Mode - Wiederkehr des Immergleichen in wechselnden Gewändern

Ein Symposiumsband zu Mode und Kult

Von Rolf LöchelRSS-Newsfeed neuer Artikel von Rolf Löchel

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Im Juli 2001 fand in Bern ein Symposium unter dem Titel "Mode - Kult" statt. Die damals unter anderem von so namhaften Referentinnen wie Barbara Vinken, Gertrud Lehnert und Elisabeth Bronfen gehaltenen Vorträge liegen nun in einem von Gerhard Johann Lischka herausgegebenen Sammelband vor. In einem einleitenden Beitrag wartet der Herausgeber mit so - scheinbar? - widersprüchlichen Feststellungen auf wie der, Mode sei zwar nichts weiter als "reine Oberfläche" zugleich aber auch "realer als die Realität". Mag so etwas auch an das manchmal dunkle Geraune postmoderner Provenienz erinnern, so kritisiert er Mode andererseits in klaren Worten als Wiederholung des Immergleichen in wechselndem Gewand. Wirklich Neues sei hingegen nur zu erwarten, wenn Waren nicht mehr nur um des Profits willen hergestellt würden, sondern "unter dem Aspekt des Wohlergehens im globalen Kontext". Nur so könne "sinnvoller Umgang mit Ressourcen", "Umweltverträglichkeit" und "gerechte Verteilung" erreicht werden. Forderungen, die derart vage sind, dass sie wohl kaum auf Gegnerschaft hoffen dürfen.

Während Susanne Becker in einem der anderen Beiträge einen kritischen Blick auf den Marken-Kult wirft und Peter Weibel eine "Militarisierung der Mode" konstatiert, wendet sich Barbara Vinken am Beispiel Marie-Antoinettes der Archäologie des Phänomens des Stars zu. Die im Zuge des Jakobinischen Terrors hingerichtete französische Königin habe "ihr Geschlecht über ihren Rang" gestellt und sei eine "Vorreiterin der postrevolutionären Ordnung der Geschlechter" gewesen, konstatiert Vinken.

In den beiden lesenswertesten Aufsätzen widmet sich Gertrud Lehnert den Möglichkeiten von Mode, "Bedeutung zu erzeugen und sie zugleich zu konterkarieren", und Elisabeth Bronfen beleuchtet die Diva als "Unfall im Mythensystem des Stars". Die Diva, so Bronfen, verkörpere nicht nur einen "künstlich erstellten Glamour", sondern verschränke ihren "zeichenhaften Kunstkörper" mit ihrem "existentielle[n] Schmerz". So bringe sie ihren "realen Leib in seiner fragilen Versehrtheit" ins Spiel. In der "unsauberen Verschränkung von Starkörper und Körpersubstanz" erweise sich die Diva als "gänzlich authentisch" und zeichne sich dadurch aus, dass sie die "monströse Kehrseite des Göttlichen" für das sie "anbetende Publikums" absichtlich in Szene setze.

Lehnerts Vortrag konzentriert sich auf die Präsentation der Mode und ihr Spiel mit lesbischen Identitäten, die immer dann inszeniert werden, "wenn es darum geht, etwas 'Besonderes' zu suggerieren". Zuvor stellt die Autorin jedoch einige grundsätzliche - und dabei gleichwohl konzise - Überlegungen zur Performativität von Mode an. Die überzeugende These ihres kurzen Textes lautet, bei "lesbischen Anspielungen oder Subtexten", wie sie etwa in den "denkbar heterosexuell orientierten, hochklassischen und hochpreisigen Zeitschriften" "Vogue" oder "Marie Claire" auftauchen, gehe es nicht um reale Lesben, sondern um die Lesbe als ein Zeichen, das auf den "Reiz des gesellschaftlich nach wie vor mehr oder weniger Tabuisierten" verweise, allerdings als Bild schon längst soweit in den Mainstream aufgenommen worden sei, dass es "einen gewissen weltläufigen Schick" suggeriere. Propagiert werde nicht die Anstrengung besonders zu sein, sondern besonders zu wirken, um so die Angst "gewöhnlich zu sein" zu bekämpfen.

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Gerhard Johann Lischka (Hg.): Mode-Kult.
Wienand Verlag, Köln 2002.
90 Seiten, 14,80 EUR.
ISBN-10: 3879097836

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