Mit seinen Alemannischen Gedichten und Kalendergeschichten bereicherte Johann Peter Hebel die deutsche Literatur

Sein 200. Todestag wird durch zahlreiche Neuerscheinungen und Neuausgaben geehrt

Von Manfred OrlickRSS-Newsfeed neuer Artikel von Manfred Orlick

Besprochene Bücher / Literaturhinweise

Johann Wolfgang von Goethe nannte ihn „einen ganz trefflichen Mann“ und in einer Rezension seiner Alemannischen Gedichte aus dem Jahr 1804 lobte er fast schwärmerisch die heimatliche und lebendige Natur sowie die Volksverbundenheit seiner Dichtung:

Heiterkeit des Himmels, Fruchtbarkeit der Erde, Mannigfaltigkeit der Gegend, Lebendigkeit des Wassers, Behaglichkeit der Menschen, Geschwätzigkeit und Darstellungsgabe, zudringliche Gesprächsformen, neckische Sprachweise, so viel steht ihm zu Gebot, um das, was ihm sein Talent eingibt, auszuführen.

Die Rede ist natürlich von Johann Peter Hebel, dessen Todestag sich am 22. September 2026 zum 200. Mal jährt. Das Jubiläum des bedeutenden Dichters, Theologen und Pädagogen wird besonders in Schwetzingen (seinem Sterbeort) und in Basel (seinem Geburtsort) sowie im badischen Raum und in Hausen im Wiesental mit einem vielfältigen Kulturprogramm gewürdigt.

Johann Peter Hebel wurde am 10. Mai 1760 in Basel geboren. Seine Eltern pendelten bedingt durch ihre Dienstarbeit bei einer reichen Patrizierfamilie zwischen Basel und Hausen im Wiesental. Der Vater starb bereits, als Hebel gerade ein Jahr alt war. Der Junge besuchte die Volksschule in Hausen und die Lateinschule in Schopfheim. 1773 ereilte ihn jedoch ein weiterer Schicksalsschlag, als die Mutter, die den Sohn bisher allein großgezogen hatte, in seinem Beisein verstarb. Der Dreizehnjährige stand allein in der Welt. Dank eines kleinen Erbes und der Unterstützung von badischen Förderern konnte der Waise das renommierte Gymnasium illustre in Karlsruhe absolvieren und danach ein Theologiestudium in Erlangen aufnehmen, das er 1780 mit dem theologischen Staatsexamen abschloss.

Da nach dem Studium kein Amt eines Landpfarrers zur Verfügung stand, trat Hebel, um seinen Lebensunterhalt zu sichern, zunächst eine Stelle als Hauslehrer und Aushilfsvikar bei dem Pfarrer Philipp Jakob Schlotterbeck in Hertingen an. Die drei Jahre in dem beschaulichen Dorf im Markgräflerland nutzte er auch zur intensiven Lektüre von klassischer Literatur und theologischen Schriften. Die Exzerpthefte aus dieser Zeit vermitteln ein Bild von Umfang und Vielfalt seiner Studien. Im März 1783 wurde Hebel als Präzeptoratsvikar an das Pädagogium nach Lörrach versetzt, wo er u. a. Latein, Griechisch, Geschichte und Religion unterrichtete. Die folgenden acht Jahre sollten für seine geistige und persönliche Entwicklung nicht ohne tiefe Eindrücke bleiben. Nach Hebels eigenen Worten waren dies die schönsten Jahre seines Lebens. Neben den Unterrichtsvorbereitungen betrieb er naturkundliche Studien und knüpfte tiefe Freundschaften, die weit über seine Lörracher Zeit hinausreichten. Auch seine langjährige Freundin und Briefpartnerin Gustave Fecht lernte er im Pädagogium kennen.

