Gewohnt routinierter Einblick in die venezianische Seele und ihre kriminellen Seiten

Donna Leon lässt Commissario Brunetti in seinem 25. Fall einmal mehr erfolgreich ermitteln

Von Barbara TumfartRSS-Newsfeed neuer Artikel von Barbara Tumfart

Besprochene Bücher / Literaturhinweise

Die amerikanische Bestsellerautorin Donna Leon meldet sich auch in diesem Sommer pünktlich wie jedes Jahr mit einem neuen Kriminalfall rund um Commissario Guido Brunetti aus Venedig in der Bücherwelt zurück und wird mit ihrem nun mittlerweile bereits 25. Kriminalroman über die venezianische Polizei ihre große und treue Lesegemeinde sicherlich begeistern. Das Figurenrepertoire ist erwartungsgemäß unverändert geblieben, einzig Brunettis junger Kollegin Claudia Griffoni wird mehr Raum für ein aktiveres Mitwirken an den polizeilichen Ermittlungen gegeben.

Nun aber kurz zum Inhalt des „Jubiläumsfalles“ der Kultserie von Donna Leon: Die adelige Contessa Demetriana Lando-Continui, eine betagte schwerreiche Mäzenin einer Stiftung, die sich für den Erhalt alter schützenswerter Gebäude in Venedig engagiert, wendet sich an Brunetti und ersucht ihn um seine diskrete Hilfe als Commissario der venezianischen Polizei. Vor rund 15 Jahren wurde ihre Enkelin Manuela bewusstlos in einem Canale gefunden. Seit diesem tragischen Vorfall befindet sich die mittlerweile erwachsene Frau auf dem geistigen Niveau eines sechs- bis siebenjährigen Kindes und lebt völlig abgeschieden von der Außenwelt bei ihrer psychisch labilen Mutter. Die Großmutter zweifelt an der These, dass es sich um einen Unfall handelt, sie glaubt vielmehr an eine Gewalttat, da Manuela panische Angst vor Wasser hatte. Brunetti beginnt sich rasch für das tragische Schicksal der jungen Frau zu interessieren, wobei er tatkräftig durch die junge dynamische Kollegin Griffoni unterstützt wird, die durch ihre unkomplizierte Art und die gemeinsame Liebe zu Pferden und dem Reitsport rasch ein Vertrauensverhältnis zu Manuela aufbauen kann. Die Ermittlungen führen die Polizisten schließlich zu einem Reitgestüt am Festland, wo Manuela vor ihrem tragischen Unfall regelmäßig trainierte. Als kurze Zeit später jener schwer alkoholkranke Mann, der einst das junge Mädchen aus dem Wasser zog, sich aber angeblich an nichts mehr von damals erinnern kann, in seiner Wohnung tot aufgefunden wird, zeichnet sich eine schnelle Lösung des Falles ab.

Erwartet man vom 25. Fall Brunettis prickelnde Hochspannung und actionreiche Handlung, so wird man sicherlich enttäuscht sein. Vielmehr wird der treue Leser mit einer subtilen Mischung aus Spannung, psychologischen Details, einer wohlvertrauten Beimengung von zynisch-ironischen Seitenhieben auf die aktuelle Politik, die gesellschaftspolitischen Missstände (Stichwort: Flüchtlingsproblematik) und innerpolizeilicher Skurrilitäten belohnt. Ein auf jeden Fall unterhaltsamer weiterer Einblick in die Welt Brunettis und Co, mit dem Donna Leon einmal mehr die Sympathien ihrer großen Leserschaar zu gewinnen vermag. Für noch unerfahrene Donna-Leon-Leser ist das cirka. 340 Seiten umfassende neue Werk allerdings auch ein idealer Einstieg in die Welt der venezianischen Seele und ihrer kriminellen Seiten.

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Donna Leon: Ewige Jugend. Commissario Brunettis fünfundzwanzigster Fall.
Übersetzt aus dem Amerikanischen von Werner Schmitz.
Diogenes Verlag, Zürich 2016.
322 Seiten, 24,00 EUR.
ISBN-13: 9783257069693

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