Beck, München 2007.
287 Seiten, 19,90 EUR.
ISBN-13: 9783406556524

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Kein Bild

Shoah. Ein Film von Claude Lanzmann.
Absolut Medien, Berlin 2007.
75,00 EUR.
ISBN-13: 9783898488464

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Titelbild

Richard Glazar: Die Falle mit dem grünen Zaun. Überleben in Treblinka.
Unrast Verlag, Münster 2008.
199 Seiten, 20,00 EUR.
ISBN-13: 9783897718197

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Titelbild

Shlomo Venezia: Meine Arbeit im Sonderkommando Auschwitz. Das erste umfassende Zeugnis eines Überlebenden.
Übersetzt aus dem Französischen von Dagmar Mallett.
Blessing Verlag, München 2008.
271 Seiten, 19,95 EUR.
ISBN-13: 9783896673657

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