Hebel kehrte 1791 nach dreizehn Jahren dauerhaft nach Karlsruhe zurück, wo er völlig überraschend eine Stelle als Subdiakon und Lehrer an seiner ehemaligen Schule, dem Gymnasium Illustre, erhielt. Später wirkte er als Hofdiakon, Direktor des Gymnasiums (bis 1814) und schließlich 1798 als Professor der dogmatischen Theologie und der hebräischen Sprache. In der kirchlichen Hierarchie stieg er ebenfalls auf, so wurde er Mitglied in verschiedenen Kirchenbehörden. Karlsruhe wurde nun zum Lebensmittelpunkt für Hebel: mehr als 39 Jahre seiner 66 Lebensjahre verbrachte er als Staatsbeamter des Markgrafen und später des Großherzogs in der Residenzstadt.

In den Jahren 1799 bis 1802 entstanden die Alemannischen Gedichte, die erstmals 1803 anonym (nur mit den Initialen J.P.H. auf dem Widmungsblatt) auf eigene Kosten erschienen. Die 32 Gedichte im südbadischen Dialekt tragen den Untertitel Für Freunde ländlicher Natur und Sitten und beschreiben die Natur, die Jahreszeiten oder das einfache ländliche Leben, thematisieren aber auch Werte wie Nächstenliebe und Frömmigkeit. Die Sammlung beginnt mit dem kleinen Epos auf den Fluss Die Wiese, in dem Hebel den Verlauf des Gewässers von der Quelle am Feldberg durch das Wiesental bis zu seiner Mündung in den Rhein in allegorischen Bildern beschreibt. Auf diese Weise wird das alemannische Gebiet abgebildet.

Dank ihrer volksliedhaften Struktur erlangten die Alemannischen Gedichte rasch eine breite Anerkennung. Ein wesentlicher Faktor für diesen Erfolg waren die wohlwollenden Rezensionen prominenter Zeitgenossen wie Johann Wolfgang von Goethe und Jean Paul, was bereits 1804 zu einer zweiten, nun namentlich gekennzeichneten Auflage führte. In den folgenden Jahren erschienen weitere von Hebel überarbeitete Auflagen, die mit Bildbeigaben versehen waren. Obwohl Hebel ursprünglich die Herausgabe eines zweiten Bandes plante, wurde dieses Vorhaben nicht realisiert; im weiteren Verlauf seines Schaffens entstanden nur noch wenige vereinzelte Gedichte.

Mit den Alemannischen Gedichten hatte Hebel die Mundartdichtung zu einem festen Bestandteil der deutschen Nationalliteratur gemacht. Zahlreiche spätere Dichter wurden dadurch zu eigenen Werken in ihrer jeweiligen regionalen Mundart angeregt. Besonders nach Norddeutschland strahlte sein Beispiel aus. Dort griffen namhafte Autoren wie Klaus Groth, Fritz Reuter und John Brinckmann Hebels Impulse auf und trugen maßgeblich zur Etablierung einer literarischen Tradition in niederdeutscher Sprache bei.

Bereits seit 1802 war Hebel Mitarbeiter am Badischen Landkalender, der seit 1750 in Karlsruhe herausgegeben wurde. Da der Absatz sehr zurückgegangen war, wurde Hebel von der Kalenderkommission um Verbesserungsvorschläge zur redaktionellen Gestaltung des Volkskalenders gebeten. Er beließ es jedoch nicht nur bei einer Beratung, sondern steuerte ab 1803 jährlich einige Geschichten zum Kalender bei. Ab 1807 erschien der Volkskalender unter dem Namen Rheinländischer Hausfreund. Hebel wurde schnell zum Hauptautor und Redakteur der Publikation. Unter seiner Regie erhöhte sich die Auflage binnen kurzer Zeit von 20.000 auf 50.000 Exemplare.

