Dieter Lamping über den facettenreichen Lebensweg der vor 250 Jahren geborenen Rahel Varnhagen

Besprochene Bücher / Literaturhinweise

Rahel Varnhagen wurde vor 250 Jahren, am 19. Mai 1771, geboren und fasziniert bis heute: eine emanzipierte Jüdin, die sich taufen ließ, einen deutlich jüngeren nicht-jüdischen Mann heiratete und in Berlin in die Geschichte einging als Salonière, Chronistin und Gesprächspartnerin zahlreicher Künstler und Philosophen, darunter die Gebrüder Humboldt, Fichte, Hegel und Schleiermacher. Heine nannte sie die „geistreichste Frau des Universums“, für Goethe war sie „eine schöne Seele“ und auch im 21. Jahrhundert lassen sich von ihr immer noch trefflich „Sprüche pflücken“, zum Beispiel: „Auf frischen, kleinen, abstrakten Wegen wollen wir gehen: und auch auf diesen noch dem Wolkenspiel folgen, den Lichtzauber genießen, und auch dem Dunkel, wenn es reizt, nachziehen!“

Einen ihrer häufig zitierten „Sprüche“ hat Dieter Lamping seinem Porträt Rahel Varnhagens als Motto vorangestellt: „Was machen Sie? Nichts. Ich lasse das Leben auf mich regnen.“ Der letzte Satz ist zum Untertitel des Buches (mit Grafiken von Simone Frieling) geworden. Lamping zeichnet in ihm ihren facettenreichen Lebensweg nach, auch als einer bedeutenden Chronistin Berlins – von der Besetzung durch Napoleons Truppen bis zur Cholera von 1831/32. Im Mittelpunkt steht dabei ihr Versuch der Selbstfindung als Menschenfreundin und Wohltäterin jenseits aller Konventionen, mit denen sie sich vor allem in zwei Rollen konfrontiert sah – als Frau und als Jüdin.

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Titelbild

Dieter Lamping: Rahel Varnhagen. Ich lasse das Leben auf mich regnen.
Mit Grafiken von Simone Frieling.
ebersbach & simon, Berlin 2021.
144 Seiten , 18,00 EUR.
ISBN-13: 9783869152288

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