Die Mutter der Gemeinde

Ein interdisziplinärer Sammelband beleuchtet die feministische Wissensproduktion in patriarchalischen Machtverhältnissen

Von Rolf LöchelRSS-Newsfeed neuer Artikel von Rolf Löchel

Besprochene Bücher / Literaturhinweise

Sürgücü klingt für deutsche Ohren türkisch. Und es ist tatsächlich ein kleines südostanatolischer Städtchen mit 7.687 Einwohnern "voller Leben". "Rund um den Dorfplatz treffen sich die Männer des Dorfes in den Kaffeehäusern; die Frauen holen das Wasser aus den Brunnen, backen Brot, waschen die Wäsche an der Wasserstelle, versorgen die Kinder." So beschreibt Annika Taxler den Ort, und man sieht sofort, dass hier noch immer die althergebrachten patriarchalischen Geschlechterverhältnisse herrschen. Dennoch haben seine BewohnerInnen mit Zeyniye Öner eine Frau zur Bürgermeisterin des Ortes gewählt. Wie konnte das geschehen?

Genau darüber gibt Traxler in einem Aufsatz zur "Selbstdarstellung und Handlungsstrategien von Lokalpolitikerinnen in der ländlichen Türkei" Auskunft. Und über einiges mehr. So erfährt man von ihr etwa, dass Öner eine von gerade mal 18 Bürgermeisterinnen in der Türkei ist. Bei nicht weniger als insgesamt 3.216 BürgermeisterInnen des Landes sind das kaum 0,6 %.

Traxlers Text ist ein Nebenprodukt ihres Dissertationsprojektes zur politischen Partizipation von Frauen in der türkischen Lokalpolitik und als Beitrag in einem von Lena Behmenburg, Mareike Berweger, Jessica Gevers, Karen Nolte, Eva Sänger und Anna Schnädelbach unter dem Titel "Wissenschaf(f)t Geschlecht" herausgegebenen Sammelband zu "Machtverhältnisse[n] und feministischer Wissensproduktion" erschienen. Am Beispiel Öners zeigt Traxler, wie das Wissen "um Probleme aufgrund des traditionellen Arrangements des Geschlechterverhältnisses" und ihr "Selbstverständnis als Frau und Politikerin" das politische Handeln von Lokalpolitikerinnen der ländlichen Türkei beeinflusst beziehungsweise überhaupt erst initiiert. Öner etwa sieht den "Ausgangspunkt einer 'Frauenpolitik', die den Frauen zunächst Unabhängigkeit und Mobilität gewähren soll", darin, ihnen zuerst einmal zu ermöglichen, alleine "nach draußen" zu gehen, also ohne männliche Begleitung auf die Straße zu gehen, den Markt aufzusuchen oder in eine nahegelegene Stadt zu fahren. Denn all das sind für Frauen in den ländlichen Gebieten der südöstlichen Türkei keine Selbstverständlichkeiten.

Wie die Autorin ausführt, bezeichnet sich Öner ebenso wie viele andere Lokalpolitikerinnen in der Türkei gerne als "Mutter der Gemeinde". Sie und ihre Kolleginnen werden dafür von türkischen Feministinnen "scharf kritisiert", da sie sich mit dieser Selbstbezeichnung "desexualisieren, um als Politikerin[nen] ernst genommen zu werden". Eine Kritik, welche die Autorin selbst allerdings nicht teilen mag. Denn schließlich sei die althergebracht Rolle der Frau als Mutter in den ländlichen Gebieten der Türkei "sehr positiv besetzt".

Auch wenn die Wahl von Frauen in lokalpolitische Ämter "nicht unbedingt einen Zugewinn an Macht bedeutet", begrüßt Traxler sie doch als symbolische "Ausweitung des demokratischen Systems". Denn Lokalpolitikerinnen, die für sich in Anspruch nehmen, "ihre 'Geschlechtsgenossinnen' zu repräsentieren", bereiteten in der "patriarchal geprägten" Türkei häufig "Empowermentprozessen" den Weg.

