Germanistik in/und Skandinavien

Germanistentreffen Deutschland - Dänemark - Finnland - Island - Norwegen - Schweden

Von Gerhard MüllerRSS-Newsfeed neuer Artikel von Gerhard Müller

Besprochene Bücher / Literaturhinweise

In aller hier gebotenen Kürze soll ein interessanter Sammelband vorgestellt werden, der - zurückgehend auf eine Greifswalder Fachtagung vom Oktober 2000 - zum einen das Ziel hat, "das Fach Germanistik in seiner aktuellen Bandbreite abzubilden", in den Teildisziplinen Linguistik, Mediävistik, neuere Literatur und Deutsch als Fremdsprache. Allgemeinere, auch sprachenpolitische Referate sind von Hartmut Kugler (Erlangen) und Rudolf Hoberg (Darmstadt) gehalten worden.

Außerdem ist bemerkenswert, dass auf jener Tagung Germanistinnen und Germanisten aus Deutschland und aus fünf skandinavischen Ländern zusammengekommen sind, was sich auch in der Thematik der Beiträge widerspiegelt.

So reizvoll und aufschlussreich dieses Themenspektrum sowie die international-interkulturelle Weite von Fachtagung und Tagungsband sind, so schwierig ist es, diese Veröffentlichung zu rezensieren, erweist sich doch jetzt, da die Beiträge gedruckt vorliegen, wie speziell sie sind und wie heterogen sich die Papierdokumentation darstellt. Auch ist in der Abfolge der insgesamt 22 Beiträge kein System zu erkennen; es wechseln die thematischen wie die länderspezifischen Aspekte, so dass der Band unübersichtlich und zersplittert wirkt.

Nähern wir uns nüchtern von einem Ende her: Aus Dänemark sind Beiträge abgedruckt von Henning Bergenholtz, Peter Colliander, Lisbeth Falster Jakobsen, Birthe Hoffmann, Peter Kastberg; aus Deutschland von Robert Hinderling, Rudolf Hoberg, Hartmut Kugler, Fritz Paul, Norbert Richard Wolf; aus Finnland von Ahti Jäntti, Jarmo Korhonen, Christoph Parry, Ewald Reuter; aus Norwegen von John Ole Askedal und Sigmund Kvam; aus Schweden von Sven-Gunnar Andersson, Christine Frisch, Barbro Landén, Dieter Krohn, Valéria Molnár und Elisabeth Wåghäll Nivre.

Nähern wir uns vom anderen Ende her: Zur Altgermanistik äußert sich Elisabeth Wåghäll Nivre ("Das Studium älterer und mittlerer deutscher Literatur in Schweden?"). Sprachwissenschaftliche Beiträge liegen vor von John Ole Askedal ("Zum Koordinationstyp 'syntaktische und Wortbildungsmittel'"), Peter Colliander ("Kontrastive Linguistik aus didaktischer Sicht"), Lisbeth Falster Jakobsen ("Funktionale Grammatik der Kopenhagener Prägung - eine Modernisierung des Sprachverständnisses in Grammatiken für Ausländer?"), Valéria Molnár ("Das Passiv im Dienste der Aktivisierung. Sprachtheoretische und sprachdidaktische Überlegungen zu einer 'sprachlichen Absurdität'"). Hier können angeschlossen werden die Beiträge von Peter Colliander ("Kontrastive Linguistik aus didaktischer Sicht"), Sigmund Kvam ("Forschungsschwerpunkte im Bereich der deutschen Wirtschaftskommunikation am Wissenschaftszentrum für Wirtschaftssprachen in Norwegen"), Ewald Reuter ("Germanistikfremde Studien? Finnisch-deutsche Wirtschaftskommunikation als neuer Studien- und Forschungsschwerpunkt an der Universität Tampere"), Peter Kastberg ("Neue Wege in der Ausbildung technischer Übersetzer an der Wirtschaftsuniversität Aarhus..."), Sven Gunnar Andersson ("Zur Erfassung der Kontrastsituation zwischen Deutsch und Schwedisch im Bereich der Stilistik") und Dieter Krohn ("'Der Deutsche ist laut und trinkt Bier!' Zum Verhältnis von Vorurteil und Urteil in der interkulturellen Kommunikation") sowie andererseits die lexikographischen Abhandlungen von Henning Bergenholtz ("Lexikographische Wörterbücher. Werkstattbericht am Beispiel der Termini Deskription, Präskription und Proskription") und Jarmo Korhonen ("Deutsch-finnische Großwörterbücher. Geschichte und Gegenwart").

Die beiden allgemeineren Referate - sie stehen am Anfang des Sammelbandes - von Hartmut Kugler und Rudolf Hoberg sind schon erwähnt worden ("Entwicklungstendenzen in den Studiengängen der Germanistik und Überlegungen zur aktuellen Sprachenpolitik").

Der Literaturwissenschaft gelten die Beiträge von: Christine Frisch ("Frech, frivol, freizügig...? Konstruktion von Frauenfiguren in der Populärliteratur [weiblicher Autoren] der neunziger Jahre in Schweden und Deutschland"), Birthe Hoffmann ("Die Auslandsgermanistik und der Diskurs der deutschen Literaturwissenschaft: Freiheit und/oder Abhängigkeit? oder: Wie soll man Goethe lesen?"), Barbro Landén ("Dialog im epischen Kontext. Die Einbettung des Dialogs in den erzählerischen Kontext"), Christoph Parry ("Probleme literarischer Rezeption im interkulturellen Kontext"), Fritz Paul ("Skandinaviens Eintritt in die Weltliteratur. Zur Funktion der 'Skandinavienschwelle' bei der übersetzerischen Entdeckung europäischer Literaturen") und Norbert Richard Wolf ("Wortbildung[en] in moderner deutscher Lyrik").

Da es an dieser Stelle nicht darum gehen kann, all die Einzelreferate zu referieren oder gar zu würdigen, da auch ein Eingehen auf den einen oder anderen Beitrag nicht angemessen wäre, fühlt sich der Rezensent - obwohl ein Unbefriedigtsein bleibt - berechtigt, die Kurzanzeige hier abzuschließen.

Titelbild

Germanistentreffen. Deutschland Dänemark Finnland Island Norwegen Schweden: 9.-13.10.2000. Dokumentation der Tagungsbeiträge.
Herausgegeben von Dr. Werner Roggausch.
Deutscher Akademischer Austauschdienst (DAAD), Bonn 2001.
287 Seiten,
ISBN-10: 3871927775

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