Inhaltsverzeichnis der Ausgabe Nr. 9, September 2026

Schwerpunkt: Deutschsprachige Lyrik

Wenn die Natur verstummt
Vierzehn lyrische Stimmen suchen in „Wenn selbst der Plastikbaum stirbt” nach einer Sprache für Klimakrise, Umweltzerstörung und den bedrohten Menschen
Von Florian Birnmeyer

Traumwachheit als Ort poetischen Sprechens
Jürgen Nendzas Gedichtband „Passagen mit Mauerbiene“ verbindet eindrucksvoll Naturlyrik mit historischen Bezügen
Von Jürgen Gunia

Maria, Mutter, Maschine
In „MARIAMACHINA“ verbindet Kinga Tóth Mariengebet, feministische Körperpoetik und Alltagsmaterialien zu einem vielstimmigen Gesang über Frauen und Mütter
Von Florian Birnmeyer

Im Lärm der medialen Gegenwart
Wie Yevgeniy Breygers „hallo niemand“ zwischen Sprachrausch und Sprachzerfall die Gegenwart vermisst
Von Natalia Blum-Barth

Die Transzendenz des Alltäglichen
Ludwig Steinherr erkundet in seinem Gedichtband „Gottes Nähmaschine“ das Älterwerden, die Erinnerung und die überraschende Gegenwart Gottes im gewöhnlichen Leben
Von Florian Birnmeyer

Beobachtungen am Wegrand
In Henning Ahrens neuem Gedichtband „Inventur eines Dinosauriers“ wird in kargen und zugleich seelenwunden Worten zusammengetragen, was gerade ist, was war, was bleibt und was verschwunden ist
Von Nora Eckert

Wie die Stille zu sprechen beginnt
Sigune Schnabel und Philipp Létranger führen in “wie buchstabiert man stille” einen poetischen Dialog über Natur, Sprache und menschliche Empfindung
Von Florian Birnmeyer

Eine lyrische Utopie mit Ecken und Kanten
Artur Nickel entwirft in “den frühling an den regenbogen erinnern” ein buntes Kaleidoskop aus Gedichten, das Hoffnung bewahrt, ohne die vielfältigen Krisen der Gegenwart auszublenden
Von Florian Birnmeyer

Jubiläen und Gedenktage

Zwischen vehementer Begeisterung und wissenschaftlichem Anspruch
Pünktlich im Jahr seines 100. Geburtstages erscheint Hans-Hermann Kestels zweibändige Abhandlung über Erich Loest – ist das die langersehnte späte Würdigung von Loests Werk?
Von Marieluise Labry

Mit seinen Alemannischen Gedichten und Kalendergeschichten bereicherte Johann Peter Hebel die deutsche Literatur
Sein 200. Todestag wird durch zahlreiche Neuerscheinungen und Neuausgaben geehrt
Von Manfred Orlick

Im Streben nach der großen Einfachheit der Form
Vor 150 Jahren wurde Paula Modersohn-Becker geboren
Von Klaus Hammer

Editionen und Neuauflagen

Die Kultur der Männer
Virginia Woolfs Kurzgeschichtenband „Montag oder Dienstag“ steht ihren berühmten Romanen nicht nach
Von Rolf Löchel

Die Geburt des hässlichen Amerikaners
Mit dem Roman „Galleria Umberto“ übte John Horne Burns 1947 eine harsche Kritik an der amerikanischen Gesellschaft und am Kriegsregime der US Army in Italien, die mit der Misanthropie des Autors nur unzureichend erklärt ist
Von Nora Eckert

Der große Unbehauste des französischen Autorenfilms
Ein Großteil des Werks von Jean Eustache ist in einer DVD-Box neu zu entdecken
Von Behrang Samsami

Zeugnisse einer Künstlerbekanntschaft
In dem anschaulichen kleinen Band „Leo von König und Rainer Maria Rilke“ ediert der Kunsthistoriker Bernhard Maaz den Briefwechsel und stellt die Beziehung der beiden Künstler anhand persönlicher Textdokumente vor
Von Thomas Merklinger

Der Mann, der das Blaue vom Himmel versprach
Zur Neuedition eines denkwürdigen Interviews mit Wilhelm Reich aus dem Jahr 1952
Von Bernd Nitzschke

Mit dem Schäferspiel „wolken-an“
Hartmut Laufhüttes Auswahl lädt dazu ein, den Barockdichter und Pegnitzschäfer Sigmund von Birken vierhundert Jahre nach seiner Geburt neu zu entdecken
Von Florian Birnmeyer

Deutschsprachige Literatur

Being the Trouble
Ein Gespräch mit Mithu Sanyal über Literatur, digitale Medien, Krieg und Shitstorms
Von Anna-Lena Eick und Inge van de Ven

Wundersame Geldvermehrung
Elfriede Jelinek prangert in ihrem neuen Buch „Unter Tieren“ die Gewinngier der Banken und Reichen an
Von Herbert Fuchs

Bitter ernst und wundervoll leicht
Eva Menasses Roman „Alleinruhelage“ präsentiert eine authentische Lebens-Zwischenbilanz
Von Peter Mohr

