Zum 50. Todestag von Ludwig Marcuse: Erinnerung an einen Beitrag von Dieter Lamping zu Marcuses 125. Geburtstag

Vor 50 Jahren, am 2. August 1971, ist der deutscher Philosoph und Schriftsteller Ludwig Marcuse in Bad Wiessee gestorben. Zu seinem 125. Geburtstag haben wir in literaturkritik.de einen ausführlichen Beitrag über ihn von Dieter Lamping veröffentlicht. Er geht am Ende auf den Nachruf auf Ludwig Marcuse ein, den dieser selbst 1969 über sich veröffentlichte:

Liest man den Auto-Nekrolog und die Autobiographie zusammen mit den Biographien, die Marcuse geschrieben hat, dann erkennt man ein zentrales, wenn nicht das zentrale Motiv seines Werks: die gedankliche, auch philosophische Würdigung der geistigen Individualität und des individuellen Lebens, und zwar sowohl eigenen wie fremden Lebens in seiner nicht reduzierbaren Komplexität.

Diese Bemühung schloss auch den Umgang mit dem Tod ein, den Marcuse, ganz empirisch, als „Ab-Leben“ beschrieben hat. So wie er, genau und unfeierlich, hat vor ihm kaum einer vom Ende seines Lebens gesprochen. Die letzten Sätze des Nachrufs auf Ludwig Marcuse machen diese Haltung deutlich:

Über den Gräbern blüht es herbstlich. Auf dem einen Stein steht nur ein Wort, das sie mehr liebte als irgendein anderes: together. Es fehlt nur noch sein Name; denn Ordnung muß sein. Von ihr ein Weilchen geschützt, wird das Unordentliche darunter zerfallen, das, neben Milliarden, neben unverwechselbaren Milliarden, seine unike Unordnung gewesen ist, wie sie (im schwachen Abglanz der Worte) hier noch einmal aufflackerte.

Mit diesen lakonischen Sätzen zwischen Schmerz und Klarsicht, Wehmut und Nüchternheit hat sich Marcuse zwar nicht vom Leben, doch von seinen Lesern und der Literatur verabschiedet.

Wer Jahrzehnte später vor seinem Grab auf dem Friedhof von Bad Wiessee über dem Tegernsee steht, mag sich wundern über den unbehauenen, grauen Stein, auf dem nur zwei Namen und ein Wort stehen:

Ludwig
Sascha
Marcuse
Together

Nichts weiter: kein Datum, kein Ortsname, kein frommer Spruch – kein Hinweis darauf, dass dies das Grab eines deutschen Schriftstellers und seiner Frau ist.

Mit der schlichten Gestaltung des Grabsteins hat Marcuse sich allerdings in eine Tradition gestellt. In seiner Heine-Biographie, deren sechstes Kapitel über „Henri und Mathilde“ die Widmung trägt: „Für Sascha. Der Heimat in der Verbannung“, heißt es am Ende: Der „schmucklose Stein auf dem Grabe Heines war ein echtes Denkmal der Liebe“. Das war er auch in Marcuses Fall.