Vorbemerkungen zur August-Ausgabe von literaturkritik.de

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Der Themenschwerpunkt der August-Ausgabe von literaturkritik.de richtet den Fokus auf die Lage der Kultur im öffentlich-rechtlichen Medienkontext. Ausgangspunkt dafür war Herbert Hovens Kritik der gegenwärtigen Literaturkritik im öffentlich-rechtlichen Radio, der bereits im April in literaturkritik.de erschien und zahlreiche Reaktionen und Ergänzungen provoziert hat. Hoven prangerte darin die Tendenz zu immer kürzeren und oberflächlicheren Besprechungen an, die als ‚Kritik‘ oft nicht mehr zu bezeichnen sind.

Im vorliegenden Schwerpunkt greift zunächst Sigrid Fischer diese Beobachtung auf und beschreibt ähnliche Problemkomplexe im Bereich der Filmkritik. Nicht nur führe auch hier die Serviceorientierung der Sender zu immer flacheren und knapperen Besprechungen, sondern auch die Nähe der Rezensierenden zu Filmproduzierenden und -verleihenden sowie ihre Abhängigkeit von ihnen sorgten nicht selten für unkritische oder durchweg lobende Auseinandersetzungen mit filmischen Kulturprodukten.

Auch der Wissenschaftsjournalismus im öffentlich-rechtlichen Rundfunk bleibt von diesen Entwicklungen nicht unberührt, wie Anton Argus in seinem Beitrag zum Themenschwerpunkt berichtet. Obwohl seine Kritik weniger scharf ausfällt, unterstreicht er den Trend hin zu stromlinienförmigen, unterhaltenden Formaten, deren Machart meist auf Kosten einer genaueren Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Thema geht.

Im Interview beschreibt darüber hinaus der Drehbuchautor Volker A. Zahn, wie sich diese eher geringschätzende Einstellung zu Kulturformaten auch in den Arbeitsbedingungen für Filmschaffende im öffentlich-rechtlichen Bereich niederschlägt, wo sowohl um Honorare als auch die Rechte am eigenen Werk gerungen werden muss.

Den Schwerpunkt beschließt Herbert Hoven, der diesen Aspekt der Würdigung kulturkritischer Erzeugnisse in einer Anekdote augenzwinkernd auf den Punkt bringt.

So unterschiedlich die Bereiche des Kulturbetriebs auch sind, aus denen die Beiträge stammen, eint sie doch das Bild, das sie von Kulturformaten im öffentlich-rechtlichen Rundfunk und vom ÖRR selbst zeichnen: Redaktionsseitig herrscht eine Orientierung am Geschmack eines möglichst großen Publikums mit schrumpfender Aufmerksamkeitsspanne vor, die sich in einer qualitativen Verwässerung kulturkritischer Formate und einer zunehmenden Prekarisierung kulturbezogener Tätigkeitsfelder niederschlägt. Fundament dieser Orientierung scheinen der Fokus auf Quoten und Massengeschmack sowie die damit verbundene große Bedeutung von Marktmechanismen zu sein, von denen der ÖRR seiner Grundidee nach eigentlich möglichst befreit sein sollte. Anstehende Programmreformen und der steigende Einfluss KI-generierter Erzeugnisse geben leider keinen Anlass zu der Hoffnung, dass sich diese Entwicklung zeitnah umkehrt.

 

Jonas Heß für die Redaktion