In seinen Geschichten, die sich durch volkstümliche Einfachheit und hintergründigen Humor auszeichneten, behandelte Hebel eine Vielfalt von Themen, indem er für seine Leser Anekdoten, Berichte, Schwänke, abgewandelte Märchen, historische Darlegungen, Porträts, naturkundliche Beschreibungen und vieles andere aufnahm. Die Protagonisten sind meist einfache Leute aus dem Volk wie Bauern, Handwerksburschen, Soldaten, Hausierer, Kneipenwirte oder Knechte. Jede Geschichte endete in der Regel mit einer unerwarteten Wendung, die eine Lebensweisheit, eine sittliche Lehre oder einen Denkanstoß für den Alltag enthielt. So vermittelte Hebel praktische Lebensweisheiten und moralische Orientierung. Er brachte jedoch seine subtile Gesellschaftskritik und die Aufdeckung menschlicher Schwächen meist mit einem versöhnlichen Ton zum Ausdruck .Auf Bitten des Verlegers Johann Friedrich Cotta (1764-1832) wählte Hebel die schönsten Kalendergeschichten aus und schrieb sie teilweise für eine Buchausgabe um, die 1811 unter dem Titel Schatzkästlein des Rheinischen Hausfreundes erschien.

Hebels letzte Lebensjahre waren geprägt von mehreren Tätigkeiten in höchsten kirchlichen Ämtern. So wurde er Erster Prälat der vereinigten badischen Landeskirche und die Theologische Fakultät der Universität Heidelberg verlieh ihm die Ehrendoktorwürde. Obwohl er nun Umgang mit der höheren Gesellschaft hatte, vergaß er seine Herkunft als Sohn armer Dienstboten und als einstiger Waisenjunge nie. Als 60-Jähriger blickte er einmal zurück:

Ich habe schon in dem zweiten Jahre meines Lebens meinen Vater, in dem dreizehnten meine Mutter verloren. Aber der Segen ihrer Frömmigkeit hat mich nie verlassen. Sie hat mich beten gelehrt; sie hat mich gelehrt, an Gott glauben, auf Gott vertrauen, an seine Allgegenwart denken.

Die zahlreichen geistlichen Ämter ließen Hebel kaum noch Zeit für eine literarische Produktion. Sein Hauptwerk aus dieser späten Phase sind die Biblischen Geschichten. Für die Jugend bearbeitet, die im Jahr 1824 erschienen. Die leicht verständlichen Geschichten aus dem Alten und Neuen Testament hatte Hebel als Schulbuch für den evangelischen Religionsunterricht verfasst, das aber auch in den katholischen Religionsunterricht übernommen wurde.

Im September 1826 begab sich Hebel auf eine Dienstreise, um Schulprüfungen abzunehmen. Unterwegs stellten sich Fieber und starke Schmerzen ein. In der Nacht zum 22. September verstarb er in Schwetzingen. Am darauffolgenden Tag wurde er auf dem Alten Friedhof des Ortes beigesetzt. Zahlreiche Freunde, Verehrer sowie Vertreter der Kirche und der Universität begleiteten ihn auf seinem letzten Weg.

Nicht viel mehr als fünfzehn Jahre lang war Hebel literarisch produktiv. Aber in diesem vergleichsweise kurzen Zeitraum schuf er unterhaltende und volksnahe Werke, die ihn überdauerten und eine breite Leserschaft erreichten. Nach seinem Tod blieb Hebel weiterhin einer der geschätzten Volksschriftsteller und Mundartdichter Deutschlands. Während im 19. Jahrhundert die volkstümliche und schulpädagogische Wertschätzung (Hebel als Lesebuch-Klassiker) überwog, setzte im 20. Jahrhundert eine literarische Neubewertung ein, hin zu einem modernen Aufklärer und Meister der Kurzprosa. So zählten Franz Kafka, Kurt Tucholsky, Bertolt Brecht, Hermann Hesse, Walter Benjamin, Ernst Bloch oder Martin Heidegger zu den Bewunderern seines Werks.

Seit 1936 wird der Johann-Hebel-Preis verliehen (ab 1974 im Zweijahresrhythmus), stets am 10. Mai zum Geburtstag des Dichters beim Johann-Peter-Hebel-Fest in Hausen im Wiesental. Nach dem Schiller-Gedächtnispreis ist er der bedeutendste Literaturpreis Baden-Württembergs. Unter den bisherigen Preisträgern finden sich namhafte Persönlichkeiten wie Albert Schweitzer (1951), Martin Heidegger (1960) oder Elias Canetti (1980). In diesem Jahr wurde die Freiburger Schriftstellerin Anette Pehnt für ihr literarisches Oeuvre ausgezeichnet.

