Stark und knapp wie ein Espresso

Zehn Jahre nach seinem letzten Kriminalroman überzeugt Frank Göhres „Verdammte Liebe Amsterdam“ mit einem extrem schnellen und reduzierten Comeback.

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Besprochene Bücher / Literaturhinweise

Frank Göhre genießt in der deutschen Krimiszene seit der in den 1980er und 90er Jahren erschienen Kiez-Trilogie Kultstatus und gilt als Meister des deutschen Noir. Einen Namen gemacht hat er sich aber auch als Herausgeber der Werke von Friedrich Glauser und insbesondere als Drehbuchautor von Tatort und Großstadtrevier oder auch des Thrillers Abwärts mit Götz George in der Hauptrolle. Zehn Jahre nach seinem letzten Kriminalroman legt Göhre nun im kleinen Hamburger Verlag CulturBooks, dem er durch Bücher über Ed McBain oder Elmore Leonard (zusammen mit Alf Mayer) schon länger verbunden ist, seine Verdammte Liebe Amsterdam vor. Begleitet wird dieses Comeback auf dem Buchrücken von lobenden credits – „sprachgewaltig, schnell, milieustark“ – aktueller Größen des Krimigeschäfts wie Friedrich Ani und Simone Buchholz.

Und in der Tat geht Göhre gleich von der ersten Seite an in die Vollen, schafft mit wenigen Strichen eine packende Noir-Atmosphäre. Die Story dreht sich um den Hamburger Restaurantbetreiber Schorsch Köster, der von der Polizei die Nachricht vom gewaltsamen Tod seines Bruders erhält, mit dem er zwar viele Jahre nichts mehr zu tun hatte, mit dem ihn aber, wie wir in kurzen Rückblenden erfahren, ein dunkles Geheimnis in der Kindheit verbindet. Ein Geheimnis, das ihm noch immer Albträume beschert. Dennoch – oder gerade deswegen? – macht sich Schorsch auf die Suche nach dem Mörder, die so auch zu einer Reise in die Vergangenheit wird. 

Bei seinen Recherchen kommt Schorsch auf die Spur eines verschwundenen Mädchens, die ihn über Köln nach Amsterdam und in das dortige Drogen- und Prostituierten-Milieu führt. In Hardboiled-Manier teilt er hier durchaus aus, muss aber auch mächtig einstecken und gerät schließlich auf die Abschussliste eines korrupten Bullen.

Verdammte Liebe Amsterdam ist wie ein starker Espresso. Göhre jagt die Handlung in ultrakurzen Szenen mit hämmernden Stakkatosätzen gnadenlos voran. Ähnlich wie beim Collageprinzip wechselt er dabei die Perspektiven und die Zeitebenen und führt uns gleichzeitig einen gebrochenen Helden vor Augen, der nach Gerechtigkeit sucht und dabei auch Schuld auf sich lädt. In Göhres Roman steckt kein Tropfen Wasser zu viel; auf jedes ausschmückende und süße Beiwerk wird verzichtet – eine extrem reduzierte Prosa mit beinhartem Klang! Und schnell wie ein Espresso, für den man sich in einer italienischen Bar ja auch gar nicht erst hinsetzt, so ist dieser Roman, kaum dass man ihn angefangen hat, auch schon wieder zu Ende. Der letzte Tropfen schmeckt nach mehr.

Titelbild

Frank Göhre: Verdammte Liebe Amsterdam. Kriminalroman.
CulturBooks, Hamburg 2020.
158 Seiten, 15,00 EUR.
ISBN-13: 9783959881470

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