3. Außer Kratzer nichts gewesen

Die Archäologen der Universität Marburg, die sofort eingeschaltet wurden, standen vor einem Dilemma. Die entdeckten Funde bestanden fast ausschließlich aus drei Komponenten: Glasscherben, Bruchstücken von Metall und bräunlichen Keramikplatten. Bei näherer chemischer Analyse stellte sich heraus, dass das Metall zum größten Teil Eisen war und die Keramikplatten enthielten Silikon und ein bisher unbekanntes chemisches Element. Und was für das Weitere sehr wichtig ist: Das Eisen war stark magnetisiert. Verwunderlich an diesen Funden war, dass ähnliche in der Gegend nie gemacht wurden, obwohl Ausgrabungen wie die mit der Entdeckung des Mikwe Bades stattgefunden hatten. Es gab nur eine mögliche Erklärung für diese Merkwürdigkeit: Die jetzigen Ausgrabungen waren um wenigstens zehn Meter tiefer als die bisherigen in der Gegend; nicht umsonst hatte man das Grundstück als „Loch“ getauft. Diese Hypothese erwies sich tatsächlich nach einigen Wochen als richtig: Es gab in der Nähe des Loches eine Parkanlage, in der man auf einer kleinen Fläche Ausgrabungen bis zu der kritischen Tiefe machen konnte – in unmittelbarer Nähe des Loches war das nicht möglich, denn ringsherum waren bereits bebaute Parzellen und die Straße – und man fand da wirklich dieselben merkwürdigen Glasscherben, Metall- und Keramik-Bruchstücke.

„Mich wundern nach wie vor die Glasscherben. Wenn nicht diese, gäbe es eine einfache Erklärung für diese Funde“, meinte Professor Hübner, der Leiter der Archäologiegruppe, die sich mit den Ausgrabungen befasste, als ein Fernsehreporter ihn interviewte.




Aus dem Roman „Tagebuch eines Denkcomputers“ von Richard M. Weiner (Fortsetzung des 2014 erschienenen Romans „Aufstand der Denkcomputer“)