Zum Tod von Jürgen Habermas
Auch aus dem Archiv von literaturkritik.de
Von Thomas Anz
Heute, am 14. März 2026, ist Jürgen Habermas im Alter von 96 Jahren in Starnberg bei München gestorben. Das hat der Suhrkamp Verlag unter Berufung auf seine Familie mitgeteilt. Zu seinem 95. Geburtstag am 18. Juni 2024 hatten wir Habermas herzlich gratuliert – „mit bleibendem Dank auch für zwei Beiträge von ihm, die wir in literaturkritik.de 2006 (über Wolfgang Abendroth, bei dem er sich 1961 an der Universität Marburg zum Thema Strukturwandel der Öffentlichkeit habilitiert hatte) und 2020 (über Marcel Reich-Ranicki) veröffentlichen durften. Zu danken haben wir ihm weiterhin für manche Anregungen, die unsere Zeitschrift seit 1999 mit geprägt haben.“ Siehe dazu auch unsere Vorbemerkungen zu seinem 90. Geburtstag, in denen die Hinweise stehen:
Jürgen Habermas, der am 18. Juni 2019 seinen 90. Geburtstag feiert, habilitierte sich 1961 an der Universität Marburg mit der dort von Wolfgang Abendroth betreuten und im Jahr darauf erschienenen Schrift Strukturwandel der Öffentlichkeit. Untersuchungen zu einer Kategorie der bürgerlichen Gesellschaft. In Rahmen einiger Beiträge der Mai-Ausgabe 2006 von literaturkritik.de zum 100. Geburtstag von Abendroth haben wir ihm dafür gedankt, dass wir seine Grußworte zu einer damaligen Veranstaltung in Frankfurt über Abendroth veröffentlichen durften. Zu verdanken hat ihm unsere Zeitschrift, die vor zwanzig Jahren in den Anfängen eines neuen, medientechnisch bedingten „Strukturwandels der Öffentlichkeit“ entstanden ist, aber weit mehr. Von dem weltweiten Einfluss des Sozialphilosophen, dessen Habilitationsschrift sich nicht zuletzt der „literarischen Öffentlichkeit“ und ihren Leistungen seit der frühen Neuzeit widmete und der später mit seinen kommunikations-, rechts-, religions- und staatstheoretischen Werken an den jüngeren Entwicklungen der Kulturwissenschaften maßgeblichen Anteil hatte, ist auch literaturkritik.de geprägt worden. Und wenn heute in heftigen Debatten, an denen wir uns gelegentlich beteiligen, zunehmend mit polemisch simplifizierenden Gegenüberstellungen von Fakten und Fakes oder Wahrheiten und Fiktionen operiert wird, kann Habermas‘ „Konsenstheorie der Wahrheit“ nach wie vor zu weit differenzierteren Unterscheidungen anleiten.
In literaturkritik.de sind bisher u.a. folgende Beiträge über Jürgen Habermas erschienen:
Der bescheiden hermetische Aufklärer der Bundesrepublik
Das Werk „Es müsste etwas besser werden“ von Stefan Müller-Doohm und Roman Yos über Jürgen Habermas zeigt einmal mehr die Schwierigkeit der Vermittlung des berühmtesten Philosophen Deutschlands
Von Stephan Wolting
Ausgabe 12-2024Demokratie in Zeiten des Populismus.
Jürgen Habermas schreibt den „Strukturwandel der Öffentlichkeit“ in die Twitter-Moderne weiter
Von Walter Delabar
Ausgabe 02-2023Marx, Habermas und Popper irrten, Max Weber ein wenig.
Was der Fall Afghanistans und der zwanzigste Jahrestag von „9/11“ bedeuten
Von Dirk Kaesler
Ausgabe 09-2021Auch keine Geschichte der Philosophie.
Jürgen Habermas‘ zweibändige Genealogie nachmetaphysischen Denkens
Von Maximilian Huschke
Ausgabe 04-2021Reden über Marcel Reich-Ranicki und Jürgen Habermas im Dezember 1999
Ausgabe 05-2020Vor dem 90. Geburtstag von Jürgen Habermas: aus dem Archiv von literaturkritik.de
Ausgabe 06-2019Ein herausfordernder Meisterdenker und Weltbürger.
