„Der Sündenfall der deutschen Germanistik“ (1959)

Eine Relektüre der Kritik und der Reformvorschläge von Rudolf Walter Leonhardt

Von Roger PaulinRSS-Newsfeed neuer Artikel von Roger Paulin

Die Entstehung der vom Artemis-Verlag herausgebrachten Schrift Der Sündenfall der deutschen Germanistik fällt in die Zeit der Adenauer-Regierung.[1] Im Jahr der Veröffentlichung wechselte Richard Alewyn (1902‒1979), einer der bekanntesten Remigranten der bundesdeutschen Germanistik, von der Freien Universität Berlin an die Universität in der Bundeshauptstadt Bonn, das heißt dorthin, wo der aus Thüringen stammende Rudolf Walter Leonhardt (1921‒2003) fünf Jahre nach Kriegsende zum Dr. phil. promoviert wurde.[2] Aus mehr als einem Grund bildet Alewyns kurz gehaltene Zuschrift den Schluss des schmalen Bändchens mit dem markanten Umschlagdesign: „Wir sind uns völlig darüber einig, daß jede öffentliche Diskussion der Universität willkommen ist, insbesondere, wenn sie auf Sachkenntnis und Fairneß aufgebaut ist. Das macht auch Ihre Bemühung so dankenswert.“[3]

Das broschierte Werk im Umfang von 55 Seiten ging mit Rücksicht auf den unabgeschlossenen Charakter der Darlegungen ohne Inhaltsverzeichnis in den Druck, auf gliedernde Überschriften wurde aber nicht verzichtet:

[Einleitung] (S. 5‒7)
Was ist gutes Deutsch? (S. 8‒14)
Wozu studiert man Germanistik? (S. 15‒21)
Was tut die Germanistik für den Deutschlehrer? (S. 22‒29)
Warum denn in der Vergangenheit wühlen? (S. 30‒37)
Warum die Germanistik so wichtig ist (S. 38‒39)
Zu den Grundlagen der Germanistik (S. 40‒41)
Zur Literatur der Gegenwart (S. 42‒43)
Zum literarischen Leben (S. 44‒45)
Zum System der „Hochschullehrer-Laufbahn“ (S. 46‒47)
Zum Massenansturm auf die Universitäten (S. 48‒50)
Protest und Zustimmung  (S. 51‒55)
Schriften zur Zeit im Artemis-Verlag  [S. 56]

Leonhardt leitete 1957 bis 1973 den Kulturteil der in Hamburg verlegten liberalen Wochenzeitung DIE ZEIT (gegründet 1946).[4] Heft 21 der „Kulturschriftenreihe des Artemis Verlages“ ging aus einer fünfteiligen Artikelserie hervor:

Rudolf Walter Leonhardt: Wie man in Deutschland Deutsch studiert. (1) Was ist gutes Deutsch? ‒ Schwankende Beurteilung von Frank Kafka ‒ Fremdwörter und Abstraktionen, 13. Jahrgang, Nr. 47, 21.11.1958, S. 6.

Rudolf Walter Leonhardt: Wozu studiert man Germanistik? Wie man in Deutschland Deutsch studiert (2) – Wenn stud. phil. Müller bei Dr. phil. Maier promoviert, 13. Jahrgang, Nr. 48, 28.11.1958, S. 7.

Rudolf Walter Leonhardt: Der Mut des Lehrers ist zu bewundern. Wie man in Deutschland Deutsch studiert (3) – Gestaltanalyse ist eben einfach langweilig, 13. Jahrgang, Nr. 49, 5.12.1958, S. 5.

Rudolf Walter Leonhardt: Die Zerstörung des literarischen Lebens. Wie man in Deutschland Deutsch studiert (4) ‒ Der Wert des Völkischen ‒ Fatale Dreiteilung der Germanistik, 13. Jahrgang, Nr. 50, 12.12.1958, S. 6.

Rudolf Walter Leonhardt: Warum die Germanistik so wichtig ist. Wie man in Deutschland Deutsch studiert (5) – Verräterische Prüfungsordnung – Vieles ist wünschenswert, dreierlei jedoch notwendig, 13. Jahrgang, Nr. 51, 19.12.1958, S. 6.

Die Vorgeschichte der Artikelserie wird in der Einleitung zur Buchfassung in Umrissen skizziert. Erstens: Die offene Nachfolge des Lehrstuhls Hans Pyritz ließ die (Hamburger) Germanistik nach dem 3. März 1958 zum Tagesgespräch werden. Der Name des Ordinarius wird nicht mitgeteilt. Pyritz starb völlig unerwartete im Alter von 53 Jahren.[5] Der 1905 in Berlin geborene Sohn eines Oberpostsekretärs promovierte an der Friedrich-Wilhelms-Universität bei Julius Petersen (1878–1941). Petersen war wesentlich mitverantwortlich für die Gleichschaltung der deutschen Germanistik gemäß den nationalsozialistischen Vorstellungen.[6] 1942 folgte Pyritz seinem Doktorvater auf dessen Lehrstuhl nach. 1950 nahm er den Ruf an die Universität Hamburg an.[7] Zweitens: Mehr als ein halbes Jahr später, am 26. September 1958, begann in der ZEIT eine Kontroverse über die Frage, ob „das Hakenkreuz auch heute noch über der deutschen Germanistik schwebt“.[8] Ausgelöst wurde der Meinungsstreit durch einen Germanisten jüdischer Herkunft.[9] Drittens: Auf dem Deutschen Germanistentag in Hamburg (29.9.‒4.10.1958)[10] taten sich, so Leonhardt wörtlich, „Abgründe“ zwischen „Universitätsgermanistik, Deutschunterricht und literarischem Leben“[11] auf. Viertens: Dass die Artikelserie vom Stichwortgeber entgegen der anfänglichen Planung selbst in Angriff genommen wurde, war Folge der ablehnenden Reaktion von drei Ordinarien der Germanistik, die Leonhardt um eine Stellungnahme zu von ihm aufgeworfenen Fragen gebeten hatte.[12] Als promovierter Schüler von Günther Müller und Ernst Robert Curtius und unter Rückgriff auf die Berufserfahrungen eines Dozenten der Universität Cambridge (1948‒1950) und eines Redakteurs, der die ersten Sporen in England verdient hatte, konnte er sich dieser Aufgabe hinreichend gewachsen fühlen.[13] Im Einleitungsteil des Sündenfalls reflektierte Leonhardt die Ressentiments, die ZEIT-Leser/innen ihm gegenüber hegten:

Die Reaktionen [auf die Artikelserie] blieben zunächst ziemlich böse. Wie kommt so ein hergelaufener Journalist dazu…? Je nun. Daß der hergelaufene Journalist früher auch einmal Germanistik studiert, mit einer vielfußnötigen Arbeit über „Formprobleme des Romans“ promoviert, zwei Jahre lang über deutsche Sprache und Literatur an der Universität Cambridge unterrichtet und einiges (freilich auf Englisch) über moderne deutsche Literatur veröffentlicht hatte, berechtigte ihn schließlich nicht, sich als Reformator der deutschen Germanistik aufzuspielen.[14]

Der Sündenfall der deutschen Germanistik war nicht Leonhardts erste Buchpublikation.[15] Bezogen auf die Textsorte handelt es sich um eine Mischform aus Streit- und Reformschrift.[16] Der Verfasser selbst nannte sein von Polemik freigehaltenes Opusculum ‒ positiv konnotiert ‒ „Pamphlet“.[17] Er wolle zu bedenken geben, „ob nicht Universitätsgermanistik, Deutschunterricht und literarisches Leben von ihrer Zusammengehörigkeit mehr Gebrauch machen könnten; ob es nicht an der Zeit wäre, sich über das Versagen der Germanistik in Hitlers Reich klar zu werden und nach den Gründen zu fragen; ob nicht einmal etwas weniger interessengebunden von der ‚Universitätsreform‘ geredet werden sollte und ob nicht zuweilen die Geisteswissenschaften in Deutschland unter der patriarchalischen Stellung der Ordinarien leiden (übrigens die Ordinarien leiden darunter häufig auch). Man wird ja wohl noch fragen dürfen?“.[18] Auf diese Problemhorizonte bewegte sich der versierte Zeitanalytiker und begnadete Stilist „mit journalistischen Mitteln“ zu,[19] soll heißen: in verständlicher und anschaulicher Sprache, ohne Fachjargon, ohne Fußnoten.

