Inhaltsverzeichnis der Ausgabe Nr. 7, Juli 2022

Schwerpunkt: Ingeborg-Bachmann-Preis 2022

Same same but different?
Nach zwei Jahren digitaler Ersatzformen finden die 46. Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt am Wörthersee wieder in Präsenz statt
Von Bozena Anna Badura

Über die Grenzen der Literaturkritik
Der zweite Vorlesetag des Bachmannpreises in Klagenfurt
Von Bozena Anna Badura

Der dritte Lesetag endet mit Humor
Alle Texte der 46. Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt am Wörthersee sind vorgetragen – nun wird über den Gewinnertext entschieden
Von Bozena Anna Badura

Die „Wechselkröte“ gewinnt den Bachmannpreis 2022
Ana Marwan überzeugt die Jury mit ihrem feinen Porträt einer Eremitin
Von Bozena Anna Badura

Jubiläen, Preise und Gedenktage

Prosa als fehlender Rest
Zum 90. Geburtstag des Georg-Büchner-Preisträgers Jürgen Becker am 10. Juli
Von Peter Mohr

Friedenspreis des Deutschen Buchhandels für den ukrainischen Schriftsteller und Musiker Serhij Zhadan: Hinweise auch aus dem Archiv von literaturkritik.de

Zum Tod von Johannes Willms: Hinweise auch aus dem Archiv von literaturkritik.de – und mit einer Erinnerung von Marcel Reich-Ranicki

Editionen und Neuauflagen

Grimm goes Graphic
Henrik Schrat bebildert Grimms Märchen neu und katapultiert sie ins Heute
Von Peer Jürgens

Philosophin und Playgirl
Susan Taubes’ herrlich verrückter autobiografischer Roman „Nach Amerika und zurück im Sarg“ über eine Frau, die in einer patriarchalen Welt nach ihrer weiblichen Identität sucht, in einer Neuausgabe
Von Oliver Pfohlmann

Dient Fiktivität Faktizität?
Ben Roegs Essays über „Große Frauen“ erscheinen in zweiter Auflage
Von Rolf Löchel

Wutbürger? Pornograf? Kenner der Kulturen!
Zwei Bände mit packenden Texten des vor 100 Jahren gestorbenen Schriftstellers Oskar Panizza sind erschienen
Von Martin Lowsky

Das Prachtexemplar eines Löwen
Die Feuilletons des baltischen Grafen Eduard von Keyserling: Glanzstücke der Kunstkritik
Von Johann Holzner

Deutschsprachige Literatur

„Lateinamerika hat die Tendenz, sich in Literatur aufzulösen“
Ein Gespräch mit Stefan Kutzenberger
Von Sascha Seiler

Franz Lindners letzte Aufzeichnungen
Mit dem posthum erschienen Roman „Die Imker“ vollendet der Österreicher Gerhard Roth (1942–2022) sein gewaltiges Oeuvre
Von Beat Mazenauer

Paddeln in Dunkeldeutschland
In Dirk Kurbjuweits Roman „Der Ausflug“ wird aus der Kanutour von vier Freunden ein Kampf ums Überleben
Von Dietmar Jacobsen

Der Elefant vergisst nicht
„Zum Himmel, zur Hölle, zum Mehrwert“: Peter Laudenbach im Gespräch mit Alexander Kluge
Von Rebecca Hohnhaus

Teilnehmende Beobachtung: kein Platz für Esther
In Alexandra Riedels „Sonne Mond Zinn“ tanzt die Sehnsucht nach dem Ich im Du zwischen Toten
Von Sabrina Huber

Streitschrift für eine menschliche Welt
Marlene Streeruwitz’ engagiertes „Handbuch gegen den Krieg“ ist auch eine Bilanz ihres kritischen Denkens
Von Stefan Neuhaus

Der schmale Grat der Gegenwart
In „Zukunftsmusik“ erzählt Katerina Poladjan vom Drahtseilakt zwischen Vergangenem und Zukünftigem
Von Anne Amend-Söchting

Verstörendes Kleinstadtbiotop
Kristine Bilkaus Roman „Nebenan“ über Wandel von Mensch und Ort
Von Peter Mohr

Selfies aus dem Untergrund
In Heike Geißlers Roman „Die Woche“ wird es immer wieder Montag in Leipzig
Von Dietmar Jacobsen

Ein tollkühner Erpresser
Jens Eisel macht in „Cooper“ aus einer wahren Geschichte aus dem Jahr 1971 ein literarisches Lehrstück über Wagemut und Verzweiflung
Von Dietmar Jacobsen