Anlässlich des 200. Todesjahres von Johann Peter Hebel wurde zusätzlich dem Literaturwissenschaftler Friedrich Pfäfflin ein besonderer Ehrenpreis verliehen für seine jahrzehntelange Vermittlung und Pflege der Literatur im alemannischen Sprachraum.

Der Wallstein Verlag hat sich schon seit Jahren um die Erforschung und Edition der Werke von Johann Peter Hebel außerordentlich verdient gemacht. So veröffentlichte er 2019 die Gesammelten Werke – Johann Peter Hebel in einer kommentierten, sechsbändigen Lese- und Studienausgabe, die erstmals das gesamte literarische und theoretische Schaffen sowie große Teile der Korrespondenz des Dichters erfasste.

Der 200. Todestag von Johann Peter Hebel wird mit zahlreichen Neuerscheinungen und Neuausgaben gewürdigt. So hat der Wallstein Verlag unter dem Titel Merkwürdigkeiten sein Schatzkästlein und andere unbekanntere Texte herausgebracht. Die Neuerscheinung besteht aus zwei Teilen. Zum einen enthält sie die 128 Texte aus den Jahren 1803 bis 1811, die Hebel 1811 selbst für eine Buchausgabe zusammengestellt hatte. Zum anderen bietet sie 43 Andere Kalendergeschichten, die Hebel zwischen 1811 und 1819 veröffentlicht hat, also nach Erscheinen des Schatzkästleins. Damit werden auch unbekanntere Kalendertexte wieder zugänglich. Nach einem Konflikt um eine Kalendergeschichte, die 1815 von katholischen Kreisen auf heftige Kritik stieß, war Hebel als Redakteur zurückgetreten und hatte nur noch wenige Kalendergeschichten verfasst.

Die Wallstein-Ausgabe präsentiert die Texte konsequent in der Form ihrer Erstdrucke. Es wurden lediglich vorsichtige Eingriffe vorgenommen, wie die damals aus drucktechnischen Gründen erforderlichen Schreibweisen von Umlauten als Doppelbuchstaben (Ae, Oe und Ue zu Ä, Ö und Ü). Während die Originalausgabe des Schätzkästleins eine reine Textausgabe war, wurden die Texte im Rheinländischen Hausfreund mit begleitenden Illustrationen versehen. Diese Bilder, die das ländliche und belehrende Leben darstellten, wurden in die Wallstein-Jubiläumsausgabe aufgenommen.

Die Neuerscheinung wird neben detaillierten Erklärungen durch ein Nachwort des Literaturwissenschaftlers und evangelischen Theologen Andreas Mauz ergänzt. Der Herausgeber behandelt darin eingehend die Redaktionsarbeit von Hebel sowie die Entwicklung seiner Kalendergeschichten vom Rheinländischen Hausfreund über das Schatzkästlein bis hin zum Volksbuch.

Eine Auswahl der Kalendergeschichten ist im Reclam Verlag erschienen, die neben Geschichten aus dem Schatzkästlein ebenfalls einige weitere Kalenderbeiträge von Hebel aus den Jahren 1812–19 enthält. Der Text basiert auf der Ausgabe von Johann Peter Hebel: Poetische Werke, Winkler-Verlag, München 1961, die vorsichtig modernisiert wurde. Zum leichteren Leseverständnis hat der Herausgeber Richard Müller-Schmitt auch einige erläuternde Anmerkungen angefügt. Die Reihenfolge der Kalendergeschichten wurde in chronologischer Anordnung beibehalten. Mit zwei Ausnahmen: Den Auftakt bildet Hebels bekannte Geschichte Kannitverstan (1808), die von einem armen Handwerksburschen aus Tuttlingen erzählt. Während seiner Wanderung durch Amsterdam erlebt er, dass alle Menschen gleich sind, und findet schließlich Frieden mit seinem Schicksal. Den Schlusspunkt setzt die Geschichte Unverhofftes Wiedersehen (1811), in der sich Hebel mit den Themen wie Liebe, Tod und Vergänglichkeit beschäftigte.