Für abschließende Äußerungen in der ZEIT „zu der Diskussion um die deutschen Hochschulen im allgemeinen und die Germanistik im besonderen“ konnte zum Zeitpunkt des Erscheinens des Sündenfalls der deutschen Germanistik der Senior der Hochschullehrer für deutsche Literatur, Friedrich von der Leyen (1873‒1966), gewonnen werden.[20] Der Gastbeiträger wurde von der ZEIT-Kulturredaktion ‒ nach heutigem Kenntnisstand blauäugig ‒ als „unbelasteter Universitätslehrer“ vorgestellt.[21] 1920‒1937 war von der Leyen ordentlicher Professor für (ältere) Deutsche Philologie an der Universität zu Köln. Man hatte ihn dazu gedrängt, sich wegen „jüdischer Versippung“ (seine Frau war jüdischer Abstammung) zum 31.3.1937 von seinen Ämtern entpflichten zu lassen.[22] Allerdings war für die nationalsozialistischen Machthaber sein „freiwilliges“ Ausschneiden aus dem Lehrkörper kein Hinderungsgrund, ihn nicht zum Senator der Deutschen Akademie der Dichtung, einer Sparte der gleichgeschalteten Preußischen Akademie der Künste, zu bestimmen.[23] 1937 trat von der Leyens Verbindung zur Berliner Schule anlässlich des Erscheinens der Festschrift zum 50-jährigen Jubiläum des Berliner germanistischen Seminars offen zutage.[24] Seit den Forschungen von Karl Otto Conrady herrscht Gewissheit darüber, dass von der Leyen sich schon früh als Vertreter einer völkisch-nationalen Germanistik erwies.[25]

Hierzu Folgendes: Die Deutschen waren, als die Entnazifizierung der Alliierten ihrem Ende nahte, von einer drückenden Last befreit. Die amtlichen Erfassungskategorien lauteten: Hauptschuldige, Belastete (Aktivisten), Minderbelastete (Bewährungsgruppe), Mitläufer, Entlastete.[26] Im Zuge der sich in Einzelfällen bis in die 1950er-Jahre hinziehenden Prozedur der Entnazifizierung verloren unter den Belasteten nur wenige NS-Germanisten ihre Ämter, wogegen die meisten Minderbelasteten und Mitläufer „entlastet“ und in ihren Ämtern bestätigt wurden.

Dass sich die Germanistik unmittelbar nach dem Ende der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft nicht zu einer selbstkritischen Reflexion, ihre dunkelste Zeit betreffend, durchringen konnte, ist in Hinsicht auf die Zeitumstände allzu verständlich.

Die Festschrift für die Tübinger Großordinarien Paul Kluckhohn (1886‒1957) und Hermann Schneider (1886–1961) vermittelt eine plastische Vorstellung davon, wie der „Neubeginn“ nach dem 8. Mai 1945 bewerkstelligt wurde.[27] Im Gegensatz zu ihrem Tübinger Kollegen Franz Koch (1888–1969), einem einflussreichen Vertreter der Berliner Schule, waren die Jubilare keine Anhänger des Nationalsozialismus.[28] Im Vorwort wirkt die Erschütterung über die jüngste Vergangenheit nach, die sich in wortkarger Verzagtheit äußert: „Das Jahr 1946 [der 60. Geburtstag der beiden Gefeierten] ist nicht die Zeit für Jubiläen. Wer hat den Mut, heute zurückzublicken auf erworbenen Besitz, sei es auch hier den einer sicheren Methode?”[29] Die Frage nach der sicheren Methode zielte auf Kluckhohn und Schneider. Von den 26 Mitwirkenden, darunter in untergeordneter Position eine Frau,[30] lassen sich 13 als Mitglieder der NSDAP, drei als Mitglieder des NS-Lehrerverbandes nachweisen.[31] Felix Genzmer[32], Gerhard Fricke[33], Hans Kuhn[34] und Hugo Moser[35] verschrieben sich mit Leib und Seele der nationalsozialistischen Ideologie. Der in Zürich lehrende Emil Ermatinger[36] war völkisch angehaucht und Angehöriger der nationalkirchlichen Bewegung Deutsche Christen. Sieben Beiträger waren nachweislich keine Nazis, zwei wurden von den Nationalsozialisten verfolgt und verloren ihr Amt (Günther Müller[37], Friedrich Ranke[38]). Auffällig: In dem Sammelwerk sind keine Beiträge von Auslandsgermanisten enthalten, obwohl Kluckhohn, Rudolf Unger, Julius Petersen und andere Germanisten in gleicher Stellung vor dem Krieg vereinzelt ausländische Studierende der Germanistik betreut und promoviert hatten.

Ganz anders stellt sich die Lage dar, wenn man die Festschrift für Hans Heinrich Borcherdt (1887–1964) – auch er ein Gleichgeschalteter – kritisch unter die Lupe nimmt.[39] Die Publikation erschien 17 Jahre nach Kriegsende und drei Jahre nach Leonhardts Sündenfall im Verlag Max Hueber, München. Elf der 30 Beiträger (keine Frau) stammen aus Deutschland und Österreich (keiner davon nachweislich Nazi-Gegner), vier aus dem britisch-angelsächsischen Bereich, vier aus Nordamerika, vier aus Frankreich oder Belgien, zwei aus Italien und zwei aus Dänemark. Unter den Nicht-Deutschen befinden sich zwei Emigranten jüdischer Herkunft (Richard Samuel, Henry Remak). Was war geschehen? 1955 war die „Internationale Vereinigung für Germanistik“ (IVG) ins Leben gerufen worden. Kein anderer als Hans Heinrich Borcherdt war zum Gründungspräsidenten dieses Fachverbandes gewählt worden. Einer der zwei Herausgeber der Festschrift Borcherdt, der in Straßburg lehrende Albert Fuchs, war im Jahr 1962 amtierender Vizepräsident der IVG. Die IVG formierte sich mit dem Ziel, die Internationalität des Faches Germanistik zu forcieren. Eine Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit erschien angesichts dieser Zwecksetzung widersinnig. Daher auch die bewusste Bezugnahme auf Goethe im Vorwort der Festschrift Borcherdt: „Das Gelungene tritt vor und erheitert; was schwierig war, ist vergessen und verschmerzt.“[40] In diesem Geist der Versöhnung hatte mein Vorvorvorgänger in Cambridge, Walter Horace Bruford (1894‒1988), schon 1949 deutsche Kollegen nach England eingeladen, unter ihnen den belasteten Erich Trunz.[41] Auch war es Bruford, der auf der Gründungstagung der IVG 1955 im Bewusstsein der heiklen Rolle, die ihm zufiel, die Eröffnungsrede hielt.[42] Was ich damit sagen will ist dies: Als Leonhardt 1959 die bohrende Frage nach der germanistischen Vergangenheit stellte, war die internationale Rehabilitierung der deutschen Germanistik bereits in vollem Gange. Im Zentrum stehen die Verhältnisse in der alten Bundesrepublik, die genannte internationale Komponente gerät nicht in den Blick.[43]