Ästhetisch die Welt retten?
Volker Demuth entdeckt angesichts der Ökokrise „Unruhige Landschaften“ und hofft auf poetische Sprache
Von Sönke Abeldt

Keine Helden der Arbeit
Brandblase, Krücke und der Ihmsche in Torsten Schulz‘ Heimatroman „Öl und Bienen“
Von Helmut Sturm

Mord an einer Sopranistin
H. Dieter Neumann bringt ein „Todeslied“ zum Klingen
Von Rainer Rönsch

Geheimer Legationsrat aus Preußen und englischer Blaustrumpf in den Fängen des pädagogischen Eros
Peter Sprengel erzählt die Geschichte von August von Varnhagens Briefwechsel mit Charlotte Williams Wynn
Von Karin S. Wozonig

Eva oder Petra, das ist hier die Gretchenfrage
Isabel Rohners Kicherkrimi „Schwarze Petra“ erörtert nicht nur feministische Fragen, sondern brilliert auch mit Witz und Humor
Von Rolf Löchel

Mehr sein als nur die erste Geige
Flavia Scuderi und Alessandro Ferrari stellen Marlene Dietrichs Leben grafisch nach
Von Stefan Cernohuby

Die Kunst des Nebenbei oder des Währenddessen
Der Autor, Musiker, Musikkabarettist und Tausendsassa Rainald Grebe macht in dem autobiographischen und poetischen Bilderbuch „Rheinland Grapefruit“ seine unheilbare Krankheit zum Thema
Von Stephan Wolting

Fremdsprachige Literatur

Postmoderner Auferstehungsmythos
Mit „Anna In“ führt Olga Tokarczuk ihre Lesegemeinde zu den großen Dichotomien des Daseins, poetisch neu übersetzt von Lisa Palmes
Von Marcus Neuert

Der andere Blick
In seinem Roman „Ferne Gestade“ bettet Abdulrazak Gurnah eine Familienfehde in einen kolonialistischen Kontext ein
Von Beat Mazenauer

Der Kreislauf des Lebens und das gefährlichste Raubtier
Lorena Salazar ist mit „Der Fluss ist eine Wunde voller Fische“ ein Romandebüt voll verstörender Schönheit gelungen
Von Swen Schulte Eickholt

Lob der Demokratie, Kritik an Männern
Die japanische Literatin Akiko Yosano erörtert in ihren Essays aus den Jahren 1911-1930 zeitkritische Themen und erscheint dabei ebenso kosmopolitisch wie aktuell
Von Lisette Gebhardt

Vielschichtiges Romandebüt zwischen den Kulturen
In „Die letzten Strahlen eines Sterns“ erzählt und verschränkt Amanda Lee Koe die Lebensgeschichten von drei weltberühmten Schauspielerinnen und greift dabei auch zentrale gesellschaftliche Themen unserer Zeit auf
Von Karsten Herrmann

Das ist speziell
Patrick Leigh Fermor schreibt in „Eine Zeit der Stille“ von innerem Frieden, Verstörung und leeren Labyrinthen in Klöstern
Von Kai Sammet

Queer auf Russisch
Mikita Franko erzählt in seinem Debütroman „Die Lüge“ am Beispiel einer Regenbogenfamilie, wie wichtig es ist, sich selbst anzunehmen
Von Nora Eckert

Von der Schuld der Unumerziehbaren
In dem fulminanten Werk „Stunden aus Blei“ treibt Radka Denemarková sich und ihre Leser in ein gewaltiges Labyrinth menschlicher Unzulänglichkeiten
Von Volker Strebel

Herzschlag im Gold
Erik Fosnes Hansens märchenhafter Roman „Zum rosa Hahn“
Von Peter Mohr

Zwischen Karma und Trauma
Seishû Hase erzählt in „Tamons Geschichte“ von der langen Wanderung und den Wohltaten eines Hundehelden
Von Lisette Gebhardt

Rache als unzuverlässige Projektierung
In „Ambivalenz“ führt Amélie Nothomb aus, warum es müßig ist, an altem Zorn festzuhalten
Von Anne Amend-Söchting

Ebenso packend wie erschütternd
Maria Kjos Fonn erzählt in „Heroin Chic“ auf fesselnde Weise vom Absturz eines behüteten Wohlstandkindes in Rausch, Abhängigkeit und Selbstzerstörung
Von Karsten Herrmann

