Männlichkeitskonstruktionen und Kunst im Kaiserreich und in der Weimarer Republik

Besprochene Bücher / Literaturhinweise

Auf eine Tagung des Zentrums für Interdisziplinäre Forschung der Universität Bielefeld im Juni 2002 geht ein von Martina Kessel herausgegebener Sammelband über Männlichkeitskonstruktionen und Kunst im Kaiserreich und in der Weimarer Republik zurück. Die sechs Beiträge handeln von "Paradoxien und inhärenten Ambivalenzen moderner Männlichkeitskonstruktionen" und "rücken die Energien in den Blick, die immer wieder investiert wurden, um entweder ein eindeutiges Bild vom männlichen Künstler oder einen spezifischen Entwurf hegemonialer Männlichkeit durch den Zusammenhang mit Kunst zu schaffen".

Elizabeth Otto zeigt die Konstruktion soldatischer Männlichkeit am Beispiel von Porträtphotographien um 1900 auf. Wolfgang Struck geht der Konstruktion von Männlichkeiten und den Männerbildern in deutschen Stummfilmen nach. Beatrix Borchard wendet sich dem Bereich der Musik zu und untersucht Männlichkeitskonstruktionen bei Beethoven. Angelika Schaser wirft einen zu Recht kritischen Blick auf die Konzeption des Künstlers bei Gertrud Bäumer, ihres Zeichens eine der führenden Persönlichkeiten des gemäßigten Flügels der bürgerlichen Frauenbewegung nach 1900. Barbara Paul legt das "nur männlich zu denkende" Künstlerkonzept des Bauhaus-Künstlers Lászlo Moholy-Nagy offen. Barbara Lange schließlich geht "entschlossene[n] Revolutionären" des Surrealismus in der Krise hegemonialer Männlichkeit während der 1920er Jahre nach.

R. L.

Titelbild

Martina Kessel (Hg.): Kunst, Geschlecht, Politik. Männlichkeitskonstruktionen und Kunst im Kaiserreich und in der Weimarer Republik.
Campus Verlag, Frankfurt a. M. 2005.
146 Seiten, 24,90 EUR.
ISBN-10: 3593375400

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