Kehren wir nun wieder zu Leonhardts Artikelserie Wie man in Deutschland Deutsch studiert und seinem Buch Der Sündenfall der deutschen Germanistik zurück. Ungeahnte Aktualität gewannen seine Denkanstöße und Vorschläge in den Jahren der ersten Großen Koalition 1966‒1969 unter Kurt Georg Kiesinger und Willi Brandt. Den Boden für einen offeneren Umgang mit der NS-Geschichte bereiteten in den 1960er-Jahren der Eichmann-Prozess (1961), die Spiegel-Affäre (1962), die Auschwitz-Prozesse (ab 1963), das Erscheinen des Essays Was bedeutet Aufarbeitung der Vergangenheit [Vortrag 1959] von Theodor W. Adorno (1963), die Dokumentation Braune Universität. Deutsche Hochschullehrer gestern und heute des Münchner Journalisten Rolf Seeliger (ab 1964), die Vortragsreihen an den Universitäten Tübingen (1965), München (1965/66) und Berlin (1966) zur deutschen Universität im Nationalsozialismus[44] und schließlich 1966 der Germanistentag in München zum Thema „Nationalismus in Germanistik und Literatur“.[45] Aufgrund der Dichte der Berichterstattungen, Kommentare und Analysen war die öffentliche Hinterfragung der universitären Vergangenheit 1933‒1945 insbesondere im Fach Germanistik ab 1966 nicht mehr abzuwenden.[46] Leonhardts Einmischungen in die Angelegenheiten der Universitätsgermanist/innen und der Deutschlehrer/innen sind in manchem beunruhigend aktuell geblieben, wohingegen sein viel gelesenes England-Buch ‒ 77mal England (1957) war ein Bestseller ‒ von heute aus betrachtet antiquiert, ja museal wirkt.

Der Verlag, in dem der Sündenfall erschien, wurde 1943 in Zürich von Friedrich Witz (1894‒1984) zusammen mit Karl Hoenn gegründet und hatte 1959 eine Niederlassung in Stuttgart.[47] 1942‒1944 arbeitete Witz als Lektor im Morgarten-Verlag, Zürich. Hier erschienen die ersten drei Hefte der „Schriften zur Zeit“ mit dem Zusatz „Kulturschriftenreihe des Morgarten-Verlags“, dann erst wechselte die Reihe den Besitzer.[48] Im Verlagsnamen „Artemis“[49] klingt die Schwerpunktausrichtung Altphilologie an. (Zu erwähnen ist die Goethe-Werkausgabe Gedenkausgabe der Werke, Briefe und Gespräche (Bd. 1‒24, 1948‒1960, 3 Ergänzungsbände 1960‒1971), herausgegeben von dem Frankfurter Literaturwissenschaftler Ernst Beutler (1885‒1960).[50])

In der „Kulturschriftenreihe des Artemis Verlages“ sind Arbeiten von Gegenwartsanalytikern, Zeitkritikern und Ideengebern versammelt, die größtenteils aus der deutschsprachigen Schweiz stammten. Leonhardt führt in seiner Reformschrift zwei Schweizer Germanisten als Gewährspersonen an: Walter Muschg (1898‒1965) und Jonas Fränkel (1879‒1965). Beide hatten die Rolle der deutschen Germanistik in der NS-Zeit in einer Weise schonungslos aufgedeckt und kritisiert, wie sich das in der alten Bundesrepublik Deutschland bis dahin niemand getraut hatte, Muschg in seiner vielgelesenen 31-seitigen Polemik Die Zerstörung der deutschen Literatur (1956)[51] und Jonas Fränkel unter der Überschrift „Verratene Wissenschaft. Ein nichtgedruckter Nekrolog“ mit einem Totalverriss von Julius Petersen.[52] Der große Schweizer Kritiker und Feuilletonist Max Rychner (1897‒1965) war ein Homme de Lettres, wie Leonhardt ihn sich für sein Land, wo diese Spezies ausgestorben war, wünschte.[53]

Umso auffälliger das Titelwort „Sündenfall“. Wirkte hier etwas vom Zürcher (oder Basler) Protestantismus nach? Streng calvinistische Töne waren in Deutschland gleich nach dem Krieg insbesondere in kirchlichen Kreisen keine Seltenheit; 1959 waren sie seltener geworden. Resultierte der „Sündenfall“ ‒ was ich nicht hoffe ‒ aus bloßer Effekthascherei? Oder dachte Leonhardt an den theologischen Begriffsinhalt mit seiner Assoziation an Erbsünde, an den augustinischen „Willen zu sündigen“, an die „Krankheit zum Tode“ (Søren Kierkegaard) oder aber ‒ Einkehr und Buße vorausgesetzt ‒ an Vergebung?

Der weitaus größte Teil des Buches beschäftigt sich mit Fragen des Deutschunterrichts und des Germanistikstudiums. Leonhard benennt hier wie dort Verkrustungen, Widersinniges und Missstände. Aus heutiger Perspektive waren die von ihm geforderten Universitätsreformen tatsächlich bitter nötig.[54] Die „Sündenfall“-Problematik kommt in der Hauptsache im Abschnitt „Warum denn in der Vergangenheit wühlen?” zur Sprache.[55] Wollte er seine Überlegungen zu überfälligen Universitätsreformen dem provokativen Schlagwort „Sündenfall” zugeordnet wissen oder war das von Finsternis, Schuld und Scham umgebene Wort nur der Aufhänger für einen Generalangriff auf die in einem bestimmten Ausmaß abgründigen Traditionen des Faches Germanistik?

Leonhardts Hoffnung vierzehn Jahre nach Kriegsende auf ein lebendiges und verantwortungsvolles Zusammenwirken von Universitätsgermanistik, Deutschunterricht und literarischem Leben, ein Wirkzusammenhang, der in der Hitler-Diktatur zerstört wurde, ist inzwischen in vielen Punkten Realität geworden. Sein Plädoyer für ein lesbares Deutsch ohne Abstraktionsungeheuer („konkretes Deutsch ist besser als abstraktes Deutsch“[56]) ist in germanistischen Fachkreisen ‒ Ausnahmen bestätigen die Regel ‒ auf geringes Echo gestoßen. Der Marxismus der 1970-Jahre, sodann die Kritische Theorie und der Postmodernismus haben dem deutschen Hang zur Abstraktion ein solides Fundament verschafft.[57]

Über Leonhardts Vorschläge zur Besserung des Deutschunterrichts für Schüler/innen, deren Muttersprache Deutsch ist, kann ich mir kein Urteil erlauben. Er scheint davon auszugehen, dass alle Germanistikstudierenden sich auf das Berufsziel Gymnasiallehrer/in zubewegen. Für die Forschung begeisterte oder von der Liebe zur Literatur motivierte Studierende der Germanistik kommen bei ihm nicht vor.