Neben Traxlers Beitrag widmet sich noch ein zweiter Text des Bandes den Geschlechterverhältnissen in der Türkei. Unter Bezugnahme auf Antonio Gramscis Konzept des "common sense" und Donna Haraways Theorie des "situierten Wissens" geht Anil Al-Rebholz der dortigen "Feminist Production of Knowledge" und der "Redefinition of Politics" im Lande nach.

Wie sämtliche Beiträge des vorliegenden Bandes sind auch die von Traxler und Al-Rebholz aus dem interdisziplinären DFG-Graduiertenkolleg "Öffentlichkeiten und Geschlechterverhältnisse. Dimensionen von Erfahrung" hervorgegangen. Etliche von ihnen wurden zudem im Mai 2004 während des internationalen Symposiums "Wissenschaf(f)t Geschlecht"' an der Universität Kassel vorgetragen. Bei dem Graduiertenkolleg handelt es sich den Herausgeberinnen zufolge sowohl um einen "Ort feministischer Wissensproduktion" als auch um eine "Praxisgemeinschaft, in der intensiv diskutiert und geforscht werden konnte und kann". Dies sei nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass die Nachwuchswissenschaftlerinnen im Kolleg "relativ unabhängig vom universitären Alltag" zusammenarbeiten können.

Zu den Früchten der Arbeit des Graduiertenkollegs zählt der vorliegende Band, der sich als "Teil einer widerspenstigen Wissenskultur" versteht, die "aus interdisziplinärer Perspektive etabliertes Wissen und dominante Repräsentationen" in Frage stellt und darauf zielt, "Dimensionen feministischer Wissensproduktion und -kritik aufzugreifen sowie das Verhältnis von Geschlecht und Erfahrung zu Wissen und Wissenschaft in unterschiedlichen theoretischen und empirischen Bezügen auszuleuchten". Darüber hinaus gehen die Beiträgerinnen den "Prozessen der Erzeugung wissenschaftlich 'autorisierten' Wissens" nach und beleuchten das vielfältige Verhältnis von feministischer Theorie und politischer Handlungsfähigkeit. Im Mittelpunkt steht dabei wiederholt die Frage, "wie Wissensstrategien und (Gegen)Praxen aussehen können, die nicht von einer identitätslogischen Perspektive ausgehen".

In der Einleitung verleihen die Herausgeberinnen ihrer Hoffnung Ausdruck, mit dem vorliegenden Band "die Diskussion über Wissen, Wissenschaft und Geschlecht durch die Verknüpfung mit der Kategorie Erfahrung bzw. mit der Dimension des Politischen anzuregen". Entsprechend weit gefächert ist das Spektrum der in den verschiedenen Beiträgen verhandelten Themen, die von den Herausgeberinnen in drei "Blöcke" gebündelt wurden. Im ersten Teil des Buches wird unter dem Titel "Wissen und Selbstwahrnehmung: Prozesse der Aneignung und Subjektivierung" aus verschiedenen Perspektiven und anhand unterschiedlicher Themen untersucht, wie Wissen "ein Selbst und ein Selbst-Verhältnis" konstituiert. Die Autorinnen des zweiten Teils gehen dem Verhältnis von Wissenschaft und Macht nach, wobei sie insbesondere die Kategorie Geschlecht fokussieren. Der abschließende dritte Teil behandelt die - wenn man so will - Dialektik von feministischer Wissensproduktion und politischer Praxis.

Der erste Teil enthält neben dem bereits genannten Beitrag von Annika Traxler und einer Analyse von "Krankheitsdarstellungen und Wissen im Arzt-Patientinnen-Dialog um 1830" aus der Feder Bettina Brockmeyers einen Aufsatz über "Drag Kinging, Selbstverhältnisse und Wissensweisen von 'Geschlecht'". Entlang narrativer Interviews mit "Menschen, die sich in der deutschsprachigen Drag King-Szene bewegen", fragt Uta Schirmer in dem Text danach, ob und inwieweit "die dort entwickelte[n] und gelebte[n] Praxen" eine "transformierende Wirkung" auf "geschlechtliche Selbstverhältnisse" ausüben.