Bernhard und Isolde
Auch in „Memories of Heidelberg“ bleibt Heinz Strunk sich treu und lässt ein in die Jahre gekommenes Ehepaar vor romantischer Kulisse untergehen
Von Dietmar Jacobsen

Im Mercedes mit Müllermilch in der Mittelkonsole nach St. Moritz
In „1999 Meter über dem Meer“ erzählt Caroline Wahl eine mitreißende Geschichte vom Unterwegssein
Von Anne Amend-Söchting

Was das Fass zum Überlaufen bringt
In ihrem packenden Roman „So, in etwa, ist es geschehen“ bietet Sharon Dodua Otoo viel Diskussionsstoff zu den möglichen Wahrheiten rund um einen Mord und weit darüber hinaus
Von Anne Amend-Söchting

Wer weiß schon jederzeit, was er will?
Ulrich Woelk legt mit „Hellere Tage“ einen anregenden Gegenwartsroman vor
Von Werner Jung

Alice driftet nach rechts ab
Robert Wolfgang Segel verwandelt Lewis Carrolls Klassiker mit Fantasie und Fabulierlust in eine politische Satire über Demagogie, Demokratiefeindlichkeit und Widerstand
Von Florian Birnmeyer

Auf der Suche nach der eigenen Stimme
Ingrid Kloser lotet in ihrem Roman „Regentropfen fallen langsam“ auf poetische Weise die Welt zwischen Klang und Stille aus
Von Michael Fassel

Leben besteht aus Bindungen und Begegnungen
Petra Morsbachs „Orion“ erzählt vom Leben als Geflecht aus Bindungen, Begegnungen und Literatur
Von Werner Jung

Warum Campingplätze für Killer so gefährlich sind…
Linus Geschke hat mit “Das Camp” einen schön undisziplinierten Krimi geschrieben
Von Walter Delabar

Wie man das Leben überlebt
In ihrem neuen, wie immer autobiographisch geprägten Buch „Die späten Tage“ nähert sich Natascha Wodin schonungslos der eigenen Gegenwart und blickt auf bestimmende Momente ihres Lebens zurück
Von Dietmar Jacobsen

An eine kräftigere Farbe glauben
Lisa Roys neuer Roman “Alles ist Gold” findet die richtige Perspektive, in der Gegenwart über Religion zu schreiben
Von Manuel Clemens

Eine gefährliche Odyssee
In „Straßenköter“ schickt der Mainzer Autor Jürgen Heimbach seinen Helden durch das gespaltene Westdeutschland der 1970er Jahre
Von Dietmar Jacobsen

Betrachten, erinnern, sich selbst vergewissern
Jens Wonneberger beglückt mit Autopsien biographischer und autobiographischer Art
Von Günter Helmes

Mini-Instrument mit Maxi-Wirkung
In „Das Echo des späten Lichts“ erzählt Lea Blum mit progressiver Spannungsintensität Geschichten rund um eine Mundharmonika
Von Anne Amend-Söchting

Das Seetagebuch des Robert Most

Fremdsprachige Literatur

Ein literarischer Boléro
Szczepan Twardochs Roman „Sehnsucht“ segelt im Kreis der Geschichte
Von Karl-Josef Müller

Die Suche nach Identität und das Meer
Die niederländische Schriftstellerin Nikki Dekker geht in dem Roman „Tieftiefblau“ der Frage nach, wer wir sind, und findet verblüffende Antworten ausgerechnet bei Meeresbewohnern
Von Nora Eckert

Risse in der Komfortzone
Nathan Devers berichtet in seinem autobiografischen Essay „Gegen sich selbst denken“ von seinem Weg aus der Orthodoxie und darüber, was passiert, wenn wir unsere sichersten Glaubenssätze nicht mehr verteidigen, sondern gezielt attackieren
Von Sebastian Meißner

Unerfüllte Erwartungen
Zu viel Chablis, zu viel Selbstmitleid, zu wenig Tiefgang – das ist das Resümee zu Anne Akrichs Roman „Kylian und das Buch meines Lebens“
Von Monika Grosche

Herz und Schmerz
Emilie Schepps „Julimord“ dräut heftig, ist ganz kurzweilig, aber dann doch nur von der Stange
Von Walter Delabar

Bewusstseinsnebel
In ihrem neuen Roman „In die Schweiz“ überrascht Emma Cline, die bisher vor allem mit ihren Frauenfiguren reüssierte, mit der Geschichte eines alten Mannes David, der seine letzte Reise antritt
Von Tilman Urbach

Der Vorhang fällt …
Ein Streitgespräch über Don Winslows vermeintlich letztes Krimibuch „The Final Score“ – wie er kleine Helden cool macht und auf moralisches Kalkül setzt
Von Michael Braun und Christoph Braun

Raserei in tiefer Trauer
Tokuro Nukuis Roman „Tokyo. Schwarzer Sommer“ inszeniert eine Männlichkeitskrise im Polizeimilieu
Von Lisette Gebhardt

Nilpferd, bitte hilf!
Michiko Aoyama legt mit „Im Park der aufgehenden Sonne“ fünf Fallstudien zur bibliotherapeutischen Notfallversorgung vor
Von Lisette Gebhardt