Zum 90. Geburtstag von Jürgen Habermas erscheinen vier gewichtige Publikationen zur internationalen Wirkungs- und Ideengeschichte seines Werks
Von Dieter Kaltwasser
Ausgabe 06-2019Vorbemerkungen zur Juni-Ausgabe 2019 – Von Habermas über Luhmann zum Themenschwerpunkt „Liebe“
Ausgabe 06-2019Zum 85. Geburtstag von Jürgen Habermas: aus dem Archiv von literaturkritik.de
Ausgabe 06-2014Streitbarer Philosoph und öffentlicher Intellektueller.
Zum 85. Geburtstag von Jürgen Habermas erscheint die bislang umfassendste Biographie des Philosophen
Von Dieter Kaltwasser
Ausgabe 06-2014Plädoyer für eine europäische Solidarität.
Jürgen Habermas veröffentlicht mit „Im Sog der Technokratie“ den letzten Band seiner „Kleinen Politischen Schriften“
Von Dieter Kaltwasser
Ausgabe 09-2013Selbstvergewisserung des philosophischen Denkens.
Jürgen Habermas veröffentlicht nach einem Vierteljahrhundert den zweiten Band „Nachmetaphysisches Denken“
Von Dieter Kaltwasser
Ausgabe 12-2012Über die zivilisierende Kraft der Demokratie.
Jürgen Habermas macht sich in einem neuen Essay Gedanken zur Verfassung Europas
Von Dieter Kaltwasser
Ausgabe 08-2012System und Lebenswelt.
Stefan Müller-Doohm beschreibt Leben, Werk und Wirkung von Jürgen Habermas
Von Mario Wenning
Ausgabe 09-2009Niklas Luhmanns rätselhaftes Gastspiel im Zentrum Kritischer Theorie.
Über eine abgebrochene Spurensuche – mit einer Nachbemerkung zu Jürgen Habermas’ Stil wissenschaftlicher Kommunikation
Von Thomas Anz
Ausgabe 06-2009„Religiös unmusikalisch“.
Anmerkungen zum Verhältnis von Jürgen Habermas zu Max Weber
Von Dirk Kaesler
Ausgabe 06-2009Was schätzen Sie an Jürgen Habermas am meisten?
Antworten auf eine Umfrage
Von Thomas Anz
Ausgabe 06-2009Kommunikative Vernunft und politische Öffentlichkeit.
Zum 80. Geburtstag von Jürgen Habermas
Von Antje Gimmler
Ausgabe 06-2009Religion in der Moderne.
Zur Auseinandersetzung von Jürgen Habermas mit naturalistischen Weltbildern der Wissenschaft und religiösen Orthodoxien
Von Hans Joas
Ausgabe 12-2005Christen und wir.
Gedanken zu Ratzinger, Habermas, Wieland, Lessing und zur Achtung vor Religiosität
Von Jan Philipp Reemtsma
Ausgabe 12-2005Der göttliche Vater und die Vergewaltigung der Welt.
Wie Kafka, Rilke und andere Autoren der Moderne Kierkegaard lasen – mit Vorbemerkungen zur Bedeutung des Religionsphilosophen für Jürgen Habermas
Von Thomas Anz
Ausgabe 12-2005Ein Sammelband zu Habermas´ „Strukturwandel der Öffentlichkeit“
Ausgabe 01-2004Entscheidende Schritte zum kommunikativen Handeln.
Walter Reese-Schäfers Einführung in die Philosophie von Jürgen Habermas
Von Hannelore Piehler
Ausgabe 05-2003Zehn weitere Alternativen zu Habermas.
Joseph Jurt präsentiert Facetten des französischen Denkens
Von Johan Frederik Hartle
Ausgabe 01-2002Jürgen Habermas zwischen Wahrheit und Rechtfertigung.
Für einen Realismus der Alltagspraxis
Von Antje Gimmler
Ausgabe 03-2000Defizite der deutschen Philosophie.
Sloterdijk, Heidegger und die Habermas-Schule
Von Silvio Vietta
Ausgabe 10-1999