Die von Leonhardt beschriebene Karrierestruktur an deutschen Universitäten ist nach wie vor aktuell: Die Habilitation (übrigens nicht, wie behauptet, eine Erfindung des 20. Jahrhunderts[58]) gilt weiterhin als der wichtigste Prüfstein für die Vergabe des Titels „Professor/in“, und das Abhängigkeitsverhältnis vor allem der Doktorand/innen und Habilitand/innen erweist sich immer noch als latent schwelendes Problem. Zur Beschreibung des Machtverhältnisses zwischen „Ordinarius Professor Dr. Maier“ und dem habilitierenden „Dr. phil. Müller“ (zwei lebensechte Kunstfiguren) wählte Leonhardt die unzweideutigen Formulierungen „Diktator“ und „jahrelanges Unterdrücktsein“.[59] Die Suche bundesdeutscher Universitäten nach Reformansätzen führte in den vergangenen Jahrzehnten in Sackgassen von der Art, dass aus angelsächsischen Ländern Alternativen importiert wurden, die im Ursprungsland zum Zeitpunkt der Übernahme bereits als überholt und kompromittiert galten. Paradebeispiele dafür sind die Juniorprofessur und die Rangtabellen.[60] (Der begeisterte Englandbewunderer Leonhardt[61] empfiehlt das angelsächsische Bewerbungssystem, ohne zu ahnen oder zugeben zu können, wie leicht manipulierbar auch dieses Verfahren ist.) An den Grundpfeilern des deutschen Universitätssystems, dem Missverhältnis zwischen sehr schmalem Oberbau und breitem Mittelbau, dem prekären Status jüngerer Wissenschaftler/innen und der Habilitation konnten diese Reforminitiativen nicht rütteln.

Nirgends erwähnt, geschweige denn bedauert er die Dominanz der Männer: Vielleicht hatten die Jahre im damals stark frauenfeindlichen Cambridge ihren Beitrag dazu geleistet.[62] (Zum Vergleich: Eine Frau, Professorin Eliza Marian Butler, ihrerseits eine scharfe Kritikerin der deutschen Germanistik,[63] war seine Chefin in Cambridge gewesen, in London gab es zu der Zeit zwei weibliche Germanistik-Ordinarien.)

Für Leonhardt stand die Germanistik, die er nach ihrer Vergangenheit befragte, „manchmal stellvertretend für vieles“,[64] zudem stand sie für ein angestammtes Feld. Wörtlich heißt es: „Uralte und jüngste Traditionen haben es mit sich gebracht, daß der ‚deutsche Geist‘ in das Ressort der Germanistik fällt (also beispielsweise nicht in das der Mathematik oder der Medizin).“[65] Darüber ließe sich streiten. Keine Geschichte der Germanistik wolle er bieten,[66] die weit differenzierter ausfallen müsste. In den Blick genommen wird die „Erbsünde“ des Faches, deren Keim im 19. Jahrhundert entsteht. Um auf diese Weise an das zu erinnern, was nicht erinnert wird oder werden soll, muss er stark vereinfachen: Nach Leonhardt ist Berlin die „Hochburg“[67] einer Ahnenreihe, die sich von den dortigen Gründungsvätern Karl Lachmann und Karl Müllenhoff bis zu Gustav Roethe und besonders Julius Petersen nachzeichnen lässt und von hier bis nach Österreich, dem Geburtsland Josef Nadlers, reicht. Der als „Erbsünde“ qualifizierte Systemfehler sei das „Völkische“ (genauer und historisch gerechter wäre das „Deutschnationale“).[68] Dass die germanistische Zunft nach 1933 angesichts eines verbrecherischen Regimes einer würdelosen Unterwürfigkeit (Jonas Fränkel spricht von Byzantinismus[69]) verfallen sei, ist unleugbar und inzwischen fast bis zum Überdruss dokumentiert. Leonhardts Verketzerung, ja Dämonisierung von Julius Petersen geht sicher auf Jonas Fränkels Verratene Wissenschaft. Ein nichtgedruckter Nekrolog (entstanden nach dem 22. August 1941, veröffentlicht 1954) zurück. Für Petersens Hilfegesten[70] oder seine allmähliche Desillusionierung interessierte man sich weniger, da seine Huldigung Hitlers alles andere überschattet. Hinzu kommt, dass mehrere in der Bundesrepublik amtierende Ordinarien ‒ alle NS-belastet ‒ in Petersens Berliner Oberseminar gesessen hatten, was die unbequeme Frage nach NS-Seilschaften, männlichen Interessengruppen und intellektuellen Netzwerken aufwirft.

Trotz „Sündenfall“ und „Erbsünde“ war Leonhardt bereit, „die Tragik des Berufs“[71] im Dritten Reich anzuerkennen und sogar das Fazit zu ziehen, die Germanisten unter Hitler seien „keine Nazis im strengen Sinne gewesen“,[72] gemessen an der heutigen Faktenlage ein zu sehr abmilderndes Urteil.

Eine gerechtere, weniger auf Enthüllung und Denkmalsturz ausgerichtete Chronik der Germanistik bis 1933 kann auf andere Werte hinweisen als nur das „Völkische“: etwa auf den politischen Mut im Kampf um die akademische Freiheit (Georg Gottfried Gervinus, Brüder Grimm), auf die Offenheit für andere Disziplinen und andere Kulturen (Lachmann, Gervinus, Heinrich Düntzer bis hin zu Ernst Stadler und Friedrich Gundolf). Gundolf (1880‒1931), dessen relativ frühzeitiger Tod ihn vor dem Schlimmsten bewahrte, ist der große Gegenpart zu Julius Petersen: Georgianer, Dichter, Ästhet, Übersetzer, Literat, Jude ‒ und Heidelberger Ordinarius. Er repräsentierte in seiner Person, was Leonhardt 1959 in der Kultur der Bundesrepublik und erst recht in der Germanistik vermisste. (Bezeichnenderweise erfolgte die Wiederentdeckung Gundolfs nach 1945 hauptsächlich im Rahmen der Exilforschung oder des George-Kreises in der Diaspora, nicht in der Germanistik als Fachdisziplin.) Es ist die Erkenntnis, die Walter Muschg mit Pathos und prophetischer Wortgewalt formulierte, dass mit dem Jahr 1933 eine ganze literarische sowie akademische Kultur zerstört wurde, nicht nur eine akademische Wissenschaft. Ja Leonhardt blickte wehmütig auf eine Zeit zurück, die man mit dem späten Kaiserreich und der Weimarer Republik assoziiert, als der Bezug zum literarischen Leben, zum Literatentum, zur Belletristik, zur Theaterwissenschaft, zum Privatgelehrtentum offenstand, u. a. mit Arthur Kutscher, Reinhold Diebold, Maximilian Harden, Arthur Eloesser, Alfred Kerr, eine Kultur, die der promovierte Germanist und verkrachte Schriftsteller Josef Goebbels vernichtet hatte. Als leuchtendes Beispiel für die Bundesrepublik weist der große Anglophile Leonhardt auf die Kultur Englands hin. Frankreich oder die USA wären näherliegend gewesen: Dort ist der Begriff des „intellectuel“ bzw. „public intellectual“ viel stärker ausgeprägt.