In weiteren Beiträgen berichtet Eva Sänger "[v]om theoretischen und praktischen Nutzen des Zivilgesellschaftskonzepts", Jessica Gevers geht am Beispiel der kanadischen "Latina"-Literatur den "Sehnsüchte[n] nach anderen Räumen" nach, und Uma Naraya wirft einen Blick "Beyond the Local". Karen Nolte schaut hingegen zurück aufs frühe 18. Jahrhundert. Am Beispiel der "akademisch ausgebildeten Geburtshelferin" Charlotte von Siebold hinterfragt sie die historiografische Einordnung gelehrter Frauen der Aufklärung in die Frauenbildungsgeschichte. Hierzu bezieht sie sich fruchtbar auf Andrea Griesebners theoretisches Konzept von Geschlecht als "mehrfach relationaler Kategorie".

In einem anderen Beitrag stellt Drucilla Cornell ebenso originelle wie überraschende Überlegungen zu "Feminism and Sublime Affinity" an. Ziel ihres Aufsatzes ist es, "[to] pursue the ethical claim that our struggle to build transnational feminist alliances, we must at times forsake the drive that we have to 'know' each other, if by knowledge we imply an objectifying relationship that allows us to securely place an object under the cocept of reason". Statt dessen schlägt sie eine "sublime affinity" als Möglichkeit vor, "to enact our solidarity with one another in a feminist alliance". Hierbei stützt sich auf "some of Kant's ideas" - namentlich auf einige seiner Ausführungen zum Gefühl des Erhabenen - sowie auf Lacans Definition des weiblichen Imaginären. Abschließend illustriert die Autorin ihre Auffassung anhand von Toni Morissons Roman "Paradise". Mit dem vorliegenden Beitrag ist ihr zweifellos eine glückliche Verbindung von Philosophie und Literaturinterpretation gelungen.

Stephanie Braukmann wendet sich der Filmwissenchaft zu und fügt der unüberschaubaren Zahl der Arbeiten, welche die "Alien"-Tetralogie aus geschlechterspezifischer Sicht beleuchten, eine weitere hinzu, in dem sie der Frage nachgeht, "welche Entwürfe von Geschlecht und Identität sichtbar werden", wenn man die Filme "vor dem Hintergrund von Haraways Cyborg-Mythos" liest.

Ebenfalls dem SF-Film gilt die Aufmerksamkeit Uta Scheers in einem gemeinsam mit Annika Spilker verfassten Beitrag. Der steht zwar unter dem den "Star Wars"-Filmen entliehenen Titel "Die dunkle Seite der Macht", behandelt aber tatsächlich die "Star Trek"-Fernsehserie "Voyager". Genauer gesagt nicht mehr als zwei Episoden dieser Serie. Die beiden Autorinnen stellen Captain Kathryn Janeway, die Protagonistin der Serie, mit der in den 1920er- und 1930er-Jahren als völkische Antisemitin bekannten - man kann auch sagen berüchtigten - Medizinerin Mathilde Ludendorff zusammen. Der Aufsatz zerfällt im wesentlichen in zwei weithin unvermittelt nebeneinander stehende Teile, von denen einer Ludendorff und einer Janeway gewidmet ist. Erst in einem kurzen Schlussabschnitt werden die beiden Teile zusammengefügt. Man darf vermuten, dass der Janeway-Teil von Scheer verfasst wurde, die sich bereits in ihrer Magistra-Arbeit mit dem Thema "Star Trek" befasste. Dafür, dass er nur von einer der beiden Autorinnen geschrieben wurde, spricht zudem, dass die Autorfigur dieses Teils von sich in der ersten Person Singular spricht. Der Ludendorff-Teil dürfte dann von der Historikerin Spilker stammen. Den resümierenden Schluss werden die Autorinnen gemeinsam geschrieben haben.

