Das Seetagebuch des Robert Most

Besprochene Bücher / Literaturhinweise

Auf dem Windjammer „Schulschiff Deutschland“ beginnt der junge Berliner Robert Most 1938 seine Ausbildung zum Seemann. Die Fahrt geht nach Rio de Janeiro, Buenos Aires, Kapstadt. Er will weit weg vom Großstadttreiben, weit weg von den Erwartungen seiner Mutter, weit weg von ihrem literarischen Salon. Gleichwohl beginnt er sein neues Leben mit einem Tagebuch. Hier will er schonungslos Rechenschaft ablegen. Er schreibt über den Bordalltag, über Stürme und Flauten, die bunt zusammengewürfelte Mannschaft, über sein erhebendes Gefühl, Teil eines aufstrebenden Deutschlands und der nationalsozialistischen Bewegung zu sein. Er schreibt über Träume und Pläne, über die Begegnungen mit der See, der Liebe und dem Tod. Zurückgekehrt, ändert sich alles: Der Krieg hat begonnen, er heiratet, wird zur Marine eingezogen und schließlich als Scharfschütze nach Russland beordert. In seinem zweiten Roman stellt Rolf-Bernhard Essig eine alte Frage: „Wie hättest du gehandelt?“

Die Form des fiktiven Tagebuchs, das mit Bildern aus der Seemannszeit seines Vaters aus den 1930ern illustriert ist, bietet einen besonders unmittelbaren Einblick in die Innenwelt junger Männer, die sich vom Schwung des propagierten nationalen Aufbruchs mitreißen ließen.

 

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Rolf-Bernhard Essig: Das Seetagebuch des Robert Most. Roman.
Königshausen & Neumann, Würzburg 2026.
160 Seiten, 18,00 EUR.
ISBN-13: 9783826098932

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