Leonhardt fordert „gründliche, harte und dennoch liebevolle Auseinandersetzungen“,[73] schweigt sich jedoch über deren praktische Umsetzung wohlweislich aus. Man müsse der „Neigung, schamvoll zu verhüllen“,[74] entgegentreten; bisher habe es keine „Auseinandersetzung mit der Vergangenheit“ gegeben.[75] Von den rühmlichen (Schweizer) Ausnahmen Muschg und Fränkel abgesehen, dürfte das zutreffen.[76] „Schamvoll verhüllt“ waren jedoch gerade die Zeitschrift Dichtung und Volkstum (die jetzt wieder Euphorion heißt), Nadlers verrückt-abwegige Deutsche Literaturgeschichte nach Stämmen und Landschaften und Herbert Cysarz’ Ausführungen zur Danziger Barockdichtung, um nur diese drei Beispiele zu nennen, schon aus dem Grunde nicht, weil sie in jeder Seminarbibliothek standen und von informierten Student/innen ‒ deren es viele gab ‒ eingesehen und studiert werden konnten.

Was wollte Leonhardt mit dem Sündenfall der deutschen Germanistik erreichen? Das Fach Germanistik als moralisch irreparabel verschuldet darstellen? Als dennoch reformierbar? Ein Sündenregister aufstellen?[77] Die Ordinariendiktatur stürzen? Oder wollte er ‒ eher wahrscheinlich ‒ zum Nachdenken über die anzustrebende Demokratisierung eines Hochschulwesens animieren, das einmal, in jüngster Vergangenheit, einen „Sündenfall“ begangen hatte. Wie diese Kultur des Erinnerns und des Nachdenkens auszusehen hätte, wie sie in die Tat umzusetzen wäre, war 1959 nicht Leonhardts Aufgabe. Sie fiel der Generation um 1966‒68 zu.

Anhang: Der Lebenslauf in der Dissertation von Rudolf Walter Leonhardt

Rudolf Walter Leonhardt: Soll und Haben und David Copperfield ‒ ein Vergleich ihres Aufbaus als Beitrag zur Formfrage des Romans, Bonn, Philosophische Fakultät, Dissertation vom 20. Dezember 1950, ungezählte Seite nach S. 196.

Lebenslauf.

Ich,  Rudolf Walter Leonhardt, geboren am 9. Februar 1921 in Altenburg/Thür. als Sohn des Lehrers Rudolf Leonhardt (gest. 1928) und seiner Ehefrau, der Lehrerin Paula, geb. Zeiger (gest. 1932). Ich bin deutscher Nationalität und evangelisch-lutherischer Konfession. Nach dem Tode meiner Eltern übernahm der Lehrer Kurt Klein die Vormundschaft.

Von Ostern 1930 bis Ostern 1938 besuchte ich das Realgymnasium in Borna b. Leipzig. Im März 1938 legte ich dort die Reifeprüfung ab.

Während des Krieges hatte ich Gelegenheit zu einigen Versuchen, Naturwissenschaften zu studieren, die mir als drei Semester angerechnet wurden.

Im Wintersemester 1945/46 wurde ich für das Studium der Philologie an der Universität Bonn immatrikuliert. Ich hörte Deutsche Literatur bei Prof. Dr. Günther Müller, Litt. D., Aeltere Deutsche Literatur- und Sprachgeschichte bei Prof. Dr. W. Betz, Englische Literatur- und Sprachgeschichte bei Prof. Dr. W. F. Schirmer, Französische Literatur bei Professor Dr. E. R. Curtius und Französische Sprachgeschichte bei Prof. Dr. H. Lausberg.

Im Sommer 1948 folgte ich einer Aufforderung von Prof. E. M. Butler, Ordinarius für Deutsch an der Universität Cambridge, und unterrichtete zwei Jahre lang (1948‒1950) als Lektor und ‚Supervisor‘ deutsche Sprache und Literatur. Während dieser Zeit schrieb ich meine Dissertation.

Ich bin im Juli 1950 von England zurückgekommen und stehe jetzt im 7. Fachsemester.

                                          Bonn, 10. Januar 1951

Anmerkungen

[1] Innenansichten der Literaturwissenschaft werden bis zum Auftakt der Adenauer-Ära (1949‒1963) bibliographisch verzeichnet von Holger Dainat: Literaturwissenschaftliche Selbstthematisierungen 1915‒1950. Eine Bibliographie, in: ders. u. Lutz Danneberg (Hrsg.), Literaturwissenschaft und Nationalsozialismus (Studien und Texte zur Sozialgeschichte der Literatur; 99), Tübingen: Niemeyer 2003, S. 369‒385 (Nachdruck Berlin 2011). In der Bibliographie der deutschen Literaturwissenschaft (Bd. 1‒8, 1945/53‒1967/68) erscheinen institutionelle Selbstthematisierungen unter der Überschrift „Zur Situation der Literaturwissenschaft“. Vgl. auch Herbert Willems: Institutionelle Selbstthematisierungen und Identitätsbildungen im Modernisierungsprozess. In: ders. u. Alois Hahn (Hrsg.), Identität und Moderne, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1999, S. 62‒101.

[2] Rudolf Walter Leonhardt: Soll und Haben und David Copperfield ‒ ein Vergleich ihres Aufbaus als Beitrag zur Formfrage des Romans, Bonn, Philosophische Fakultät, Dissertation vom 20. Dezember 1950. (Die im Titel genannten Werke stammen von Gustav Freytag und Charles Dickens.)

[3] Rudolf Walter Leonhardt: Der Sündenfall der deutschen Germanistik. Vorschläge zur Wiederbelebung des literarischen Bewußtseins in der Bundesrepublik, Zürich u. Stuttgart: Artemis-Verlags-AG 1959, S. 55.

[4] Helmut Peitsch: Der Angestellte und freie Mitarbeiter als Intellektueller: Walter Boehlich, in: Carsten Gansel u. Werner Nell (Hrsg.), Vom kritischen Denker zur Medienprominenz? Zur Rolle von Intellektuellen in Literatur und Gesellschaft vor und nach 1989, Bielefeld: transcript 2016, S. 109-130.

[5] Festgruß für Hans Pyritz zum 15.9.1955. Aus dem Kreise der Hamburger Kollegen und Mitarbeiter, Heidelberg: Winter 1955. Das Sonderheft der Zeitschrift Euphorion enthält Beiträge von Hans Eggers, Helmuth Thomas, Karl Stackmann, Hans Wolffheim, Heinz Nicolai, Paul Raabe, Adolf Beck, Wolfgang Lange, Ulrich Pretzel, Karl Ludwig Schneider, Ulrich Füllhorn und Helmut Hennig.

[6] Petra Boden: Julius Petersen, ein Beitrag zur Geschichte der Berliner Germanistik, Berlin, Humboldt-Universität, Dissertation von 1984. Petra Boden u. Bernhard Fischer: Der Germanist Julius Petersen (1878‒1941). Bibliographie, systematisches Nachlassverzeichnis und Dokumentation (Schiller-Nationalmuseum und Deutsches Literaturarchiv. Verzeichnisse, Berichte, Informationen; 16), Marbach am Neckar: Deutsche Schillergesellschaft 1994. Petra Boden: Julius Petersen: Ein Wissenschaftsmanager auf dem Philologenthron, in: Euphorion 88, 1994, 1, S. 82‒102. ‒ Das Publikationsorgan Euphorion. Zeitschrift für Literaturgeschichte [Heidelberg: Winter] (Bd. 1‒34, 1894‒1933) wurde ab 1914 vom Gründer, dem österreichischen Literaturwissenschaftler August Sauer, in Kooperation mit Josef Nadler herausgegeben. Mit neuem Titel versehen, gaben Julius Petersen und Hermann Pongs die Zeitschrift bei Böhlau in Weimar heraus: Dichtung und Volkstum (Bd. 34‒44, 1934‒1944). 1950 erschien die Zeitschrift wieder unter dem ursprünglichen Titel im alten Verlag, herausgegeben von Hans Pyritz und Hans Naumann.