Anhand einer medienwissenschaftlichen Analyse des "televisuell-fiktionalen Charakters" Janeway und einer geschichtswissenschaftlichen Analyse der "historischen Akteurin" Ludendorff illustrieren die Autorinnen aus feministischer Perspektive die (vermeintlich) "voraussetzungsfreien Zugänge zu Wissen und Macht" sowie die "daraus resultierenden Konsequenzen", um so die "problematische[n] und gefährliche[n] Effekte" hervortreten zu lassen, "die sich durch die Teilhabe an Wissenschaft - und damit untrennbar verbunden: an Macht - unter besonderer Berücksichtigung der Kategorie Geschlecht ergeben". Denn Wissenschaft und Macht seien "nicht voneinander zu trennen". Sollte damit nur gemeint sein, dass Wissenschaft von Macht nicht zu trennen ist (also ohne den Umkehrschluss zu ziehen), so ist dem zweifellos zuzustimmen. Offenbar haben die Autorinnen tatsächlich auch nur dies im Auge, denn sie erklären unmittelbar anschließend, diejenigen, die meinten, dass diese Trennung existiere, säßen "einem der originären Mythen über die Objektivität und Abstraktheit einer 'reinen' Wissenschaft" auf. Damit haben sie allerdings einen Pappkameraden aufgebaut. Denn kein Mensch glaubt heute noch an die Möglichkeit reiner Wissenschaft. Wissenschaft, so die Autorinnen weiter, sei nicht nur ein "Kampf um Bedeutungen", sondern vor allem um "Deutungsmacht". Ihr so weit nicht eben innovatives Vorhaben besteht nun darin zu zeigen, dass die Kategorie Geschlecht dabei eine "zentrale Rolle" spielt.

Überraschend und neu ist es allerdings, Ludendorff und Janeway vergleichend zusammenzuführen. Ludendorff, eine der ersten promovierten Medizinerinnen in Deutschland, setzte sich in ihren ersten Publikationen für die Möglichkeit "akademischer Berufsarbeit" von Frauen ein. So entwarf sie in ihrem 1917 erschienen Buch "Das Weib und seine Bestimmung" ein Modell, in dem Frauen und Männern in den Wissenschaften zwar unterschiedliche, aber "gleichberechtigte Tätigkeitsbereiche" zugeschrieben wurden. Die von ihr propagierte "geschlechtsspezifische Wissenschaft" mit ihrem 'männlichen' und 'weiblichen' Bereichen gründete in Ludendorffs essentialistischer Annahme unterschiedlicher Befähigungen von Männern und Frauen. Letztere zeichneten sich ihr zufolge etwa durch eine "Mehrbegabung für Psychologie" sowie durch die "starke Entwicklung des intuitiven Denkens, verbunden mit der reichen Phantasie und dem überaus starken Interesse für Personen und für das Individuelle" aus. Männer besäßen hingegen ein ausgeprägtes "Interesse an allgemeingültigen Gesetzmäßigkeiten", die durch Versuche und Experimente erforscht werden könnten. Ludendorffs geschlechterkomplementäres Konzept will nun "weibliche und männliche Perspektiven" zusammenführen. Denn erst dann sei es möglich, "alle Wissenschaftsbereiche voll [zu] entwickel[n]". Bei alldem betrachtete sie - und das verwundert angesichts ihres essentialistischen Konzeptes wenig - die "weibliche Fortpflanzungstätigkeit" als "letztlich 'wichtigste Lebensaufgabe der Frau'" und wollte sie "als 'Mutterberuf' aufgewertet" sehen.

Zehn Jahre nach Erscheinen ihres Buches "Das Weib und seine Bestimmung" änderte sie ihr Geschlechterkonzept, in das nun "'rassische' Differenzierungen" einflossen. Die 1917 festgestellten geschlechtsspezifischen Unterschiede sollen nunmehr nur noch für die 'weiße Rasse' gelten, und in der "Unterordnung von Frauen in der deutschen Gesellschaft" sah Ludendorff nun "eine 'rassefremde Machtverteilung' und [...] 'Verdeutschungsversuche des jüdischen sich unterordnenden Frauenideals'".

Obwohl keine Anhängerin Hitlers und nie Mitglied der NSDAP, wurde Ludendorff nach 1945 als "Belastete (Aktivistin)" verurteilt. Auch nach dem Krieg und ihrer Verurteilung hielt sie an ihren Rassetheorien fest und bestritt dem vorliegenden Aufsatz zufolge vehement, "den Mord an den deutschen und europäischen Juden im Nationalsozialismus durch solche Theorien legitimiert und begünstigt zu haben".

