Menschen können lästig sein

Colettes “Wie Hund und Katze” sammelt unterhaltsame Geschichten um Kiki la Doucette und Toby

Von Walter DelabarRSS-Newsfeed neuer Artikel von Walter Delabar

Besprochene Bücher / Literaturhinweise

Sich als Hundeverächter und Katzenstiesel eine Sammlung von Hunde- und Katzengeschichten vorzunehmen, kann eigentlich nicht gut fürs Buch ausgehen. Und das aus vielen Gründen. Aber dann kommt alles ganz anders, auch für Hund und Katz. Nicht zuletzt, weil sie sich nicht derart unflätig balgen, wie das ansonsten stets angenommen wird, zumindest diese beiden nicht.

Nunja, Kiki la Doucette und Toby sind allerdings auch nicht irgendwelche Viecher, sondern Hochwohlgeborene: die eine eine Kartäuserkatze, der andere eine französische Bulldogge. Und sie leben auch nicht in der Dachgeschosswohnung mit erzwungenem Auslauf für den einen und Ausstieg übers Fenster für die andere. Nein, sie haben schon im Alltag eigentlich eine mondäne Unterkunft, samt angemessener Sommerfrische, wenngleich es dort sehr sehr warm sein kann.

Und sie haben zwei Untergebene: sie ihn, anscheinend ein Schriftsteller, der sich ansonsten ihrer Herrschaft unterworfen hat. Ihn sie, die allerdings nicht ganz so diszipliniert ist und durchaus eigenen Willen zeigt, was dem eher verspielten Toby, der sein Frauchen anhimmelt, doch eher entgegenkommt.

Das hindert ihn nicht daran, angemessen beleidigt zu sein, wenn sie ihn nicht so behandelt, wie es sich gehört. Aber was das angeht, hat Kiki die größere Sensibilität. Immerhin muss sie es ertragen, für die Fahrt ins Grüne in den Katzenkorb gesperrt zu werden – was naheliegend nicht nur ihre Gefühle verletzt, sondern auch ihrem Status definitiv nicht entspricht. Aber da hat er kein Erbarmen, was sie ihm angemessen übel nimmt.

Colette, mit bürgerlichem Namen Sidonie Gabrielle Colette, 1873 geboren, 1954 verstorben, gehört zu den großen Autorinnen der französischen Literatur, zu Lebzeiten bereits mit zahlreichen Ehrungen versehen, mit einem Staatsbegräbnis ausgezeichnet, was ihren Rang und ihr Ansehen in Frankreich anzeigt. Dass Colette eine große Katzenliebhaberin war, lässt sich überall nachlesen – „leidenschaftlich“ wird sie in der knappen biografischen Skizze am Schluss der nun bei ebersbach & simon in Berlin erschienenen Erzählungen zu diesem Hund und zu dieser Katze genannt. Bemerkbar macht sich das eben auch in ihrem Werk, findet sich darunter doch ein gleichfalls mondäner Roman, der schlichtweg Die Katze heißt und der – antizyklisch – 1936 das erste Mal in Deutschland erschien. Antizyklisch deshalb, weil der Roman eben nicht nur mondän ist, sondern eine starke weibliche Hauptfigur hat, die selbstbewusst, erst recht gesellschaftlich emanzipiert und auch sexuell ihren Interessen selbstverständlich folgt. Ehefrau und Mutter? Na, nicht ganz im konservativen Sinn. Das geht nicht gut aus, weil der Ehemann des Romans, ein junger Mann der Gesellschaft, mehr seiner Katze als seiner jungen Frau zugeneigt ist. Kaum geschlossen, ist diese Ehe schon wieder geschieden. Auch das nicht ganz im Sinne von tradwive and -family im historischen Sinn.

Soweit kommt es in Wie Hund und Katze nicht, und das aus gutem Grund. Die Ehe von ihm und ihr scheint gefestigt, und auf der Folie des Katzenromans geht das sicherlich auch darauf zurück, dass beide Eheleute ihre angemessenen tierischen Partner haben.

Die haben nun naheliegend ihr eigenes Ding, das mit dem der Menschen nur insoweit zu tun hat, als diese für die Versorgung zuständig sind, vielleicht noch für die Unterhaltung und fürs allgemeine Wohlbefinden, ansonsten aber hoffentlich wissen, wo ihr Platz ist.

Während die animalischen Herrschaften über die Hitze, die Fahrt, die Zumutungen des Lebens und Menschen, mit denen es zu teilen ist, plaudern, gehen die Menschen ihren merkwürdigen und der Tiere unwürdigen Beschäftigungen nach. Wie kann man nur, wenn es zu heiß ist, um sich zu rühren, oder zu langweilig, um sich zu erheben?

Der Verlag ebersbach & simon hat neun Dialoge zwischen Hund und Katz in der Übersetzung von Birgit Kirberg publiziert und setzt damit sein Engagement für Colette fort. Die Katze liegt bereits in der zweiten Auflage aus dem Jahr 2018 vor. Colette, eine Klassikerin? Für den deutschen Sprachraum ist es trotz zahlreicher Übersetzungen und Bemühungen nie so weit gekommen, aber vergnügliche, ja auch beeindruckende Lektüren bietet sie in jedem Fall. Warum also klagen?

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Sidonie-Gabrielle Colette: Wie Hund und Katze. Tierische Dialoge.
Aus dem Französischen von Birgit Kirberg.
ebersbach & simon, Berlin 2026.
160 Seiten, 22,00 EUR.
ISBN-13: 9783869153308

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