[7] Christa Hempel-Küter: Germanistik zwischen 1925 und 1955. Studien zur Welt der Wissenschaft am Beispiel von Hans Pyritz, Berlin: Akademie-Verlag 2000. Reiner Bölhoff: Pyritz, Hans Werner, in: Christoph König (Hrsg.), Internationales Germanistenlexikon 1800‒1950, Bd. 2: H‒Q, Berlin u. New York/NY 2003, S. 1445‒1447. Anton F. Guhl: Entlassung, Entnazifizierung, Rehabilitierung? Die Philosophische Fakultät der Hamburger Universität zwischen Bruch und Kontinuität nach 1945, in: Myriam Richter u. Mirko Nottscheid (Hrsg.), 100 Jahre Germanistik in Hamburg (Hamburger Beiträge zur Wissenschaftsgeschichte; 19), Berlin u. Hamburg: Reimer 2011, S. 261‒280.

[8] Leonhardt: Der Sündenfall der deutschen Germanistik, 1959, S. 6.

[9] Der Leserbrief von Prof. Dr. Albert Malte Wagner, London, trägt den Titel Wir müssen alles anders machen. Er ist in der ZEIT am 26.9.1958 (Nr. 39 des 13. Jahrgangs) auf Seite 22 erschienen. In den folgenden zwei Ausgaben wurden mehrere Reaktionen auf diesen Brief abgedruckt. Hierauf reagierte Albert Malte Wagner neuerlich mit einem Leserbrief. Er trägt den Titel Zu weit und nicht zu weit und ist am 17.10.1958 (Nr. 42 des 13. Jahrgangs) auf Seite 20 abgedruckt. Wieder kam es in den darauffolgenden Ausgaben zu Leserbriefabdrucken.

[10] Leo [Namenszeichen von Rudolf Walter Leonhardt]: Was treibt die deutsche Germanistik? Eine Zeit-Frage wird angeschnitten (10.10.1958), URL: Die Zeit Online https://www.zeit.de/1958/41/was-treibt-die-deutsche-germanistik. Vgl. Klaus Röther: Die Germanistenverbände und ihre Tagungen. Ein Beitrag zur germanistischen Organisations- und Wissenschaftsgeschichte, Köln: Pahl-Rugenstein 1980, S. 455.

[11] Leonhardt: Der Sündenfall der deutschen Germanistik, 1959, S. 5f.

[12] Über die Namen der angeschriebenen Ordinarien breitete der Feuilletonist den Mantel des Schweigens. In den Online-Bibliothekskatalogen sind für das Jahr 1958 zum Beispiel monografische Arbeiten verzeichnet von Richard Alewyn, Wilhelm Emrich, Walter Höllerer, Walter Jens, Wolfgang Kayser, Walther Killy, Fritz Martini, Heinz Rupp und Benno von Wiese.

[13] Eine Leonhardt-Biografie und eine Gesamtbibliografie seiner Schriften stellen Desiderate dar. Vgl. den Nachruf von Theo Sommer: Denken, was man fühlt. Tun, was man denkt. Brillant, stürmisch, provokativ: Zum Tode des großen Feuilletonisten und bewunderten Kollegen Rudolf Walter Leonhardt, in: Die Zeit Online 3.4.2003, URL: https://www.zeit.de/2003/15/Nachruf_Leo. Laut Munzinger-Archiv stammte Leonhardts Mutter aus Lothringen und eine Großmutter aus England. Vgl. Die deutschsprachige Presse. Ein bio-bibliographisches Handbuch. Bearbeitet von Bruno Jahn, Bd. 1, München: K. G. Saur 2005, S. 623. Heinrich Detering u. Günter Baumann: Leonhardt, Rudolf Walter, in: Wilhelm Kuhlmann (Hrsg.), Killy-Literaturlexikon. Autoren und Werke des deutschsprachigen Kulturraumes, Bd. 7, 2., vollst. überarb. Aufl., Berlin u. Boston/MA: de Gruyter 2010, S. 349.

[14] Leonhardt: Der Sündenfall der deutschen Germanistik, 1959, S. 7. Zitate aus Leserzuschriften finden sich im Schlussabschnitt „Protest und Zustimmung“ (S. 51‒55).

[15] Rudolf Walter Leonhardt: This Germany: The Story since the Third Reich, Greenwich/CT: New York Graphic Society Publishers 1954 (Neuausgabe 1966 und 1968 in der Reihe „Pelican Books“). Ders.: 77mal England. Panorama einer Insel, München: Piper 1957 (16. Aufl. 1989). ‒ Leonhardt betätigte sich auch als Übersetzer, vgl. Stephen King-Hall: Den Krieg im Frieden gewinnen. Übersetzung von Rudolf Walter Leonhardt, Hamburg: Nannen1958.

[16] Darauf machte mich Sabine Koloch aufmerksam. Ulrich Weisstein bezeichnet den Sündenfall in seiner Besprechung für die Monatshefte als „Denkschrift“ (Monatshefte. A Journal Devoted to the Study of German Language and Literature 52, 1960, 1, S. 90‒91).

[17] Leonhardt: Der Sündenfall der deutschen Germanistik, 1959, S. 5. Gert Ueding und Bernd Steinbrink betrachten die rhetorischen Zweckformen Zeitungsartikel, Pamphlet, Flugblatt, Polemik, Tendenzpoesie, Reportage und Reisebericht als „zentrale künstlerische Äußerungen des 19. Jahrhunderts“. Gert Ueding u. Bernd Steinbrink: Grundriß der Rhetorik. Geschichte ‒ Technik – Methode, 5., akt. Aufl. Stuttgart u. Weimar: Metzler 2011, S. 3.

[18] Leonhardt: Der Sündenfall der deutschen Germanistik, 1959, S. 7.

[19] Ebd., S. 7.

[20] Friedrich von der Leyen: Sündenfall der deutschen Germanistik? Das Schlußwort zu einer ZEIT-Polemik, in: Die Zeit 14, 1959, Nr. 21, 22.5.1959, S. 7. Vgl. ders.: Deutsche Universität und deutsche Zukunft. Betrachtungen, Jena 1906.

[21] Siehe den Vorspann zu dem Gastbeitrag von der Leyens, verfasst von der ZEIT-Kulturredaktion.