Literaturwissenschaft

Die ‚kleinen‘ Sangspruchdichter und ihre großen Themen
Marie Ann Fleischmann würdigt in „Abseits der großen Meister“ die deutsche Lyrik des 13. und 14. Jahrhunderts
Von Thorsten Paprotny

Die Handschrift verrate das Dämonische
Der Band „Stefan Zweig und Friedrich Hölderlin: Eine literarische Begegnung“ zeigt, dass Zweig ein vergessener Anführer der Hölderlinrenaissance zu Beginn des letzten Jahrhunderts war
Von Hendrik Buchholz

Vom großen Nein und der ungebändigten Lust auf Freiheit
Der „Hugo Ball Almanach“ vom Redakteur Eckhard Faul erkundet Dada jenseits vertrauter Schubladen – über Künstlerpaare, vergessene Biografien, Revolutionsbälle und die Lust am Widerspruch
Von Silvio Barta

Das Heimchen am Webstuhl?
Mara Golds Buch „Antike Mythen ohne Männer“ informiert aus feministischer Sicht über weibliche Figuren
Von Rolf Löchel

Was im Jahre 1302 im Bargello geschah
„Florenz – Stadt der Dichter. Eine literarische Spurensuche“ von Karl Philipp Ellerbrock schickt vor allem Fachleute auf eine spannende Zeitreise
Von Irina Brüning

Ein Paukenschlag
Ramie Targoff Buch „Shakespeares Schwestern“ über englische Autorinnen der Renaissance ist überaus informativ
Von Rolf Löchel

Kultur- und Medienwissenschaft

Ein Wörterbuch auf der Suche nach seinen Bildern
Alec Mishory und Ilil Arbel versprechen mit „Dictionary of Subjects and Symbols in Jewish Visual Culture and Art“ ein enzyklopädisches Standardwerk – liefern jedoch vor allem eine essayistische Einführung
Von Silvio Barta

Das Cute wird den Menschen töten
“Cuter Akzelerationismus” von Amy Ireland und Maya B. Kronic ist nicht cute
Von Fabian Vugrin

Wie kommen Menschen in den Tag?
Christoph Ribbat interessiert sich für Weisen des Aufwachens
Von Günter Helmes

Ein Büchlein der besonderen Art
Dominik Sustecks „Andersräume – Vom Lärm der Stadt zur Weite des Raumes – Kölner Kirchen, Orgelklang und Stille” ist ein Reiseführer der besonderen Art
Von Karl Bellenberg

Wahnsinniges und sinnig Wahnhaftes in Videospielen
Der Darstellung psychischer Krankheiten und den auf sie gerichteten Institutionen in Videospielen widmet sich Stefan Heinrich Simond in „Pixelated Madness“ und unternimmt den Versuch, diese als ästhetisches Phänomen zu typologisieren
Von Martin Janda

Philosophie, Politik, Geschichte

Kriminelle Vereinigungen?
Krisina Lunz und Düzen Tekkal haben ihr Buch „Wer hat euch erlaubt, Frauen so zu hassen“ gerade zur rechten Zeit veröffentlicht
Von Rolf Löchel

Aus der Zeit gefallen
Urs Hafner begibt sich mit „Dönnis Erdscheibe“ auf die Pfade einer überholten, neu durchdachten Idee
Von Jörg Füllgrabe

Die vielen Gesichter des Liberalismus
Albrecht Koschorke stellt in „Souveränität der Vernunft” facettenreich Formen und Varianten des liberalen Denkens vor
Von Thorsten Paprotny

Streitbar, wehrhaft und militant – kann die Demokratie sich selbst retten?
Einige Überlegungen zur Textsammlung „Karl Mannheim: Militante Demokratie. Reden zur Re-Education“
Von Karl-Josef Müller

Die Schönheit der Aufmerksamkeit
Was heißt es, die Welt mit voller Aufmerksamkeit wahrzunehmen? Wolfgang W. Müller zeigt, warum Simone Weils Denken gerade heute neue Perspektiven auf Schönheit, Arbeit und Menschlichkeit eröffnet
Von Sebastian Meißner

Die außergewöhnliche Liebesgeschichte von „Lou“ und „Schnucke“
Dagmar von Gersdorff zeichnet in der lesenswerten Doppelbiographie „Alle Schönheit, aller Zauber“ das Leben von Lucie und Hermann von Pückler-Muskau nach
Von Horst Schmidt

Der Humorist aus der Berggasse
Christfried Tögel und Hans-Jörg Kogel zeigen in „Freud erzählt einen Witz“ die humorvolle Seite Sigmund Freuds, und der Aufbau-Verlag beschädigt den Ruf der Anderen Bibliothek
Von Hermann Rotermund

Aufklärung und/oder Religion?
In „Der moderne Mensch und die Religion“ deutet Tomáš Garrigue Masaryk die moralische Krise im ausgehenden 19. Jahrhundert als Folge von Säkularisierung und analysiert zeitgenössische Antworten auf den Zerfall einer sinnstiftenden Weltanschauung
Von Gertrud Nunner-Winkler

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