»Jedes einzelne Leben ist die Welt«. Ein Sammelband von Anton Philipp Knittel und Siegmund Kopitzki gibt neue Einblicke in Arnold Stadlers Text(t)räume

Besprochene Bücher / Literaturhinweise

Der in der Heidegger-Stadt Meßkirch geborene und im nahen Dorf Rast aufgewachsene Schriftsteller Arnold Stadler zählt zweifelsohne zu den bedeutendsten deutschen Schriftstellern der Gegenwart. Für sein bisheriges Werk erhielt Stadler breite Anerkennung, darunter den Georg-Büchner-Preis, den Kleist-Preis, den Alemannischen Literaturpreis sowie mehrere weitere namhafte Auszeichnungen. Der studierte Theologe und promovierte Literaturwissenschaftler gilt seit seinem Debüt mit dem autobiografisch grundierten Roman Ich war einmal (1989) als Meister abgründiger Sprachbilder, aphoristischer Pointen, verzweifelt komischer Geschichten und traurig-heiterer Helden. Als „Satzdenker“ ist Stadler stets auch ein Meister einer Ästhetik des Um- und Weiterschreibens – und längst Gegenstand der Literaturwissenschaft wie auch der Theologie.

Arnold Stadler schafft in seinen Romanen, Erzählungen, Essays zur Kunst und Literatur, in seinen Porträts, Gedichten und Psalmen-Übertragungen einen Text(t)raum, in dem seine Sätze eine ganze „Existenzdimension“ eröffnen, wie sein Leser und großer Mentor Martin Walser früh bemerkt hat. Anlässlich des 65. Geburtstages von Arnold Stadler fand im April 2019 in Meßkirch eine dreitägige interdisziplinäre Tagung mit Wissenschaftlern und Stadler-Experten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz statt.

Die Tagung unter dem Stadler-Zitat „Jedes einzelne Leben ist die Welt“ näherte sich dem Werk aus verschiedenen Perspektiven. Stadlers „Strategien der poetischen Selbstbehauptung“, sein „fragmentarisches Erzählen“, sein schwieriges „Verhältnis zur Theologie“ und zur „Heimat als Nicht-Ort“ waren ebenso Thema wie der Lyriker und Schriftsteller „als erratischer Block in der süddeutsch-alemannischen geistigen Landschaft“.

Jetzt liegen die überarbeiteten Tagungsbeiträge, hrsg. von Anton Philipp Knittel und Siegmund Kopitzki, in Buchform vor: Beiträger sind: Anton Philipp Knittel, Arnold Stadler, Georg Braungart, Nils Rottschäfer, Jürgen Gunia, Franz M. Eybl, Hans-Rüdiger Schwab, Hansgeorg Schmidt-Bergmann, Michael Braun, Pascal Schmitt, Bettina Schulte, Pirmin Meier, Siegmund Kopitzki und Christof Hamann. Neben Bildern der Tagung und einer Auswahl der Stadler-Bibliografie beinhaltet der im Meßkircher Gmeiner Verlag erschienene Band auch die Wiedergabe einer Podiumsdiskussion zum Thema „Schreiben ist Übersetzen von Welt in meine Sprache“.

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Titelbild

Anton Philipp Knittel / Siegmund Kopitzki (Hg.): »Jedes einzelne Leben ist die Welt«. Neue Einblicke in Arnold Stadlers Text(t)räume.
Gmeiner Verlag, Meßkirch 2020.
315 Seiten, 28,00 EUR.
ISBN-13: 9783839227770

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