In Johann Peter Hebel –Der Heimatflüsterer (8 grad verlag) entdeckt Thomas Weiß den streitbaren Geistlichen neu. In der biographischen Skizze wird Hebel selbst zur literarischen Figur. In 14 Kapiteln skizziert er Ereignisse und Begebenheiten, die sich in Hebels Leben tatsächlich zugetragen haben, aber vom Autor erzählerisch ausgestaltet wurden. Dabei lehnt sich der Autor sprachlich an die Epoche des Dichters an und nutzt dessen stilistische Mittel.

Im „lustigen“ Anfangskapitel, „in dem Johann Peter Hebel fast hinunter- und sehr auffällt“, besucht der 48-jährige Hebel das Karlsruher Theater. Dort begegnet er der Berliner Schauspielerin Henriette Hendel, in die der Kirchenrat und respektable Bürgersmann regelrecht vernarrt ist. Wann immer sie in der Stadt war, traf er sie, besuchte ihre Auftritte, und sie standen über einen längeren Zeitraum in brieflichem Kontakt. Die letzte Erzählung führt uns in das Jahr 1826, Hebels Todesjahr. Seit einigen Tagen wird er von heftigen Schmerzen geplagt und zieht sich in sein Zimmer zurück. Gegen Mitternacht wird ihm bewusst, dass sein Ende naht. Schließlich wird um drei Uhr und dreißig der Tod Hebels festgestellt.

In der Neuerscheinung Vom Hausfreund. Ein Johann-Peter-Hebel-Mosaik gewähren Thomas Weiß und Uwe Hauser, Direktor des Religionspädagogischen Instituts (RPI) Baden, einen umfassenden Einblick in das Leben, Denken und Schaffen von Hebel. Durch ein vielseitiges Mosaik entsteht ein komplexes Bild von Hebel als tiefgründigem Erzähler und Deuter seiner Zeit. Zusätzlich erleichtert ein Glossar den heutigen Leserinnen und Lesern den Zugang zu seinen Texten.

Der Germanist und Theologe Guido Bee bemüht sich in seinem Werk Johann Peter Hebel und der Rheinländische Hausfreund aus dem Jahr 1816 (Verlag Königshausen & Neumann) um eine Richtigstellung bezüglich des umstrittenen Jahrgangs des Volkskalenders. Während Hebels Texte sonst für aufgeklärten Humanismus bekannt sind, weist der Jahrgang 1816 nationalistische, fremdenfeindliche und antisemitische Züge auf. Neuere Forschungen legen jedoch nahe, dass bestimmte Teile oder sogar der gesamte Jahrgang erheblich von anderen Einflüssen oder einem anderen Autor beeinflusst worden sein könnten.

In dem wissenschaftlichen Sammelband Kalender und kleine Form untersucht eine Gruppe von mehreren Autorinnen und Autoren, wie Hebels Kalendertexte mit aktuellen kulturwissenschaftlichen Diskussionen verbunden sind. Die Wallstein-Neuerscheinung wurde von den beiden Herausgebern Kevin Drews und Bernhard Stricker geleitet, die das Projekt federführend betreut haben.

Im Alfred Kröner Verlag ist eine Ausgabe von Hebels Biblischen Geschichten erschienen, die er als Prälat der badischen Kirche vor allem für Jugendliche an Gymnasien und Schulen verfasst hatte. Mit seiner bemerkenswert freien und spannenden Erzählweise waren diese Geschichten für jugendliche Leser im Alter von zehn bis vierzehn Jahren gedacht. In Baden wurden sie bis 1855 als religionspädagogisches Schul- und Lehrbuch verwendet, bevor sie aufgrund mangelnder Bibeltreue und der persönlichen Sichtweise des Autors aus dem Lehrplan genommen wurden.