Angesichts dieser Biografie fragt man sich, was die fiktionale Sternenflottenkapitänin Janeway - respektive deren Konzeption - mit Ludendorff gemein haben soll. Um dies aufzuzeigen, untersucht - wie ich vermute - Scheer die "Voyager"-Episoden "Resolutions" und "Retrospekt". Wie Scheer zu zeigen bemüht ist, wird Janeway - ihres Zeichens nicht nur Kapitänin, sondern auch Naturwissenschaftlerin - in der ersten der beiden Episoden als schlechte Wissenschaftlerin dargestellt. Die Analyse dieser Episode erweist sich als nahezu identisch mit dem Abschnitt "Inkompetenz und Insubordination" von Scheers 2002 als Buch erschienener Magistra-Arbeit "Neue Geschlechterwelten?", deren Versuch, die Geschlechterkonstruktionen des "Star Trek"-Universums als konservativ, wenn nicht gar als reaktionär nachzuweisen, sich nicht eben durch eine differenzierte Analyse ihres Untersuchungsobjektes (die Geschlechterrollen und -konstruktionen in den "Star Trek"-Serien "Deep Space Nine" und "Voyager") auszeichnet. Entsprechend klappert denn auch die Argumentation der vorliegenden Analyse. So übersieht die Autorin etwa, dass die Geschlechterklischees vertauscht werden, wenn Janeway in den Dschungel des Planeten, auf dem sie gestrandet sind, aufbricht, während ihr erster (männlicher) Offizier Chakotay 'das Heim richtet'. Dass es Janeway nicht gelingt, ein Mittel gegen den Virus zu finden, der die beiden Gestrandeten befallen hat, bezeugt nicht ihre "wissenschaftliche Inkompetenz", wie Scheer meint, sondern ist vielmehr der von ihr unverschuldeten Zerstörung ihrer Versuchsanlage anzulasten.

Restlos überzeugend fällt hingegen Scheers kritische Analyse der Episode 'Retrospekt' aus, die sie als Positionierung im Sinne der "False Memory Syndrome Foundation" im zur Zeit der Ausstrahlung in den USA virulenten Streit um die richtige oder falsche Erinnerung von tatsächlichen oder vermeintlichen Missbrauchsopfern liest.

Abschließend lässt sich zu dem Aufsatz sagen, dass es trotz der offenbaren Schwächen der von den "Star Trek"-MacherInnen als emanzipativ gedachten "Voyager"-Figur Janeway doch etwas starker Tobak ist, sie mit Mathilde Ludendorff vergleichen. Den Autorinnen gelingt dies auch nur, indem sie die Rolle Ludendorffs verharmlosen. Denn ihr abschließender Befund lautet, die historische wie auch die fiktionale Figur zeigten, dass sich Utopien von Frauen in der Wissenschaft "trotz ihres emanzipatorischen Potentials letztendlich als riskant" erweisen. Mehr nicht.

Zutreffend und zu unterstreichen ist hingegen ihr Befund, dass "die Emanzipation von tradierten Frauenrollen und Weiblichkeitsbildern" angesichts des "komplexen Verhältnisses von Wissenschaft, Macht und Geschlecht" nicht das "alleinige Bewertungskriterium" für den Erfolg von Wissenschaftlerinnen sein sollte. Wie das Autorinnenduo (die Autorfigur spricht im abschließenden Kapitel in der ersten Person Plural) betont, ist vielmehr "der verantwortungsvolle Umgang mit gegebenen beziehungsweise neu gestalteten Machtverhältnissen" entscheidend. "Denn Emanzipation und der damit verbundene Machtgewinn können durchaus auch eine Entscheidung für die 'dunkle Seite der Macht' mit sich bringen." Das trifft zweifellos zu, wird aber an Ludendorff um einiges überzeugender gezeigt als an Janeway.


Titelbild

Lena Behmenburg / Mareike Berweger / Jessica Gevers / Karen Nolte / Eva Sänger / Anna Schnädelbach (Hg.): Wissenschaf(f)t Geschlecht. Machtverhältnisse und feministische Wissensproduktion.
Ulrike Helmer Verlag, Königstein 2007.
277 Seiten, 28,00 EUR.
ISBN-13: 9783897412255

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