14. Eine neue Pause?

Die paar Wochen, die verstrichen, bis wir Antworten bekamen, benutzte ich, mich ohne Denkroboter-Gewissensbisse meinem eigentlichen Forschungsprojekt bei der NASA zu widmen, der Energieversorgung bei langen Raumexpeditionen.

Die Reichweite von Raumraketen hängt vor allem von der Menge des Brennstoffes ab, die von den Raketen transportiert werden kann, und diese wiederum von der aus technischen Gründen begrenzten Größe der Raketen. Meine Ausgangsidee – ohne eine solche sollte man lieber die Hände von jeder Forschung lassen – war, die Änderung der Naturkonstanten unter äußeren Einwirkungen zu nutzen, um Miniatome zu erzeugen. Diese Atome sind, wie ihr Name suggeriert, solche, die kleiner sind als die gewöhnlich in der Natur vorhandenen. Wie wir alle wissen, besteht ein gewöhnliches Atom aus elektrisch negativ geladenen Elektronen und einem positiv geladenen Atomkern. Wegen der entgegengesetzten Vorzeichen ihrer Ladungen ziehen sich diese zwei Komponenten an. Dabei hängt die Größe dieses Systems von der Anziehungskraft ab, die diese zwei Komponenten des Atoms im Gleichgewicht hält. Diese Kraft wiederum hängt von der Größe der elektrischen Ladung eines Elektrons beziehungsweise Protons ab. Diese Ladung gehört zu einer der fundamentalen Naturkonstanten. Wenn man diese ändern könnte, könnte man auch die Größe eines Atoms ändern. Die Elementarteilchenphysik sagt voraus, dass bei extrem hohen Temperaturen diese Naturkonstante sich vergrößert und damit auch die entsprechende elektrische Kraft. Wegen der stärkeren Anziehung zwischen der negativen Ladung der Elektronen und der positiven Ladung des Kerns werden dann die Atome kleiner. Daraus folgt, dass man dieselbe Menge von Energie beziehungsweise Brennstoff in einem kleineren Volumen transportieren kann. Mit anderen Worten: Die Verwendung von Brennstoff, der aus Miniatomen besteht, verlängert bei hohen Temperaturen und bei gegebener Größe von Raketen deren Reichweite und macht Raumexpeditionen in Regionen des Universums möglich, die bisher unerreichbar waren.




Aus dem Roman „Tagebuch eines Denkcomputers“ von Richard M. Weiner (Fortsetzung des 2014 erschienenen Romans „Aufstand der Denkcomputer“)