Wilhelm Solms über „Zigeunerbilder deutscher Dichter“

Besprochene Bücher / Literaturhinweise

Wilhelm Solms, Mitbegründer und Vorsitzender der Gesellschaft für Antiziganismusforschung, hat als Literatur- und Kulturwissenschaftler bereits etliche Bücher und Aufsätze über Zigeunerbilder in der Geschichte der deutschen Literatur, über politischen, kirchlichen, wissenschaftlichen und vulgären Antiziganismus sowie über die Erzählkultur der Sinti und der Roma veröffentlicht. Sein jüngstes Buch mit dem Titel „Zwei Zigeuner, schwarz und gräulich“. Zigeunerbilder deutscher Dichter fasst seine Forschungen in knapper Form zusammen, setzt sie fort und gewinnt vor dem Hintergrund gegenwärtiger Flüchtlings- und Antisemitismusdebatten erneute Aktualität.

Das Titel-Zitat ist dem 1910 erschienen Kinderbuch Die Zigeunerfrieda von Georg Dennler entnommen, in dem auch der Vers steht: „Denn sie rauben sehr geschwind jedes böse Gassenkind“. Solms untersucht Zigeunerbilder in der deutschen Literatur und Wissenschaft, indem er anhand von 36 den „Literaturzigeunern“ zugeschriebenen Merkmalen die Verzerrungen, Denunziationen und Romantisierungen darstellt, die die deutsche Literaturgeschichte durchziehen. Die „vielen Eigenschaften, mit denen deutsche Dichter ihre Zigeunerfiguren ausgestattet haben“, tragen, wie Solms einleitend erklärt, „dazu bei, dass sich die überwiegende Mehrheit der Deutschen von den ,Zigeunern‘ abgrenzt.“

Zu den prominenteren Autoren, mit denen sich Solms auseinandersetzt, gehören Luther, Goethe, Eichendorff, Brentano, E.T.A. Hoffmann, Büchner, Mörike, Stifter, Storm, Keller, Gustav Freytag, Fontane, Raabe, Karl May und im 20. Jahrhundert Rilke, Hesse (mit Narziß und Goldmund), Arno Schmidt, Wolfdietrich Schnurre (mit seiner Zigeunerballade) oder Grass. Das letzte Kapitel über „Deutsche Literaturnobelpreisträger und ihre ,Zigeuner‘“ unterscheidet abschließend mit folgenden Zuordnungen zwischen „Zigeunerfeinden“ (Gerhart Hauptmann), „Zigeunerfreunden“ („mit Einschränkung Paul Heyse, Thomas Mann, eindeutig Hermann Hesse, Heinrich Böll, Günter Grass“) und „Antiziganismuskritikern“ („ansatzweise Elias Canetti, eindeutig Elfriede Jelinek, Herta Müller“).

Anmerkung der Redaktion: literaturkritik.de rezensiert grundsätzlich nicht die Bücher von regelmäßigen Mitarbeitern der Zeitschrift, Angehörigen der eigenen Universität oder aus dem Verlag LiteraturWissenschaft.de. Diese Bücher können hier jedoch gesondert vorgestellt werden.

Titelbild

Wilhelm Solms: „Zwei Zigeuner, schwarz und gräulich“ . Zigeunerbilder deutscher Dichter.
(Rote Reihe 107).
Verlag Vittorio Klostermann, Frankfurt a. M. 2018.
134 Seiten , 18,80 EUR.
ISBN-13: 9783465043706

Weitere Rezensionen und Informationen zum Buch