Russland: Friedhof und Strafkolonie
Die russische Autorin Irina Rastorgueva blickt in „Das Russlandsimulakrum“ hinter die Fassaden des Potemkinschen Dorfes Russland und findet Tote, Gefangene, Verzweiflung und Simulacren
Von Kai Sammet

Kein Eheglück für Yingzhi
Die chinesische Autorin Fang Fang schildert, wie „Wütendes Feuer“ eine ihr Todesurteil erwartende junge Frau zu verschlingen droht
Von Rainer Rönsch

Literaturwissenschaft

Alfred Döblin als Literat und Philosoph
Michael Storchs Buch „Anthropologie als Engagement“ wirft einen erhellenden Blick auf Alfred Döblins Frühwerk
Von Rolf Löchel

Das Große japanisch-deutsche Wörterbuch
Ein japanistisch-germanistisch-lexikologisches Jahrhundertwerk ist erschienen
Von Matthias Koch

Wissen, Medien und Publizistik
Nikolaus Henkel legt ein umfassendes intellektuelles Portrait von Sebastian Brant, einem der einflussreichsten Autoren der Frühen Neuzeit, vor
Von Michael Rupp

Inselträume im Südmeer
Zweifach gespiegelt von Julia Meier in ihrer Studie zum Roman „Die Inseln im Südmeere“ von Adam Oehlenschläger im Vergleich mit der „Insel Felsenburg“ von Johann Gottfried Schnabel
Von Ulrich Klappstein

Tiere sind die besseren – oder zumindest andere – Menschen
Michael Schilling beschreibt das „Sprechen und Erzählen in deutscher und lateinischer Tierdichtung vom 11. bis 17. Jahrhundert“
Von Jörg Füllgrabe

Claudia Erdheim über „Absurdes, Komisches, Abstoßendes und Irritierendes in der Literatur“

Zweiter Tagungsband über Goethes Liebesbeziehungen im Spiegel seiner Werke

Friedhelm Rathjen inventarisiert Arno Schmidts Rezeption deutschsprachiger Literatur der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts

Kultur- und Medienwissenschaft

Den Tod wieder sichtbar machen
Corina Caduff vereint in ihrem Band „Sterben und Tod öffentlich gestalten“ interdisziplinäre Zugänge zum Tod in seiner kulturellen Dimension
Von Michael Fassel

Weltflucht ade!
Stefan Ripplinger erklärt in seinem Essay „Der Schirm“ an Beispielen aus der Literatur, dass noch keine Einsamkeit einen Menschen von seiner Weltabhängigkeit befreit hat
Von Nora Eckert

Ein genaueres, hoffnungsfrohes Bild der Weltgeschichte
David Graeber und David Wengrow vermitteln neue Zugänge aus anthropologischer und archäologischer Sicht
Von Ulrich Klappstein

Steiniger Weg zum guten Stoff
Um „Knotenpunkte von Textilkunst und Epigraphik“ geht es in einem von Tanja Kohwagner-Nikolai, Bernd Päffgen und Christine Steininger herausgegebenen Tagungsband
Von Alissa Theiß

Geschichte, Politik, Soziologie und Philosophie

Der kurze Weg zur ukrainischen Identität
Von Claudia Erdheim

Der Grauseher
Peter Sloterdijk setzt in „Wer noch kein Grau gedacht hat“ eine unscheinbare Unfarbe geistreich in Szene
Von Nico Schulte-Ebbert

Welten aus Willen und Vorstellung?
Ein von Jürgen Sarnowsky herausgegebener Band fasst verschiedene Beiträge zu „Wahrnehmung und Realität“ in „Vorstellungswelten des 12. bis 17. Jahrhunderts“ zusammen
Von Jörg Füllgrabe

Wir sind alle sterblich
Die Historiker Dietmar Süß und Cornelius Torp skizzieren eine Geschichte der „Solidarität“ vom 19. Jahrhundert bis zur Corona-Krise
Von Kai Sammet

Das bedrängte Leben
Matthias Bormuths Studien zum suizidalen Denken unter dem Titel „Ambivalenz der Freiheit“ loten Potenziale und Risiken der Handlungsfreiheit aus und spannen dazu einen weiten Bogen von der Antike bis heute
Von Simon Scharf

Zurück zu den Ursprüngen
In „Spätmoderne in der Krise. Was leistet die Gesellschafstheorie?“ diskutieren Andreas Reckwitz und Hartmut Rosa theoretische Analysen und praktische Möglichkeiten des Umgangs mit Problemen moderner Gesellschaften
Von Gertrud Nunner-Winkler