[22] Frank Golczewski: Jüdische Hochschullehrer an der neuen Universität Köln vor dem Zweiten Weltkrieg, in: Jutta Bohnke-Kollwitz, Willehard Paul Eckert, Frank Golczewski u. Hermann Greive (Hrsg.), Köln und das rheinische Judentum. Festschrift Germania Judaica 1959‒1984, Köln: Bachem 1984, S. 363‒396, hier S. 389. Norbert Oellers: Germanistik in Bonn und Köln 1945‒1955, in: Dieter Breuer, Gertrude Cepl-Haufmann (Hrsg.), Öffentlichkeit und Moderne ‒ die Moderne in der Öffentlichkeit. Das Rheinland 1945‒1955 (Düsseldorfer Schriften zur neueren Landesgeschichte und zur Geschichte Nordrhein-Westfalens; 53), Essen: Klartext-Verlag 2000, S. 175‒195, hier S. 192f., Anm. 24 u. 25. Leo Haupts: Die Universität Köln im Übergang vom Nationalsozialismus zur Bundesrepublik (Studien zur Geschichte der Universität zu Köln; 18), Köln, Weimar u. Wien: Böhlau 2007, S. 199, Anm. 359.

[23] Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945, Frankfurt am Main: S. Fischer 2007, S. 364–365 (vollst. überarb. Ausgabe 2009). Vgl. Friedrich von der Leyen: Eine deutsche Akademie, in: Beilage zur Allgemeinen Zeitung [München] 105, 1902, Nr. 87, 16.4.1902, S. 105‒108.

[24] Das germanistische Seminar der Universität Berlin. Festschrift zu seinem 50jährigen Bestehen mit Beiträgen von Alfred Bergeler, Andreas Heusler, Werner Knoch, Franz Koch, Friedrich v. der Leyen, Julius Petersen, Robert Petsch, Ulrich Pretzel, Hermann Schneider, Edward Schröder, Franz Schultz, Berlin u. Leipzig: de Gruyter 1937. ‒ Zur Berliner Schule forscht die „Arbeitsstelle Fachgeschichte am Institut für deutsche Literatur der Humboldt-Universität zu Berlin“.

[25] Karl Otto Conrady: Völkisch-nationale Germanistik in Köln. Eine unfestliche Erinnerung, Schernfeld: SH-Verlag 1990, S. 56–59.

[26] Angelika Königseder: Das Ende der NSDAP. Die Entnazifizierung, in: Wolfgang Benz (Hrsg.), Wie wurde man Parteigenosse? Die NSDAP und ihre Mitglieder, Frankfurt am Main: S. Fischer 2009, S. 151‒166, hier S. 153.

[27] Festschrift, Paul Kluckhohn und Hermann Schneider gewidmet zu ihrem 60. Geburtstag. Herausgegeben von ihren Tübinger Schülern, Tübingen: Mohr Siebeck 1948. Zum Themenkomplex „Entnazifizierung – Entlastungsbewegung – Reintegration“ vgl. Norbert Frei: Vergangenheitspolitik. Die Anfänge der Bundesrepublik und die NS-Vergangenheit, 2., durchges. Aufl. München: Beck 1997. Eckart Conze: Ende und Anfang (1945‒1949), in: ders., Die Suche nach Sicherheit. Eine Geschichte der Bundesrepublik Deutschland von 1949 bis in die Gegenwart, München: Siedler 2009, S. 21‒44. Manfred Görtemaker u. Christoph Safferling: Die Akte Rosenburg. Das Bundesministerium der Justiz und die NS-Zeit, München: Beck 2016.

[28] Siehe die nach der Emigration sehr anerkennenden Worte Richard Samuels über Kluckhohn in: Novalis. Schriften. Hrsg. von Paul Kluckhohn und Richard Samuel, Bd. 1: Das dichterische Werk, 2., nach d. Handschriften erg., erw. u. verb. Aufl. Stuttgart: Kohlhammer 1960, S. V.

[29] Festschrift, Paul Kluckhohn und Hermann Schneider gewidmet zu ihrem 60. Geburtstag, 1948, S. III.

[30] Theodor Frings u. Gabriele Schieb (Leipzig): Heinrich von Veldeke, die Entwicklung eines Lyrikers, in: ebd., S. 101-121.

[31] Hier und im Folgenden stützte ich mich auf: Christoph König (Hrsg.): Internationales Germanistenlexikon 1800‒1950, 3 Bde., Berlin u. New York/NY: de Gruyter 2003.

[32] Felix Genzmer (Tübingen): Vorzeitsage und Heldenlied, in: Festschrift, Paul Kluckhohn und Hermann Schneider gewidmet zu ihrem 60. Geburtstag. Herausgegeben von ihren Tübinger Schülern, Tübingen: Mohr Siebeck 1948, S. 1‒31.

[33] Gerhard Fricke (Tübingen): Bemerkungen zu Wilhelm Heinrich Wackenroders Religion der Kunst, in: ebd., S. 345‒371.

[34] Hans Kuhn: Kriemhilds Hort und Rache, in: ebd., S. 84‒100.

[35] Hugo Moser (Tübingen): Der Stammesgedanke im Schrifttum der Romantik und bei Ludwig Uhland, in: ebd., S. 372‒395.

[36] Emil Ermatinger: Die Persönlichkeit des Dichters, in: ebd., S. 213‒230. Vgl. Julian Schütt: Germanistik und Politik. Schweizer Literaturwissenschaftler in der Zeit des Nationalsozialismus, Zürich: Chronos 1996 (2. Aufl. 1997).

[37] Günther Müller (Bonn): Erzählzeit und erzählte Zeit, in: ebd., S. 195‒212.

[38] Friedrich Ranke (Basel): Zum Vortrag der Tristanverse, in: ebd., S. 528‒539.

[39] Albert Fuchs u. Helmut Motekat (Hrsg.): Stoffe, Formen, Strukturen. Studien zur deutschen Literatur. Hans Heinrich Borcherdt zum 75. Geburtstag 17. August 1961, München: Hueber 1962.

[40] Ebd., S. xvi.

[41] Walter Horace Bruford: Some German Memories 1911‒1961, London: Institute of Germanic Studies 1980, S. 32. Die Lebenserinnerungen sind in der Reihe „Bithell Memorial Lecture“ erschienen, URL: https://modernlanguages.sas.ac.uk/publications/bithell-memorial-lectures.

[42] Ebd., S. 34f.

[43] Den thematischen Umfang seines Buches steckte Leonhardt im Abschnitt „Was ist gutes Deutsch“ sehr genau ab: „Unter ‚Germanistik‘ soll hier und im Folgenden, sofern der Begriff nicht ausdrücklich eingeschränkt wird, zunächst ganz allgemein die aufnehmende, denkende, ordnende und wertende Beschäftigung mit deutscher Literatur verstanden werden, die den Autor, den Forscher, den Lehrer und den Kritiker verbindet. Dabei beschränken sich meine Betrachtungen im allgemeinen auf die ‚deutsche‘ Germanistik, und darunter möchte ich aus technischen Gründen hier nur jene Bemühungen um Sprache und Literatur verstehen, wie sie bis 1945 innerhalb der Grenzen des Deutschen Reiches, nach 1945 innerhalb der Deutschen Bundesrepublik zu beobachten waren.“ Leonhardt: Der Sündenfall der deutschen Germanistik, 1959, S. 10.

[44] Zu den Dokumentationsbänden der Vortragsreihen vgl. Julian Klüttmann: Die Leserzuschrift Mißbrauch mit dem Andenken der Weißen Rose des Ehepaares Völker in der Süddeutschen Zeitung vom 16. März 1965 und die Erwiderung des Rektors der Ludwig-Maximilians-Universität München (darin der Abschnitt „Zitierte und weiterführende Primär- und Sekundärliteratur in chronologischer Abfolge“), URL: https://literaturkritik.de/public/artikel.php?art_id=1130&ausgabe=51.

