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Autoren : Karlweis, Marta

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Die Wiener Schriftstellerin Marta Karlweis wurde am 27. April 1889 als Tochter des unter dem Pseudonym Carl Karlweis veröffentlichenden Romanciers und Dramatikers Karl Weiß geboren. Als junge Frau schrieb sie sich an der Universität ihrer Heimatstadt im Fach Psychologie ein, unterbrach das Studium jedoch vorübergehend, nachdem sie im Jahr 1907 Walter Stross geehelicht hatte. Aus der Ehe gingen zwei Töchter hervor. 1915 lernte die noch immer verheiratete Frau den Schriftsteller Jacob Wassermann kennen und lieben. Doch sollte noch mehr als ein Jahrzehnt verstreichen, bis beide von ihren jeweiligen PartnerInnen geschieden waren und sie 1926 heiraten konnten. Zwischenzeitlich hatte Karlweis 1924 ihren gemeinsamen Sohn Charles Ulrich geboren.
Karlweis war mit etlichen literarischen Größen ihrer Zeit bekannt, unter ihnen etwa Thomas Mann und Arthur Schnitzler, der sie und ihr Werk allerdings nicht sonderlich schätzte. Auch verkehrte sie in dem seinerzeit angesehenen Salon von Berta Zuckerkandl.
Die Naziherrschaft zwang die Jüdin in den 1930er-Jahren ins Exil, zunächst in die Schweiz, später nach Kanada, wo sie als Psychoanalytikerin tätig war. Dieser von den Nazis erzwungenen Flucht ist zweifellos ihr „völliges Verschwinden aus der deutschsprachigen Literatur“ (Sonnleitner, S. 206) anzulasten.
Ihr Debüt als Autorin gab Karlweis 1912 mit der Erzählung Der Zauberlehrling. Zu ihren weiteren Werken, zählen Die Insel der Diana (1919), Das Gastmahl auf Dubrowitza (1921), Amor und Psyche auf Reisen (1928) sowie als letzter Roman Schwindel (1931). In etlichen ihrer oft satirischen Werke, in denen sich „der Effekt des Komischen“ allerdings immer wieder „im irritativen Schock des Grotesken [verflüchtigt]“ (Spreitzer, S. 211), lässt sich eine „aktive Freudrezeption“ (ebd., S. 45) nachweisen. In dem 1929 erschienen Roman Ein österreichischer Don Juan wiederum thematisiert sie ähnlich wie auch ihre Schriftstellerkolleginnen Maria Lazar und Mela Hartwig „die Fremdheit der Frau in der eigenen Kultur in einer bis zu diesem Zeitpunkt nicht dagewesenen Radikalität“ (ebd., S. 171). Die österreichische Literaturwissenschaftlerin Spreitzer sieht „in der Darstellung der Frauenfiguren des Romans [Schwindel] insgesamt Elemente Jelinekscher Ideologiekritik und -zertrümmerung vorweg[genommen]“ (ebd., S. 212)
Als letzte selbständige Publikation der nun bereits exilierten jüdischen Autorin erschien im Jahre 1935 die Biographie ihres im Jahr zuvor verstorbenen Ehmanns. Karlweis sollte ihn um drei Jahrzehnte überleben. Sie starb am 2. November 1965 in Lugano.

Angaben nach
Johann Sonnleitner: Zerfallende Zinshäuser und zerbröckelnde Familien. In: Marta Karlweis: Schwindel. Geschichte einer Realität. DVB Verlag: Wien 2017. S. 205-237.
Brigitte Spreitzer: Texturen. Die österreichische Moderne der Frauen. Passagen Verlag, Wien 1999.
Renate Wall: Marta Karlweis. In: dies.: Lexikon deutschsprachiger Schriftstellerinnen im Exil. Haland & Wirth, Gießen 2004. S. 181-182.
August 2017

R.L.

Artikel über Marta Karlweis in literaturkritik.de:

Zwischen inszeniertem Wohlstand und existentem Elend.
In „Das Gastmahl auf Dubrowitza“ illustriert Marta Karlweis die Inspektionsreise Katharinas der Großen und die Maskerade der Potemkinschen Dörfer
Von Caroline Liss
Ausgabe 05-2018

Lumpenbürgertum.
Eine Neuausgabe von Marta Karlweis’ Roman „Schwindel“
Von Rolf Löchel
Ausgabe 09-2017

Psychoanalyse im attraktiven literarischen Gewand.
Marta Karlweis’ Sittengemälde des Bürgertums der Habsburgermonarchie wiederentdeckt
Von Julian Köck
Ausgabe 03-2016




Aktualisiert am 2017-08-20 12:20:59
 
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