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Autoren : Mann, Heinrich

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Heinrich Mann, geb. am 27. März 1871 in Lübeck, gest. am 11. März 1950; Sohn eines Speditionskaufmanns und Lübecker Senators, älterer Bruder des Schriftstellers Thomas Mann.
Nach kurzer Lehre im Buchhandel und sporadischem Universitätsbesuch entscheidet sich Heinrich Mann früh für ein Leben als Schriftsteller. Besonders mit der Roman-Trilogie „Die Göttinnen oder Die drei Romane der Herzogin von Assy“ von 1903 zieht er die Aufmerksamkeit des literarischen und intellektuellen Deutschland auf sich. Das Wort von Gottfried Benn, H. Mann sei „der Meister, der uns alle schuf“, bezieht sich vor allem auf Werke wie dieses.
Wenn man von einem Thema sprechen wollte, welches H. Mann immer wieder zum Gegenstand seiner Gestaltungen macht, so ist es der Verfall. Den Verfall in seiner persönlichen und sozialen Dimension zeichnet er in Charakteren, die keine Kraft zum Handeln finden – und dann wieder in bedenkenlosen Tatmenschen; in Leidenschaften, die den Menschen fast tödlich durchdringen – und dann wieder lau und folgenlos bleiben wie bei schlechten Schauspielern. In Auseinandersetzung mit Verfall und Vollendung gelingt ihm auf dem Höhepunkt seines Schaffens die Gestaltung des französischen Königs Henri Quatre zu einem Meisterwerk.
Satirische und szenisch-dramatische sind die ästhetischen Formen, die H. Mann in seinen Romanen zu einer hohen Kunst entfaltet. Sein wohl bekanntester Roman ist „Professor Unrat“: er wurde zur Vorlage für den Film „Der blaue Engel“ mit Marlene Dietrich. Bis heute gehört sein sozial-satirischer Roman „Der Untertan“ zur Schullektüre.
H. Mann war ein begnadeter Essayist und ein interessanter Feuilletonist. Vor allem seine Essaysammlung „Geist und Tat“ über französische Schriftsteller ist ein Markstein dieser Gattung. Sein autobiographischer Essay „Ein Zeitalter wird besichtigt“ hingegen ist wohl sein umstrittenstes Werk.
Heinrich Mann ist hochangesehen und Präsident der Sektion Dichtkunst der Preußischen Akademie der Künste, als im Januar 1933 Hitler die Macht in Deutschland übernimmt. Man drängt ihn aus der Akademie, was H. Mann kurz darauf zu dem Entschluss motiviert, sich nach Frankreich in Sicherheit zu bringen. Im Mai 1933 werden seine Bücher in Berlin öffentlich verbrannt, er wird aus Deutschland ausgebürgert. In Frankreich wird er zum von allen politischen Lagern geachteten Doyen der deutschen Emigration. 1940 muß er erneut die Flucht vor dem Naziregime antreten: es gelingt ihm, auch mit Hilfe des Bruders, in den USA Aufnahme zu finden. Dort lebt er in L.A., Santa-Monica, ein sehr zurückgezogenes, unbeachtetes und, was die äußeren Bedingungen angeht, fast ärmliches Leben. Seine Produktivität erhält er sich jedoch; es entstehen drei Romane, die Autobiographie und eine Vielzahl von aufklärerischen Artikeln.
Heinrich Mann war zwei Mal verheiratet. Aus seiner ersten Ehe mit Maria Kanova hatte er eine Tochter. Seine zweite Ehefrau Nelly, geb. Kröger, nahm sich im Exil in Kalifornien das Leben.
Als Heinrich Mann 1950 in Santa-Monica starb, hatte man ihn gerade zum Präsidenten der Deutschen Akademie der Künste in Berlin (DDR) gewählt.
1961 wurde seine Urne nach Deutschland überführt und auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin beigesetzt.
Nach ihm ist ein renommierter Literaturpreis benannt.

Werke (Auswahl)

Die Göttinnen oder Die drei Romane der Herzogin von Assy. 1903. (Roman-Trilogie)
Pippo Spano. 1905. (Novelle)
Professor Unrat oder Das Ende eines Tyrannen. 1905. (Roman)
Die kleine Stadt. 1909. (Roman)
Geist und Tat. 1910 (Essays)
Der Untertan. 1918. (Roman)
Der Kopf. 1925 (Roman)
Ein ernstes Leben. 1932. (Roman nach den Berichten seiner Frau Nelly)
Die Jugend des Königs Henri Quatre 1935. (Roman, erstes Buch über den König Henri Quatre)
Die Vollendung des Königs Henri Quatre. 1938. (Roman, zweites Buch über den König Henri Quatre)
Ein Zeitalter wird besichtigt. 1945 (autobiographischer Essay)

Susanne Gerlinde, November 2014

Artikel über Bücher von Heinrich Mann in literaturkritik.de:

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Das Ende der Ideale.
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Die höchste Begabung sei Leichtigkeit.
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Ausgabe 05-2003

Das Bild des Deutschen an sich.
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Ausgabe 09-2001




Aktualisiert am 2014-11-09 20:51:01
 
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