[45] Vergleiche auch Walter Boehlich: Aus dem Zeughaus der Germanistik. Die Brüder Grimm und der Nationalsozialismus, in: Der Monat. Jahrbuch 18, 1966, 217, S. 56‒68 (wiederabgedruckt in: Herausgegriffen. Aus deutschen Zeitungen, Zeitschriften und Büchern. Presseattaché bei der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Bern 7, 1966, S. 8‒25). Vgl. Helmut Peitsch u. Helen Thein (Hrsg.): Walter Boehlich, Kritiker, Berlin: Akademie-Verlag 2011.

[46] Bernd-A. Rusinek: Von der Entdeckung der NS-Vergangenheit zum generellen Faschismusverdacht ‒ akademische Diskurse in der Bundesrepublik der 60er Jahre, in: Axel Schildt, Detlef Siegfried u. Karl Christian Lammers (Hrsg.), Dynamische Zeiten. Die 60er Jahre in den beiden deutschen Gesellschaften (Hamburger Beiträge für Sozial- und Zeitgeschichte, 37), Hamburg: Christians 2000 (2. Aufl. 2003), S. 114‒147.

[47] Fritz Hofer: 50 Jahre Artemis 1943‒1993. Eine Dokumentation. Mit einer Jubiläumsrede von Walter Jens, Zürich: Artemis u. Winkler 1993.

[48] Vgl. zu der Verlagsreihe den 2018 von Sabine Koloch initial verfassten Wikipedia-Artikel https://de.wikipedia.org/wiki/Schriften_zur_Zeit._Kulturschriftenreihe_des_Artemis_Verlages.

[49] In der griechischen Mythologie war Artemis die Göttin der Jagd, des Waldes und des Mondes.

[50] Christoph Perels: Ernst Beutler, das Freie Deutsche Hochstift und die Universitäts-Germanistik, in: Frank Fürbeth, Pierre Krügel, Ernst E. Metzner u. Olaf Müller (Hrsg.), Zur Geschichte und Problematik der Nationalphilologien in Europa. 150 Jahre Erste Germanistenversammlung in Frankfurt am Main (1846‒1996), Tübingen: Niemeyer 1999, S. 579‒590.

[51] Walter Muschg: Die Zerstörung der deutschen Literatur, Bern: Francke 1956 (3., erw. Aufl. 1958, Neuausgabe im List-Verlag München 1960 und 1961, Neuausgabe Zürich: Diogenes 2009). Eine Parallelausgabe erschien 1956 im Verlag der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz.

[52] Verratene Wissenschaft. Ein nichtgedruckter Nekrolog [1941], in: Jonas Fränkel, Dichtung und Wissenschaft, Heidelberg: Lambert Schneider 1954, S. 256‒264.

[53] Leonhardt: Der Sündenfall der deutschen Germanistik, 1959, S. 46.

[54] Dass ihm die Thematik ein inneres Anliegen war, zeigt auch die folgende Publikation: Rudolf Walter Leonhardt: Die deutschen Universitäten 1945‒1962, in: Hans Werner Richter (Hrsg.), Bestandsaufnahme. Eine deutsche Bilanz 1962. Sechsunddreißig Beiträge deutscher Wissenschaftler, Schriftsteller und Publizisten, München, Wien u. Basel: Desch 1962, S. 351‒359.

[55] Leonhardt: Der Sündenfall der deutschen Germanistik, 1959, S. 30‒37.

[56] Ebd., S. 10.

[57] Ausgerechnet einige der von Leonhardt ins Visier genommenen NS-Germanisten pflegten nach ihrer „Rehabilitierung“ einen ausgesprochen lesbaren Stil.

[58] Leonhardt: Der Sündenfall der deutschen Germanistik, 1959, S. 38.

[59] Ebd., S. 20.

[60] Remigius Bunia: Unzufrieden und unsicher. Empirische Ergebnisse zur Juniorprofessur, in: Forschung & Lehre 21, 2014, 9, S. 714‒716. Bunia war Vorstandsvorsitzender der „Deutschen Gesellschaft Juniorprofessur e. V.“.

[61] Über die amerikanischen Verhältnisse war Leonhardt offenbar sehr viel weniger gut informiert.

[62] Vgl. hierzu Rudolf Walter Leonhardt: 77mal England. Panorama einer Insel, München: Piper 1957, S. 207‒211.

[63] Im Jahr der Veröffentlichung des Sündenfalls erschien ihre Autobiographie: Eliza Marian Butler: Paper Boats, London: Collins 1959.

[64] Leonhardt: Der Sündenfall der deutschen Germanistik, 1959, S. 31.

[65] Ebd.

[66] Ebd., S. 32.

[67] Ebd.

[68] Ebd.

[69] Fränkel: Verratene Wissenschaft [1941], 1954, S. 255.

[70] Etwa gegenüber seiner jüdischen Schülerin Charlotte Jolles (1909‒2003). Die Fontaneforscherin wurde 1974 Professorin am Londoner Birckbeck College. Zur 50. Wiederkehr des Tages ihrer Promotion 1987 (Einreichung der Dissertation am 17.2.1937) wurde sie von der Humboldt-Universität mit der Goldenen Doktor-Urkunde geehrt. Ihre Dissertation war aus einem Seminar von Julius Petersen hervorgegangen. Vgl. Gotthard Erler: Nachwort, in: Charlotte Jolles, Fontane und die Politik. Ein Beitrag zur Wesensbestimmung Theodor Fontanes. Berlin u. Weimar: Aufbau-Verlag 1983, S. 256‒263, hier S. 256f. Peter Wruck: Ehrendoktorwürde für Charlotte Jolles, in: Zeitschrift für Germanistik 9, 1988, 631‒633. Petra Boden: Charlotte Jolles über Julius Petersen. Zum wissenschaftlichen Leben am Germanischen Seminar in den 30er Jahren, in: Wissenschaftliche Zeitschrift der Humboldt-Universität zu Berlin. Gesellschaftswissenschaftliche Reihe 36, 1987, 7 [Thema: Berliner Studenten und deutsche Literatur (1810‒1933/1945)], S. 632‒639.

[71] Leonhardt: Der Sündenfall der deutschen Germanistik, 1959, S. 34.

[72] Ebd.

[73] Ebd., S. 30.

[74] Ebd.

[75] Ebd., S. 34.

[76] Oder das wenig beachtete Buch von Josef Körner: Marginalien. Kritische Beiträge zur geisteswissenschaftlichen Forschung, Frankfurt am Main: Schulte-Bulmke 1950, bes. S. 78‒80. Körner (1888‒1950), dessen Versuche, sich in Prag zu habilitieren, auf Betreiben deutschnationaler (judenfeindlicher) Kräfte verhindert wurden, hatte das KZ Theresienstadt überlebt. Vgl. Josef Körner: Philologische Schriften und Briefe. Hrsg. von Ralf Klausnitzer, mit einem Vorwort von Hans Eichner (Marbacher Wissenschaftsgeschichte; 1), Göttingen: Wallstein 2001.

[77] Hartmut Gaul-Ferenschild: Germanistikgeschichtsschreibung als Sündenregister, in: ders., National-völkisch-konservative Germanistik. Kritische Wissenschaftsgeschichte in personengeschichtlicher Darstellung (Literatur und Wirklichkeit; 27), Bonn 1993, S. 40‒52.