Der Beitrag der Basler Hebelstiftung zum Jubiläumsjahr ist die Anthologie Hebel – Wirkungen. Darin haben 30 zeitgenössische Autorinnen und Autoren jeweils eine Kalendergeschichte von Hebel als Grundlage für ihre eigenen Gedanken ausgewählt. Unter dem Motto: „Was kann uns der einstige Volksschriftsteller heute noch mitteilen?“ ist eine vielfältige Sammlung entstanden, die ein breites Spektrum von Kalendergeschichten präsentiert, ergänzt durch moderne literarische Reflexionen.

Die Auswahl der Autorinnen und Autoren umfasst Namen wie Dieter Bachmann, Simone Lappert oder Martin Zingg. Franz Hohler hat die Kalendergeschichte Drei Wünsche gewählt, in der ein junges Ehepaar aus Gier seine Wünsche verschwendet. Auch in Hohlers Erzählung erhält ein älteres Paar von einer sich noch in der Ausbildung befindenden Fee drei Wünsche. Charles Lewinsky hat hingegen Hebels Abendlied, wenn man aus dem Wirtshaus heimgeht umgestaltet und in Abendlied, wenn man nicht aus dem Wirtshaus gehen will neu interpretiert. In seiner humorvollen Kalendergeschichte Die drei Diebe berichtet Hebel von drei Gaunern, die nachts Hühnerställe und Keller anvisieren. Schließlich führt nur einer der Komplizen ein ehrliches Leben weiter. Diese Geschichte inspirierte Hansjörg Schneider dazu, über den Unterschied zwischen Raub und Diebstahl nachzudenken.

Diese neu interpretierten Geschichten bieten eine Einladung, Johann Peter Hebel neu zu entdecken. Der Bezug zu den Kalendergeschichten kann dabei entweder offensichtlich oder subtil, tiefgründig oder unterhaltsam sein. Herausgeber Andreas Lang ist sich in seinem Nachwort sicher, dass Hebels Ansehen durch diese modernen Interpretationen keinen Schaden nimmt. Es bleibt den Leserinnen und Lesern überlassen, die bunte Mischung der Beiträge in diesem Band zu bewerten.

Titelbild

Johann P. Hebel: Merkwürdigkeiten. Das Schatzkästlein und andere Kalendertexte.
Hg. und mit einem Nachwort von Andreas Mauz.
Wallstein Verlag, Göttingen 2026.
440 Seiten , 22,00 EUR.
ISBN-13: 9783835360785

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Thomas Weiß: Johann Peter Hebel. Der Heimatflüsterer.
Biografische Skizze.
8 grad verlag, Freiburg 2026.
96 Seiten , 24,00 EUR.
ISBN-13: 9783910228719

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Johann P. Hebel: Biblische Geschichten.
Einleitung von Karl-Josef Kuschel. Nachwort von Thomas Weiß.
Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2026.
328 Seiten , 20,00 EUR.
ISBN-13: 9783520770127

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Kevin Drews / Bernhard Stricker (Hg.): Kalender und kleine Form. Kulturwissenschaftliche Kontextualisierungen von Johann Peter Hebels Kalendertexten.
Wallstein Verlag, Göttingen 2026.
292 Seiten , 29,00 EUR.
ISBN-13: 9783835362048

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Guido Bee: Johann Peter Hebel und der Rheinländische Hausfreund auf 1816. Eine Richtigstellung.
Verlag Königshausen & Neumann, Würzburg 2026.
177 Seiten , 28,00 EUR.
ISBN-13: 9783826096303

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Thomas Weiß / Uwe Hauser: Vom Hausfreund. Ein Johann-Peter-Hebel-Mosaik.
Verlag Religionspädagogisches Institut, Karlsruhe 2026.
180 Seiten, 24,80 EUR.
ISBN-13: 9783807999685

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Andreas Lang: Hebel Wirkungen.
Basler Hebelstiftung, Basel 2026.
232 Seiten,
ISBN-13: 9783038501077

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Johann P. Hebel: Kalendergeschichten. Ausgewählt und mit einem Nachwort von Richard Müller-Schmitt.
Reclam Verlag, Stuttgart 2026.
120 Seiten , 6,00 EUR.
ISBN-13: 9783150149140

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